Schlagwort-Archiv: Schilddrüsentherapie

Ermittlung der individuell richtigen Schilddrüsenhormondosis

Schilddrüsenhormone  müssen täglich, entweder 30 Minuten vor dem Frühstück oder unmittelbar vor dem Schlafengehen, eingenommen werden.

Die Einstellung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat ist eine langwierige Angelegenheit die sich normalerweise über mehrere Monate – in Einzelfällen sogar ein bis zwei Jahre – hinzieht.

Initialdosis

Zunächst wird die Initialdosis (auch: Aufsättigungs- oder Anfangsdosis) ermittelt. Als grobe Richtschnur wird dabei von einem Schilddrüsenhormonbedarf von ein bis zwei Mikrogramm Levothyroxinnatrium pro Kilogramm Körpergewicht ausgegangen.

Diese Initialdosis ist normalerweise höher als die später notwendige Erhaltungsdosis, damit möglichst schnell eine Besserung des Befindens erreicht wird. Im Hinblick darauf ist jedoch zu berücksichtigen, dass Schilddrüsenhormone aufgrund möglicher unangenehmer Erstreaktionen einschleichend dosiert werden müssen. Ermittlung der individuell richtigen Schilddrüsenhormondosis weiterlesen

Rezepturänderung von Levothyrox®

Nachfolgend finden Sie deutschsprachige Informationen zur im März 2017 erfolgten Rezepturänderung von Levothyrox® (pharmazeutischer Hersteller: Merck KGaA) in Frankreich. Das französische Levothyrox® entspricht dem deutschen Euthyrox®.

Hauptwirkstoff von Levothyrox® ist unverändert Levothyroxinnatrium, aber der Zusatzstoff Laktose wurde durch Zitronensäure und Mannitol ersetzt. Diese Rezepturänderung hat offenbar zu teilweise erheblichen Unverträglichkeitsreaktionen bei zahlreichen, französischen SchilddrüsenpatientInnen geführt. Die genauen Zusammenhänge konnten allerdings noch nicht geklärt werden. Kritisiert wird im Hinblick darauf insbesondere auch die Informationspolitik des Pharmaunternehmens welches weder Ärztinnen noch PatientInnen im Vorfeld über die Rezepturänderung sowie mögliche Folgen aufgeklärt hat.

Über die Gründe für die Rezepturänderung kann derzeit ebenfalls nur spekuliert werden. Der Patentschutz für Euthyrox® endet im Mai 2019 – von daher ist denkbar, dass sich die Merck KGaA die vermeintliche Innovation patentieren lassen könnte, um den ablaufenden Patentschutz dadurch zu verlängern und/oder höhere Preise durchsetzen zu können. Im November 2016 hat die Merck KGaA außerdem eine neue Produktionsstätte in Nantong/China (https://www.merckgroup.com/de/news/nantong-04-11-2016.html) eingeweiht. Dort wird u.a. Euthyrox® produziert. Von daher kann es eventuell auch um eine Senkung der Herstellungskosten z.B. durch billigere – aber eventuell qualitativ schlechtere – Rohstoffe und damit eine Gewinnsteigerung gehen.


Externe Links:


Im April 2018 wurde dann auch in der Schweiz das Medikament Euthyrox® in der neuen Zusammensetzung auf den Markt gebracht. Das Pharmaunternehmen Merck KGaA hat dieses Mal eine Internetseite (www.euthyrox.ch) für SchilddrüsenpatientInnen eingerichtet. Um die Inhalte vollständig sehen zu können braucht man allerdings die LOT-Nummer von einer der neuen Euthyrox®-Packungen.

Es ist davon auszugehen, dass das in seiner Zusammensetzung geänderte Schilddrüsenhormonpräparat zukünftig in weiteren Ländern Europas – also auch in Deutschland – auf den Markt gebracht wird.

→ Übersicht: Hilfsstoffe aller gängigen deutschen Schilddrüsenhormonpräparate (PDF)

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Kurz erklärt: Galenik & Bioverfügbarkeit

Unter Galenik versteht man die Herstellung und Zusammensetzung von Arzneimitteln. Ein Arzneimittel besteht immer aus mindestens einem Wirkstoff und meist mehreren Hilfsstoffen. Die Hilfsstoffe dienen dazu den Wirkstoff in eine bestimmte Darreichungsform (Tablette, Kapsel, Tropfen, Salbe usw.) zu bringen die der Patientin/dem Patienten verabreicht werden kann.

Die Bioverfügbarkeit gibt an in welcher Zeit und in welchem Umfang der Wirkstoff aufgenommen wird. Die Aufnahme (Resorption) des Wirkstoffes ist von den verwendeten Hilfsstoffen und der gewählten Darreichungsform abhängig, so dass Arzneimittel auch bei einem exakt gleichen Wirkstoff in der gleichen Dosisstärke unterschiedlich wirken können.

L-Thyroxin-Einnahme … darauf sollten Sie beim Frühstück besser verzichten!

Abführmittel (Laxantien) können die Wirkung von L-Thyroxin-Präparaten zunichte machen.

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Quelle: pixabay.com / User: mandarinMD / Titel: yogurt-2408029_960_720 / Lizenz: CC0

Eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) geht meistens mit einer quälenden Verstopfung sowie hartnäckigem Übergewicht einher. Deshalb greifen etliche SchilddrüsenpatientInnen zu ballaststoffreichen Lebensmitteln und/oder natürlichen Abführmitteln.

Verdauungsfördernde Nahrungsmittel:

  • Milchprodukte (Molke, Kefir)
  • Weizenkleie, Leinsamen, Flohsamen
  • Enzymgetränke (Brottrunk, Kombucha)
  • Trockenobst (Pflaumen)
  • Rhabarber-, Rote Beete-, Sauerkraut-Saft
  • Sennesblättertee
  • Glauber-, Bittersalz

Insbesondere die weit verbreitete Erhöhung des Ballaststoffanteils soll für eine gesunde Darmflora sorgen, die Darmaktivität fördern, die Ausscheidung von vermeintlichen Stoffwechselgiften begünstigen, die Darmentleerung beschleunigen und so letztendlich die ersehnte Gewichtsabnahme unterstützen.

Im Hinblick darauf wird allerdings oft vergessen, dass die Aufnahme von L-Thyroxin einige Zeit beansprucht. Die Darmpassage in diesem Zeitfenster gezielt zu beschleunigen ist deshalb kontraproduktiv. Die Schilddrüsenhormone würden nicht vollständig aufgenommen und teilweise sogar ungenutzt mit dem Stuhl einfach wieder ausgeschieden. Deshalb ist es wichtig, dass zwischen der L-Thyroxin-Einnahme und einer sehr ballaststoffreichen Mahlzeit bzw. der Einnahme von Abführmitteln immer einige Stunden liegen.

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Unverträglichkeit der Zusatzstoffe: Gibt es L-Thyroxin-Präparate für Allergiker?

Allergien gegen die Zusatzstoffe in den handelsüblichen L-Thyroxin-Präparaten sind sehr selten. Im Einzelfall kann es aber sinnvoll sein die unterschiedlichen auf dem Markt erhältlichen Schilddrüsenhormonmedikamente auszuprobieren.

→ L-Thyroxin: Welche Präparate gibt es? Welcher Hersteller ist am besten?

Im Hinblick darauf sei insbesondere auf die L-Thyroxin-Präparate in flüssiger Form (Eferox® Lösung zum Einnehmen aus Deutschland, L-Thyroxin Henning® Tropfen aus Deutschland sind momentan nicht lieferbar, L-Thyroxine Serb® aus Frankreich) sowie die L-Thyroxin-Gelkapseln → Tirosint® aus der Schweiz verwiesen. Unverträglichkeit der Zusatzstoffe: Gibt es L-Thyroxin-Präparate für Allergiker? weiterlesen

Lieferengpässe bei Schilddrüsenpräparaten

In den vergangenen Jahren haben sich die Lieferschwierigkeiten der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH bzgl. der Schilddrüsenpräparate gehäuft. Die möglichen Ursachen dafür beleuchtet der am 06. Januar 2017 auf doccheck.com veröffentlichte Artikel “Lieferengpässe: Wer ist schuld?“.

Siehe dazu auch unter gelbe-liste.de:

  • Lieferengpass L-Thyroxin Henning® Pulver, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Ab 05.01.2017 wieder lieferbar)
  • Lieferengpass Thyrotardin®-inject, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Lieferengpass bis voraussichtlich Ende Februar 2017)
  • Lieferengpass L-Thyroxin Henning® Tropfen, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Seit 13.03.2015 Dauer der Lieferschwierigkeiten ist unbekannt). Siehe dazu auch die zweiseitige Information über Chargenrückrufe mehrerer Chargen L-THYROXIN Henning® Tropfen. ” Zitat: “Die Tabletten können auch in suspendierter Form verabreicht werden. Hierzu lässt man die Tablette [Anm.: L-Thyroxin Henning® 25 Tablette] in etwas Wasser (10 bis 15 ml) zerfallen und verabreicht die entstehende feine Verteilung (sie ist für jede Einnahme frisch  zuzubereiten!) mit etwas weiterer Flüssigkeit (5 bis 10 ml).” (Quelle: www.bfarm.de)
  • Lieferengpass Jodetten Henning 1 x wöchentlich (voraussichtlich 01.07.17 – 01.12.17)