Selen beeinflusst Krankheitsverlauf bei der Hashimoto-Thyreoiditis positiv

Dieser Artikel wurde zuletzt am 11.04.19 aktualisiert.


200 mcg Selenium pro Tablette (365 Tabletten, d.h. 12 Monate für weniger als 20,00 EUR mit dem Spurenelement Selen versorgt) (Amazon-Partnerlink)

Die Gabe von 200 µg Selen täglich kann die für die → Hashimoto-Thyreoiditis typischen Antikörper senken und zu einer Besserung des Wohlbefindens beitragen

Wurde Selen früher wegen seiner Giftigkeit gefürchtet, steht es heute wie kein anderes Spurenelement im Blickpunkt medizinischen Interesses. Als Hauptbestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase wirkt es antioxidativ, indem es durch freie Radikale entstandene schädliche Peroxide abbaut.

Wie wirkt sich Selen auf die Hashimoto-Thyreoiditis aus?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist das Spurenelement Selen auf zweifache Weise nützlich:

1. Das selenabhängige Enzym Jodthyronin-Dejodase ist für die Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 (Speicherform z. B. als Levothyroxinnatrium) in die stoffwechselaktive Form T3 zuständig.

2. Selen kann, fest an das Enzym Glutathionperoxidase gebunden, die spezifischen Antikörper (TPO-AK u. TG-AK) senken. Es wirkt dabei als Antioxidans (Radikalfänger) und verbessert die Funktionsfähigkeit des Immunsystems. Dieser Effekt wurde durch mehrere Studien belegt.

Welche Studien belegen die Wirksamkeit von Selen bei der Hashimoto-Thyreoiditis?

Bei der Athener Studie wurde eine Gruppe von 65 Personen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis im Alter von 21 bis 65 Jahren untersucht. Die Patienten erhielten über einen Zeitraum von 6 Monaten entweder L-Thyroxin plus 200 µg Selen-Methion oder L-Thyroxin plus Placebo. Der TSH-Wert lag zwischen 0,3 und 2,0 mU/l. Die Serum-Selenkonzentrationen stiegen an, blieben aber innerhalb des Normbereichs. Die TPO-AK waren bei der selenbehandelten Gruppe nach 3 Monaten um 46 % abgefallen und nach 6 Monaten um 55 %. Die Konzentrationen der Schilddrüsenhormone blieben unverändert. (L. H. Duntas, E. Mantzou, D. A, Koutras: „Effects of a six month treatment with selenomethionine in patients with autoimmune thyroiditis“, Eur J Endoc 2003, 4 (148): 389 – 393.)

An der Universität München wurde eine Studie bei 70 Patienten mit einer aktiven Autoimmunthyreoiditis durchgeführt. Die untersuchten Patienten wiesen TPO-AK Konzentrationen über 350 IU/ml auf. Alle Patienten wurden mit Levothyroxinnatrium substituiert, so dass ihr TSH-Wert im Normbereich lag. Die Patienten erhielten entweder zusätzlich 200 µg Natrium–Selenit pro Tag oder Placebo für 3 Monate. Bei den Patienten, die Natrium-Selenit erhielten, stiegen die Serum–Selenkonzentrationen signifikant an, blieben aber innerhalb des Normbereiches. Die TPO–AK Konzentrationen fielen im Mittel auf 64% des Ausgangswertes ab. Bei 9 von 36 Patienten normalisierten sich die Antikörper-Konzentrationen sogar vollständig und auch die Schilddrüsensonografie wies keine entzündungsspezifischen Merkmale mehr auf. Das TSH und die Schilddrüsenhormonwerte blieben unter der Selentherapie unverändert. Das Wohlbefinden, evaluiert durch einen Fragebogen zur Befindlichkeit, besserte sich ebenfalls deutlich. Diese Veränderung trat unabhängig vom Verlauf der TPO-AK-Konzentration ein. Nebenwirkungen der Seleneinnahme wurden nicht festgestellt. (R. Gärtner, B. C. Gasnier, J. W. Dietrich, B. Krebs, M. W. Angstwurm: „Selenium deficiency in patients with autoimmune thyroiditis decreases thyroid peroxidase antibodies concentrations“, J Clin Endoc a Metab 2002, 87: 1687 – 1691)

Inzwischen bestätigte eine weitere Studie diese Ergebnisse (O. Turker, K. Kumanlioglu, I. Karapolat, I. Dogan: „Selenium treatment in autoimmune thyroiditis: 9-month follow-up with variable doses“, J Endoc 2006, 1 (190): 151 – 156).

Wissenswertes zum Spurenelement Selen

Mangelursachen:

Die Böden in Deutschland sind sehr selenarm, so dass in Pflanzen, die auf diesen Böden wachsen und damit in unserer Ernährung nur wenig von dem Spurenelement Selen vorhanden ist. Bei allen entzündlichen Erkrankungen – nicht nur der Hashimoto-Thyreoiditis – besteht außerdem ein erhöhter Bedarf, der über die normale Ernährung erst recht nicht mehr gedeckt werden kann.

Mangelsymptome:

Sichtbare Zeichen eines Selenmangels sind die Aufhellung von Haut und Haaren. Selenmangel kann sich aber auch in Muskelschwäche und Herzbeschwerden äußern. Bei einem ausgeprägten Selenmangel kann es außerdem zu einer verminderten Immunabwehr mit unzureichenden antioxidativen Schutzmechanismen kommen. Diverse, schwere Erkrankungen wie Krebs, Rheuma, Diabetes, Arteriosklerose und multiple Sklerose werden deshalb mit einem Selenmangel in Verbindung gebracht. Im Hinblick darauf stehen eindeutige, wissenschaftliche Beweise aber noch aus.

Ein ausgeprägter und lang anhaltender Mangel an dem Spurenelement Selen führt zur Keshan-Krankheit. Diese ist nach dem chinesischen Ort benannt, wo sie erstmals beobachtet und beschrieben wurde. Die Keshan-Krankheit hat unbehandelt Veränderungen an der Herz- und Skelettmuskulatur zur Folge.

Selen-haltige Nahrungsmittel:

Da dem Tierfutter in Deutschland besonders bei Hühnern und Schweinen Selen zugesetzt wird, sind Fleisch und Wurstwaren die wichtigsten Quellen, um dem Körper Selen zuzuführen.

Nebenwirkungen bei Überdosierung von Nährstoffpräparaten:

Der Tagesbedarf eines gesunden Erwachsenen wird nach DGE auf 30 – 70 µg geschätzt. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird eine tägliche Selenzufuhr von 100 bis 300 µg empfohlen. In Dosierungen ab 100 µg ist Selen in Deutschland verschreibungspflichtig. Erst ab einer Aufnahme von 750 µg Selen pro Tag können Nebenwirkungen auftreten. Typische Vergiftungssymptome sind ein knoblauchartiger Atemgeruch, trockene Haut, Haarausfall und Durchfall.

Nachtrag: Erhöht die langfristige Einnahme von 200 µg Selen täglich das Diabetesrisiko? Eine aktuelle Studie bestätigt diesen Verdacht (S. Stranges, J. R. Marshall, R. Natarajan, R. P. Donahue, M. Trevisan, G. F. Combs, F. P. Cappuccio, A. Ceriello, M. E. Reid: „Effects of Long-Term Selenium Supplementation on the Incidence of Type 2 Diabetes“, Ann Intern Med 2007, 147: 217 – 223). Sicherheitshalber sollte deshalb nur eine kurmässige Einnahme über 3 – 6 Monate erfolgen um die körpereigenen Selen-Speicher wieder aufzufüllen. Darüber hinaus gilt es im Einzelfall abzuwägen, ob das aktuelle Wohlbefinden oder ein mögliches Diabetesrisiko wichtiger sind.

Das Spurenelement Selen vorsichtig dosieren!


Nicole Wobker:

Wenn die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis das Leben verändert. Wegweiser zu neuen Behandlungsansätzen (Amazon-Partnerlink)

E-Book-Neuerscheinung Oktober 2018