Spezial: Schilddrüsenhormontherapie

Dieses Themen-Spezial wurde am 03.04.19 neu erstellt.

Schilddrüsenhormone: Täglich eine Tablette 30 Minuten vor dem Frühstück einnehmen.

Wenn bei Ihnen eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt wurde, bedeutet dies, dass Ihre Schilddrüse zu wenige Schilddrüsenhormone produziert. →  Schilddrüse und Schilddrüsenhormonsynthese Medizinisch nennt man einen solchen Mangel an Schilddrüsenhormonen auch Hypothyreose.

Damit sind Sie nicht allein. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist ein häufiger, medizinischer Befund. → Schilddrüsenhormone werden immer häufiger verordnet

Eine solche Schilddrüsenunterfunktion kann medikamentös im Allgemeinen aber behandelt werden. Das heißt, die fehlenden Schilddrüsenhormone werden von außen, d.h. durch die Einnahme eines Schilddrüsenhormonpräparates zugeführt.

Nachfolgend finden Sie die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zur Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion und weitere ausführliche Informationen dazu worauf Sie während der Schilddrüsenhormonbehandlung achten müssen.

Beginn der Schilddrüsenhormonbehandlung

Bei einem stark erhöhten TSH-Wert (über 10 mU/L) und/oder erniedrigten fT3/fT4-Werten – also einer deutlichen Schilddrüsenunterfunktion (manifeste Schilddrüsenunterfunktion) – sollte immer sofort mit einer Schilddrüsenhormonbehandlung angefangen werden.

SchilddrüsenpatientInnen bei denen ein grenzwertig erhöhtes TSH über 2,5 mU/L festgestellt wurde (latente Schilddrüsenunterfunktion), sollten ein Schilddrüsenhormonpräparat erhalten, wenn außerdem erhöhte Schilddrüsenautoantikörper gemessen wurden, die Sonografie eine echoarme Schilddrüse zeigt, Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion beklagt werden oder Kinderwunsch (bzw. eine Schwangerschaft) besteht.

Lesen Sie dazu auch:

Schilddrüsenhormontherapie auch bei leichter Schilddrüsenunterfunktion, d.h. latenter Hypothyreose

Ist das TSH normal – fühlt der Patient sich optimal …

Auswahl des Schilddrüsenhormonpräparates

Es gibt eine ganze Reihe von Schilddrüsenhormonpräparaten auf dem deutschen Markt.  → Welche Schilddrüsenmedikamente gibt es?L-Thyroxin: Welche Präparate gibt es? Welcher Hersteller ist am besten? Man kann nicht sagen, dass eins davon besser oder schlechter wäre zum Ausgleich einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Medikamente unterscheiden sich aber in ihrer Bioverfügbarkeit, so dass das Schilddrüsenhormonpräparat möglichst nicht ohne Grund gewechselt werden sollte.

Üblicherweise wird zunächst ein Medikament verordnet welches nur das Schilddrüsenhormon fT4 (Tetrajodthyronin, Wirkstoff: Levothyroxinnatrium) enthält. Es gibt neben diesen Monopräparaten aber auch Kombinationspräparate die außerdem das Spurenelement Jod oder das Schilddrüsenhormon fT3 (Trijodthyronin, Wirkstoff: Liothyroninhydrochlorid) enthalten.

Wann eine solche Kombinationstherapie notwendig sein kann, können Sie in folgendem Artikel nachlesen → Grundlagen der Therapie mit Schilddrüsenhormonen, Teil3: Kombinationstherapie

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Eine Übersicht der in Deutschland gängigen Schilddrüsenhormonpräparate sowie den neben dem Wirkstoff Levothyroxin-Natrium enthaltenen Hilfsstoffen können Sie sich → hier als PDF-Datei herunterladen. Bei Allergien gegen die Zusatzstoffe können die L-Thyroxin-Präparate in flüssiger Form eventuell besser als Tabletten geeignet sein. → Unverträglichkeit der Zusatzstoffe: Gibt es L-Thyroxin-Präparate für Allergiker?

Einschleichende Dosierung

Zunächst wird die Initialdosis (auch: Aufsättigungs- oder Anfangsdosis) ermittelt. Als grobe Richtschnur wird dabei von einem Schilddrüsenhormonbedarf von ein bis zwei Mikrogramm Levothyroxinnatrium pro Kilogramm Körpergewicht ausgegangen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Eigenproduktion der Schilddrüse vollständig zum Erliegen gekommen ist oder die Schilddrüse operativ entfernt worden ist. Diese Initialdosis ist normalerweise höher als die später notwendige Erhaltungsdosis, damit bei einer ausgeprägten Schilddrüsenunterfunktion möglichst schnell eine Besserung des Befindens erreicht wird.

Im Hinblick darauf ist jedoch zu berücksichtigen, dass Schilddrüsenhormone aufgrund möglicher unangenehmer Erstreaktionen einschleichend dosiert werden müssen – auch wenn die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion sehr belastend sein können.. Meistens wird eine Anfangsdosis von 25 µg gewählt und dann langsam alle ein bis zwei Wochen um weitere 25 µg gesteigert. In Einzelfällen, beispielsweise bei älteren Erkrankten oder bei Personen mit vorbestehenden Herzerkrankungen wird vorsichtiger dosiert, um das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen zu minimieren.

Weitere Informationen zur Schilddrüsenhormontherapie finden Sie unter

Grundlagen der Therapie mit Schilddrüsenhormonen, Teil1: Behandlungsbeginn

Grundlagen der Therapie mit Schilddrüsenhormonen, Teil2: Therapiekontrolle

Morgendliche Nüchterneinnahme

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Schilddrüsenhormonpräparate werden üblicherweise morgens nüchtern, d.h. mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen. Der Grund dafür ist, dass die Schilddrüsenhormone so am besten aufgenommen und fast vollständig verwertet werden können. Würde man die Tabletten gleichzeitig mit dem Frühstück einnehmen, wäre die Resorptionsquote deutlich geringer. Man müsste also eine höhere Schilddrüsenhormondosis einnehmen um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Für alle die im Schichtdienst arbeiten müssen oder häufig verreisen empfiehlt es sich trotzdem das Schilddrüsenhormonpräparat immer zur gleichen Tageszeit einzunehmen und die Tabletten entsprechend ständig dabei zu haben. Im Hinblick darauf ist außerdem wichtig, dass nach Möglichkeit zwei Stunden vor und 30 Minuten nach der Tabletteneinnahme auf eine Nahrungsaufnahme verzichtet wird.

Wenn Sie zusätzlich zu einem T4-Präparat ein T3-Präparat einnehmen sollten Sie die besonderen → Einnahmezeitpunkte für T4- und / oder T3-Medikamente beachten.

Schilddrüsenhormone werden am besten mit einem halben Glas Wasser eingenommen. Wichtig: Auf keinen Fall dürfen die Schilddrüsenhormone zusammen mit calciumhaltigen Getränken (z. B. Milch, Kakao, Milchkaffee, Trinkjoghurt, Kefir usw.) eingenommen werden da dies die Aufnahme und Verwertung der Schilddrüsenhormone sehr deutlich vermindert!

Auch beim nachfolgenden Frühstück ist „noch“ nicht alles erlaubt. → L-Thyroxin-Einnahme … darauf sollten Sie beim Frühstück besser verzichten!

Wohlfühldosis finden

Bis die richtige Dosis des Schilddrüsenhormonpräparates gefunden ist dauert es oft mehrere Monate. Während dieser Zeit können die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion hartnäckig bestehen bleiben oder sie verschwinden vorübergehend und treten dann erneut auf. Es sind zudem immer wieder Kontrollen der Schilddrüsenwerte erforderlich und die Schilddrüsenhormondosis muss danach unter Umständen mehrfach angepasst werden.  → Ermittlung der individuell richtigen Schilddrüsenhormondosis

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Manchmal gelingt es auch nicht mit den zur Verfügung stehenden Schilddrüsenhormonpräparaten die richtige Dosis zu finden, dann müssen die Tabletten eventuell geteilt werden um die individuell genau passende Dosierung hinzubekommen.

Im Hinblick darauf gilt, grundsätzlich können die meisten Schilddrüsenhormontabletten geteilt werden. Da die Tabletten sehr klein sind und es auf Genauigkeit ankommt, sollte man für das Teilen kein Messer sondern einen handelsüblichen Tablettenteiler verwenden.

Schilddrüsenhormone sind zudem empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Licht und Wärme. Sie sollten deshalb immer erst kurz vor der Einnahme aus der Packung entnommen werden. Entsprechend sollten auch Tablettenhälften bis zur Verwendung geschützt aufbewahrt werden. Zu diesem Zweck gibt es Tablettenboxen oder Tablettenteiler mit speziellem Aufbewahrungsfach. → Schilddrüsenhormone: Tabletten teilen, aber richtig!

Wechselwirkungen beachten

Zwischen Schilddrüsenhormonpräparaten und anderen Medikamenten gibt es zahlreiche Nebenwirkungen. Da es relativ häufig vorkommt, dass PatientInnen mit einer Schilddrüsenunterfunktion gleichzeitig eine Eisenmangelanämie aufweisen sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Einnahme von Eisen die Resorption von Levothyroxin hemmt. Das gilt insbesondere für die gleichzeitige Einnahme, weswegen Thyroxin und Eisen mindestens 4 Stunden getrennt voneinander eingenommen werden sollten.

Weitere Wechselwirkungen können Sie in den beiden nachfolgenden Artikeln nachlesen:

Wechselwirkungen zwischen Schilddrüsenhormonen und weiteren Medikamenten

Hypothyreose: Im Wirrwarr der Wechselwirkungen

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