Ausdauersport trotz Hashimoto-Thyreoiditis?!

Es ist schwierig über ein Thema wie „Sport treiben mit einer chronischen Erkrankung“ zu schreiben. Denn während der eine beim Lesen denkt „Ich soll regelmäßig Sport machen? Ich wäre schon froh, wenn ich eine halbe Stunde schmerzfrei spazieren gehen könnte!“, reagiert der andere eher verwundert, weil er der Meinung ist „Ich bin Schilddrüsenkrank, aber mir geht’s gut! Warum sollte ich also nicht regelmäßig joggen?“. Mit den nachfolgenden Informationen soll versucht werden den unterschiedlichen Erfahrungen schilddrüsenkranker SportlerInnen Rechnung zu tragen!
Bevor es weitergeht: Wenn eine deutliche Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) besteht, sollte überhaupt kein Sport getrieben werden, weil ansonsten insbesondere das Herz-Kreislauf-System schnell überlastet wird. Das kann im Extremfall so weit gehen, dass es sogar zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann. Dies gilt übrigens nicht nur für LaufanfängerInnen, sondern genauso für fortgeschrittene LäuferInnen sowie Laufprofis und auch „wenn man sich eigentlich wohl fühlt“!
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Ein ärztlicher Check-Up ist empfehlenswert.
Selbstverständlich kann man auch mit Ausdauersport neu oder wieder anfangen, wenn man an der Schilddrüse erkrankt ist. Im Unterschied zu gesunden SportlerInnen müssen Schilddrüsenkranke aber verschiedene Aspekte berücksichtigen.
Grundsätzlich gilt, wer älter als 40 Jahre ist, einen BMI über 30 hat, raucht oder längere Zeit geraucht hat, zusätzlich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krankheiten des Bewegungsapparates leidet sollte sich vor Aufnahme eines regelmäßigen sportlichen Trainings unbedingt einer sportmedizinischen Untersuchung unterziehen.
Am Anfang nicht zu viel erwarten!
Zu Beginn sollte man die Erwartungshaltung an sich selbst nicht zu hoch schrauben, also nicht gleich davon ausgehen, dass man in 6 Wochen 30 Minuten am Stück locker unter 6 Minuten laufen kann und in 12 Monaten seinen ersten Marathon beendet. Für die Gesundheit und das Durchhaltevermögen ist es besser, sich realistische Ziele zu setzen die man auch erreichen kann.
Es ist sehr wichtig die eigenen Belastungsgrenzen zu respektieren. Schilddrüsenerkrankungen haben oft ein dauerhaft verändertes Leistungsvermögen zur Folge, wobei der Krankheitsverlauf von Stoffwechselstörungen / Autoimmunerkrankungen individuell so unterschiedlich ist wie die Menschen die davon betroffen sind. Während der eine durch die Schilddrüsenhormontherapie weitgehend beschwerdefrei ist, hat der andere immer wieder mit Leistungseinbrüchen zu kämpfen.
Um möglichst effektiv mit dem Laufen anzufangen, ist es sinnvoll die eigene Verfassung im Tagesverlauf zu beobachten und zu berücksichtigen. Also zunächst das Laufen zu unterschiedlichen Tageszeiten ausprobieren und später dann möglichst während des Tageshochs aktiv werden. Das liegt für viele Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen erfahrungsgemäß in den ersten Stunden nach der Schilddrüsenhormoneinnahme, während am späten Nachmittag oft eher ein Leistungsabfall zu beobachten ist.
Während des ersten halben Jahres ist es besser nicht täglich, sondern nur 2 – 3 Mal die Woche zu trainieren. Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenke und Knochen müssen sich erst an die Belastung gewöhnen und brauchen zwischendurch ausreichend Zeit um sich zu regenerieren. Dies gilt besonders wenn anfangs noch Übergewicht besteht welches zuerst abgebaut werden muss.
Kohlehydratreiche Ernährung ja oder nein?
Beim langsamen Laufen (aerobes Training = ausgeglichene Sauerstoffbilanz) erfolgt die Energiegewinnung vorwiegend durch Fettsäurezerlegung unter Schonung der Glykogen-Vorräte. Beim schnellen Laufen (anaerobes Training = Sauerstoffschuld) erfolgt die Energiebereitstellung hauptsächlich durch Glucose-Abbau. Wichtig: Auf Heißhungerattacken und Hypoglykämien (ohnehin häufig bei Schilddrüsenunterfunktion) nach dem Training achten.
Die kohlehydratreiche Ernährung, wie sie sonst für AusdauersportlerInnen empfohlen wird ist für übergewichtige Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte nur bedingt geeignet. Durch den bei ihnen gestörten Kohlehydratstoffwechsel gelingt es so trotz insgesamt kalorienbewusster Ernährung und Sport nicht die überflüssigen Pfunde zu reduzieren. Deshalb wird meist geraten eine ausgewogene Mischkost beizubehalten.
Meine persönliche Erfahrung ist allerdings die, dass es eher eine eiweißreiche Ernährung ist, die zu besseren Ergebnissen mit Blick auf Gewichtsabnahme und Muskelaufbau führt.
Dosierung im Blick behalten!
Die gesunde Schilddrüse produziert bei körperlicher Anstrengung mehr Hormone. Für PatientInnen die aufgrund einer Schilddrüsenerkrankung dauerhaft ihren kompletten Schilddrüsenhormonbedarf substituieren bedeutet dies, dass sich bei regelmäßiger sportlicher Betätigung ihr Schilddrüsenhormonbedarf erhöht und sie ihre Medikamentendosis anpassen müssen. Umgekehrt kommt es bei längeren Bewegungspausen z.B. während eines Krankheitsschubs oder aufgrund anderer akuter Erkrankungen oft zu einer unerwarteten Überfunktionssymptomatik weil die Medikamentendosis dann zu hoch ist.
Was man aber unbedingt beachten muss ist, wenn es durch den Sport zu einer deutlichen Gewichtsabnahme (z.B. 5 kg) kommt, man also normalerweise die Schilddrüsenhormondosis senken würde, gleicht das den Mehrbedarf an Schilddrüsenhormonen oft wieder aus. Das bedeutet, die Dosis muss dann nicht verändert werden. Problematisch ist, dass die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4 in den ersten Wochen nach Aufnahme einer sportlichen Aktivität nicht unbedingt aussagekräftig sind. Der Körper passt sich nur langsam an und es dauert bis ein aussagefähiges „neues“ Gleichgewicht gefunden ist. Mit Blick darauf ist es besonders das TSH welches der Entwicklung meistens hinterherhinkt.
Wer wie ich nicht nur Levothyroxin (T4) sondern auch Liothyronin (T3) einnimmt, braucht besonderes Fingerspitzengefühl. Die Versuchung ist mitunter groß ein wenig T3 nachzulegen, wenn man sich nach dem Sport erschöpft fühlt. Davon ist ohne Absprache mit dem behandelnden Arzt aber wirklich abzuraten. Denn oft ist das eher ein Zeichen für eine zu hohe, zu schnell gesteigerte sportliche Belastung und Trainingsintensität.
Die Schilddrüsenfunktion wird durch äußere Temperaturreize beeinflusst. Schilddrüsenkranke haben bei deutlichen Temperaturschwankungen oder extremer Kälte bzw. Hitze oft Anpassungsschwierigkeiten (verstärkte Wetterfühligkeit). Deshalb ist es sinnvoll als untrainierter Anfänger nur bei moderaten Temperaturen von 5°C bis 25°C zu trainieren. Eine kurzfristige Dosisanpassung ist nicht sinnvoll – bei der Standardtherapie mit einem T4-Monopräparat bringt es auch schlichtweg nichts.
🍃 Kurze Bewegungspause – Lockerungsübung
Strecke die Arme über den Kopf, atme tief ein und strecke dich lang. Löse dann die Schultern und lasse die Arme locker hängen. Wiederhole das 3-mal, um Verspannungen zu lösen und neue Energie zu tanken.
Probleme mit der Regeneration nach dem Laufen
Wer sich an der Grenze zur Unterfunktion befindet (niedriges fT3 und fT4) fühlt sich direkt nach dem Laufen oft schlechter (T3 sinkt ab, weil T4 fehlt), während Hashimoto-Thyreoiditis-Betroffene mit relativ hohen fT4-Werten und im Verhältnis dazu eher niedrigen fT3-Werten sich unmittelbar nach dem Joggen häufig besser fühlen. Ersteres liegt an dem durch Sport gesteigerten Verbrauch (besonders an T3), während letzteres darauf zurückzuführen ist, dass Sport eine verstärkte Umwandlung von T4 in T3 zur Folge hat.
Die Bein- und Rückenmuskulatur (Muskelschmerzen, -krämpfe, – härten), die Atemmuskulatur (schnell aus der Puste sein, nicht richtig durchatmen können) und die Bauchmuskulatur (Seitenstechen) sind bei Hashimoto-Thyreoiditis-Betroffenen oft trotz behandelter Schilddrüsenunterfunktion d.h. Euthyreose beeinträchtigt. Zahlreiche PatientInnen berichten, dass sie längere Aufwärmphasen benötigen sowie nach einer sportlichen Betätigung eher unter einem starken Muskelkater leiden der ungewöhnlich lange anhält. Was das betrifft, ist einfach nicht klar, ob das mit der Schilddrüsenhomon-Stoffwechsellage zusammenhängt oder aufgrund der autoimmunen Symptomatik so ist.
Tipp: Wenn man direkt nach einer sportlichen Belastung (Wandern, Nordic Walking, Joggen) ein Antioxidantienpräparat einnimmt, ist der Muskelkater in den darauf folgenden Tagen weit weniger schlimm als wir Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen das gewohnt sind. Gut und günstig sind die Tetesept Immusan C800 (Amazon-Partnerlink) – die Kapseln enthalten Vitamin C, Selen, Zink, Vitamin D und Vitamin B12.
Mängel an Vitaminen und Mineralstoffen
Mit dem Thema sind wahrscheinlich alle Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen früher oder später konfrontiert.
Eisen
Bei anhaltender Erschöpfung oder verminderter Leistungsfähigkeit sollte immer geprüft werden, ob ein Eisenmangel vorliegt. Schätzungen zufolge sind während einer Phase der Schilddrüsenunterfunktion mehr als 70 % der Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis von einem Eisenmangel betroffen. Besonders Frauen profitieren häufig davon, den Eisenstatus regelmäßig kontrollieren zu lassen. Nach dem Eintritt der Menopause verbessert sich die Eisensituation bei vielen Betroffenen, da die monatlichen Blutverluste wegfallen.
Elektrolyte
Beim Schwitzen verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte. Diese Mineralstoffe sind wichtig für die Funktion von Muskeln, Nerven und Herz sowie für die Regulierung des Flüssigkeitshaushalts.
Natrium ist der Elektrolyt, der beim Schwitzen am stärksten verloren geht. Bei längeren Ausdauerbelastungen (ab etwa 60–90 Minuten), hohen Temperaturen oder starkem Schwitzen kann eine ausreichende Natriumzufuhr helfen, den Flüssigkeitshaushalt und die Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
Kalium unterstützt die Muskel- und Nervenfunktion. Zwar geht auch Kalium über den Schweiß verloren, die Mengen sind jedoch deutlich geringer als bei Natrium. Eine abwechslungsreiche Ernährung deckt den Bedarf in der Regel problemlos.
Magnesium ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt und spielt eine wichtige Rolle für die Muskelkontraktion und die Energiegewinnung. Ein Magnesiummangel kann die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Eine Supplementierung ist vor allem bei nachgewiesenem Mangel oder unzureichender Zufuhr sinnvoll.
Calcium ist unverzichtbar für die Muskelkontraktion, die Nervenfunktion und die Knochengesundheit. Über den Schweiß gehen nur geringe Mengen verloren, sodass ein zusätzlicher Bedarf durch Sport allein meist nicht entsteht.
Chlorid begleitet Natrium als wichtiges Elektrolyt im Flüssigkeitshaushalt und trägt außerdem zur Bildung der Magensäure bei. Da Chlorid überwiegend gemeinsam mit Natrium aufgenommen wird, ist ein isolierter Mangel bei gesunden Menschen selten.
Für Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis gelten hinsichtlich der Elektrolytversorgung grundsätzlich dieselben Empfehlungen wie für andere Ausdauersportler. Die Schilddrüsenerkrankung selbst erhöht den Elektrolytbedarf nicht. Entscheidend sind vielmehr Trainingsdauer, Intensität, Schweißverlust und eine insgesamt ausgewogene Ernährung. Wer regelmäßig lange oder intensive Ausdauereinheiten absolviert, profitiert häufig von einer gezielten Flüssigkeits- und Elektrolytversorgung – insbesondere bei warmem Wetter oder Wettkämpfen.
Letzte Aktualisierung: 16. Juli 2026