Schlagwort-Archiv: Schilddrüsenwerte

Patientenrecht: Kopie der Schilddrüsenwerte

Es kommt sehr häufig vor, dass SchilddrüsenpatientInnen ihre aktuellen Schilddrüsenwerte nicht kennen. Einige wissen sogar noch nicht einmal an welcher Erkrankung der Schilddrüse sie eigentlich genau leiden.  Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes und möglichst beschwerdefreies Leben mit einer zumeist chronischen Schilddrüsenkrankheit.

Jede/r Patient/in hat das Recht von Arztbriefen, Laborbefunden usw. eine Kopie zu verlangen und von diesem Recht sollte man auch Gebrauch machen. Für Ärztinnen bzw. Arzthelferinnen ist eine solche Bitte völlig normal und wird nicht als Misstrauen aufgefasst. Auch dem Wunsch sich eine Zweitmeinung einzuholen wird meist mit professionellem Verständnis begegnet.

Für alle, die ihre Rechte beim Arzt noch nicht so genau kennen, der Hinweis auf den 86-seitigen “Ratgeber für Patientenrechte” der Bundesregierung. Dieser kann entweder als PDF-Datei heruntergeladen oder als gedruckte Broschüre (beides kostenlos) bestellt werden.

Laborwerte zur Einschätzung der Schilddrüsenfunktionslage

Gerade neu diagnostizierte SchilddrüsenpatientInnen verstehen oft nicht richtig, was die Ärztin/der Arzt genau meint, wenn sie/er von einer → Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse spricht und welche Bedeutung im Hinblick darauf die Schilddrüsenwerte haben. Deshalb nachfolgend eine ausführliche Erläuterung der Zusammenhänge.

Fehlfunktionen der Schilddrüse

Wenn die Ärztin/der Arzt eine Schilddrüsenfehlfunktion oder eine falsche Einstellung mit Schilddrüsenhormonen bzw.  Schilddrüsenhemmern diagnostiziert hat, kann dies entweder bedeuten,

  1. dass zu wenige Schilddrüsenhormone zur Verfügung stehen. Dieser Mangel an Schilddrüsenhormonen wird als Schilddrüsenunterfunktion oder Hypothyreose bezeichnet.
  2. oder dass im Körper zu viele Schilddrüsenhormone vorhanden sind. Ein solcher Überschuss an Schilddrüsenhormonen wird auch Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreose genannt.
Schilddrüsenfunktionslage und Schilddrüsenwerte

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Behandlungsbedürftigkeit einer subklinischen Hypothyreose (TSH unter 10 mU/L)

Prof. Helmut Schatz “Soll man subklinische Hypothyreosen mit einem TSH unter 10 mU/L behandeln?” (blog.endokrinologie.net, 17.08.16)

Ja, Patient/innen bei denen ein TSH über 2,5 mU/L festgestellt wurde, sollten ein Schilddrüsenhormonpräparat erhalten, wenn außerdem

  • erhöhte Schilddrüsenautoantikörper gemessen wurden,
  • die Sonografie eine echoarme Schilddrüse zeigt,
  • Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion beklagt werden,
  • Kinderwunsch (bzw. eine Schwangerschaft) besteht oder
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen diagnostiziert wurden

Nachtrag: In dem Zusammenhang auch interessant Dr. Johannes W. Dietrich “Variation von Schilddrüsenhormonen innerhalb des Referenzbereichs – Welche Bedeutung haben „sublatente“ Funktionsstörungen?” (blog.endokrinologie.net, 19.09.16)

Achtung Kostenfalle – EBM vs. GOÄ

Einige SchilddrüsenpatientInnen lassen die Schilddrüsenhormone (TSH, fT3, fT4) und auch die Schilddrüsenautoantikörper (TPO-AK, TG-AK, TRAK) im Rahmen von individuellen Gesundheitsleistungen bestimmen. Sie sind dann nicht selten unangenehm überrascht, wenn sie anschließend die Rechnung dafür erhalten. Das liegt oft daran, dass vielen die Art der Abrechnung nicht klar ist und im Internet diverse Falschinformationen diesbezüglich kursieren.

Wichtig: Wenn ein Arzt die Bestimmung der Schilddrüsenparameter als Kassenleistung abrechnet geschieht dies nach dem günstigen EBM, während Selbstzahler-Leistungen immer nach der teuren GOÄ vergütet werden! Achtung Kostenfalle – EBM vs. GOÄ weiterlesen

Schmerzfreie Blutentnahme zur Kontrolle der Schilddrüsenwerte bei Kindern

Bei schilddrüsenkranken Kindern ist die regelmäßige Untersuchung der Schilddrüsenwerte besonders wichtig. Die damit verbundene Blutentnahme wird von Kindern allerdings oft als schmerzhaft und angsteinflößend erlebt. Aber das muss nicht so sein, sondern es gibt eine ganz einfache Möglichkeit die dabei hilft, dass die Blutentnahme für die Kinder schmerzfrei ist! Leider wissen viele Eltern hierzulande davon jedoch nichts.


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Die EMLA Creme® und das EMLA Pflaster® werden ganz einfach vor der Blutentnahme lokal auf die Hautstelle aufgebracht und setzen die Schmerzempfindlichkeit an dieser Stelle herab. Verantwortlich für diese Wirkung sind die Lokalanästhetika Lidocain und Prilocain. 30 bis 60 Minuten vor der Blutentnahme angewendet hält die betäubende Wirkung dann einige Stunden an.

EMLA Creme® und EMLA Pflaster® sind für circa 6,00 EUR rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Lehrmeinung contra Erfahrungswissen

Die Diskrepanz zwischen der offiziellen medizinischen Lehrmeinung und dem subjektiven Erfahrungswissen der SchilddrüsenpatientInnen zeigt sich besonders deutlich wenn es um den TSH-Wert geht.

TSH ist die Abkürzung für „Thyroidea Stimulating Hormon“. Das TSH wird von der Hypophyse produziert und regt die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone T4 und T3 an.

Die Bestimmung des TSH-Wertes ist Basis jeder Schilddrüsenfunktionsdiagnostik. Der Normalbereich des TSH-Wertes umfasst die Spanne von 0,3 bis 2,5 mU/l. Erniedrigte TSH-Werte (kleiner als 0,1 – 0,3 mU/l) bedeuten, dass die Schilddrüse zu viele Hormone produziert oder dass die von aussen zugeführte Schilddrüsenhormondosis zu hoch ist. Das wird auch als „hyperthyreosis factitia“ oder „iatrogene Hyperthyreose“ bezeichnet. Lehrmeinung contra Erfahrungswissen weiterlesen

TSH-Referenzbereiche bei Kindern

Im Rahmen einer Schilddrüsendiagnostik wird häufig zunächst nur der TSH-Wert bestimmt. Diesbezüglich ist zu berücksichtigen, daß jedes Labor seine eigenen Referenzbereichsgrenzen ermittelt und es sich hier um ungefähre Angaben handelt die lediglich eine grobe Richtschnur bieten.

Hinzu kommt, dass Laborwerte allein keine ausreichende Aussagekraft haben, sondern die Beurteilung von Schilddrüsenkrankheiten bei Kindern immer das sorgfältige Abwägen von durch das Kind geäußerten Beschwerden, von den Eltern beobachteten Veränderungen sowie Laborbefunden und weiteren Untersuchungen voraussetzt.

TSH-Referenzbereiche in Abhängigkeit vom Lebensalter

Lebensalter bis 10 Tage: TSH-Referenzbereich < 20 mU/I

11 Tage bis 12 Monate: TSH 1,3 bis 8,5 mU/l

1 bis 6 Jahre: TSH 0,8 bis 6,5 mU/l

7 bis 18 Jahre: TSH 0,3 bis 4,5 mU/l

Bei Jugendlichen ist die Obergrenze umstritten. Bei gut entwickelten 16 bis 18 Jährigen muss unter Umständen der TSH-Referenzbereich für Erwachsenen angewendet werden.

Erwachsene: TSH 0,2 bis 2,5 mU/l

Wichtig: Ein normaler TSH-Wert schließt eine Schilddrüsenerkrankung nicht aus. Zu einer sorgfältigen Ausschlussdiagnostik gehört immer auch die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse (Schilddrüsensonografie).


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Beurteilung der Schilddrüsenparameter

Die korrekte Beurteilung der Schilddrüsenparameter TSH, fT4 und fT3 ist ausgesprochen schwierig, weil sie von zahlreichen unterschiedlichen Faktoren abhängig ist.

Bei schilddrüsengesunden Patienten bzw. vor Therapiebeginn werden die gemessenen Werte beispielsweise anders beurteilt als bei schilddrüsenkranken Patienten unter einer Therapie mit einem Schilddrüsenhormonpräparat. Hier wird tendenziell ein TSH im niedrig normalen Bereich (0,5 – 1,0 mIU/ml), ein fT4 im oberen Bereich und ein fT3 im mittleren Bereich angestrebt. In Ausnahmefällen kann es aber auch notwendig sein über die Referenzbereiche hinauszugehen.

Bei der Beurteilung der Schilddrüsenparameter ist außerdem zu berücksichtigen, dass es durch die unterschiedlichsten Einflussfaktoren zu verfälschten Werten kommen kann, welche die Schilddrüsenhormonstoffwechsellage nicht korrekt widerspiegeln. An Medikamenten sind hier insbesondere Amiodaron und Lithium zu nennen. Einige Hersteller der Testverfahren weisen zudem darauf hin, dass sehr hohe Antikörpertiter die Testergebnisse beeinflussen können.

TSH

Schwere Allgemeinerkrankungen können ebenso wie Stress und Diäten eine deutliche Erniedrigung des TSH zur Folge haben. Bei körperlicher Belastung oder Kälte steigt das TSH an. Auch durch Störungen der Nebennierenrindenfunktion wird die TSH-Sekretion beeinflusst (Morbus Addison ► TSH erhöht, Morbus Cushing ► TSH erniedrigt). Verschiedene Medikamente wie z.B. Dopamin, Somatostatin, Hydrocortison, Glucokortikoide, Bromocriptin, Salicylate usw. können das TSH senken. T3-T4-Kombinationspräparate haben fast immer eine dauerhafte Suppression des TSH zur Folge. Dopamin-Antagonisten wie Metoclopramid, Domperidon und Haloperidol können ebenso wie Thyreostatika zu einer Erhöhung des TSH führen.

FT3 und FT4

1. Low-T3-Syndrom (Abfall des fT3 bei schweren Allgemeinerkrankungen)

2. Inzwischen häufiger Berücksichtigung finden Variablen wie Alter, Geschlecht oder auch die Einnahme östrogenhaltiger Ovulationshemmer bzw. das Vorliegen einer Schwangerschaft. Bei Kindern gelten grundsätzlich andere Referenzbereiche als oben angegeben! Bei Männern liegen die Werte von fT3 und fT4 tendenziell höher als bei Frauen. Bei Frauen die Ovulationshemmer einnehmen liegen die fT3- und fT4-Werte höher als bei Frauen die keine Ovulationshemmer einnehmen. Bei Schwangeren sind eine Erniedrigung des TSH sowie eine geringgradige Erhöhung des fT4 häufig.

Erklärung der Schilddrüsenlaborwerte, Teil 1: Schilddrüsenhormonwerte
“Ist das TSH normal – fühlt der Patient sich optimal …”
Ermittlung der individuell richtigen Schilddrüsenhormondosis

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Schilddrüsenwerte auf eigene Kosten untersuchen lassen

Immer häufiger beklagen Schilddrüsenpatienten, dass ihre Ärzte sich weigern die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4 in regelmässigen Abständen zu kontrollieren. Oftmals wird als Grund dafür angegeben, dass die jeweilige Krankenkasse des Patienten die Kosten dafür nicht (oder für fT3 und fT4 nur dann, wenn das TSH von der Norm abweicht) übernehmen würde. Das ist falsch!

Aber Recht haben und Recht bekommen sind bekanntlich zweierlei Dinge. Wer also den Arzt trotzdem nicht wechseln und/oder Diskussionen aus dem Weg gehen möchte, kann die Schilddrüsenwerte auf eigene Kosten bestimmen lassen. Entweder beim Arzt als IGeL-Leistung (davon würde ich allerdings abraten, weil es anscheinend einige Ärzte gibt die doppelt abrechnen) oder direkt im ortsansässigen Labor. Schilddrüsenwerte auf eigene Kosten untersuchen lassen weiterlesen