Beurteilung der Schilddrüsenparameter

Nicole Schaenzler, Wilfried P. Bieger „Laborwerte: Alles über Normbereiche, Befunde und Co.“ (Amazon-Partnerlink)

Die korrekte Beurteilung der Schilddrüsenparameter TSH, fT4 und fT3 ist ausgesprochen schwierig, weil sie von zahlreichen unterschiedlichen Faktoren abhängig ist.

Bei schilddrüsengesunden Patienten bzw. vor Therapiebeginn werden die gemessenen Werte beispielsweise anders beurteilt als bei schilddrüsenkranken Patienten unter einer Therapie mit einem Schilddrüsenhormonpräparat. Hier wird tendenziell ein TSH im niedrig normalen Bereich (0,5 – 1,0 mIU/ml), ein fT4 im oberen Bereich und ein fT3 im mittleren Bereich angestrebt. In Ausnahmefällen kann es aber auch notwendig sein über die Referenzbereiche hinauszugehen.

Bei der Beurteilung der Schilddrüsenparameter ist außerdem zu berücksichtigen, dass es durch die unterschiedlichsten Einflussfaktoren zu verfälschten Werten kommen kann, welche die Schilddrüsenhormonstoffwechsellage nicht korrekt widerspiegeln. An Medikamenten sind hier insbesondere Amiodaron und Lithium zu nennen. Einige Hersteller der Testverfahren weisen zudem darauf hin, dass sehr hohe Antikörpertiter die Testergebnisse beeinflussen können.

TSH

Schwere Allgemeinerkrankungen können ebenso wie Stress und Diäten eine deutliche Erniedrigung des TSH zur Folge haben. Bei körperlicher Belastung oder Kälte steigt das TSH an. Auch durch Störungen der Nebennierenrindenfunktion wird die TSH-Sekretion beeinflusst (Morbus Addison ► TSH erhöht, Morbus Cushing ► TSH erniedrigt). Verschiedene Medikamente wie z.B. Dopamin, Somatostatin, Hydrocortison, Glucokortikoide, Bromocriptin, Salicylate usw. können das TSH senken. T3-T4-Kombinationspräparate haben fast immer eine dauerhafte Suppression des TSH zur Folge. Dopamin-Antagonisten wie Metoclopramid, Domperidon und Haloperidol können ebenso wie Thyreostatika zu einer Erhöhung des TSH führen.

FT3 und FT4

1. Low-T3-Syndrom (Abfall des fT3 bei schweren Allgemeinerkrankungen)

2. Inzwischen häufiger Berücksichtigung finden Variablen wie Alter, Geschlecht oder auch die Einnahme östrogenhaltiger Ovulationshemmer bzw. das Vorliegen einer Schwangerschaft. Bei Kindern gelten grundsätzlich andere Referenzbereiche als oben angegeben! Bei Männern liegen die Werte von fT3 und fT4 tendenziell höher als bei Frauen. Bei Frauen die Ovulationshemmer einnehmen liegen die fT3- und fT4-Werte höher als bei Frauen die keine Ovulationshemmer einnehmen. Bei Schwangeren sind eine Erniedrigung des TSH sowie eine geringgradige Erhöhung des fT4 häufig.

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