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CD83-Protein ist essentiell für die Kontrolle von Autoimmunreaktionen

Regulatorische T-Zellen, kurz „Tregs“ genannt, sorgen dafür, dass das Immunsystem keine körpereigenen Zellen oder Gewebe angreift. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Oberflächenprotein CD83. Immunologen der FAU ist es nun gelungen, dieses Protein näher unter die Lupe zu nehmen und seine herausragende Bedeutung bei der Regulation von Autoimmunreaktionen zu beweisen. Die in Fachkreisen vielbeachtete Studie kann wichtige Impulse für die krankheitsorientierte Grundlagenforschung und langfristig für die Entwicklung von neuen Verfahren zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen geben. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „JCI insight“* veröffentlicht. CD83-Protein ist essentiell für die Kontrolle von Autoimmunreaktionen weiterlesen

Kurz erklärt: Was ist das Autoimmunprotokoll?

 

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Das Autoimmunprotokoll (AiP) ist eine Ernährungsform die auf der Paleo-Diät (Paläolithikum = Altsteinzeit, Ernährung wie in der Steinzeit) basiert.

Eine diesen Grundsätzen widersprechende Ernährungsweise soll ein entscheidender Faktor bei der Entstehung des umstrittenen Leaky Gut-Syndrom (durchlässiger Dünndarm, unklares Beschwerdebild, Zonulin-Bestimmung zur Diagnose, als mögliche Ursache wird Gluten diskutiert) sein, welches wiederum im Verbindung mit der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie der → Hashimoto-Thyreoiditis gebracht wird.

Deshalb wird von den Verfechtern umgekehrt eine Ernährung nach dem Autoimmunprotokoll zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Diese sieht unter anderem den Verzicht auf Getreide, Hülsenfrüchte, Kohlenhydrate, Zucker, Milch und Milchprodukte, Eier, Nüsse und Samen sowie Nachtschattengewächse (Tomaten, Paprika, Auberginen, Kartoffeln) vor.

Was das Autoimmunprotokoll angeht, ist es allerdings so, dass es keinerlei wissenschaftliche Beweise für diese Theorie gibt und diese Ernährungsweise hier deshalb aktuell nicht empfohlen werden kann.


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Autoimmunerkrankungen auf der Spur

Die für heute Abend geplante Sendung “Mein Körper – mein Feind. Autoimmunerkrankungen auf der Spur” (20.15 Uhr 3Sat) kann man sich vorab auch schon online ansehen.

Daran anschließend findet ab 21.00 Uhr auf 3Sat auch noch eine Diskussion bei scobel mit dem Thema “Irrtum im Immunsystem” statt. Gäste sind die Rheumatologin Dr. Gabriela Riemekasten, Hansjörg Schild (Professor am Institut für Immunologie an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg Universität Mainz) und der Facharzt für Neurologie Dr. Heinz Wiendl.

Wenig erforscht – Zahnimplantate bei Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis oder der Morbus Basedow stellen eigentlich eine grundsätzliche Kontraindikation für das Einsetzen von Zahnimplantaten dar.

“Implantationen sind nur bei gravierenden Grunderkrankungen kontraindiziert. Zu diesen zählen: […] Autoimmunerkrankungen […] (Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH “Dentale Implantate”, http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_mkg/4192.html, Zugriff am 20.10.15).

Trotzdem werden auch bei Schilddrüsenautoimmunerkrankten Zahnimplantate eingesetzt, weil die Patienten darauf bestehen und/oder weil es für den Zahnarzt lukrativ ist. Manchmal scheint auch eine Rolle zu spielen, dass Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow von Zahnärzten oft nicht als Autoimmunerkrankungen, sondern eher als Unterfunktion bzw. Überfunktion der Schilddrüse wahrgenommen werden.

Angesichts der ungeklärten Risiken und sehr hohen Kosten von 1500,- bis 2000,- EUR pro Implantat (die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden) sollte die Entscheidung aber sehr gut durchdacht sein.

Lockerung der Zahnimplantate aufgrund von Knochenmasseverlusten

Einige Morbus Basedow-Betroffene die sich vor dem Auftreten der Schilddrüsenerkrankung Zahnimplantate haben einsetzen lassen berichten, dass sich diese aufgrund eines Verlustes an Knochenmasse gelockert hätten und es zu Entzündungsreaktionen kam, so dass die Zahnimplantate schon nach wenigen Jahren wieder entfernt werden mussten. Eine Schilddrüsenüberfunktion führt sowohl zu einem gesteigerten Knochenaufbau als auch Knochenabbau. Allerdings überwiegt im Allgemeinen der Verlust an Knochenmasse. Mit der Hyperthyreose geht zudem oft eine erhöhte Kalziumausscheidung einher. Als Folge kann es, insbesondere bei einem längere Zeit deutlich erhöhten fT3-Wert, zu gelockerten Zähnen als Folge des Knochenmasseverlustes kommen.

Länger anhaltende Entzündungsreaktionen im Bereich der Zahnimplantate

Von Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankten liegen mir Berichte dahingehend vor, dass es kurz nach dem Einsetzen der Implantate zu teilweise sehr massiven Entzündungsreaktionen sowie ausgeprägten Schwellungen im Gesicht gekommen sein soll, die auch von den behandelnden Zahnärzten als ungewöhnlich stark beschrieben wurden. Erst nach einigen Wochen bis Monaten ist es zu einer deutlichen Besserung gekommen.

Selbstverständlich kann man aus diesen Erfahrungsberichten von Schilddrüsenpatienten keine Regel ableiten, aber mein Eindruck ist, dass Hashimoto-Erkrankte langfristig weniger Probleme mit Zahnimplantaten haben als Basedow-Erkrankte.

Unabhängig davon bleibt es aber eine Tatsache, dass sowohl der Morbus Basedow als auch die Hashimoto-Thyreoiditis Autoimmunerkrankungen sind. Abschließend möchte ich deshalb auf nachfolgende Aussage des Vizepräsidenten der Berliner Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Dietmar Oesterreich  verweisen “Bei Patienten mit […] Autoimmunerkrankungen […] sollte man sehr kritisch darüber nachdenken, ob ein Implantat sinnvoll ist.” (http://www.welt.de/gesundheit/article136643324/Die-wichtigsten-Antworten-zu-Zahnimplantaten.html, Zugriff am 20.10.15).

Dieser Artikel wurde am 20.10.15 aktualisiert!

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Grippeimpfung trotz Autoimmunerkrankung der Schilddrüse?

Speziell für die → Hashimoto-Thyreoiditis oder den → Morbus Basedow wurde der Einfluss von Impfungen auf die bestehende Autoimmunerkrankung bisher nicht untersucht.

Aktive und passive Impfung

Das Ziel einer Impfung ist es, einen Menschen unempfindlich gegenüber einer bestimmten, z. B. durch Viren oder Bakterien ausgelösten, Erkrankung zu machen. Zu diesem Zweck werden aktive und passive Impfungen durchgeführt.

  1. Aktive Impfung: Durch künstliche Verabreichung von Viren oder Bakterien (Antigenen) in abgeschwächter Form wird das Immunsystem stimuliert körpereigene Antikörper gegen diese Antigene zu bilden. Dadurch wird eine langanhaltende Immunität erreicht.
  2. Passive Impfung: Mittels Injektion werden körperfremde Antikörper gegen bestimmte Antigene verabreicht, wodurch eine kurzzeitige Immunität gegen diese Antigene besteht. Wenn das Immunsystem nicht auf jede Impfung reagieren würde, wären Impfungen wirkungslos. Nebenwirkungen wie ein leichtes Krankheitsgefühl, erhöhte Temperatur sowie lokale Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle sind deshalb nichts Ungewöhnliches und auch nicht besorgniserregend. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es durch den Impfstoff zu einer schweren allergischen Reaktion, dem anaphylaktischen Schock.
Einfluss von Impfung auf Autoimmunerkrankungen

Umstritten ist hingegen, ob es durch Impfungen zu schwerwiegenden Komplikationen in Bezug auf Autoimmunerkrankungen kommen kann. Also ob sich bereits bestehende Autoimmunerkrankungen durch Impfungen verschlechtern oder ob durch Impfungen sogar Autoimmunerkrankungen ausgelöst werden können.

Laut Ärzte Zeitung geht Professor Sieghart Dittmann (STIKO) davon aus, dass es z.B. durch die Grippeimpfung zu keiner Verschlechterung von Autoimmunkrankheiten kommt. Er hält die Impfung auch für Personen mit Autoimmunkrankheiten für sinnvoll, weil sie schwere und komplikationsreiche Verläufe verhindern kann, während das Risiko einer Verschlechterung bestehender Autoimmunerkrankungen eher als gering einzuschätzen sei.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes (RKI) in Berlin veröffentlicht regelmäßig Impfempfehlungen, die allgemein als medizinischer Standard angesehen werden. In den Impfempfehlungen des RKI sind weder die Hashimoto-Thyreoiditis noch der Morbus Basedow als Kontraindikation für Impfungen genannt. Allerdings ist die STIKO nicht unumstritten. So werfen ihr Kritiker vor, dass einige Studien, auf deren Grundlage diese Impfempfehlungen ausgesprochen wurden, ausgerechnet durch Pharmaunternehmen finanziert wurden, welche die betreffenden Impfstoffe herstellen.

Hinzu kommt, dass die Grippeimpfung bei Personen mit Autoimmunerkrankungen einen weniger guten Schutz vor Grippe zu bieten scheint als bei gesunden Personen (Ärzte Zeitung: „Grippe-Impfung nützt auch bei Autoimmunleiden“ 19.12.2003).

Unabhängig davon herrscht weitgehende Übereinstimmung darüber, dass bei akuten, besonders infektiösen und fiebrigen Erkrankungen nicht geimpft werden sollte. Deshalb sollten sicherheitshalber auch während eines akuten Krankheitsschubs bei der Hashimoto-Thyreoiditis oder dem Morbus Basedow keine Impfungen durchgeführt werden.

Grundsätzlich gilt es Nutzen und Risiko einer Impfung genau gegeneinander abzuwägen.


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Buchvorstellung: Jörn Klasen „Autoimmunerkrankungen. Den Gegner im eigenen Körper besiegen. Der neue Weg der Ganzheitsmedizin“

Beschreibung

  • Autor: Dr. Jörn Klasen
  • Titel: Autoimmunerkrankungen
  • Verlag: Trias Verlag in MVS Medizinverlage
  • Erscheinungsdatum: 24. August 2011
  • Größe: 16,0 cm x 21,6 cm x 1,0 cm
  • Gewicht: 344 g
  • ISBN: 978-3-8304-3820-5
  • Preis: 19,99 EUR
  • Sonstiges: Taschenbuch, 162 Seiten

Inhalt

  • Vorwort/Einführung
  • Rätsel Autoimmunerkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen – ein Überblick
  • Autoimmunerkrankungen behandeln
  • Literatur/Adressen/Register

Über den Autor

Dr. Jörn Klasen ist Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzqualifikationen im Bereich der Anthroposophischen Medizin und der Naturheilverfahren. Aktuell arbeitet er als Chefarzt am Zentrum für individuelle Ganzheitsmedizin des Asklepios Westklinikums Hamburg.

Homepage: nicht bekannt

Meine Meinung

Schätzungen zufolge erkranken circa 25 % der Betroffenen der autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow zusätzlich an einer weiteren Autoimmunerkrankung. Für diese Patienten ist das Buch „Autoimmunerkrankungen. Den Gegner im eigenen Körper besiegen. Der neue Weg der Ganzheitsmedizin.“ durchaus empfehlenswert.

Das Buch von Klasen ist sehr gut durchstrukturiert und allgemeinverständlich geschrieben. Nach einer ausführlichen Erläuterung der ganzheitsmedizinischen Sicht auf das Immunsystem geht er auf über 20 unterschiedliche Autoimmunerkrankungen (von Autoimmunhepatitis bis Wegener-Granulomatose) ein. Die Unterkapitel zu den einzelnen Krankheiten sind mit zwei bis vier Seiten deswegen sehr kurz und die Ansätze der Ganzheitsmedizin werden dementsprechend nur angerissen. Im dritten und für mich interessantesten Teil seines Buches „Autoimmunerkrankungen“ beschreibt Dr. Jörn Klasen dann konkret die verschiedenen Möglichkeiten mit denen sich die unterschiedlichen, im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen auftretenden, Krankheitssymptome lindern lassen.

Insgesamt gesehen ist das Buch sehr stark von einer anthroposophischen Sichtweise geprägt. Dazu möchte ich anmerken, dass ich persönlich mit dieser Ideologie nicht wirklich etwas anfangen kann und von daher auch nicht bereit bin mich näher darauf einzulassen. Wer sich der Anthroposophie hingegen stärker verbunden fühlt, wird von diesem Buch vermutlich begeistert sein.

Dr. Jörn Klasen:  Autoimmunerkrankungen: Den Gegner im eigenen Körper besiegen (Amazon-Partnerlink)