Kategorie-Archiv: Schilddrüse allgemein

Unseriöse Online-Kongresse

Hinweis aus aktuellem Anlass: Online-Kongresse zu Gesundheitsthemen sind ein für den Veranstalter mehr oder weniger lukratives Geschäftsmodell. Die Anmeldung zu den umstrittenen Veranstaltungen ist kostenlos. Um die unterschiedlichen Vorträge der (oft selbst ernannten) ExpertInnen für das jeweilige Thema vollständig als Video ansehen zu können und das schriftliche Begleitmaterial mit den vermeintlich entscheidenden Zusatzinformationen zu erhalten muss allerdings ein häufig deutlich überteuertes Kongresspaket käuflich erworben werden.

Kurz erklärt: Galenik & Bioverfügbarkeit

Unter Galenik versteht man die Herstellung und Zusammensetzung von Arzneimitteln. Ein Arzneimittel besteht immer aus mindestens einem Wirkstoff und meist mehreren Hilfsstoffen. Die Hilfsstoffe dienen dazu den Wirkstoff in eine bestimmte Darreichungsform (Tablette, Kapsel, Tropfen, Salbe usw.) zu bringen die der Patientin/dem Patienten verabreicht werden kann.

Die Bioverfügbarkeit gibt an in welcher Zeit und in welchem Umfang der Wirkstoff aufgenommen wird. Die Aufnahme (Resorption) des Wirkstoffes ist von den verwendeten Hilfsstoffen und der gewählten Darreichungsform abhängig, so dass Arzneimittel auch bei einem exakt gleichen Wirkstoff in der gleichen Dosisstärke unterschiedlich wirken können.

L-Thyroxin-Einnahme … darauf sollten Sie beim Frühstück besser verzichten!

Abführmittel (Laxantien) können die Wirkung von L-Thyroxin-Präparaten zunichte machen.

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Quelle: pixabay.com / User: mandarinMD / Lizenz: CC0

Eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) geht meistens mit einer quälenden Verstopfung sowie hartnäckigem Übergewicht einher. Deshalb greifen etliche SchilddrüsenpatientInnen zu ballaststoffreichen Lebensmitteln und/oder natürlichen Abführmitteln.

Verdauungsfördernde Nahrungsmittel:

  • Milchprodukte (Molke, Kefir)
  • Weizenkleie, Leinsamen, Flohsamen
  • Enzymgetränke (Brottrunk, Kombucha)
  • Trockenobst (Pflaumen)
  • Rhabarber-, Rote Beete-, Sauerkraut-Saft
  • Sennesblättertee
  • Glauber-, Bittersalz

Insbesondere die weit verbreitete Erhöhung des Ballaststoffanteils soll für eine gesunde Darmflora sorgen, die Darmaktivität fördern, die Ausscheidung von vermeintlichen Stoffwechselgiften begünstigen, die Darmentleerung beschleunigen und so letztendlich die ersehnte Gewichtsabnahme unterstützen.

Im Hinblick darauf wird allerdings oft vergessen, dass die Aufnahme von L-Thyroxin einige Zeit beansprucht. Die Darmpassage in diesem Zeitfenster gezielt zu beschleunigen ist deshalb kontraproduktiv. Die Schilddrüsenhormone würden nicht vollständig aufgenommen und teilweise sogar ungenutzt mit dem Stuhl einfach wieder ausgeschieden. Deshalb ist es wichtig, dass zwischen der L-Thyroxin-Einnahme und einer sehr ballaststoffreichen Mahlzeit bzw. der Einnahme von Abführmitteln immer einige Stunden liegen.

Erste Schritte zur verbesserten Jodüberwachung der europäischen Bevölkerung

Europa wird intelligenter durch bessere Jodversorgung

In Europa könnten die negativen gesundheitlichen Folgen von Jodmangel, zu denen auch kognitive Probleme gehören, mit einer harmonisierten Überwachung der Jodversorgung überwunden werden.
Die Universitätsmedizin Greifswald stellt jetzt eine neuartige Infrastruktur zur Verfügung, um eine harmonisierte Überwachung der Jodzufuhr voranzutreiben. Mit dem EUthyroid-Netzwerk hat eine europaweite Initiative die Herausforderung angenommen, den Jodmangel zu reduzieren. Koordiniert von der Universitätsmedizin Greifswald und gefördert von der EU arbeiten Wissenschaftler aus 27 europäischen Ländern daran, Jodmangel und seine negativen gesundheitlichen Folgen zu überwinden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) behauptet, dass eine Überwachung der Jodaufnahme entscheidend für eine nachhaltige Verbesserung der Jodzufuhr in Europa ist. Erste Schritte zur verbesserten Jodüberwachung der europäischen Bevölkerung weiterlesen

Schilddrüsenunterfunktion bei Älteren: Werte zunächst kontrollieren und nicht immer behandeln

Symptome wie Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit oder depressive Verstimmungen können auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hinweisen. Bei über 65-Jährigen ist der TSH-Wert, der anzeigt, ob eine Schilddrüsenfunktionsstörung vorliegt, allerdings altersbedingt höher als bei Jüngeren. Höher heißt nicht unbedingt, dass die Unterfunktion behandelt werden muss. Auch kann es zu einer spontanen Normalisierung der TSH-Werte kommen, und die Leitlinien empfehlen hier deshalb ein sehr zurückhaltendes Vorgehen. Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) anlässlich der im New England Journal of Medicine veröffentlichten TRUST-Studie hin. Schilddrüsenunterfunktion bei Älteren: Werte zunächst kontrollieren und nicht immer behandeln weiterlesen

Unverträglichkeit der Zusatzstoffe: Gibt es L-Thyroxin-Präparate für Allergiker?

Allergien gegen die Zusatzstoffe in den handelsüblichen L-Thyroxin-Präparaten sind sehr selten. Im Einzelfall kann es aber sinnvoll sein die unterschiedlichen auf dem Markt erhältlichen Schilddrüsenhormonmedikamente auszuprobieren. Im Hinblick darauf sei insbesondere auf die L-Thyroxin-Präparate in flüssiger Form (Eferox® Lösung zum Einnehmen aus Deutschland, L-Thyroxin Henning® Tropfen aus Deutschland sind momentan nicht lieferbar, L-Thyroxine Serb® aus Frankreich) sowie die L-Thyroxin-Gelkapseln Tirosint® aus der Schweiz verwiesen. Unverträglichkeit der Zusatzstoffe: Gibt es L-Thyroxin-Präparate für Allergiker? weiterlesen

L-Thyroxin: Welche Präparate gibt es? Welcher Hersteller ist am besten?

In Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Schilddrüsenhormonmedikamenten, die alle den gleichen Wirkstoff (Levothyroxinnatrium, abgekürzt L-Thyroxin) enthalten.

Diese L-Thyroxin-Präparate werden von unterschiedlichen Pharmaunternehmen für den deutschen Markt hergestellt. Einige der Hersteller haben zudem auch noch mehrere Produkte auf dem Markt, die sie sowohl unter ihrem Markennamen als auch über weniger bekannte Tochterunternehmen als sogenanntes Generikum (Nachahmerpräparat, d.h. wirkstoffgleiche Kopie des Markenpräparats) vertreiben.  L-Thyroxin: Welche Präparate gibt es? Welcher Hersteller ist am besten? weiterlesen

Frankreich: Patienten siegen im Streit um Schilddrüsenhormone

Für alle die den Skandal um das vom deutschen Pharmaunternehmen Merck KGaA hergestellte Levothyrox® in Frankreich verfolgen der Hinweis auf einen am 02.10.17 erschienenen Artikel im Deutschen Ärzteblatt (Frankreich: Patienten siegen im Streit um Schilddrüsenhormone). Lesenswert ist insbesondere auch der Kommentar von BeateB (Forum Vivre sans Thyroïde, www.forum-thyroide.net).

Nachtrag am 05.10.17: Interessant ist diesbezüglich auch der folgende, am 04.10.17 veröffentlichte Beitrag in der Deutschen Apotheker Zeitung „Levothyrox-Nebenwirkungen lösen Polizei-Einsatz aus„.

Die Merck KGaA hat im Geschäftsjahr 2016 übrigens nach eigenen Angaben mit Euthyrox® einen Umsatz von 322 Millionen Euro erzielt (Quelle: Merck KGaA „Geschäftsbericht 2016“, http://gb2016.merck.de). Euthyrox® ist in Frankreich unter dem Namen Levothyrox® auf dem Markt. Dort sind rund 3 Millionen Menschen darauf angewiesen.