Mögliche Ursachen für Schmerzen bei Erkrankungen der Schilddrüse

Schmerzen bei Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow
KI-generierte Grafik

Schilddrüsenkrankheiten gelten oft als harmlose, einfach zu behandelnde und vor allem schmerzlose Krankheiten. Aber leider stimmt das nicht. Etliche SchilddrüsenpatientInnen leiden unter mehr oder weniger stark ausgeprägten und entsprechend den Alltag beeinträchtigenden Schmerzzuständen. Insbesondere die Diagnose einer Autoimmunerkrankung (Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis) ist dabei so etwas wie eine Blackbox. Vom Fehlen jeglicher Beschwerden bis chronisch krank und dauerhaft erwerbsunfähig ist alles möglich. Die Krankheitsverläufe sind individuell sehr unterschiedlich!

Mögliche Gründe für Schmerzen im Zusammenhang mit Erkrankungen der Schilddrüse sind beispielsweise

  • schmerzhafte Schilddrüsenentzündung
  • Symptome der Autoimmunerkrankung
  • hyperthyreote bzw. hypothyreote Myopathie
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Nährstoffdefizite (insb. Magnesium, Calcium, Vitamin D und Eisen)
  • rheumatische Erkrankungen (Arthritis, Lupus erythematodes, chronic fatique syndrom, Fibromyalgie, Myasthenia gravis

Im Hinblick darauf ist es auch für erfahrene ÄrztInnen schwierig die Ursache dafür zu finden und zu behandeln.

schmerzhafte Schilddrüsenentzündung

Entgegen der unter ÄrztInnen weit verbreiteten Meinung verläuft der autoimmune Entzündungsprozess beim Morbus Basedow oder bei der Hashimoto-Thyreoiditis nicht immer schmerzfrei, sondern es gibt atypische Krankheitsverläufe die mit ausgeprägten Schmerzen im Bereich der Schilddrüse einhergehen. Oft ist neben stark erhöhten Antikörpern eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins feststellbar und es besteht Fieber. Die Behandlung mit Thyreostatika oder L-Thyroxin bessert die Beschwerden meist nur geringfügig. Deshalb wird auch bei der Hashimoto-Thyreoiditis gelegentlich zusätzlich Cortison eingesetzt oder die Schilddrüse operativ entfernt.

Symptome der Autoimmunerkrankung

Aus bisher noch weitgehend ungeklärten Gründen kommt es bei den autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen darüber hinaus in Schätzungen zufolge bis zu 20% der Fälle zu teilweise sehr stark ausgeprägten Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Typisch für die Hashimoto-Thyreoiditis (eher seltener beim Morbus Basedow) ist auch ein allgemeines Zerschlagenheitsgefühl mit Gliederschmerzen ähnlich wie bei einer schweren Grippe. Diese autoimmun verursachten Schmerzzustände können unabhängig von der Behandlung der Schilddrüsenfehlfunktion weiter bestehen bleiben. Sie verstärken sich oft deutlich während der Krankheitsschübe und verschwinden manchmal vollständig wenn die Schilddrüsenentzündung „ausgebrannt“ ist. Einige SchilddrüsenexpertInnen vermuten als Ursache für hartnäckige Muskelschmerzen und -verhärtungen ein Einwandern von Entzündungszellen in die Muskulatur. So konnten bei Hashimoto-Erkrankten bereits Antikörper gegen bestimmte Bindegewebsfasern in den Muskeln nachgewiesen werden.

hyperthyreote bzw. hypothyreote Myopathie

Wissenschaftlich belegt werden konnte inzwischen auch, warum es im Rahmen von Schilddrüsenerkrankungen so oft zu hormonell bedingten Muskelschmerzen (hyperthyreote bzw. hypothyreote Myopathie) sowie einer ausgeprägten Muskelschwäche kommt. Während diese Muskelschwäche bei der Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion, Mangel an Schilddrüsenhormonen) durch eine Reduktion von Stoffwechselprozessen entsteht, ist bei der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion, Überschuss an Schilddrüsenhormonen) ein vermehrter Eiweißabbau in der Muskulatur dafür verantwortlich. Die Beschwerden sind in dem Fall mit dem Erreichen normaler Schilddrüsenhormonwerte und einer ausgeglichenen Schilddrüsenstoffwechsellage meist rückläufig.

Karpaltunnelsyndrom

Allgemein bekannt ist, dass eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) eine häufige Ursache für das Karpaltunnelsyndrom ist. Dabei kommt es durch Ödembildung zu einer Druckschädigung des Medianusnervs. Im Anfangsstadium erwacht die/der betroffene Patientin/Patient oft morgens mit dem Gefühl, die Hand sei „eingeschlafen“. Später stellen sich Missempfindungen wie Kribbeln, Prickeln, Taubheitsgefühl und Schmerzen ein. Diese Missempfindungen können von den Fingern, über die Hand bis in den Unter- oder sogar Oberarm ausstrahlen. Im weiteren Verlauf kann es zu einem Muskelschwund, insbesondere der Daumenballenmuskulatur kommen. Durch Behandlung der Hypothyreose bilden sich die Ödeme und damit auch das Karpaltunnelsyndrom häufig vollständig zurück.

Nährstoffdefizite (insb. Magnesium, Calcium, Vitamin D und Eisen)

Zu den vergleichsweise harmlosen – aber oft übersehenden – Ursachen für Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe bei Schilddrüsenerkrankungen zählen Nährstoffmängel. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion sind das sehr oft Eisen, Magnesium und Vitamin D – bei einer Schilddrüsenüberfunktion sollte man Calcium, Magnesium und auch Natrium im Blick behalten. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt. Durch die ödematöse Verdickung der Darmschleimhaut im Rahmen der Hypothyreose entstehen Resorptionsstörungen, die eine ausreichende Aufnahme verhindern. Bei der Hyperthyreose passieren die Nahrungsmittel den Dünn- und Dickdarm so schnell, dass für die optimale Ausnutzung der Nahrung nicht ausreichend Zeit bleibt.

rheumatische Erkrankungen

Ein nicht unerheblicher Teil der autoimmun Schilddrüsenerkrankten leidet des weiteren unter anhaltenden rheumatischen Beschwerden, deren Ursache ärztlich abgeklärt werden sollte. Neben Gelenkschmerzen kann es zu regelrechten Gelenkentzündungen (Arthritis) kommen, bei denen neben Schmerzen weitere Symptome wie Rötung, Schwellung und Überwärmung eines oder mehrerer Gelenke auftreten. Hier ist besonders darauf zu achten, dass sich bei rund 25 % der Basedow- und Hashimoto-Betroffenen weitere Autoimmunerkrankungen entwickeln. So kommt es beispielsweise beim Lupus erythematodes zu Gelenkschmerzen. Betroffen sind hier besonders die Sprunggelenke. Besteht trotz Schilddrüsenhormonbehandlung neben Muskel- und Gelenkschmerzen eine starke Müdigkeit bis hin zur völligen Erschöpfung, muss an ein eventuell zusätzlich auftretendes chronic fatique syndrom oder auch eine Fibromyalgie gedacht werden. Kennzeichen der Myasthenia gravis ist eine ausgeprägte Muskelschwäche, die sich auch durch die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen nicht beeinflussen lässt. Meist manifestiert sich diese Muskelschwäche zunächst im Bereich eines Augenlids, welches herabhängt.


Dieser Artikel wurde am 22. März 2024 vollständig überarbeitet und neu veröffentlicht.