Allgemeines zur Nährstofftherapie bei Schilddrüsenerkrankungen

Bei Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow-Betroffenen wird oft wiederholt ein Mangel an wichtigen Spurenelementen wie Eisen und Selen festgestellt. Auch bei dem Mineralstoff Magnesium sowie Vitamin D gibt es häufig Defizite.

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Mit diesem Text soll der Erfahrung zahlreicher Schilddrüsenerkrankter Rechnung getragen werden, die unter schwerwiegenden, lang anhaltenden oder immer wiederkehrenden Nährstoffmängeln leiden. Auch wenn die Wirksamkeit einzelner Vitamine, Spurenelemente oder Mineralstoffe bisher nicht immer zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte: Aufgrund des geringen Nebenwirkungspotentials ist gegen eine kurmäßige, zeitlich begrenzte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) als begleitende Therapie nichts einzuwenden. Von einer leichtfertigen Dauereinnahme in höheren Dosierungen ist aber abzuraten, da es auch zu unerwünschten Wirkungen auf die Schilddrüsenfunktion kommen kann. Im Zweifelsfall sollte eine Ärztin/ein Arzt konsultiert werden, die/der in den meisten Fällen durch Blutuntersuchungen einen Mangel feststellen bzw. ausschließen und die Nährstofftherapie entsprechend überwachen kann. Leider müssen die Kosten dafür oftmals privat getragen werden.

Wichtige Nährstoffe bei Schilddrüsenerkrankungen

  • Antioxidantien wie Selen, Zink und die Vitamine A, C, E
  • Mineralstoffe, insbesondere Magnesium und Calcium
  • das Spurenelement Eisen
  • Vitamin D
  • die Vitamine des B-Komplexes
  • Bromelain, Coenzym Q10, Omega-3-Fettsäuren, L-Carnitin und Aminosäuren

Welche SchilddrüsenpatientInnen brauchen Nahrungsergänzungsmittel?

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Der Sinn oder Unsinn von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) wird seit längerer Zeit kontrovers und oft nur wenig sachlich diskutiert. Die Meinungen diesbezüglich reichen von „unverzichtbar“ bis zu „überflüssig“. Es gibt zahlreiche Untersuchungen zu diesem Thema, die aber keinen eindeutigen Trend belegen, sondern mal die eine und mal die andere Sichtweise stützen.

Unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt es allgemeine Empfehlungen zum Tagesbedarf an Vitaminen und Mineralstoffen. Diese Empfehlungen wurden zuletzt 2015 überarbeitet und sind für gesunde Personen ohne besondere Belastungen gedacht. Ob ein erhöhter Bedarf besteht, der über die normale Ernährung nicht gedeckt werden kann, ist aber unter anderem von Faktoren wie Ernährungsgewohnheiten, Stressbelastung, Alter, Gesundheitszustand und Geschlecht abhängig. Diese Nährstofftabellen bieten also nicht mehr als grobe Anhaltspunkte.

Bei chronischen Erkrankungen zu denen auch fast alle Schilddrüsenkrankheiten zählen ist eine ausgewogene Ernährung allein oft nicht mehr ausreichend, um den Körper mit allen benötigten Vitalstoffen zu versorgen. Dann ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfehlenswert. Für Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow-Betroffene ist problematisch, dass viele der in der Apotheke frei verkäuflichen Multimineralstoffkomplexe das Spurenelement Jod enthalten und deshalb ungeeignet sind.


Was sind Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente?

Ganz allgemein wird zwischen Vitaminen sowie Mineralstoffen und Spurenelementen unterschieden.

Vitamine sind essentielle Stoffe, die mit der Nahrung zugeführt werden müssen und die für die Gesunderhaltung des Körpers lebensnotwendig sind. Grundsätzlich unterscheidet man fettlösliche und wasserlösliche Vitamine. Fettlöslich sind die Vitamine A, D, E und K, welche im Fettgewebe des Körpers gespeichert und deshalb auch überdosiert werden können. Wasserlöslich sind die Vitamine des B-Komplexes und Vitamin C, die mit Ausnahme des Vitamins B 12 nicht im Körper gespeichert werden können und deshalb täglich neu aufgenommen werden müssen. Nicht benötigte Überschüsse an wasserlöslichen Vitaminen werden mit dem Urin ausgeschieden.

Mineralstoffe sind anorganische Salze, die ebenfalls ständig über die Ernährung aufgenommen werden müssen und für den Aufbau von Körpersubstanzen unverzichtbar sind. Bei den Mineralstoffen differenziert man zwischen Mengenelementen (Calcium, Chlorid, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor und Schwefel) und Spurenelementen (Chrom, Eisen, Fluorid, Jod, Kobalt, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen und Zink). Da Spurenelemente nur in sehr geringen Mengen im Körper vorhanden sind und größere Mengen Schaden anrichten können, sollte eine Überdosierung unbedingt vermieden werden. Sinnvoll ist eine kurmäßige Einnahme über wenige Monate und keine Daueranwendung. 

Außer Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen gibt es weitere Substanzen mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. Dazu zählen beispielsweise Enzyme, Aminosäuren oder auch Fettsäuren.


Welche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind für Schilddrüsenkranke von Bedeutung?

Studien, welche den Nutzen von Nahrungsergänzungsprodukten speziell bei SchilddrüsenpatientInnen untersucht haben, gibt es inzwischen eine ganze Reihe. Nachfolgend einige der Ergebnisse

Eisen

Bei PatientInnen mit einer Schilddrüsenunterfunktion kommt es sehr oft begleitend zu einer → Eisenmangelanämie die neben der Schilddrüsenhormontherapie gesondert behandelt werden muss.

Selen

In mehreren voneinander unabhängigen Untersuchungen wurden die positiven Wirkungen des Spurenelements → Selen auf den der Hashimoto-Thyreoiditis zugrundeliegenden Autoimmunprozess nachgewiesen. Auch bei Morbus Basedow wird die Einnahme von Selen empfohlen.

Magnesium

Des weiteren wurde der Mineralstoff Magnesium mehrfach in wissenschaftlichen Studien in Bezug auf Schilddrüsenkrankheiten betrachtet. Vielversprechende Ergebnisse gibt es insbesondere bei der Behandlung von im Zusammenhang mit Erkrankungen der Schilddrüse auftretendem Bluthochdruck und Tachykardien mit hochdosiertem Magnesium. Herausgefunden hat man außerdem → Magnesiummangel erhöht das Risiko für eine Schilddrüsenerkrankung.

Vitamin D

Das Sonnenvitamin D ist erst in den letzten Jahren in den Blickpunkt des wissenschaftlichen Interesses geraten. Zum Zusammenhang von Schilddrüsenerkrankungen und → Vitamin D-Mangel wurden seitdem etliche Studien durchgeführt und vielfältige Informationen veröffentlicht. So wird beispielsweise diskutiert, dass ein lange bestehendes, ausgeprägtes Defizit an Vitamin D eine mögliche Ursache im Hinblick auf die Entstehung der Hashimoto-Thyreoiditis sein könnte.


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Dieser Artikel wurde am 04.05.21 vollständig überarbeitet und neu veröffentlicht.