Schilddrüsenkrank erfolgreich – Prominente Vorbilder

Letzte Woche hatte ich den Artikel einer überregional erscheinenden Tageszeitung verlinkt. DIE WELT ist eine Publikation der Berliner Axel Springer AG. Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich was um alles in der Welt ;-) das mit dem Thema dieser Internetseite zu tun hat. Ganz einfach … Der Verlag wurde 1946 von Axel Springer (1912 – 1985) gegründet. Axel Springer war über Jahrzehnte der erfolgreichste deutsche Verleger – und er war schilddrüsenkrank. Keiner von denen die morgens ihre Schilddrüsenhormontablette eingenommen und ansonsten nicht viel von ihrer Schilddrüsenerkrankung gemerkt haben, sondern jemand der zeitlebens mit gesundheitlichen Einbrüchen zu kämpfen hatte.

Hier mal ein Zitat aus einer Biografie über Axel Springer:

„[…] Fieberschübe, Grippeanfälle, Schweißausbrüche passieren in kürzeren Abständen. Die Mittel, die er gegen die Unterfunktion der Schilddrüse nehmen muß, schwächen die Abwehrkräfte des Körpers. Der ständig Fröstelnde neigt zu Depressionen, und nicht alle sind gespielt. Schlafstörungen sind für ihn fast schon normal, die hatte er immer schon, aber früher hat er sie leichter verkraftet, weil er jünger war. Eher unachtsam schluckt er die Tabletten, die ihm seine Frau genau nach Plan hinlegt, was sie nie vergißt. Manchmal nimmt er sechs, manchmal nur zwei, manchmal alle auf einmal. Doch nur mit ganz genauen Dosierungen, die immer wieder vom Arzt aufgrund seiner aktuellen Werte bestimmt werden müssen, hätte das ganze Sinn gemacht. Die Spontaneität, die ihn auszeichnete, ist nicht hilfreich, wenn es gilt, stur nach Plan vorzugehen, also zum Beispiel regelmässig Tabletten einzunehmen. Unruhe treibt ihn, stärker als früher, als es die positive Unruhe des Kreativen war, die ihn nicht stillsitzen ließ. […] Apotheker an den Orten, an denen sich der erschöpfte Verleger in seinen letzten Lebensjahren aufhält, haben immer eine große Menge der Medikamente vorrätig, die er braucht. Es ist inzwischen nicht nur die Schilddrüse, die ihn durch ihre Unterfunktion immer wieder schwächt und für Infektionen anfällig macht. Es bereitet ihm Mühe zu gehen, weil die Muskelschwäche nicht zu beheben ist. […] Er sah zwar schlimm aus, fahl und mit Flecken im Gesicht, und nur mühsam konnte er sich aufrecht halten. Aber ihm fehlte eigentlich nichts, meint die ausgebildete Krankenschwester, was nicht ein paar Wochen jodhaltige Luft auf Sylt, die ihm ja immer schon geholfen hat, geheilt hätten. Anständige Ernährung dazu und viele Spaziergänge. […]“ Entnommen aus dem Buch „Der Verleger. Der Fall Axel Springer“ von Michael Jürgs

Aber auch andere prominente Vorbilder leiden an Erkrankungen der Schilddrüse.

Kennen Sie die in Hamburg erscheinende Wochenzeitschrift DIE ZEIT die in den Druckereien der Axel Springer AG entsteht. Herausgeber ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Helmut Schmidt (*1918). Helmut Schmidt ist den meisten sicher bekannt aus seiner Zeit als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (1974 – 1982). Kurz davor war er übrigens am Morbus Basedow erkrankt. Helmut Schmidt ist Ehrenmitglied der 1995 gegründeten Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.

Die Autobiografie von Helmut Schmidt „Ausser Dienst. Eine Bilanz“ ist erst kürzlich erschienen.

Aber wo wir schon bei den bekannten deutschen Zeitungen sind … ein Zitat aus dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL

„[…] Jede Überproduktion wirkt wie starker Stress. Das Herz schlägt schnell und bis zum Hals, Hitzegefühl und innere Unruhe quälen den Patienten. Er verliert rasch Gewicht. Seine Hände zittern, die Selbstkontrolle wird immer schwieriger, schließlich unmöglich. Kanzler-Aspirant Helmut Schmidt über den inneren Zustand des Basedow-Kranken: „Beschissen.“ Er muß es wissen. Mindestens ein Jahr, von Mitte 1971 bis Frühjahr 1972, laborierte der starke Mann aus Hamburg an einer — unerkannten und fehlbehandelten — Überfunktion der winzigen Drüse, die „auch den stärksten Minister umschmeißen kann“ („Bild“). Monatelang fiel Schmidt immer wieder ins Bett des Koblenzer Bundeswehr-Zentral-Krankenhauses, bis die Militärärzte endlich die richtige Diagnose stellten; sie waren nicht drauf gekommen, weil bei Schmidt zwei der drei typischen Merseburger Zeichen, Kropf und Froschaugen, fehlten. […]“

Entnommen aus dem Text „Trügerische Trias“, DER SPIEGEL, 13.05.1974

Liest sich auch nicht gerade wie „Schilddrüsenkrank – das macht doch nichts!“, oder?

Aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gehören sowohl Helmut Schmidt als auch Axel Springer zu den beeindruckensten Charakteren der Gegenwart bzw. jüngeren deutschen Geschichte. Sie sind Menschen, die das Land bewegten!