Review – Gernot Lorenz „Der Einfluss von Eisenmangel auf die Schilddrüsenfunktion“

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Schon länger ist bekannt, dass das eisenabhängige Enzym Thyreoperoxidase (TPO) wesentliche Schritte der Schilddrüsenhormonsynthese katalysiert, was im Umkehrschluss bedeutet, dass ein Eisenmangel die TPO-Aktivität beeinträchtigt und Schilddrüsenfunktionsstörungen auslösen kann. In Deutschland sind ca. 10% der Frauen im gebärfähigen Alter von einem Eisenmangel betroffen. Bei einem Drittel von ihnen kommt es zu einer Eisenmangelanämie. 

Im Rahmen der von der Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführten Studie wurde jetzt untersucht, ob bei Schilddrüsenpatienten ein Eisenmangel (Ferritin < 30 μg/l) mit veränderten Schilddrüsenparametern (TSH, fT3, fT4) einhergeht und inwieweit sich daraus diagnostische und therapeutische Konsequenzen für die Behandlung von Schilddrüsenpatienten ergeben.

Dazu wurden knapp 200 Probanden erfasst, von denen die eine Hälfte ein normales Ferritin und die andere Hälfte ein erniedrigtes Ferritin aufwies. Zwischen beiden Gruppen gab es signifikante Unterschiede hinsichtlich der Schilddrüsenhormone fT3 und fT4. In der Gruppe mit niedrigem Ferritin fielen auch fT3 und fT4 niedriger aus. Bezüglich des Hypophysenhormons TSH gab es keine signifikanten Unterschiede in den beiden Gruppen.

Die vorliegende Studie belegt also eine negative Beeinflussung des Schilddrüsenhaushaltes durch einen Eisenmangel. Als mögliche Ursachen für den gestörten Schilddrüsenhormonhaushalt bei Eisenmangel werden neben zentralregulatorischen Störungen insbesondere eine durch die reduzierte TPO-Aktivität gestörte Hormonsyntheseleistung der Schilddrüse diskutiert.

Eisenmangel verursacht aber nicht nur Störungen des Schilddrüsenhormonstoffwechsels, sondern umgekehrt kann auch eine Hypothyreose den Eisenstoffwechsel beeinträchtigen. So zeigten erste Versuche, dass sich eine aufgrund einer Hypothyreose vermindere Eisenverwertung durch eine Schilddrüsenhormonsubstitution wieder normalisieren liess. Die genauen Zusammenhänge sind jedoch noch nicht bekannt.

Als praxisrelevantes Fazit wird auf die Bedeutung der Ferritin-Bestimmung als Bestandteil der Schilddrüsendiagnostik und die Notwendigkeit einer Eisensubstitution bei Schilddrüsenpatienten mit einem Ferritin unter 30 μg/l hingewiesen. Desweiteren scheint bedeutsam, dass eine erhöhte Eisenmangelprävalenz die Effizienz einer Jodmangelprophylaxe reduzieren kann.

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Quelle: Gernot Johannes Lorenz: Der Einfluss von Eisenmangel auf die Schilddrüsenfunktion, Dissertation München 2009 (Fulltext free)

Da es im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere bei einer Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenunterfunktion, häufig zusätzlich zu einer Blutarmut aufgrund von Eisenmangel kommt finden Sie hier auch weiterführende Informationen dazu. Siehe → Eisenmangelanämie