Nach Erdbeben und Tsunami: Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima (Jodblockade erforderlich?)

Nach Medienberichten haben die japanischen Behörden, nach der Explosion im Reaktorblock 1 des japanischen Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, begonnen Kaliumjodid-Tabletten an die dort lebende Bevölkerung zu verteilen.

Warum ist das für diese Menschen wichtig?

Jodblockade (Wolff-Chaikoff-Effekt)

Unsere Schilddrüse braucht das Spurenelement Jod, um daraus Schilddrüsenhormone produzieren zu können. Das benötigte (normalerweise nicht radioaktive) Jod nimmt unsere Schilddrüse über Atemluft und Nahrungsmittel fortwährend auf.

Beim Betrieb von Kernkraftwerken entsteht radioaktives Jod, welches bei einem Unfall aufgrund der dort vorherrschenden hohen Temperaturen in gasförmigem Zustand vorliegt. Gelangt dieses radioaktive Jod-Gas in die Umgebung, wird es über die Atemluft von den dort lebenden Menschen eingeatmet und genauso wie nicht radioaktives Jod in der Schilddrüse gespeichert. Dort kann es beispielsweise einen strahleninduzierten Schilddrüsenkrebs auslösen. Um dies zu verhindern, macht man sich die begrenzte Jod-Speicherfähigkeit der Schilddrüse zu nutze. Das heisst, es wird versucht die Schilddrüse durch die Gabe von hochdosierten Kaliumjodid-Tabletten zu blockieren, so dass das radioaktive Jod nicht mehr aufgenommen werden kann.

Strahleninduzierter Schilddrüsenkrebs

Gesichert ist, dass es nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl als Folge der freiwerdenden Radioaktivität zu einem gehäuften Auftreten von Schilddrüsenkrebserkrankungen bei Kindern in der Ukraine und in Weissrussland gekommen ist. Nach Angaben des Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) haben auch die von Frankreich durchgeführten Atomwaffentests in Französisch Polynesien (Südsee) zu einer Zunahme der Schilddrüsenkrebserkrankungen bei den Inselbewohnern geführt, so dass radioaktive Strahlung inzwischen als eine mögliche Ursache von Schilddrüsenkrebs belegt wurde. Auch als Folge der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki stiegen in den betroffenen Gebieten die Erkrankungsraten an.

Weiterführende Informationen zur „Einnahme von Jodtabletten als Schutzmaßnahme bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk“ bietet beispielsweise das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

-Werbung-