Schilddrüse und Jod – Die 10 häufigsten Irrtümer!

Johann Grassl: Ernährung bei Erkrankungen der Schilddrüse (Amazon-Partnerlink)

Fast jeder kennt inzwischen die Redensart „so überflüssig wie ein Kropf“. Wer sich als Arzt, Patient oder auch Journalist für die Themen Schilddrüse und Schilddrüsenerkrankungen interessiert, wird zwangsläufig – ob er will oder nicht – auch mit den Themen Jod, Jodmangel und Jodmangelprophylaxe konfrontiert. Da wird die Bedeutung des Spurenelements Jod für die Funktion der Schilddrüse erläutert. Es ist von angeblich weit verbreiteten Schilddrüsenerkrankungen wie dem Jodmangelkropf die Rede. Und in dem Zusammenhang werden die Vorzüge der Prophylaxe mit Jodsalz zur unkomplizierten und risikoarmen Vermeidung dieser vermeintlich schwerwiegenden Krankheiten der Schilddrüse herausgestellt. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Schilddrüse und Jod – Die 10 häufigsten Irrtümer:

  1. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation) hat bereits 2004 offiziell bestätigt, dass Deutschland kein Jodmangelgebiet mehr ist. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert.
  2. Jodsalz ist zur Prophylaxe von Schilddrüsenerkrankungen nicht geeignet, da es nicht abhängig von den individuellen Erfordernissen angemessen dosiert werden kann, sondern nach dem Giesskannenprinzip verabreicht wird.
  3. Eine ausreichende Aufnahme des Spurenelementes Jod, z.B. durch die Verwendung von Jodsalz, bietet keinen grundsätzlichen Schutz vor Schilddrüsenerkrankungen. Ein Zuviel an Jod gilt sogar als Auslöser einiger Krankheiten der Schilddrüse wie beispielsweise dem Morbus Basedow.
  4. Die jodmangelbedingte Vergrößerung der Schilddrüse (Jodmangelkropf/Jodmangelstruma) ist keine Krankheit, sondern die Anpassungsleistung einer gesunden Schilddrüse während einer Phase mit vermindertem Jodangebot.
  5. Die Tastuntersuchung (Palpation) der Schilddrüse erlaubt weder den verlässlichen Ausschluss noch eine sichere Diagnose von Schilddrüsenkrankheiten.
  6. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). In höheren Dosen aufgenommen verschlimmert das Spurenelement Jod den Krankheitsverlauf dieser autoimmunen Schilddrüsenenzündung erheblich.
  7. Durch die Jodmangelprophylaxe seit Mitte der 90er Jahre ist es nicht zu einem allgemeinen Rückgang von Schilddrüsenerkrankungen gekommen. Während es kaum noch Jodmangelstrumen gibt, steigen die Erkrankungszahlen der weitaus schwerwiegenderen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow) immer stärker an.
  8. Schilddrüsenknoten bleiben häufig unbemerkt, weil sie lange Zeit keine Beschwerden verursachen. Bei heissen Schilddrüsenknoten (autonomes Adenom) kann es durch eine plötzlich erhöhte Jodaufnahme zu einer gefährlichen Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen.
  9. Schilddrüsenkrankheiten treten oft familiär gehäuft auf. Einige Krankheiten der Schilddrüse können durch Jod verursacht werden. Personen mit schilddrüsenkranken Familienangehörigen sollten deshalb vor der Einnahme von Jod einen Arzt um Rat fragen.
  10. Ärzte haften für die Folgen einer unbedachten Jodverordnung.  Kommt es in Folge der Einnahme eines Jodpräparates später zu einer Erkrankung der Schilddrüse ist der Arzt schadensersatzpflichtig.

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