Professor Josef Köhrle erhält European Hormone Medal 2022

23. Mai 2022 – Professor Dr. rer. nat. Josef Köhrle hat die European Hormone Medal 2022 der European Society of Endocrinology (ESE) erhalten. Die Auszeichnung wird an internationale Forscher verliehen, die sich große Verdienste auf dem Gebiet der Endokrinologie erworben haben. Die Jury der ESE würdigt die Arbeiten des Endokrinologen unter der Überschrift „Great impact in low quantities – thyroid hormones, trace elements and endocrine disruptors“. Der Preisträger ist ehemaliger Direktor des Instituts für Experimentelle Endokrinologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in den Jahren 2017 bis 2020. Die Übergabe des Preisgelds sowie der Medaille erfolgen auf der Jahrestagung des European Congress of Endocrinology (ECE 2022). Der Kongress findet vom 21. bis 24 Mai 2022 in Mailand, Italien, statt. „Wir freuen uns über die große Ehrung des Lebenswerks von Josef Köhrle im Bereich der Hormone, Schilddrüse und endokrinen Disruptoren (EDC)“, sagt DGE-Präsident Professor Dr. med. Günter Stalla aus München.

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Forschungsschwerpunkte von Professor Köhrle sind molekulare Aspekte der Schilddrüsenhormonachse, der Synthese von Schilddrüsenhormonen und deren Stoffwechsel. Dabei befasst er sich besonders mit der Wirkung hormonaktiver Substanzen auf das Schildrüsenhormonsystem und den Wechselwirkungen zwischen essenziellen Spurenelementen. Er forschte auch zum Hormonsystem und der Funktion von Selenoproteinen bei der Entstehung von Tumoren. Für seine wissenschaftliche Tätigkeit erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt unter anderem die Gabriel Bertrand Medaille der Federation European Societies Trace Elements Minerals (FESTEM).

Großes Engagement für die Verbesserung der Informations-, Kennzeichnungs- und Meldepflicht von EDC

In der breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er mit seinen Beiträgen zu Chemikalien, die das Schilddrüsenhormonsystem stören. Den hormonaktiven Substanzen, verkürzt oft „Umwelthormone“ genannt, gemeinsam ist, dass sie hormonelle Vorgänge wie etwa die Geschlechtsreifung, Fruchtbarkeit oder den Stoffwechsel im menschlichen Körper stören. Deshalb werden sie auch als endokrine Disruptoren bezeichnet. Sie können auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen. Von Fachleuten werden derzeit mehr als 1.000 Substanzen als EDC eingestuft. Polychlorierte Biphenyle etwa werden seit Beginn der 80er-Jahre in vielen Ländern nicht mehr hergestellt, seit 2001 sind sie weltweit verboten. Trotzdem sind sie noch heute auf der ganzen Welt nachweisbar – auch im menschlichen Körper.

Prof. Köhrle hat nicht nur die Wirkung von EDC auf den Hormonhaushalt erforscht. Er engagiert sich gemeinsam mit der DGE auch für die Verbesserung und konsequente Anwendung der Informations-, Kennzeichnungs- und Meldepflicht von EDC. Auf seiner Agenda stehen auch die Intensivierung und Förderung der Forschung sowie die Entwicklung von Testmethoden zum schnelleren und sicheren Nachweis ihrer Wirkung.

Unermüdliche Forschungs- und Aufklärungstätigkeit zu endokrinen Disruptoren

Köhrle war von 2016 bis 2021 Editor in Chief der Fachzeitschrift „Endocrine Connections“ (www.ec.bioscientifica.com), einer Gold-Open-Access-Zeitschrift der European Society of Endocrinology (ESE) und der Society for Endocrinlogy (SfE).
Zusammen mit Dr. Anna-Maria Andersson vom Copenhagen University Hospital, Dänemark, leitet er die EDC-Arbeitsgruppe und die Focus Area Environmental Endocrinolgy der ESE. Außerdem ist er Mitglied der EU EDC Task Force der Endocrine Society (www.endocrine.org/topics/ edc).
Prof. Köhrle teilt sich den Preis mit seinem dänischen Kollegen Prof. Peter Rossing vom Steno Diabetes Center in Kopenhagen.

„Mit dem Preis werden nicht nur die herausragenden wissenschaftlichen Erkenntnisse von Josef Köhrle gewürdigt, sondern auch seine besondere Unterstützung einer europäischen Gemeinschaft der Endokrinologie“, so Prof. Dr. Stephan Petersenn, Mediensprecher der DGE.

Quelle: endokrinologie.net

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