Einnahme von flüssigem L-Thyroxin zu einer Mahlzeit

Tabletten mit dem Wirkstoff Levothyroxinnatrium (L-Thyroxin) werden üblicherweise 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen um eine optimale Aufnahme zu gewährleisten. Flüssiges L-Thyroxin kann aber offenbar auch zu einer Mahlzeit eingenommen werden ohne dass durch die gleichzeitige Nahrungsaufnahme die Verwertung maßgeblich behindert wird.

Es gibt eine ganze Reihe von Lebensmitteln, Ballaststoffen, Getränken, Medikamenten sowie Magen-Darm-Erkrankungen die sich nachteilig auf die Aufnahme von L-Thyroxin auswirken. Deshalb wird allgemein empfohlen Schilddrüsenhormonpräparate frühmorgens auf leeren Magen einzunehmen.

Werbung

Seit einigen Jahren gibt es L-Thyroxin nicht mehr nur in Tablettenform, sondern auch als Weichgel-Kapseln oder flüssige Lösung.

Italienische Ärzte haben jetzt den Fall eines Patienten geschildert der sein flüssiges L-Thyroxin üblicherweise während des Mittagessens einnahm. Er war bereits drei Jahre lang mit einer Dosis von 75 µg L-Thyroxin täglich wegen einer Schilddrüsenunterfunktion in Folge einer Hashimoto-Thyreoiditis behandelt worden. Dann forderten ihn die Ärzte auf sein Schilddrüsenhormonpräparat zukünftig „richtig“, d.h. 30 Minuten vor dem Frühstück einzunehmen.

Bei der Kontrolle der Schilddrüsenwerte (TSH, fT3 und fT4) nach drei und sechs Monaten stellte sich überraschenderweise aber heraus, dass diese sich kaum verändert hatten und vergleichbar waren mit denen, als der Patient die Medikamente noch während des Mittagessens eingenommen hatte.

Obwohl sich aus dieser Beschreibung eines Einzelfalls natürlich keine allgemeingültigen Empfehlungen ableiten lassen, könnte die Umstellung auf L-Thyroxin-Tropfen für SchilddrüsenpatientInnen mit Malabsorption (schlechte Aufnahme z.B. des Wirkstoffs L-Thyroxin) oder auch SchichtarbeiterInnen eine Alternative sein die sich auszuprobieren lohnt.

Quelle: Carlo Cappelli, Ilenia Pirola, Maurizio Castellano „Liquid Levothyroxine Formulation Taken during Lunch in Italy: A Case Report and Review of the Literature“, Case Rep Endocrinol. 2020 Sep 5;2020:8858887. (Fulltext free)

Werbung