DGE-Hormonwoche: Schilddrüsenknoten – moderne ultraschallbasierte Diagnostik hilft, Operationen zu vermeiden

Bei Routineuntersuchungen der Schilddrüse entdecken Ärzte häufig Schilddrüsenknoten, lange bevor diese beim Patienten Beschwerden verursachen. Die meisten sind gutartig, sie müssen aber abgeklärt werden. In Deutschland gibt es trotz eines rückläufigen Trends immer noch eine hohe Operationshäufigkeit, die doppelt so hoch ist wie in anderen europäischen Ländern. Mithilfe moderner Ultraschallgeräte können Mediziner Knoten sicher und für Patienten schonend untersuchen und damit die Anzahl „unnötiger“ Operationen reduzieren. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) im Vorfeld ihrer Pressekonferenz am 12. September 2019 in Berlin anlässlich der 4. Deutschen Hormonwoche hin.

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Etwa 50 bis 70 Prozent der Menschen in Deutschland haben Knoten in der Schilddrüse (SD). Viele davon können bereits mit Abtasten nachgewiesen werden, andere werden „zufällig“ entdeckt, da bildgebende Verfahren zur Diagnostik immer verbreiteter sind. „Durch die Zufallsbefunde hat die Häufigkeit von SD-Knoten insgesamt zugenommen“, sagt Professor Dr. med. Jörg Bojunga, Leiter des Schwerpunkts Endokrinologie, Diabetologie, Ernährungsmedizin, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Frankfurt, und Vizepräsident der DGE.

Die meisten Betroffenen haben keine Beschwerden oder Funktionsstörungen. Dennoch müssen die Experten die Knoten genau untersuchen, um festzustellen, ob es sich um gutartige Knoten oder um Schilddrüsenkrebs handelt. „Das Schilddrüsenkarzinom ist eine seltene Tumorerkrankung. Etwa fünf von 100 000 Menschen erkranken“, erklärt Bojunga. Für den Behandlungsalltag ergibt sich daraus für den Arzt eine große Herausforderung: Zum einen eine hohe Zahl zufällig entdeckter Knoten, die es abzuklären gilt, zum anderen das Wissen, dass diese Knoten ein sehr niedriges Bösartigkeitsrisiko haben.

In Ländern wie beispielsweise Südkorea, in denen Screening-Programme für Schilddrüsenkrebs angeboten wurden, kann man exemplarisch sehen, wie aus dieser Konstellation eine Überdiagnostik und -therapie entsteht. In dem asiatischen Land kam es durch die Ultraschall-Untersuchungen zu einer 1500-prozentigen Zunahme von SD-Krebs, meist kleinen Karzinomen, die dann operiert wurden. Mit den steigenden Operationen, stiegen auch die Zahlen der Komplikationen: Zwei Prozent der Operierten hatten beispielsweise Lähmungen der Stimmbandnerven. Die Sterblichkeit blieb dabei trotz des Screenings unverändert. „In Deutschland ist die Zahl der SD-Operationen zwar rückläufig, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern jedoch immer noch doppelt so hoch: Pro 100 000 Einwohner sind es hierzulande etwa 100 Operationen“, sagt Bojunga. Komplikationen bei unnötigen Operationen führen dann in erster Linie zu einer Verschlechterung der Lebensqualität der Patienten, ohne dass deren Lebenserwartung steigt.

„Moderne ultraschallbasierte Diagnostik kann hier helfen, unnötige Operationen zu vermeiden, ohne dabei bösartige Befunde zu übersehen“, betont Bojunga. Die Basisuntersuchung der Schilddrüse, bei der Ausdehnung und Struktur betrachtet werden, ist eine „normale“ Ultraschalluntersuchung, eine sogenannte B-Mode-Sonografie. „Der Ultraschall ist jedoch nicht genau genug, um zwischen gutartigen und bösartigen Schilddrüsenknoten zu unterscheiden“, sagt Bojunga.

Als neues Verfahren hat sich zusätzlich die Ultraschall-Elastografie etabliert, mit der die Gewebeelastizität gemessen wird. „Das B-Bild wird mit einer farblichen Darstellung der Gewebeelastizität überlagert. Die Farben sind definiert und hartem, mittelhartem und weichem Gewebe zugeordnet und geben weitere Hinweise, ob es sich um gesundes oder Tumorgewebe handelt“, erklärt Bojunga. Für Patienten sind diese Untersuchungen sehr vorteilhaft: Schmerzfrei und schonend liefern sie ein schnelles Ergebnis und machen dadurch – je nach Befund – eine weitere Diagnostik wie Gewebeproben und Operation überflüssig.

Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE, erklärt: „Das bloße Vorhandensein von SD-Knoten erfordert weder automatisch eine medikamentöse Therapie noch eine Operation. Mithilfe der modernen bildgebenden Verfahren können wir ganz im Sinne der ‚Klug Entscheiden-Initiative‘ eine Überversorgung vermeiden und dem Patienten damit unnötige und auch ängstigende Verfahren ersparen.“

Quelle: idw-online.de

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