Hashimoto-Thyreoiditis: Zink ist wichtig für das Immunsystem

Der nachfolgende Text wurde am 14.09.18 aktualisiert.

Bei der → Hashimoto-Thyreoiditis kann die zeitlich begrenzte Zufuhr von Zink sinnvoll sein, da diesem Spurenelement eine entscheidende Rolle im Immunsystem zukommt und Zink zudem eine zentrale Bedeutung für den Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone hat.

Die Aktivität von mehr als 200 Enzymen wird von Zink beeinflusst, so dass Zink an vielen Funktionen im Körper mitbeteiligt ist. Eine Hauptwirkung des Spurenelements Zink betrifft die Entwicklung und Funktion der Geschlechtsorgane, den Stoffwechsel der Geschlechtshormone sowie die Fortpflanzung. Außerdem ist Zink wichtig, um die Gesundheit von Fingernägeln, Haut und Haaren aufrechtzuerhalten. Weißfleckige Fingernägel sind ein typisches Zinkmangelsymptom. Medizinisch eingesetzt wird das Spurenelement Zink beispielsweise in der Akne-Therapie.

Wissenswertes zum Spurenelement Zink

Mangelursachen:

Die moderne Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft führt zu einem Verlust an Zink im Ackerboden und auch die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte zu Lebensmitteln führt zu einem Zinkverlust. Ein Zinkmangel kann außerdem durch Aufnahmestörungen, wie sie beispielsweise bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulzerosa vorkommen, bedingt sein. In bestimmten Lebenssituationen wie z. B. in der Schwangerschaft und Stillzeit oder bei verschiedenen Krankheiten wie Krebs, Diabetes mellitus, Infektionen oder chronischen Entzündungen kann der Zinkbedarf deutlich erhöht sein. Oral eingenommene Verhütungsmittel sind zudem regelrechte Zinkräuber.

Mangelsymptome:

Von einem Zinkmangel ist als erstes unser Immunsystem betroffen, welches bei einem länger andauernden Zinkmangel deutlich geschwächt wird, so dass es häufiger zu Infektionen kommt. Charakteristisch sind darüber hinaus Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Auch Wachstumsstörungen der Haare, Haarausfall, Wundheilungsstörungen, die bereits beschriebenen weißen Flecken in den Fingernägeln und unreine Haut können sichtbare Zeichen eines Zinkmangels sein.

Zink-haltige Nahrungsmittel:

Reich an dem Spurenelement Zink sind beispielsweise Weizenkeime. Aber auch Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Käse enthalten größere Mengen an Zink.

Nebenwirkungen bei Überdosierung von Nährstoffpräparaten:

Der Tagesbedarf eines gesunden Erwachsenen liegt nach DGE bei 7 – 11 mg. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird die zeitlich begrenzte Einnahme von 20 mg Zink täglich empfohlen. In Deutschland freiverkäuflich erhältliche Präparate enthalten zwischen 5 und 25 mg Zink pro Tablette. Über das Internet beziehbare ausländische Zinkpräparate sind mit 50 – 100 mg deutlich höher dosiert. Von einer täglichen Zinkzufuhr von mehr als 25 mg ist allerdings abzuraten, weil dadurch Übelkeit und Erbrechen ausgelöst werden können. Eine Zinksupplementierung sollte auch nicht länger als 6 Wochen durchgeführt werden, da es ansonsten zu Wechselwirkungen mit den Spurenelementen Kupfer und Eisen mit den Folgen einer Anämie kommen kann.

Personen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis sollten außerdem berücksichtigen, dass Zink die Schilddrüsenfunktion stimulieren kann (M. Kilic, A. K. Baltaci, M. Gunay, H. Gokbel, N. Okudan, I. Cicioglu: “The effect of exhaustion exercise on thyroid hormones and testosterone levels of elite athletes receiving oral zinc”, Neuro Endoc Lett 2006, 1 (27): 247 – 252). Besteht aktuell eine Überfunktionssymptomatik, sollte Zink deshalb vorsichtshalber nicht eingenommen werden.

Einigen Studien zufolge kommt es durch die Zink-Einnahme  insbesondere zu einem Anstieg des stoffwechselaktiven Schilddrüsenhormons T3 (S. Ertek u.a. “Relationship between serum zinc levels, thyroid hormones and thyroid volume following successful iodine supplementation.” Hormones (Athens). 2010 Jul-Sep;9(3):263-8, Full text free)

Wurde Zink über einige Wochen supplementiert, so ist die Einnahme langsam auszuschleichen, damit es nicht durch das abrupte Absetzen zu Unterfunktionsbeschwerden kommt. Sinnvoll ist eine kurmäßige Einnahme von Zink, z. B. während der Erkältungszeit im Herbst, um Infekten vorzubeugen. Bei übermäßig hoher Zufuhr kann sich dieser Effekt ins Gegenteil verkehren, d. h. es kommt zu einer erhöhten Infektanfälligkeit.

Differentialdiagnose Hämopyrrollaktamurie

HEUFELDER/BRAKEBUSCH verweisen in ihrem Buch “Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis” auf die Erkrankung Hämopyrrollaktamurie (HPU) als Differentialdiagnose zur Hashimoto-Thyreoiditis. Diese wenig bekannte bzw. umstrittene Störung des Porphyrinstoffwechsels soll u. a. zu einer vermehrten Ausscheidung von Zink und Vitamin B6 führen. Die Krankheitssymptome sind ausgesprochen vielgestaltig. Es können u. a. Unruhezustände, Konzentrationsstörungen, Infektanfälligkeit, Allergien und Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Die Diagnose wird anhand der Untersuchungen von Urin, Blut und Stuhl gestellt. Bei einem positiven Befund werden vermehrt Pyrrole gemessen. Allerdings führt auch das Schilddrüsenhormon Trijodthyronin zu einer gesteigerten Hämsynthese und damit zu mehr Pyrrolen z. B. im Urin. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion wäre das HPU-Testergebnis deshalb falsch positiv. Beeinflusst wird die Hämsynthese auch durch eine hohe Aktivität des Immunprozesses. Beim Abbau der Schilddrüsenperoxidase entstehen ebenfalls Pyrrole. Während eines Krankheitsschubs könnte das Testresultat deshalb ebenfalls falsch positiv ausfallen. Ein Test ist deshalb nur bei guter Einstellung des Schilddrüsenstoffwechsels sinnvoll.

Siehe auch: → Naturheilkunde & Alternativmedizin: Alphabetisches Stichwortverzeichnis


Nicole Wobker:

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