Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle in Fukushima steigt weiter an

In Fukushima wurden die neuesten Daten der Schilddrüsen-Reihenuntersuchungen veröffentlicht. Sie deuten erstmals auf einen Anstieg der Neuerkrankungen von Schilddrüsenkrebs bei japanischen Kindern hin. Im Rahmen des ersten „Screenings“ wurde bereits bei 84 Kindern Schilddrüsenkrebs festgestellt, der zum Teil bereits Metastasen gebildet hatte. Bei ihnen mussten daraufhin Teile der Schilddrüsen operativ entfernt werden. Bei 24 weiteren Kindern liegen ebenfalls krebsverdächtige Biopsie-Befunde vor. All diese Fälle wurden von den Behörden in Japan bislang auf den sogenannten „Screeningeffekt“geschoben. Damit bezeichnet man die Beobachtung, dass bei Reihenuntersuchungen Krankheitsfälle gefunden werden, die klinisch noch keine Symptome gezeigt haben und erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgefallen wären.

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Jetzt liegen allerdings die ersten Zahlen der Nachuntersuchung von Kindern vor, die bereits im ersten Screening erfasst worden waren. Bislang wurden 60.505 Kinder nachuntersucht und bei 57,8% Knoten oder Zysten gefunden. Im Erst-Screening lag diese Rate noch bei 48,5%. In konkreten Zahlen bedeutet das, dass bei 12.967 Kindern, bei denen im ersten Screening noch keine Anomalien gefunden wurden, nun Zysten oder Knoten festgestellt – bei 127 von ihnen sogar so große, dass eine weitere Abklärung dringend notwendig wurde.

Auch bei 206 Kindern mit kleinen Zysten oder Knoten im Erst-Screening wurde in der Nachuntersuchung ein so rasches Wachstum festgestellt, dass weitergehende Diagnostik eingeleitet wurde. Aktuell wurde bei elf dieser Kinder eine Feinnadelbiopsie durchgeführt, bei vier von ihnen besteht nun der akute Verdacht auf eine Krebserkrankung. Sollte sich bei diesen Fällen die Krebserkrankung bestätigen, ließe sich das nicht mehr mit einem Screeningeffekt begründen, denn es würde sich um Neuerkrankungen handeln, die sich im Laufe der letzten beiden Jahren entwickelt hätten.

„Zwar ist es noch zu früh, die langfristigen gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe abschätzen zu können, doch diese ersten Untersuchungsergebnisse sind besorgniserregend“, erklärt der stellvertretende IPPNW-Vorsitzende Dr. Alex Rosen. „Bislang liegt nur ein Bruchteil der Ergebnisse der Nachuntersuchungen vor. Basierend auf den Erfahrungen aus Tschernobyl werde die Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen noch über viele Jahre ansteigen.“ Gemäß den Zahlen der Vereinten Nationen sei von mehr als 1.000 Schilddrüsenkrebsfällen als Folge der Atomkatastrophe auszugehen, wobei die tatsächlich zu erwartende Zahl vermutlich noch um ein vielfaches höher liegt, da sich die UN in ihren Berechnungen auf verzerrte Annahmen stützte.

Gleichzeitig stellt Schilddrüsenkrebs nur einen kleinen Teil der gesundheitlichen Folgen der radioaktiven Kontamination der Bevölkerung dar: erhöhte Raten an Leukämien, Lymphomen, soliden Tumoren, Herz-Kreislauferkrankungen, hormonellen, neurologischen und psychiatrischen Störungen werden aufgrund früherer Erfahrungen mit Atomunglücken erwartet. Hinzu kommen die nicht unerheblichen psychosozialen Auswirkungen durch die Traumatisierung und das Gefühl, von den Behörden getäuscht und allein gelassen zu werden.

Die Menschen in Fukushima und den anderen verstrahlten Regionen in Japan benötigen dringend eine umfassende medizinische Beratung und ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes und transparentes Angebot an Vorsorgeuntersuchungen, mit dem Krankheiten frühzeitig erkannt und behandelt werden können und auf dessen Ergebnisse die Patienten Zugriff haben. All das ist in Japan derzeit nicht gewährleistet. Die deutsche IPPNW-Sektion appelliert an die Verantwortlichen, die nötigen Maßnahmen in die Wege zu leiten, um weiteren gesundheitlichen Schaden von den betroffenen Menschen abzuwenden.

Quelle: ippnw.de Direktlink wurde gelöscht, da die Seite am 05.07.18 nicht erreichbar war.

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