Wenig erforscht – Zahnimplantate bei Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis oder der Morbus Basedow stellen eigentlich eine grundsätzliche Kontraindikation für das Einsetzen von Zahnimplantaten dar.

„Implantationen sind nur bei gravierenden Grunderkrankungen kontraindiziert. Zu diesen zählen: […] Autoimmunerkrankungen […] (Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH „Dentale Implantate“, http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_mkg/4192.html, Zugriff am 20.10.15).

Trotzdem werden auch bei Schilddrüsenautoimmunerkrankten Zahnimplantate eingesetzt, weil die Patienten darauf bestehen und/oder weil es für den Zahnarzt lukrativ ist. Manchmal scheint auch eine Rolle zu spielen, dass Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow von Zahnärzten oft nicht als Autoimmunerkrankungen, sondern eher als Unterfunktion bzw. Überfunktion der Schilddrüse wahrgenommen werden.

Angesichts der ungeklärten Risiken und sehr hohen Kosten von 1500,- bis 2000,- EUR pro Implantat (die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden) sollte die Entscheidung aber sehr gut durchdacht sein.

Lockerung der Zahnimplantate aufgrund von Knochenmasseverlusten

Einige Morbus Basedow-Betroffene die sich vor dem Auftreten der Schilddrüsenerkrankung Zahnimplantate haben einsetzen lassen berichten, dass sich diese aufgrund eines Verlustes an Knochenmasse gelockert hätten und es zu Entzündungsreaktionen kam, so dass die Zahnimplantate schon nach wenigen Jahren wieder entfernt werden mussten. Eine Schilddrüsenüberfunktion führt sowohl zu einem gesteigerten Knochenaufbau als auch Knochenabbau. Allerdings überwiegt im Allgemeinen der Verlust an Knochenmasse. Mit der Hyperthyreose geht zudem oft eine erhöhte Kalziumausscheidung einher. Als Folge kann es, insbesondere bei einem längere Zeit deutlich erhöhten fT3-Wert, zu gelockerten Zähnen als Folge des Knochenmasseverlustes kommen.

Länger anhaltende Entzündungsreaktionen im Bereich der Zahnimplantate

Von Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankten liegen mir Berichte dahingehend vor, dass es kurz nach dem Einsetzen der Implantate zu teilweise sehr massiven Entzündungsreaktionen sowie ausgeprägten Schwellungen im Gesicht gekommen sein soll, die auch von den behandelnden Zahnärzten als ungewöhnlich stark beschrieben wurden. Erst nach einigen Wochen bis Monaten ist es zu einer deutlichen Besserung gekommen.

Selbstverständlich kann man aus diesen Erfahrungsberichten von Schilddrüsenpatienten keine Regel ableiten, aber mein Eindruck ist, dass Hashimoto-Erkrankte langfristig weniger Probleme mit Zahnimplantaten haben als Basedow-Erkrankte.

Unabhängig davon bleibt es aber eine Tatsache, dass sowohl der Morbus Basedow als auch die Hashimoto-Thyreoiditis Autoimmunerkrankungen sind. Abschließend möchte ich deshalb auf nachfolgende Aussage des Vizepräsidenten der Berliner Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Dietmar Oesterreich  verweisen „Bei Patienten mit […] Autoimmunerkrankungen […] sollte man sehr kritisch darüber nachdenken, ob ein Implantat sinnvoll ist.“ (http://www.welt.de/gesundheit/article136643324/Die-wichtigsten-Antworten-zu-Zahnimplantaten.html, Zugriff am 20.10.15).

Dieser Artikel wurde am 20.10.15 aktualisiert!