Was wäre, wenn … Jodblockade bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen

Nachfolgend einige Antworten zu Fragen die mich aktuell erreichen:

Wegen einer Jodmangelstruma nehme ich bereits Jodtabletten ein. Wäre ich damit auch vor radioaktivem Jod geschützt? Nein. Die in diesen Tabletten enthaltene Menge an Jod ist zu gering um eine Jodblockade der Schilddrüse bewirken zu können. Zur Behandlung von Jodmangelerkrankungen eingesetzte Medikamente enthalten lediglich 0,1 – 0,2 mg Jod pro Tablette. Medikamente, wie sie kurzfristig für eine Jodblockade der Schilddrüse eingesetzt werden, enthalten eine 500 bis 1000mal höhere Dosierung, üblicherweise 65 mg Jod pro Tablette.

Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion aufgrund einer Hashimoto-Thyreoiditis. Dürfte ich im Fall der Fälle Kaliumjodid-Tabletten einnehmen? Ja. Jod wirkt sich auf den Krankheitsverlauf einer Hashimoto-Thyreoiditis zwar grundsätzlich negativ aus, stellt im Fall einer erforderlichen Jodblockade aber keine Kontraindikation dar. Letztendlich ist es eine Nutzen-Risiko-Abwägung: Für den Schutz vor einem strahleninduzierten Schilddrüsenkrebs nimmt man eine kurzfristige Verschlechterung der Hashimoto-Thyreoiditis in Kauf.

Ich nehme schon lange Schilddrüsentabletten ein. Dadurch ist die Schilddrüse doch sowieso stillgelegt, oder nicht? Nein. Schilddrüsenhormonpräparate blockieren die Schilddrüse nicht. Es wird durch die Einnahme nur die fehlende Menge an Schilddrüsenhormonen ersetzt. Oft ist zusätzlich aber auch noch eine Eigenproduktion vorhanden.

Ich leide unter einer Unverträglichkeit von Jod. Für mich käme eine Einnahme von Jodtabletten doch nicht in Frage, oder? Es ist richtig, dass bei bestimmten Erkrankungen (Dermatitis herpetiformis Duhring, hypokomplementämische Vaskulitis, echter Jodallergie, Jododerma tuberosum, Myotonia congenita) keine Kaliumjodid-Tabletten eingenommen werden dürfen.

Seit kurzem bin an einer Schilddrüsenüberfunktion erkrankt. Wie sähe es da mit einer Jodblockade aus? Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) stellt eine Kontraindikation für die Einnahme von Jodtabletten dar. Dabei ist unerheblich, was die Ursache dafür ist. Sowohl bei einer Autoimmunhyperthyreose aufgrund eines Morbus Basedow als auch bei Vorliegen einer funktionellen Autonomie dürfen Kaliumjodid-Tabletten nicht eingenommen werden. Es besteht ansonsten die Gefahr einer noch stärkeren Überfunktion der Schilddrüse bis hin zu einer lebensbedrohlichen, thyreotoxischen Krise.

Wegen eines Morbus Basedow nehme ich Schilddrüsenhemmer ein. Dadurch sind die Schilddrüsenwerte jetzt normal. „Patienten, die bereits mit Thyreostatika behandelt werden, müssen diese Behandlung fortführen und in kurzen Abständen ärztlich untersucht werden. […] Thyreostatika, die wegen einer Hyperthyreose eingenommen werden müssen, zeigen eine verminderte Wirksamkeit bei gleichzeitiger Einnahme von Kaliumjodid G.L. 65 mg-Tabletten. Die thyreoidale Jodaufnahme wird kompetitiv gehemmt durch Substanzen, die über den gleichen „trapping“-Mechanismus wie Jodid in die Schilddrüse eingeschleust werden (z. B. Perchlorat, das darüber hinaus die Rezirkulation von Jod innerhalb der Drüse hemmt), aber auch durch Substanzen, die selbst nicht transportiert werden, wie Thiocyanat bei Konzentrationen über 5 mg/dl.“ Quelle: Gerot Lannach (Herstellerinformation zu Kaliumjodid G.L. 65 mg-Tabletten) Link funktioniert nicht mehr.

Bei mir wurden mehrere kalte Schilddrüsenknoten festgestellt. Es besteht der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs. Bei Verdacht auf Schilddrüsenkrebs und auch bei einer bestehenden Schilddrüsenkrebserkrankung sollten hochdosierte Jodgaben grundsätzlich vermieden werden.

Ich wurde vor einigen Jahren an der Schilddrüse operiert. Müsste ich mich trotzdem noch vor radioaktivem Jod schützen? Das kommt darauf an, welche Art der Schilddrüsenoperation durchgeführt und ob dabei wirklich das gesamte Schilddrüsengewebe entnommen wurde. Bei einem Schilddrüsenkarzinom wird immer eine möglichst vollständige Entfernung der gesamten Schilddrüse (Thyreoidektomie) angestrebt. Eine Strumaresektion (Strumektomie) wird hingegen bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt. Dabei wird ein Teil des Schilddrüsengewebes stehen gelassen. Manchmal reicht auch eine Hemithyreoidektomie (Entfernung eines Schilddrüsenlappens), wenn es beispielsweise durch einen Schilddrüsenknoten zu einer einseitigen Schilddrüsenvergrößerung gekommen ist und der zweite Schilddrüsenlappen gesund ist. Bei einer Enukleation wird nur ein einzelner Schilddrüsenknoten entfernt und das umgebene Schilddrüsengewebe geschont.

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