Im Zweifelsfall lautet die Diagnose Depression

Psychische Fehldiagnosen sind bei Hashimoto-Thyreoiditis keine Seltenheit.

Das Problem kennen sehr viele Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen: Durch die tägliche Einnahme eines Schilddrüsenhormonpräparates sind die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4 im Normalbereich, aber sie sind trotzdem nicht beschwerdefrei!

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Im Hinblick auf diese Ausgangslage gibt es im Wesentlichen zwei ärztliche Sichtweisen

1. Die Schilddrüsenunterfunktion wird medikamentös erfolgreich ausgeglichen, d.h. die unverändert bestehenden Krankheitssymptome werden nicht durch die Hashimoto-Thyreoiditis verursacht und müssen einen anderen Grund haben. Wenn weitere medizinische Untersuchungen keine zusätzlichen krankhaften körperlichen Befunde ergeben, muss auch eine psychische Erkrankung in Erwägung gezogen werden. Vermutet wird angesichts der Beschwerden in der Regel eine Depression.

2. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um ein komplexes Krankheitsbild. Die zugrundeliegende Autoimmunerkrankung kann derzeit schulmedizinisch nicht zufriedenstellend behandelt werden und möglicherweise für die noch vorhandenen Beschwerden verantwortlich sein. Die als Folge des zerstörerischen Autoimmunprozesses entstandene Schilddrüsenunterfunktion wurde medikamentös vermeintlich erfolgreich ausgeglichen – eventuell lässt sich aber durch eine geringfügige Dosisanpassung oder ein anderes Schilddrüsenhormonpräparat noch eine weitere Verbesserung erreichen.

Die meisten Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen werden ausschließlich von ihren Hausärzten (Allgemeinmediziner, Internisten) behandelt. Sie werden besonders oft als psychisch krank eingeschätzt – nicht zuletzt weil sie oftmals Einzelfälle in der jeweiligen Praxis darstellen. Bei wenig spezialisierten Fachärzten für Nuklearmedizin und Endokrinologen ist die Situation unter Umständen nicht viel anders. Von diesen erhalten sie meistens auch keine Hilfe und werden in der Regel  an ihre Hausärzte zurückverwiesen. Hochspezialisierte Schilddrüsenexperten sind angesichts der Vielzahl der von ihnen behandelten Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen oft anderer Meinung. Sie hören sich tagtäglich ähnliche Schilderungen der Krankheitsverläufe an und sind von daher eher in der Lage Zusammenhänge herzustellen. Bei ihnen kommt außerdem noch hinzu, dass sie die neuesten Studien zur Hashimoto-Thyreoiditis kennen und auch über die von ihnen besuchten Schilddrüsenkongresse bzw. den Austausch mit Kollegen sehr gut informiert sind. Das Problem ist aber nicht nur, dass es landesweit viel zu wenige Spezialisten für die Hashimoto-Thyreoiditis gibt, sondern auch, dass ihnen ebenfalls kaum ergänzende Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen.


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