Schlagwort-Archiv: Zähne

Studie zu Kiefergelenkschmerzen bei PatientInnen mit Hashimoto-Thyreoiditis

Die Kieferorthopädie (Direktorin: Prof. Dr. Ursula Hirschfelder) des Universitätsklinikums Erlangen führt aktuell eine Studie durch bei der der Zusammenhang zwischen einer Schilddrüsenunterfunktion und einer Kiefergelenkserkrankungen erforscht wird. Für die Teilnahme an dieser Studie werden Probandinnen zwischen 18 und 65 Jahren gesucht die an einer Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt sind.

Weitere Informationen unter kieferorthopaedie.uk-erlangen.de

Wenig erforscht – Zahnimplantate bei Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis oder der Morbus Basedow stellen eigentlich eine grundsätzliche Kontraindikation für das Einsetzen von Zahnimplantaten dar.

“Implantationen sind nur bei gravierenden Grunderkrankungen kontraindiziert. Zu diesen zählen: […] Autoimmunerkrankungen […] (Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH “Dentale Implantate”, http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_mkg/4192.html, Zugriff am 20.10.15).

Trotzdem werden auch bei Schilddrüsenautoimmunerkrankten Zahnimplantate eingesetzt, weil die Patienten darauf bestehen und/oder weil es für den Zahnarzt lukrativ ist. Manchmal scheint auch eine Rolle zu spielen, dass Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow von Zahnärzten oft nicht als Autoimmunerkrankungen, sondern eher als Unterfunktion bzw. Überfunktion der Schilddrüse wahrgenommen werden.

Angesichts der ungeklärten Risiken und sehr hohen Kosten von 1500,- bis 2000,- EUR pro Implantat (die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden) sollte die Entscheidung aber sehr gut durchdacht sein.

Lockerung der Zahnimplantate aufgrund von Knochenmasseverlusten

Einige Morbus Basedow-Betroffene die sich vor dem Auftreten der Schilddrüsenerkrankung Zahnimplantate haben einsetzen lassen berichten, dass sich diese aufgrund eines Verlustes an Knochenmasse gelockert hätten und es zu Entzündungsreaktionen kam, so dass die Zahnimplantate schon nach wenigen Jahren wieder entfernt werden mussten. Eine Schilddrüsenüberfunktion führt sowohl zu einem gesteigerten Knochenaufbau als auch Knochenabbau. Allerdings überwiegt im Allgemeinen der Verlust an Knochenmasse. Mit der Hyperthyreose geht zudem oft eine erhöhte Kalziumausscheidung einher. Als Folge kann es, insbesondere bei einem längere Zeit deutlich erhöhten fT3-Wert, zu gelockerten Zähnen als Folge des Knochenmasseverlustes kommen.

Länger anhaltende Entzündungsreaktionen im Bereich der Zahnimplantate

Von Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankten liegen mir Berichte dahingehend vor, dass es kurz nach dem Einsetzen der Implantate zu teilweise sehr massiven Entzündungsreaktionen sowie ausgeprägten Schwellungen im Gesicht gekommen sein soll, die auch von den behandelnden Zahnärzten als ungewöhnlich stark beschrieben wurden. Erst nach einigen Wochen bis Monaten ist es zu einer deutlichen Besserung gekommen.

Selbstverständlich kann man aus diesen Erfahrungsberichten von Schilddrüsenpatienten keine Regel ableiten, aber mein Eindruck ist, dass Hashimoto-Erkrankte langfristig weniger Probleme mit Zahnimplantaten haben als Basedow-Erkrankte.

Unabhängig davon bleibt es aber eine Tatsache, dass sowohl der Morbus Basedow als auch die Hashimoto-Thyreoiditis Autoimmunerkrankungen sind. Abschließend möchte ich deshalb auf nachfolgende Aussage des Vizepräsidenten der Berliner Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Dietmar Oesterreich  verweisen “Bei Patienten mit […] Autoimmunerkrankungen […] sollte man sehr kritisch darüber nachdenken, ob ein Implantat sinnvoll ist.” (http://www.welt.de/gesundheit/article136643324/Die-wichtigsten-Antworten-zu-Zahnimplantaten.html, Zugriff am 20.10.15).

Dieser Artikel wurde am 20.10.15 aktualisiert!

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Zahnfüllungen aus Amalgam – Ursache für die Hashimoto-Thyreoiditis?

Bisher gibt es keinen eindeutigen Beweis dafür, dass durch Amalgam eine Hashimoto-Thyreoiditis ausgelöst wird. Es ist auch nicht belegt, dass die Entfernung vorhandener Zahnfüllungen aus Amalgam eine Heilung der Hashimoto-Thyreoiditis zur Folge hat.

In der Ganzheitsmedizin geht man davon aus, dass enge Wechselbeziehungen zwischen Zähnen und Organen bestehen. Diese Ansicht beruht auf der Akupunktur-Meridian-Lehre der altchinesischen Medizin nach der die Energie über bestimmte Energiebahnen (Meridiane) durch den Körper fließt. Blockaden dieses Energieflusses z. B. durch Störfelder im Zahn-Kiefer-Bereich haben Krankheiten zur Folge. Wechselwirkungen kann es grundsätzlich in beide Richtungen geben, was konkret bedeutet:

  1.  ein kranker Zahn kann Störungen an zugeordneten Organen auslösen und
  2. ein erkranktes Organ kann zu Krankheiten der damit verbundenen Zähne führen.

Welche Zähne nun genau mit der Schilddrüse in Verbindung stehen – dazu gibt es je nach Literatur unterschiedliche Angaben. In allen Quellen übereinstimmend genannt werden nur die jeweils 6. Zähne im Oberkiefer (16, 26). Einzelne Quellen verweisen aber auch auf einen Bezug der Zähne 14 – 17, 24 – 27, sowie 35 und 45 zur Schilddrüse. Zahnfüllungen aus Amalgam – Ursache für die Hashimoto-Thyreoiditis? weiterlesen

Unverträglichkeit der zahnärztlichen Lokalanästhesie

Für alle planbaren, zahnmedizinischen Eingriffe sollte grundsätzlich eine Euthyreose (ausgeglichene Schilddrüsenstoffwechsellage) angestrebt werden, da es bei manifesten Hypo- und Hyperthyreosen häufiger zu Komplikationen kommt.

Bei einer Hyperthyreose werden aufgrund des beschleunigten Stoffwechsels Anästhetika schneller abgebaut, so dass nachreguliert werden muss. Bei einer Hypothyreose besteht eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Betäubungsmitteln, so dass bei diesen Patienten Lokalanästhetika länger wirken. Deshalb ist es sehr wichtig den Zahnarzt auf die bestehende Schilddrüsenerkrankung hinzuweisen.

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Ein weiterer Aspekt ist, dass einige der in der Zahnmedizin angewendeten Lokalanästhetika Adrenalin- oder Noradrenalinzusätze enthalten. Diese können auch bei ansonsten gut eingestellten schilddrüsenkranken Patienten zu einer kurzzeitigen Überfunktionssymptomatik führen. Jedem Zahnarzt stehen aber alternative Betäubungsmittel zur Verfügung die im Allgemeinen problemlos vertragen werden.

Erhöhtes Karies-Risiko durch Xerostomie (Mundtrockenheit)

Das Spülen mit Birkenzucker (Xylitol) regt den Speichelfluss an und beugt Karies vor.
Das Spülen mit Birkenzucker (Xylitol) regt den Speichelfluss an und beugt Karies vor.

Bei von Xerostomie (Mundtrockenheit) betroffenen Schilddrüsenpatienten besteht, ausgelöst durch Mineralverluste des Zahnschmelzes, ein erhöhtes Karies-Risiko. Deshalb sind vorbeugende Maßnahmen sehr wichtig!

Mögliche Ursachen sind

  • Eine strahlenbedingte Mundtrockenheit, die gelegentlich im Zusammenhang mit den bei Schilddrüsenkrebs durchgeführten Radioiodtherapien (meist erst nach mehreren) auftritt. Die Entzündung der Speicheldrüsen führt zur Mundtrockenheit. (W. Dörr, K.A. Grötz, D. Riesenbeck “Supportive Maßnahmen in der Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich: Strahlenkaries und kaufunktionelle Rehabilitation”, Gemeinsame Stellungnahme von DGZMK, DEGRO und DGZ “Zahnärztliche Betreuung von Patienten mit tumortherapeutischer Kopf-Hals-Bestrahlung”).
  • Das Sjögren-Syndrom (Sicca-Syndrom), eine Autoimmunerkrankung welche mit der Hashimoto-Thyreoiditis und dem Morbus Basedow gehäuft auftritt. Die Mundtrockenheit entsteht durch eine Zerstörung der Speicheldrüsen.
  • Eine Mundtrockenheit, die als rückbildungsfähiges Symptom bei einer längerfristig unzureichend behandelten Schilddrüsenunterfunktion auftreten kann.

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Zahnschäden kann in diesen Fällen vorgebeugt werden durch:

  • Spülen mit Birkenzucker (Xylitol). Eine praktische Alternative sind Bonbons mit Xylitol.
  • Anwendung von Fluoridkonzentraten
  • Sorgfältige Mundhygiene
  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr
  • Speichelanregende Maßnahmen (Zitronenscheiben lutschen, Kaugummi kauen)