30 Jahre Nuklearmedizin in der Henriettenstiftung

Prof. Dr. med. Jochen Dressler geht in den Ruhestand

Alle haben mal klein angefangen, auch die Nuklearmedizin in der Henriettenstiftung.

Quellen im Archiv des Diakoniekrankenhauses weisen das Jahr 1965 als Beginn aus: Der Chefarzt der Radiologie, Dr. med. Wolfram Haacke, beginnt als einer der ersten in Niedersachsen, mit radioaktiven Stoffen zu diagnostizieren und therapieren. Sein Nachfolger Dr. Ivan Genow macht weiter und fördert den Ausbau der Abteilung. Und 1979 steht für das Management der Henriettenstiftung fest: Wir brauchen einen Chefarzt für die Nuklearmedizin und eine eigene bettenführende Abteilung.

Wer entscheidet das Bewerbungsverfahren für sich?

Prof. Dr. med. Jochen Dressler, der seine Fachkenntnisse bei Prof. H.W. Pabst in München vertieft hatte. Pabst gilt neben dem hannöverschen Prof. Heinz Hundeshagen als Gründervater der Deutschen Nuklearmedizin.

Nuklearmedizin – das klingt nach Strahlungen und damit auch nach Angst und Furcht, die die Patienten haben. Prof. Dressler setzt deshalb auf Information.

Er schreibt: Die Nuklearmedizin verwendet schwach radioaktive, ungefährliche Arzneimittel in einer sehr niedrigen Dosis zur Stoffwechseldiagnostik, aber auch zur Behandlung in entsprechend höherer Dosis. Diese strahlenden, meist flüssigen Substanzen bestehen aus einem radioaktiven Teilchen (Radioisotop) mit kurzer Halbwert- und Strahlungszeit und meist einem zweiten Bestandteil, der an einen bestimmten Zelltyp im Körper bindet. Dieser zweite spezifische Bestandteil bewirkt, dass das injizierte Radioisotop über das Blut genau dorthin gelangt, wo es normalerweise gebraucht wird und damit bestimmte Stoffwechselvorgänge sichtbar macht (Diagnostik) oder gezielt ein krankes Organ bestrahlt (Therapieprinzip).

Tausende Patienten sind seither zur Diagnose und Behandlung in die Marienstr. gekommen, ins Haupthaus der Henriettenstiftung. Anfangs war es dort eng, das Gemäuer hatte etliche Jahrzehnte hinter sich.1998 wurden Ausbau und Sanierung der Therapiestation im 3. Obergeschoss abgeschlossen. Für die Funktionsabteilung im Erdgeschoss wurde 2001 durch Expansion in den neuen Eckbau alles größer, schöner, moderner.

Die Klinik verfügt inzwischen über drei Gammakameras, neue Mess­ und Sonographiegeräte und über ein radioimmunologisches Labor – dank Prof. Dressler und seines hervorragenden Rufs. Schwerpunkt seiner Arbeit als Nuklearmediziner ist von Anfang an ­ also nunmehr seit 30 Jahren ­ die Schilddrüse. Prof. Dressler erklärt:

„Schilddrüsenerkrankungen sind eine Volkskrankheit, fast jeder dritte Deutsche hat ein Problem damit. Seit über drei Jahrzehnten behandelt die Nuklearmedizin der Henriettenstiftung schwerpunktmäßig Erkrankungen der Schilddrüse im Rahmen eines Zentrums für Schilddrüsenerkrankungen in enger Kooperation mit der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie (auch eine Fachklinik des Diakoniekrankenhauses Hier erfolgt die gesamte Diagnostik, die Empfehlung zur Therapie (medikamentös, Radiojod oder Operation) und die Nachbetreuung von mehr als 3000 Patienten jährlich. In der Nuklearmedizin werden aber auch andere Organsysteme untersucht, insbesondere im Rahmen der Krebsbekämpfung, aber auch bei Herzkrankheiten, neurologischen oder orthopädischen Problemen, bei Lungen- und Nierenerkrankungen.

Prof. Dressler war von 1979 bis 2009 der richtige Mann am richtigen Ort. Er hat damit bestätigt, dass die Entscheidung der Geschäftsführung vor dreißig Jahren richtig war, die Klinik und die Nuklearmedizin in seine Hände zu geben.

Prof. Dressler hat die Nuklearmedizin im Diakoniekrankenhaus auf ein sehr hohes Niveau gebracht, kompetent, überzeugend, orientiert an dem, was für die Patienten gut ist. 150 Fachbeiträge hat er veröffentlicht, ist in all den Jahren insbesondere Koautor von mehreren interdisziplinären und DGN­ Leitlinien und Verfahrensweisungen zur Schilddrüsendiagnostik und Therapie. Seit 10 Jahren moderiert Prof. Dressler den Qualitätszirkel der Niedergelassenen Nuklearmediziner, ist in vielen Gremien ehrenamtlich tätig, unter anderem als stellvertretender Vorsitzender in der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin, für die Kassenärztliche Vereinigung in Niedersachsen und für die Ärztekammer.

Prof. Dressler ist nicht für Patienten der Klinik zuständig – er behandelt auch Schilddrüsenpatienten vor und nach ihrer Behandlung im Diakoniekrankenhaus ambulant. Dies wird auch von seinem Nachfolger weiter geführt.

Quelle: diakonische-dienste-hannover.de

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