Schilddrüsen-Initiative Papillon

Die Gründung der auf jodmangelbedingte Schilddrüsenvergrößerungen focussierten Schilddrüsen-Initiative Papillon erfolgte im Mai 2000. Initiiert wurde die Kampagne von Henning Berlin (sanofi-synthelabo-Gruppe). Beteiligt sind darüber hinaus die Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, Berufsverband Dt. Nuklearmediziner e.V.) sowie der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker, die Bundesapothekerkammer und der Deutsche Apothekerverband.

Im Rahmen der Schilddrüsen-Initiative Papillon gab es verschiedene pharmafinanzierte Datenerfassungen.

  • Die bekannteste ist Papillon I, eine von 2000 – 2003 durchgeführte sonografische Untersuchung von ca. 100.000 Berufstätigen in 213 Unternehmen im Hinblick auf Schilddrüsenknoten bzw. Struma. Christoph Reiners, Karl Wegschneider, Harald Schicha. Peter Theissen, Renate Vaupel, Renate Wrbitzky, Petra-Maria Schumm-Draeger „Prevalence oft Thyroid Sisorders in the Working Population of Germany Ultrasonography Screening in 96.278 Unselected Employees“, Thyroid, November 2004, 14(11): 926-932.
  • Im Jahr 2004 ging es bei Papillon III um die Qualität der Struma-Therapie bei 30.000 Langzeitpatienten in ca. 3.000 Hausarztpraxen die anhand der TSH-Bestimmung beurteilt wurde.
  • Daran anschließend gab es unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Grußendorf 2004 – 2006 die bisher unveröffentlichte LISA-Studie (Levothyroxin und Iodid in der Strumatherapie als Mono- oder Kombinationstherapie) mit ca. 1000 Teilnehmern in 40 Schilddrüsenzentren. Als Papillon 2005 wird die von Prof. Dr. Harald Schicha geleitete Umfrage unter 3500 niedergelassenen Ärzten bezeichnet bei der es um die Diagnose und Therapie von Struma-Patienten ging.
  • Die Auswertung der Daten von 56.300 schilddrüsenoperierten Patienten im Rahmen von Papillon 2007 erfolgte schließlich unter Leitung von Prof. Dr. Martin Grußendorf und Prof. Dr. Peter Goretzki.

Bereits zum vierten Mal findet in diesem Jahr vom 20. – 24. April 2009 die bundesweite Schilddrüsenwoche Papillon statt. Die dazugehörige Broschüre „Ihre Schilddrüse in guten Händen – Zur Diagnose und Therapie von Schilddrüsenvergrößerungen und Knoten“ kann kostenlos bestellt werden bei der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Patientenservice Schilddrüse, 10898 Berlin.

Die Schilddrüseninitiative Papillon und insbesondere die Schilddrüsenwoche sind allerdings nicht unumstritten. Hauptkritikpunkt: Immerhin rund 13 % der Bevölkerung haben positive Schilddrüsenautoantikörper (Frank Grünwald, Marcus Middendorp „Neue Erkenntnisse zu Erkrankungen der Schilddrüse“ Dt. Ärzteblatt 2008; 105(4): 69-70). Die Autoimmunthyreoiditis, heutzutage die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion, geht mit einer Verkleinerung der Schilddrüse einher und wird durch die Palpation nicht erkannt – mit der Folge dass die betroffenen Patienten als schilddrüsengesund eingestuft werden und undiagnostiziert bleiben. Bleibt die Frage – warum wird die vorsintflutliche Tastuntersuchung propagiert wenn moderne und sehr viel zuverlässigere Untersuchungsmethoden wie die Sonografie zur Verfügung stehen?