Low Dose Naltrexon (LDN) bei Hashimoto-Thyreoiditis: Eine potenziell immun-modulierende Option?
Die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis konzentriert sich üblicherweise auf die Hormonsubstitution mit L-Thyroxin. Dennoch klagen viele PatientInnen – selbst bei laborchemisch gut eingestellter Substitution – über persistierende Symptome wie Erschöpfungszustände, depressive Verstimmung oder Konzentrationsstörungen. In diesem Zusammenhang wird vermehrt über den Einsatz von Low Dose Naltrexon (LDN) berichtet.
Wirkprinzip:
LDN ist ein Opioidrezeptor-Antagonist, der in niedriger Dosierung (0,5–4,5 mg täglich) die körpereigene Produktion von Endorphinen anregen und darüber hinaus regulatorische T-Zellen modulieren soll. Diese immunmodulatorische Wirkung könnte theoretisch dazu beitragen, autoimmune Entzündungsprozesse abzumildern.
Anwendung von Low Dose Naltrexon (LDN) bei Hashimoto-Thyreoiditis
- Ziel ist nicht die Substitution von Schilddrüsenhormon, sondern die Beeinflussung der Autoimmunaktivität.
- Berichte beschreiben eine subjektive Verbesserung von Fatigue, Stimmungslage und Konzentrationsfähigkeit, vereinzelt auch eine Senkung von TPO-Antikörpern.
- Es existieren keine großen randomisierten Studien, wohl aber kleine Pilotstudien und Einzelfallberichte.
Dosierung und Verordnung:
- Initial meist 0,5–1 mg/d, Steigerung auf max. 4,5 mg/d
- Nicht kombinierbar mit Opioiden
- Nur über Rezeptur in Apotheken verfügbar
- Einnahme abends
Nebenwirkungen:
- Selten: Schlafstörungen, lebhafte Träume, Reizbarkeit
- Keine relevante Toxizität in niedriger Dosierung
- Wirkungseintritt meist verzögert (nach 2–6 Wochen)
Rechtliche Situation:
LDN ist in Deutschland nicht für diesen Zweck zugelassen. Die Anwendung erfolgt off-label. Eine informierte Zustimmung der Patientin/des Patienten ist erforderlich.
Fazit: LDN stellt keine etablierte Therapie der Hashimoto-Thyreoiditis dar, kann jedoch in Einzelfällen als off-label-Add-on-Therapie zur Symptomkontrolle diskutiert werden – insbesondere bei persistierenden Beschwerden trotz normwertiger Schilddrüsenparameter. Eine sorgfältige ärztliche Begleitung ist dabei unerlässlich. Eine klare Indikation und breite Evidenz fehlen derzeit. LDN eignet sich – wenn überhaupt – als individueller Therapieversuch bei schwer behandelbaren Verläufen.
Quellen:
- Dr. Angelika Hellstern „LDN / Low dose Naltrexon … eine wertvolle Therapie-Option bei verschiedenen Erkrankungen„
- Guttorm Raknes, Lars Småbrekke „No change in the consumption of thyroid hormones after starting low dose naltrexone (LDN): a quasi-experimental before-after study“ BMC Endocr Disord. 2020 Oct 1;20:151. doi: 10.1186/s12902-020-00630-4 (Direktlink)
- Michael Mc Dermott „Low-Dose Naltrexone Treatment of Hashimoto’s Thyroiditis„