Zentrale Hyperthyreose – selten, aber wichtige Differenzial-Diagnose

Die meisten Menschen kennen die Überfunktion der Schilddrüse, die sogenannte Hyperthyreose, als eine Erkrankung, bei der die Schilddrüse selbst zu viel Hormone produziert. Aber es gibt auch eine seltenere Ursache: eine Überfunktion, die von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ausgeht. Man nennt das zentrale Hyperthyreose.

Was ist eine zentrale Hyperthyreose?

Normalerweise steuert die Hypophyse (ein kleines Organ im Gehirn) die Schilddrüse, indem sie ein Hormon namens TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) ausschüttet. TSH regt die Schilddrüse an, Schilddrüsenhormone zu produzieren. Wenn aber die Hypophyse selbst krank wird – zum Beispiel durch einen gutartigen Tumor, einen sogenannten TSH-produzierenden Hypophysenadenom – produziert sie zu viel TSH. Dadurch wird die Schilddrüse übermäßig angeregt, obwohl sie selbst nicht krank ist.

Wie unterscheidet sich die zentrale Hyperthyreose von anderen Formen?

  • Bei der häufigeren Form, dem Morbus Basedow, produziert die Schilddrüse selbst zu viel Hormon.
  • Bei der zentralen Hyperthyreose liegt das Problem in der Hypophyse.

Das ist wichtig, weil die Behandlung unterschiedlich ist!

Wie erkennt man eine zentrale Hyperthyreose?

Die Symptome ähneln oft denen einer normalen Überfunktion:

  • Herzrasen
  • Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
  • Nervosität, Schlafprobleme
  • Schwitzen
  • Muskelkraftverlust

Im Blutbild gibt es aber einen wichtigen Unterschied:

  • TSH ist nicht niedrig, sondern normal oder erhöht, obwohl die Schilddrüsenhormone (fT3, fT4) hoch sind.

Das ist ungewöhnlich, weil bei Überfunktion normalerweise das TSH durch negative Rückkopplung absinkt. Diese Besonderheit ist ein Hinweis auf die zentrale Hyperthyreose.

Wie wird die Diagnose bestätigt?

ÄrztInnen untersuchen die Hirnanhangdrüse mit einem MRT (Magnetresonanztomographie) des Kopfes, um einen Tumor zu finden. Außerdem werden weitere Hormone überprüft, um andere mögliche Ursachen auszuschließen.

Wie wird die zentrale Hyperthyreose behandelt?

Weil die Ursache im Gehirn liegt, helfen Medikamente, die die Schilddrüse direkt blockieren (Thyreostatika), oft nicht dauerhaft. Stattdessen ist meist eine Operation notwendig, um den Tumor zu entfernen. Manchmal kommt auch eine Bestrahlung oder medikamentöse Behandlung der Hypophyse zum Einsatz.

Was bedeutet das für Betroffene?

Diese Erkrankung ist selten, aber wichtig zu erkennen, weil sie anders behandelt wird als andere Überfunktionen.