SDG❤️Community: Leserfragen

1. Was versteht man unter einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Dieser auf den ersten Blick außergewöhnliche Name ist die Bezeichnung für eine besondere Form der Schilddrüsenentzündung. „Hashimoto“ verweist auf den Arzt der diese Erkrankung entdeckt hat. Das war der Japaner Hakaru Hashimoto. „Thyreoiditis“ leitet sich zum einen ab von dem medizinischen Ausdruck für Schilddrüse „Thyreoidea“ und zum anderen von der medizinischen Endung für eine Entzündung „-itis“.


2. Was ist eine Autoimmunthyreoiditis?

Das ist nur eine andere Bezeichnung für eine Hashimoto-Thyreoiditis. Genauso wie lymphozytäre Thyreoiditis, Struma lymphomatosa, Morbus Hashimoto oder Ord-Thyreoiditis.


3. Was passiert bei einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis greift das Immunsystem fälschlicherweise die eigene Schilddrüse an. Es irrt sich gewissermaßen. Dieser Fehler des Immunsystems hat für die Erkrankten unangenehme Auswirkungen. Denn er bedeutet, dass sich die Schilddrüse entzündet. Dadurch wird die Schilddrüse dann ganz allmählich zerstört.

Das passiert nicht von heute auf morgen. Irgendwann ist die Schilddrüse durch die anhaltende Entzündung aber nicht mehr fähig ihre Aufgabe – die Produktion der Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 – zu erfüllen. Sie kann nicht mehr genug oder sogar überhaupt keine Schilddrüsenhormone mehr herstellen. Dadurch kommt es zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen. Ärzte bezeichnen diesen Zustand auch als Schilddrüsenunterfunktion oder Hypothyreose. „hypo“ bedeutet zu wenig und „thyreose“ leitet sich wieder von dem Wort „thyroidea“ für Schilddrüse ab.


4. Woran merkt man, dass man eine Hashimoto-Thyreoiditis hat?

Man muss von einer Hashimoto-Thyreoiditis nicht unbedingt etwas merken. Gerade am Anfang fühlt man sich oft noch nicht krank. Das klingt erst einmal gut. Aber es führt dazu, dass die Hashimoto-Thyreoiditis auch nicht frühzeitig festgestellt wird. Die Betroffenen haben ja keinen Grund zu einem Arzt zu gehen und sich von ihm untersuchen zu lassen.

Tipp: Wenn Sie vermuten, dass Sie an einer Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt sein könnten, empfehle ich Ihnen den Selbsttest auf Hashimoto-Thyreoiditis!

Erst wenn es im weiteren Verlauf der Hashimoto-Thyreoiditis zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommt, treten immer mehr Beschwerden auf.


5. Welche Symptome verursacht eine Schilddrüsenunterfunktion?

Wenn man an einem solchen Schilddrüsenhormonmangel leidet, ist man ständig müde und erschöpft. Alles kann einem weh tun – so ähnlich wie bei einer Erkältung. Häufig kommt es auch zu Bauchschmerzen, Verstopfung sowie Gewichtszunahme & Übergewicht obwohl man gar nicht mehr isst als früher. Die Haut kann unangenehm trocken sein und die Haare sehr strohig.

Am schlimmsten finden viele Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte aber, wenn sie seelisch nicht mehr ausgeglichen sind. Es kann beispielsweise zu innerer Unruhe und Schlafstörungen kommen. Häufig sind auch Antriebslosigkeit und Mutlosigkeit. Wenn die Schilddrüsenunterfunktion längere Zeit besteht können sogar ein Burnout oder eine Depression auftreten.


6. Welcher Arzt bei Hashimoto-Thyreoiditis? Gibt es spezielle Schilddrüsenärzte

Als erstes sollte man zu seinem Hausarzt gehen, wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt und man selbst vielleicht schon vermutet, dass es an der Schilddrüse liegen könnte. Dieser kann einen dann zu einem sogenannten Endokrinologen, einem Facharzt für Hormone, überweisen. Oft kennen sich auch Nuklearmediziner oder Radiologen gut mit Schilddrüsenerkrankungen aus. Diese heißen so, weil sie besondere Untersuchungsverfahren einsetzen für die bestimmte Stoffe, sogenannte Radionuklide, verwendet werden. Aber keine Angst – das klingt gefährlicher als es ist!


7. Wie wird eine Hashimoto-Thyreoiditis festgestellt?

Meistens nimmt einem schon der Hausarzt Blut ab und lässt es in einem Labor untersuchen. Wichtig für alle Schilddrüsenpatienten sind die Schilddrüsenhormone (TSH, fT3 und fT4). Daran kann der Arzt erkennen, ob eine Schilddrüsenunterfunktion besteht. Wenn das so wäre, wäre das TSH erhöht und/oder das fT3 und/oder das fT4 erniedrigt.

Eine besondere Untersuchung bei dem Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis ist die Bestimmung der Autoantikörper (TPO-AK, TG-AG) die sich gegen die Schilddrüse richten. Menschen mit einer gesunden Schilddrüse haben nur ganz wenige oder überhaupt keine dieser Schilddrüsenautoantikörper.

Dann ist wichtig, dass auch noch eine Schilddrüsensonografie gemacht wird. Das ist die schmerzlose Untersuchung der Schilddrüse mit einem Ultraschallgerät. Viele Hausärzte, insbesondere Internisten, können das selbst machen. Dann braucht man vielleicht gar nicht noch zu einem Facharzt gehen. Wenn man eine Hashimoto-Thyreoiditis hat sind Teile der Schilddrüse oft nicht gut zu erkennen und erscheinen dunkel. Das liegt daran, dass entzündetes Schilddrüsengewebe die einfallenden Ultraschallstrahlen nicht gut reflektieren kann.

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis sind die Untersuchung der Schilddrüsenwerte (Schilddrüsenhormone, Schilddrüsenautoantikörper) im Blut und die Untersuchung der Schilddrüse mit einem Ultraschallgerät (Schilddrüsensonografie) normalerweise ausreichend. Es gibt aber auch noch weitere Untersuchungsmethoden.

Tipp: Alle hier erwähnten Fachbegriffe werden auch noch einmal im Schilddrüsenlexikon erklärt.


8. Welcher Schilddrüsenwert ist normal?

Wenn von „dem Schilddrüsenwert“ gesprochen wird, ist meistens das TSH gemeint. Normal bedeutet erst einmal nur im Referenzbereich. Das heißt zwischen 0,3 und 2,5 mU/l. Bei Hashimoto-Thyreoiditis wird oft ein TSH-Wert im niedrig normalen Bereich angestrebt, d.h. 0,5 bis 1,0 mU/I.


9. Ist die Hashimoto-Thyreoiditis heilbar?

Leider kann die Hashimoto-Thyreoiditis im Moment noch nicht geheilt werden. Manchmal kommt die Hashimoto-Thyreoiditis aber ganz früh von allein wieder zum Stillstand, also noch bevor die Schilddrüse durch die Entzündung so stark geschädigt ist, dass die Schilddrüsenhormonproduktion darunter leidet. Dann hilft oft eine jodbewusste Ernährung und die Einnahme der Aminosäure L-Tyrosin.

Wenn nicht, dann muss der bei einer Schilddrüsenunterfunktion bestehende Mangel an Schilddrüsenhormonen mit einem Medikament wieder ausgeglichen werden. Das ist an sich nicht schlimm, weil diese Medikamente nur die Schilddrüsenhormone enthalten die eine gesunde Schilddrüse sonst selbst herstellen würde. Diese Schilddrüsenhormonpräparate sind also gut verträglich und es sind bei richtiger Dosierung keine Nebenwirkungen zu erwarten.


10. Welche Schilddrüsenmedikamente gibt es?

Am häufigsten werden sogenannte Monopräparate verordnet deren Hauptwirkstoff das Schilddrüsenhormon fT4 ist. Es gibt aber auch Kombinationspräparate die beide Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 als Wirkstoffe enthalten. Ergänzend zu einem T4-Monopräparat kann man auch noch ein T3-Monopräparat einnehmen. Die Kombination von fT4 und Jod in einem Medikament gibt es auch noch. Sie sollte bei einer Hashimoto-Thyreoiditis aber nicht eingenommen werden.

Darüber hinaus sind auch noch Schilddrüsenhormonmedikamente erhältlich die getrockneten Schweineschilddrüsenextrakt enthalten. Einige Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte fühlen sich damit deutlich besser. Die Mehrheit der Ärzte sieht diese Präparate jedoch kritisch und auch die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür meist nicht.

Alle Schilddrüsenhormonpräparate gibt es in den unterschiedlichsten Dosierungen und oft auch in verschiedenen Darreichungsformen (Tabletten, Kapseln, Gelkapseln, Tropfen).


11. Worauf muss man bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen achten?

Wichtig ist, dass die Medikamente einschleichend dosiert werden. Das heißt, es wird mit einer geringen Menge begonnen und diese Dosis dann ganz allmählich über mehrere Wochen/Monate hinweg gesteigert.

Beschwerdetagebuch für Hashimoto-ErkrankteTipp: In der Einstellungszeit kann es sinnvoll sein ein Beschwerdetagebuch zu führen!

Reine T4-Präparate werden meist morgens, mindestens 20 Minuten vor dem Frühstück eingenommen. Alternativ kann man sie aber auch direkt vor dem Schlafengehen einnehmen, wenn das Abendessen mindestens zwei Stunden zurückliegt.

Bei der Einnahme von zusätzlichem T3 ist es oft besser die tägliche Dosis aufzuteilen und beispielsweise die eine Hälfte morgens und die andere Hälfte abends einzunehmen.


12. Welche Nebenwirkungen hat L-Thyroxin?

Bei richtiger Dosierung überhaupt keine. Bei zu geringer Dosierung bleiben Unterfunktionssymptome wie beispielsweise Müdigkeit, Verstopfung und Frieren bestehen. Bei zu hoher Dosierung treten Überfunktionssymptome wie zum Beispiel Nervosität, Durchfall und Schwitzen auf.


13. Wofür ist Selen bei einer Hashimoto-Thyreoiditis gut?

Vor zwanzig Jahren gab es eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen bei denen man herausgefunden hat, dass die → Einnahme von Selen bei Hashimoto-Thyreoiditis die Autoantikörper senken kann. Das funktioniert leider nicht bei allen Erkrankten. Vielen Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte sagen aber auch, dass es ihnen insgesamt besser geht, wenn sie regelmäßig für einige Wochen Selen einnehmen. Als Dauermedikation ist Selen in hohen Dosierungen umstritten.

Nach neueren Erkenntnissen ist auch die → Vitamin D-Einnahme bei Hashimoto-Thyreoiditis empfehlenswert. Auch da wurde ein positiver Einfluss auf die Schilddrüsenautoantikörper nachgewiesen.


14. Was sind die Ursachen für die Hashimoto-Thyreoiditis?

So ganz genau weiß man das noch nicht. Man hat aber festgestellt, dass es so etwas wie eine erbliche Veranlagung für die Hashimoto-Thyreoiditis gibt. Aber nur, weil man diese hat bedeutet das noch nicht, dass die Hashimoto-Thyreoiditis auch zwangsläufig irgendwann bei einem ausbrechen muss.

Damit es tatsächlich zu einer Hashimoto-Thyreoiditis kommt, müssen noch Auslöser wie sehr viel Jod in der Ernährung hinzukommen. Das verwundert viele Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte, weil es doch immer heißt, dass Jod für eine gesunde Schilddrüse sehr wichtig ist. Das stimmt auch, aber es darf eben auch nicht zu viel sein. Dann kehrt sich der gesundheitliche Nutzen in ein Erkrankungsrisiko um.

Neben dem Jod vermutet man noch eine ganze Reihe weiterer möglicher Auslöser für eine Hashimoto-Thyreoiditis. Dazu zählen Zahnfüllungen aus Amalgam, Gluten in der Ernährung, lang anhaltende Infektionen oder auch sehr viel Stress. Wirklich bewiesen sind diese Zusammenhänge aber nicht.

Tipp: Kennen Sie schon das kostenlose Erste-Hilfe-eBook „Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis … das sollten Sie wissen!“ ?


15. Ist die Hashimoto-Thyreoiditis vererbbar?

Nein, direkt vererbt wird die Hashimoto-Thyreoiditis nicht. Aber die erbliche Veranlagung für die Hashimoto-Thyreoiditis wird unter Umständen weitergegeben.


16. Wer ist von einer Hashimoto-Thyreoiditis betroffen?

Es erkranken 10 mal mehr Frauen als Männer an einer Hashimoto-Thyreoiditis. Als Grund dafür werden hormonelle Einflüsse angenommen. Auffällig ist, dass die Hashimoto-Thyreoiditis oft in Zeiten hormoneller Umstellung (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre) ausbricht.

Was das Lebensalter betrifft, so tritt die Hashimoto-Thyreoiditis in allen Altersgruppen auf. Seit einigen Jahren beobachtet man, dass die Erstdiagnose immer früher gestellt wird.


17. Wie ist die Lebenserwartung bei Hashimoto-Thyreoiditis?

Ganz normal. Die Lebenserwartung wird durch eine Hashimoto-Thyreoiditis nicht eingeschränkt.


18. Welche Rolle spielt die Ernährung?

Das ist ein spannendes Thema über das seit einigen Jahren viel diskutiert wird. Die Forschung dazu steckt aber noch in den Kinderschuhen und bislang wird deshalb eine ganz normale, ausgewogene Mischkost bei Hashimoto-Thyreoiditis empfohlen. Es ist unklar, ob die Ernährung tatsächlich einen Einfluss auf Krankheitsentstehung und Krankheitsverlauf hat.

Tipp: Erste konkrete Hinweise bietet Ihnen die Lebensmittel-Liste ( Was sollte man bei Hashimoto-Thyreoiditis nicht essen?)


19. Gibt es neuere Therapieansätze?

Bahnbrechende Behandlungskonzepte mit denen es möglich wäre die Hashimoto-Thyreoiditis bei allen Betroffenen und in jedem Krankheitsstadium zu heilen gibt es leider nicht. Aber es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten mit denen es in vielen Fällen gelingt – trotz Schilddrüsenhormontherapie – weiter bestehende Beschwerden zu lindern.

Das können Sie selbst tun – meine Tipps!

Aminosäure L-Tyrosin
Spurenelement Selen
Vitamin D
Jod-bewusste Ernährung
Gewichtszunahme/Übergewicht
Regelmäßige Bewegung
Kleine Auszeiten zum Entspannen
Angstgefühle/Panikattacken
Weitere Tipps und Tricks

Ausführliche Informationen dazu finden Sie hier!


20. Warum geht es nicht allen von einer Schilddrüsenunterfunktion betroffenen PatientInnen durch die Schilddrüsenhormontherapie gut?

In der Theorie ist die Schilddrüsenhormontherapie sehr einfach. Die Schilddrüse ist krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage ausreichend Schilddrüsenhormone herzustellen. Es kommt zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen, einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Also nimmt man zum Ausgleich die fehlenden Schilddrüsenhormone täglich als Tablette ein.

Warum das in der Praxis dann doch nicht so einfach funktioniert, verdeutlicht folgendes Beispiel:

Von Montags bis Freitags arbeiten Sie am Schreibtisch. Sie essen jeweils morgens, mittags und abends eine Scheibe Brot. Samstags erledigen Sie die Wocheneinkäufe, machen den Haushalt und arbeiten im Garten. Das führt dazu, dass Sie mehr Hunger haben und mittags zwei Scheiben Brot und zwischendurch noch einmal eine halbe Scheibe Brot essen. Sonntags schlafen Sie länger und frühstücken erst spät eine Scheibe Brot. Auf das Mittagessen verzichten Sie ganz und essen abends auch nur eine halbe Scheibe Brot, weil sie faul auf der Couch liegen und keinen Hunger haben. Insgesamt haben Sie also in der Woche 21 Scheiben Brot gegessen – durchschnittlich drei Scheiben Brot pro Tag. Deshalb wird festgelegt, dass Sie zukünftig ohne Ausnahme täglich drei Scheiben Brot essen. Von Montags bis Freitags ist das genau richtig, Samstags haben Sie Hunger und Sonntags leiden Sie unter Völlegefühl.

Das ist das Grundprinzip der Schilddrüsenhormontherapie. Dabei wird allerdings nicht berücksichtigt, dass sich der Schilddrüsenhormonbedarf fortlaufend ändert. Er ist unter anderem abhängig von körperlicher Aktivität, Kälte und Wärme sowie Stressbelastung. Im Winter braucht man etwas mehr Schilddrüsenhormone als im Sommer. Wenn Sie abnehmen müssen Sie auch Ihre Schilddrüsenhormondosis reduzieren. Bei Frauen sind zuweilen schon Veränderungen im Verlauf des Monatszyklus spürbar, d.h. der Bedarf an Schilddrüsenhormonen ist um den Eisprung geringfügig höher als während der Menstruation.

Das bedeutet, dass die regelmäßig eingenommene Schilddrüsenhormondosis für PatientInnen mit einer Schilddrüsenunterfunktion an einem Tag zu niedrig und an einem anderen Tag zu hoch sein kann. Mit einer gesunden Schilddrüse kann das hingegen nicht passieren – sie reagiert sehr schnell auf alle äußeren Einflüsse und ist in der Lage ihre Schilddrüsenhormonproduktion entsprechend anzupassen.

ÄrztInnen entgegnen auf solche Überlegungen oft, dass die Standard-Schilddrüsenhormontherapie das Speicherhormon T4 enthält welches der Körper bedarfsgerecht in das stoffwechselaktive Hormon T3 umwandeln kann. Das ist zwar richtig, aber es bleibt unerwähnt, dass eine gesunde Schilddrüse nicht nur T4, sondern auch T3 herstellt und zusätzlich bei Bedarf das T4 in T3 umwandeln kann.

Hinzu kommt, dass auch die Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 in T3 zahlreichen Einflussfaktoren unterliegt. So kann bereits ein eigentlich harmloser Mangel an dem → Spurenelement Selen dazu führen, dass diese beeinträchtigt ist. Auch → Vitamin D und weitere Nährstoffe sind für den Schilddrüsenhormonstoffwechsel wichtig.

Und nicht zuletzt ist natürlich auch noch wichtig, was die Ursache für die Schilddrüsenunterfunktion ist. Beispielsweise bei der Hashimoto-Thyreoiditis muss man immer unterscheiden – sind das Beschwerden die durch ein Zuwenig oder Zuviel an Schilddrüsenhormonen verursacht werden oder hängen die Symptome mit dem gestörten Immunsystem zusammen. Auf Letzteres hat die Schilddrüsenhormontherapie ohnehin keinen Einfluss.


21. Welche Bedeutung haben die TPO-AK für die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis?

Was sind TPO-AK?

Autoantikörper, also Antikörper die sich gegen körpereigene Gewebe richten oder selbst hergestellte Stoffe angreifen, sind ein typisches Anzeichen für eine Autoimmunerkrankung.

TPO-AK ist die Abkürzung für Thyreo-Peroxidase-Antikörper.

Diese Autoantikörper greifen ein bestimmtes Enzym, die sogenannte Thyreo-Peroxidase (Thyreoidea = Schilddrüse), an welche sehr wichtig für die Herstellung der Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 ist.

TPO-AK sind ein charakteristisches Merkmal für die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis.

Wann werden die TPO-AK bestimmt?

Der Arzt lässt die TPO-AK immer dann im Labor untersuchen, wenn er vermutet, dass ein Patient an einer Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt sein könnte.

Gründe für einen Verdacht auf eine Hashimoto-Thyreoiditis können typische Schilddrüsenunterfunktionsbeschwerden (Müdigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme, Muskelschwäche, Frieren), ein zuvor gemessener erhöhter TSH-Wert oder eine auffällige Schilddrüsensonografie sein.

Annähernd 90 % der Hashimoto-Erkrankten haben TPO-AK.

Wie ist der Referenzbereich für die TPO-AK?

Im Hinblick darauf ist zunächst einmal wichtig, dass jedes Labor immer eigene Referenzbereiche festlegt. Diese sind u.a. abhängig von der verwendeten Messmethode. Deshalb ist es wichtig, dass Sie beim Arzt nicht nur die Laborwerte erfragen, sondern sich immer den Laborbefund in Kopie geben lassen. Darauf stehen hinter jedem Wert auch die jeweils gültigen Referenzbereiche.

Die TPO-AK sollten kleiner als 35 IU/ml sein. Bei einem erhöhten Wert liegt eine Hashimoto-Thyreoiditis vor. Die Aussagekraft niedrigerer, aber noch messbarer TPO-AK ist unklar.

Welche Bedeutung haben die TPO-AK?

Die genaue Bedeutung der TPO-AK im Krankheitsverlauf ist umstritten. Bisher gehen die meisten Ärzte davon aus, dass die Höhe der TPO-AK nur für die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis wichtig ist, aber keine Auskunft über die Krankheitsaktivität gibt.

Mir ist nur eine Studie* bekannt die ergeben hat, dass das Wohlbefinden von Hashimoto-Erkrankten durch die Höhe der TPO-AK beeinflusst wird.

* Ott J, Promberger R, Kober F u.a. „Hashimoto’s Thyroiditis Affects Symptom Load and Quality of Life Unrelated to Hypothyroidism: A Prospective Case-Control Study in Women Undergoing Thyroidectomy for Benign Goiter.“ Thyroid. 2010 Dec 27

Kann man die TPO-AK irgendwie senken?

Im Hinblick darauf muss man zunächst einmal wissen, dass die Höhe der TPO-AK stark schwanken kann. Hashimoto-Erkrankte haben manchmal nur geringfügig erhöhte TPO-AK und dann plötzlich TPO-AK die um das 50fache erhöht sind. Warum das so ist, weiß man aber noch nicht so genau.

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen die belegen konnten, dass die Einnahme von hochdosierten → Selen– und/oder → Vitamin D-Präparaten bei vielen (nicht bei allen) Hashimoto-Erkrankten) einen positiven Einfluss auf die Höhe der TPO-AK hat. Leider werden die Kosten für einen solchen Behandlungsversuch von den gesetzlichen Krankenkassen meist nur dann übernommen wenn zuvor ein Mangel an Selen und/oder Vitamin D festgestellt wurde.


22. Gehören Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte zu den Risikogruppen bzgl. COVID-19?

Eine Infektion mit dem Coronavirus kann jeden treffen – Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte sind davon nicht ausgenommen. Aber gehören sie aufgrund ihrer chronischen Erkrankung und des in Mitleidenschaft gezogenen Immunsystems auch zu einer der Risikogruppen?

Nein, nach dem gegenwärtigen medizinischen Wissensstand gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte eher oder schwerer von COVID-19 (= durch das Coronoavirus ausgelöste Lungenerkrankung) betroffen sein könnten.

Bisweilen wird sogar das Gegenteil diskutiert. Dabei geht es um die Frage, ob das bei der Hashimoto-Thyreoiditis überaktive Immunsystem nicht einen Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf darstellen könnte weil es das Coronavirus schnell erfolgreich bekämpft. Bis es darauf eine verlässliche Antwort gibt sind in den nächsten Monaten/Jahren aber zunächst intensive Forschungsbemühungen notwendig.

Anders sieht es nach den bisherigen Erfahrungen und aktuellen Erkenntnissen hingegen aus, wenn neben der Hashimoto-Thyreoiditis weitere gesundheitliche Probleme wie starkes Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder eine Nebennierenerkrankung hinzukommen. Dann müssen Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte sehr wohl mit einem langwierigen und schweren COVID-19-Verlauf rechnen.


23. Warum klagen so viele Hashimoto-Erkrankte über Muskelschmerzen und was kann man dagegen tun?

Die möglichen Ursachen für Muskel-, Gelenk- und Sehnenschmerzen im Zusammenhang mit der Hashimoto-Thyreoiditis sind vielfältig. Neben einer Kontrolle der Schilddrüsenwerte, sollte man auch Nährstoffmängel abklären und eine rheumatische Erkrankung ausschließen lassen.

Ursachen für Muskelschmerzen
1. Ungleichgewichte in der Versorgung mit Schilddrüsenhormonen
Zu Muskelschmerzen kommt es häufig, wenn die Einstellung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat nicht stimmt. Diesbezüglich kann sowohl ein zu wenig als auch ein zu viel an Schilddrüsenhormonen zu Muskelschmerzen führen. Die medizinischen Fachbegriffe dafür sind hypothyreote bzw. hyperthyreote Myopathie.

2. Mängel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen
Sehr viele Hashimoto-Thyreoiditis-Betroffene sind von Nährstoffmängeln betroffen. Ein Grund dafür ist, dass es während der Schilddrüsenunterfunktionsphase zu einer Verdickung der Darmschleimhaut kommt und Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente schlechter aufgenommen werden. Häufig betroffen sind vor allem B-Vitamine, Vitamin D, Magnesium und Eisen

3. Zusätzliche Autoimmunerkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis
Oft bleibt es leider nicht bei der Hashimoto-Thyreoiditis, d.h. bei ungefähr 25 % der Erkrankten ist das Immunsystem so gestört, dass noch weitere Autoimmunerkrankungen hinzukommen. Dazu zählen unter anderem chronische Polyarthritis, Fibromyalgie und Lupus erythematodes

4. Krankheitsschübe mit grippeähnlichen Symptomen
Ein Grippegefühl, Abgeschlagenheit, Erschöpfungszustände sowie Muskel- und Gelenkschmerzen können phasenweise immer mal wieder auftreten. Vermutet wird ein Zusammenhang mit dem Autoimmunprozess der im Hintergrund ständig weiter läuft und durch die Schilddrüsenhormontherapie nicht beeinflusst werden kann. Auslöser für akute Beschwerden ist oft Stress, manchmal aber auch andere Infekte oder Wetterumschwünge.

Selbsthilfe bei Muskelschmerzen – 10 bewährte Tipps

  1. Empfehlenswert ist fast immer die vier- bis sechs-wöchige Einnahme von Mineralstoffen (Calcium, Magnesium), Spurenelementen (Eisen) und Vitaminen (Vitamin D, Vitamin B12).
  2. Heiße Wannenbäder mit Heilpflanzenextrakten (Arnika, Eukalyptus, Fichtennadel, Rosmarin, Thymian oder Wacholder) wirken muskelentspannend und durchwärmend.
  3. Regelmäßige Bewegung sowie Gymnastik- und Dehnungsübungen tragen dazu bei, dass die Muskulatur besser durchblutet wird und geschmeidig bleibt. Manchmal sind Muskelschmerzen auch die Folge einer Muskelschwäche zu der es in Schilddrüsenunterfunktion oft kommt – hier hilft nur ein gezielter Muskelaufbau!
  4. Die Einnahme des Schüssler Salzes Nr. 7 (Magnesium phosphoricum) als “heiße Sieben” wirkt bei akuten Beschwerden schmerzlindernd.
  5. Schmerzen können auch durch EMS/TENS-Anwendungen gelindert werden. Sie kommen insbesondere bei Muskelverhärtungen zum Einsatz.
  6. Wohltuend sind auch Massagen mit Heilkräuterölen, die beispielsweise Arnika-, Johanniskraut- oder Roßkastanienextrakte enthalten
  7. Einigen Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankten hilft die Einnahme von Teufelskralle-, Weihrauch- oder Chinarinde-Präparaten.
  8. Bei Nackenschmerzen können Rotlicht-Bestrahlungen gegen hartnäckige Verspannungen wirken.
  9. ABC-Wärmepflaster (ABC = Arnika, Beinwell, Campher) sind eine gute Möglichkeit wenn Rückenschmerzen eher lokal auftreten.
  10. Manchmal lohnt sich auch ein Versuch mit homöopathischen Mitteln, z.B. Arnica, Bryonia oder Rhus toxicodendron, jeweils in der Potenz D12.

24. Wie nehme ich die Schilddrüsenhormontabletten richtig ein?

Die richtige Einnahme von Schilddrüsenhormonen ist entscheidend für ihre Wirksamkeit. Je nach Präparat und individueller Situation gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Hier die wichtigsten Hinweise im Überblick:

Morgendliche Nüchterneinnahme (Standard)
T4-Monopräparate mit dem Wirkstoff Levothyroxinnatrium werden normalerweise 20 bis 30 Minuten vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser eingenommen.

❌ Wichtig: Die Tablette nicht mit Milch, Kakao oder Milchkaffee einnehmen, da das enthaltene Calcium die Hormonaufnahme im Darm stören kann. Auch Fruchtsäfte, besonders Grapefruit- oder Orangensaft, sollten vermieden werden.

Alternative: Einnahme am Abend
Es ist aber auch möglich das Schilddrüsenhormonpräparat direkt vor dem Schlafengehen einzunehmen. Dann sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die letzte Mahlzeit mindestens zwei Stunden zurückliegt. Denn auch im Magen vorhandene Nahrung kann dazu führen, dass die eingenommenen Schilddrüsenhormone nicht richtig verwertet werden.

Einnahme über den Tag verteilt (T3-Therapie)
Oft reicht die alleinige Therapie mit dem Schilddrüsenhormon T4 nicht aus. Dann haben Ärzte die Möglichkeit zusätzlich noch das Schilddrüsenhormon T3 (Wirkstoff Liothyroninhydrochlorid) zu verordnen.

Da T3 schneller abgebaut wird, ist eine Aufteilung über den Tag empfehlenswert – z. B.:

Morgens: 5–10 µg T3 (zusätzlich zum T4-Präparat)
Abends: weitere 5–10 µg T3 (allein)
Ziel ist ein möglichst gleichmäßiger Hormonspiegel im Blut.

Wechselwirkungen beachten!
Viele Medikamente – rezeptfreie wie auch verschreibungspflichtige – können die Wirkung von Schilddrüsenhormonen beeinflussen.

Beispiele für Wechselwirkungen:
🟢 Wirkungsverstärkung durch:

Acetylsalicylsäure (z. B. in Aspirin)
Harntreibende Mittel (Diuretika)
🔴 Wirkungsabschwächung durch:

Betablocker
Magensäureblocker (Protonenpumpenhemmer)
Antidepressiva
Antidiabetika (blutzuckersenkende Medikamente)
Calcium- oder Eisenpräparate

Tipp: Wenn Sie weitere Medikamente einnehmen, sollten Sie immer ärztlich oder in der Apotheke klären, welcher zeitliche Abstand zur Schilddrüsenhormoneinnahme einzuhalten ist.


25. Wie ermittelt man die notwendige Schilddrüsenhormondosis?

Die richtige Schilddrüsenhormondosis zu finden, ist ein notwendiger aber oft langwieriger Prozess, der Geduld, mehrere Arztbesuche und regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenwerte erfordert.

Geduld mitbringen – die richtige Dosis braucht Zeit
Die Dosierung des Schilddrüsenhormonpräparates kann man nicht einfach so vor Behandlungsbeginn ausrechnen. Bis die Einstellung mit dem Schilddrüsenmedikament stimmt, d.h. die richtige Schilddrüsenhormondosis gefunden ist und die Schilddrüsenunterfunktionssymptome nachlassen, kann es eine ganze Zeit dauern. Das liegt daran, dass die zuerst gewählte Dosierung eigentlich nie passt, sondern meist mehrfach nachträglich korrigiert werden muss. Das ist also eine langwierige Angelegenheit für die man mindestens drei bis sechs Monate einplanen sollte.

Start mit einer individuellen Anfangsdosis
Zunächst wird die Initialdosis ermittelt. Diese bezeichnet man auch als Aufsättigungs- oder Anfangsdosis. Als eher grobe Richtschnur wird dabei von einem Schilddrüsenhormonbedarf von ein bis zwei Mikrogramm Levothyroxinnatrium pro Kilogramm Körpergewicht ausgegangen.

Diese Initialdosis ist meist etwas höher als die später notwendige Erhaltungs- oder Wohlfühldosis, damit möglichst schnell eine Besserung des Befindens erreicht wird. Im Hinblick darauf ist jedoch zu berücksichtigen, dass Schilddrüsenhormone aufgrund möglicher unangenehmer Erstreaktionen einschleichend dosiert werden müssen.

Langsames Einschleichen vermeidet Nebenwirkungen
Bei einer 75 kg schweren Frau würde man beispielsweise mit einer Schilddrüsenhormondosis von 25 µg einsteigen. Wenn keine Vorerkrankungen im Herz-Kreislauf-System vorliegen, würde eine Woche später auf 50 µg erhöht. Nach zwei Wochen auf 75 µg und nach vier Wochen auf 100 µg gesteigert. Die Dosis von 100 µg muss vier bis sechs Wochen regelmäßig eingenommen werden.

Regelmäßige Blutkontrollen sind unverzichtbar
Dann werden die Schilddrüsenwerte kontrolliert und je nachdem wie die Ergebnisse ausfallen die Schilddrüsenhormondosis nach oben oder unten korrigiert.

Die geänderte Dosierung muss dann wieder vier bis sechs Wochen eingenommen werden bis aussagekräftige Schilddrüsenwerte möglich sind. Dann kann es abhängig von den vorhandenen Krankheitssymptomen und den neuen Schilddrüsenwerten erforderlich sein, dass die Schilddrüsenhormondosis noch einmal angepasst werden muss.

Dosierungen werden schrittweise verfeinert
Die Dosierungsschritte werden im Hinblick darauf immer kleiner. Das heißt anfangs geht es in 25 µg Schritten nach oben oder unten, dann wird um 12,5 µg gesenkt oder erhöht und manchmal sind auch noch kleinere Stufen von 6,25 µg notwendig.


26. Warum sind Fehldiagnosen wie Angststörung oder Depression bei Hashimoto-Thyreoiditis so häufig?

Schilddrüsenhormone haben Eigenschaften, welche die Psyche beeinflussen können. Und als Folge einer veränderten psychischen Grundstimmung wird auch das Verhalten verändert, so dass Störungen im Schilddrüsenhormonhaushalt zu deutlichen Wesensveränderungen führen können. Diese psychischen Aspekte der Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis werden allerdings oft unterschätzt.

Wie wirkt sich Hashimoto auf die Psyche aus?
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), wie sie oft als Folge der Hashimoto-Thyreoiditis auftritt, kann beispielsweise folgende psychische Symptome auslösen:

– Weinerlichkeit, Traurigkeit bis hin zur Depressivität
– Reizbarkeit bzw. das Gefühl alles wird zu viel
– Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
– Benommenheit „Watte im Kopf“ (brain fog)
– Innere Unruhe oder auch eine ausgeprägte Schreckhaftigkeit
– Angst mit oder ohne Panikattacken
– anhaltende Schlafstörungen

Wichtig: Bei Erkrankungen der Schilddrüse sind diese psychischen Symptome meist hormonell bedingt und kein Ausdruck einer psychischen Störung!

Das Problem besteht darin, dass sich psychische Erkrankungen wie eine Depression oder Panikattacken bzw. eine Angststörung mit sehr ähnlichen Symptomen wie Krankheiten der Schilddrüse äußern und deshalb entsprechend häufig mit ihnen verwechselt werden.


27. Welche Bedeutung hat der TSH-Wert unter der Schilddrüsenhormontherapie?

Das TSH gilt bei der überwiegenden Mehrheit der ÄrztInnen unverändert als der wichtigste Laborwert sowohl im Hinblick auf die Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen als auch bezogen auf die Beurteilung der Stoffwechsellage während der Behandlung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat.

TSH ist die Abkürzung für Thyreoidea Stimulating Hormon. Das TSH regt die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 an. Ein niedriges TSH ist ein Hinweis auf eine Überfunktion der Schilddrüse. Ein hohes TSH kann auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten.

Streit um den Normbereich für das TSH
Nur ganz vereinzelt gibt es Studien (1,2), welche die Aussagekraft des TSH-Wertes in Zweifel ziehen. Teilweise bezieht sich die Kritik auf den TSH-Normbereich. So hat man beispielsweise schon vor über 10 Jahren herausgefunden, dass die Normwerte für Schilddrüsenhormone individuell unterschiedlich sind.

Im Rahmen einer 2002 durchgeführten dänischen Studie (3) wurden bei schilddrüsengesunden Männern über einen Zeitraum von einem Jahr einmal monatlich die Schilddrüsenwerte bestimmt. Dabei zeigte sich, dass die jeweils gemessenen Werte nur sehr gering voneinander abwichen. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass der individuelle Wohlfühlbereich eines Menschen sehr viel enger gefasst ist als der allgemeingültige TSH-Normbereich.

Außerdem haben weitere Untersuchungen wie beispielsweise die in England durchgeführte WICKHAM-Studie (4) bestätigt, dass 95 % der schilddrüsengesunden Menschen ein TSH unterhalb einer Grenze von 2,5 mU/l hat. Dies sehen die Forscher als sehr deutlichen Hinweis darauf, dass die bisher gültigen TSH-Normbereiche zu weit gefasst sind.

Quellen:

  • M. Alevizaki, E. Mantzou, A. T. Cimponeriu, C. C. Alevizaki, D. A. Koutras: „TSH may not be a good marker for adequate thyroid hormone replacementtherapy“, Wien Klin Wochenschr 2005, 18(117): 636 – 640.
  • R. Hoermann, J. E. Midgley, R. Larisch, J. W. Dietrich: „Is pituitary TSH an adequate measure of thyroid hormone-controlled homoeostasis during thyroxine treatment?“, Eur J Endoc 2013, 168(2): 271 – 280.
  • S. Andersen, K. M. Pedersen, N. H. Bruun, P. Laurberg: „Narrow Individual Variations in Serum T4 and T3 in Normal Subjects: A Clue to the Understanding of Subclinical Thyroid Disease“, J Clin Endoc a Metab 2002, 87(3): 1068 – 1072.
  • M. Vanderpump, W. Tunbridg, J. M. French, D. Appleton: „The incidence of thyroid disorders in the community: a twenty-year follow-up of the Whickham Survey“, Clin Endoc Oxf 1995, 43(1): 55 – 68.

28. Was ist, wenn es die von mir benötigte Schilddrüsenhormondosis nicht gibt?

Das ist eigentlich kein Problem, denn grundsätzlich kann man alle Schilddrüsenhormontabletten auch teilen. Dadurch ist es möglich auch zwischen den gängigen Dosisstärken liegende individuell notwendige Dosierungen möglich zu machen.

Dabei sollte man jedoch Folgendes beachten:

Schilddrüsenhormone sind empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Licht und Wärme. Sie sollten deshalb immer erst kurz vor der Einnahme aus der Packung entnommen werden. Entsprechend sollten auch Tablettenreste bis zur Verwendung geschützt aufbewahrt werden. Das ist aber eigentlich nicht so schlimm, denn für diesen Zweck gibt es in jeder Apotheke extra Tablettenteiler z.B. den Opret Tablettenteiler (Amazon-Partnerlink) in weiss, schwarz, blau oder grün mit speziellem Aufbewahrungsfach. Diese kosten auch nur circa 5,00 EUR.

Welche Tabletten werden wie geteilt?
Manche Tabletten haben eine einfache Teilungskerbe. Sie lassen sich in zwei gleich große Teile brechen. Es gibt aber auch Tabletten mit einer Kreuzbruchrille. Diese kann man auch vierteln. Das Achteln der meist sehr kleinen Schilddrüsenhormontabletten ist eher nicht empfehlenswert, weil darunter die Teilungsgenauigkeit leiden würde.

Gewölbte Tabletten legt man mit der Bruchkante nach oben auf eine harte Unterlage, z.B. eine Tischplatte. Mit einem kräftigen Fingerdruck auf die Tablette zerfällt diese in zwei gleich große Teile. Flache Tabletten nimmt man beidhändig zwischen Daumen und Zeigefinger. Dann drückt man mit den Daumennägeln nach unten bis die Tablette bricht.

Beide Methoden sind allerdings für das Teilen von Schilddrüsenhormontabletten nur bedingt geeignet. Auch der Einsatz von Küchen-, Taschen- oder Rasiermessern ist nicht unbedingt empfehlenswert. Bei Küchen- und Taschenmessern leidet aufgrund der relativ breiten Klinge die Teilungsgenauigkeit und bei Rasiermessern besteht Verletzungsgefahr.

Die beste Methode um Schilddrüsenhormontabletten zu teilen ist deshalb wie bereits weiter oben erwähnt der Einsatz der nur wenige Euro teuren und überall erhältlichen Tablettenteiler.


29. Was bedeutet es, das Schilddrüsenhormonpräparat einzuschleichen?

PatientInnen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) reagieren sehr unterschiedlich auf die Einnahme von Schilddrüsenhormonen. Die meisten merken in den ersten Tagen gar nichts davon und erst nach zwei bis vier Wochen ganz allmählich eine Besserung ihrer Beschwerden. Einige wenige Schilddrüsenerkrankte verspüren aber bereits wenige Stunden nach der Tabletteneinnahme eine unangenehme Unruhe, feuchte Hände, Herzklopfen und leiden in den ersten Tagen unter Schlafstörungen.

Von der Anfangsdosis bis zur Erhaltungsdosis kann es im Rahmen einer Schilddrüsenhormontherapie einige Monate dauern.
Um diese unerwünschten Reaktionen zu vermeiden, aber auch weil zu Beginn der Schilddrüsenhormontherapie eigentlich nie feststeht welches die tatsächlich notwendige Dosis (Erhaltungsdosis) ist werden Schilddrüsenhormonpräparate in der Regel ganz allmählich über einen Zeitraum von einigen Monaten eingeschlichen. So hat der Körper ausreichend Zeit sich daran zu gewöhnen.

Meistens wird eine Anfangsdosis von 25 µg L-Thyroxin gewählt und dann langsam alle ein bis zwei Wochen um weitere 25 µg L-Thyroxin gesteigert bis die eigentliche Erhaltungsdosis erreicht ist. Im Abstand von vier bis sechs Wochen sollten dabei die Schilddrüsenwerte kontrolliert werden um den Erfolg der Schilddrüsenhormonbehandlung zu kontrollieren. Dies ist auch wichtig, um nicht „über das Ziel hinaus zu schießen“. Denn das würde bedeuten, dass eine künstliche Schilddrüsenüberfunktion (iatrogene Hyperthyreose) herbeigeführt worden wäre.

In Einzelfällen, beispielsweise bei älteren Erkrankten oder bei Personen mit vorbestehenden Herzerkrankungen wird sogar noch vorsichtiger dosiert, um das Risiko von möglichen Nebenwirkungen zu verringern. Der Hauptgrund dafür ist, dass Schilddrüsenhormone den Sauerstoffverbrauch des Herzens erhöhen, wodurch das Herz belastet wird und sich bestehende Herzerkrankungen vorübergehend verschlechtern können.


30. Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis – wie lange dauert es bis man richtig eingestellt ist?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis kann die Einstellung mit einem handelsüblichen Schilddrüsenhormonpräparat mitunter eine sehr langwierige Angelegenheit sein.

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe.

Veränderungen der Dosis nimmt man nicht sofort wahr
Zum einen bemerkt man eine Dosisänderung normalerweise nicht sofort, sondern erst nach ungefähr zehn Tagen.

Es gibt aber auch Symptome wie beispielsweise Haarausfall oder trockene, spröde Haare bei denen sich der Einfluss der Schilddrüsenhormone sogar erst nach einigen Monaten zeigt.

Blutwerte wie das TSH reagieren zeitverzögert auf eine Dosisanpassung
Und zum anderen wird der sogenannte Steady state, der gleich bleibende Zustand, beispielsweise beim TSH-Wert erst circa sechs Wochen nach einer Anpassung der Schilddrüsenhormondosis erreicht.

Man kann also eine Dosisanpassung nicht gleich am nächsten Tag kontrollieren, sondern muss Geduld aufbringen und warten bis das TSH aussagefähig ist.

Beides ist dafür verantwortlich, dass man mit einer längeren Einstellungszeit von mindestens drei, eher sechs bis zwölf, Monaten ausgehen sollte. Einfach deshalb weil die zuerst gewählte Schilddrüsenhormondosis eigentlich nie die Richtige ist.


31. Was tun bei trockener Haut, brüchigen Nägeln und strohigen Haaren?

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Mangel an Schilddrüsenhormonen) sieht man den davon betroffenen PatientInnen früher oder später immer auch äußerlich an. Probleme mit Haut, Haaren und Nägeln sind sehr häufig.

Trockene Haut bei Hashimoto-Thyreoiditis
Die Haut ist oft ausgesprochen trocken und sehr schuppig. Teilweise auch – insbesondere im Gesicht und an den Händen – gereizt oder gerötet. Oft kommt sogar noch ein unangenehmes, schmerzhaftes Brennen hinzu.

Tipp: Speziell entwickelte Pflegeprodukte können die Hautprobleme spürbar lindern. Ansonsten möglichst nur selten Peelings o. ä. verwenden um die Haut nicht zusätzlich noch zu reizen. Auch starke Sonneneinstrahlung oder eisige Winterkälte verschlimmern das Problem.

Strohige Haare bei Hashimoto-Thyreoiditis
Die Haare sind spröde, struppig und störrisch. Oft auch schwer kämmbar. Dadurch wirken sie glanzlos und stumpf. Längere Haare neigen verstärkt zu Spliss. Auch Schuppenbildung kann vorkommen. Es kommt zu Haarausfall – phasenweise sogar zu auffälligen, kahlen Stellen.

Tipp: Empfehlenswert sind insbesondere Pflegeprodukte die nach dem Waschen in das feuchte Haar gesprüht und dann nicht wieder ausgewaschen werden.

Brüchige Nägel bei Hashimoto-Thyreoiditis
Auch die Fingernägel können Veränderungen aufweisen. Charakteristisch sind auffällige Furchen und Längsrillen. Brüchige Fingernägel, die schnell splittern und leicht abbrechen, sind ebenfalls häufig. Manchmal fallen auch weiße Flecken und verschwindende Nagelmonde auf.

Tipp: Es gibt spezielle Produkte welche die Nägel härten. Wenn die Nägel schon beim Schneiden brechen, sollten diese lieber abgefeilt werden. Zudem sind etwas kürzere Nägel natürlich weniger bruchanfällig als sehr lange Nägel.


32. Kann man mit Hashimoto-Thyreoiditis noch Urlaub an der Nordsee machen?
Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen machen sich oft Sorgen, ob sie einen Urlaub an der Nordsee mit ihrer jodhaltigen Luft überhaupt noch gut vertragen und befürchten, dass es ihnen dort gesundheitlich schlechter gehen könnte.

Jod gelangt über die Ernährung, die Haut und die Atemwege in den Körper.
Vielen ist nicht bekannt, dass das Spurenelement Jod nicht nur über die Ernährung, sondern auch über die Haut (z. B. beim Baden im Meer) und die Atemwege aufgenommen wird.

Deshalb kann ein Aufenthalt an der Nordsee bei empfindlichen Personen durchaus – zumindest vorübergehend – ein verschlechtertes Allgemeinbefinden zur Folge haben.

Jodgehalt der Nordsee-Luft
Die Menge des in der Luft enthaltenen Jods ist naturgemäß unterschiedlich. Direkt am Meer ist der Jodgehalt der Luft höher als im Binnenland. Aufgrund der Wasserverdunstung ist der Luft-Jodgehalt im Sommer höher als im Winter. Während der Ebbe wird vermehrt Jod aus den Schlickflächen (Braunalgen, Blasentang) in die Luft freigesetzt.

Baden im jod-haltigen Meerwasser
Wieviel Jod durch das Baden im Meer über die Haut aufgenommen wird, hängt wesentlich von der Zeit ab die man damit verbringt. Hashimoto-Erkrankte sollten deshalb vorsorglich nicht länger als 30 Minuten am Stück baden und schwimmen. Sinnvoll ist es zudem, wenn man sich nach dem Aufenthalt im Meerwasser kurz mit Süßwasser abduscht und das jod-haltige Meerwasser nicht auf der Haut trocknen lässt.

 


33. Braucht man im Winter mehr Schilddrüsenhormone?

Jahreszeitliche Stimmungsschwankungen (Winterdepressionen) oder auch sich wieder verstärkende Beschwerden wie Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Muskelschmerzen können ein Hinweis darauf sein, dass die Einstellung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat nicht mehr stimmt.

Solche Veränderungen im Jahresverlauf sind für die meisten SchilddrüsenpatientInnen nicht ungewöhnlich, sollten aber zum Anlass genommen werden die Schilddrüsenhormondosis zu überprüfen.

So berichten Hashimoto-Thyreoiditis-Betroffene immer wieder davon, dass sich ihr Schilddrüsenhormonbedarf dahingehend ändert, dass sie im Winter geringfügig (12,5 bis 25 µg) mehr Schilddrüsenhormone benötigen und im Sommer etwas weniger.

Die genauen Ursachen für dieses Phänomen sind noch nicht ausreichend erforscht. Aber zumindest weiß man, dass die Hypophysen-Tätigkeit und damit auch die Aktivität der Schilddrüse durch äußere Faktoren wie Licht, Wärme und Sonneneinstrahlung beeinflusst wird.


34. Was hilft bei Infektanfälligkeit?

Viele Hashimoto-Thyreoiditis-Betroffene klagen über eine erhöhte Infektanfälligkeit. Gleichzeitig besteht die Sorge, dass z.B. Echinacea-Präparate o.ä. aufgrund ihrer immunabwehrsteigernden Wirkung nicht gut vertragen werden und sich negativ auf den Krankheitsverlauf der Hashimoto-Thyreoiditis auswirken. Deswegen nachfolgend einige praktische Tipps und nützliche Rezepte für die Stärkung des Immunsystems.

Hagebutten-Mus und Holunder-Sirup

Als natürliches Nahrungsergänzungsmittel mit einem sehr hohen Vitamin C-Gehalt von dem einmal täglich ein Teelöffel eingenommen oder beispielsweise unters Frühstücksmüsli gemischt wird eignet sich ein Hagebutten-Mus. Dieses kann man aus frischen oder getrockneten Hagebutten selbst herstellen. Anleitung: Für ein Hagebutten-Mus lässt man die getrockneten Hagebutten (500 g) zunächst in 200 ml Apfel- oder Orangensaft über Nacht quellen. Dann gibt man 150 g Zucker hinzu und kocht das Hagebutten-Mus 20 Minuten lang ein. Anschließend streicht man die Masse durch ein Sieb, füllt das Hagebutten-Mus in Gläser ab und bewahrt diese bis zum Verzehr im Kühlschrank auf.

Selbst gemachter Holunder-Sirup schmeckt nicht nur lecker, sondern er ist auch sehr gesund. Aufgrund seiner schweißtreibenden und entzündungshemmenden Wirkung wird Holunder als Heilpflanze häufig bei Erkältungskrankheiten angewendet. Anleitung: Für die Herstellung von Holunder-Sirup sammelt man zunächst die ganzen Beerendolden. Nachdem man diese gründlich gewaschen hat, werden die Beeren abgerebelt und die unreifen, roten Beeren sowie Stielreste aussortiert. Die reifen, schwarzen Beeren werden mit etwas Wasser circa 15 Minuten aufgekocht. Dann werden die Beeren über einem zweiten Topf in einem Tuch ausgedrückt. Der so gewonnene Holunder-Saft wird nochmals ungefähr fünf Minuten mit Zucker (50 g Zucker auf 100 ml Saft) aufgekocht, so dass man schließlich einen haltbaren Holunder-Sirup erhält. Jeweils einen Esslöffel Holunder-Sirup kann man je nach Geschmack mit 200 ml kaltem oder heißem Wasser aufgießen und genießen. Wichtiger Hinweis: In rohem Zustand sind Holunderbeeren giftig!

Vitamin C und Zink

Vitamin C (Ascorbinsäure) ist für unsere Abwehrkräfte der wichtigste Mikronährstoff überhaupt. Es kommt praktisch in allen Zellen des Immunsystems vor, aus denen sich unser Abwehrsystem zusammensetzt. Verschiedene chronische Erkrankungen, insbesondere Infektionen und Entzündungen, bedeuten für den Körper Stress, der mit einem erhöhten Vitamin C-Bedarf einhergeht. Ein Vitamin-C-Mangel zeigt sich relativ schnell, da das Vitamin von unserem Körper nicht gespeichert werden kann. Ausgeprägte Mangelzustände sind aber eher selten. Wenn ein Mangel an Vitamin C auftritt, so stehen Symptome wie Müdigkeit, Abgespanntheit, Erschöpfung, vermindertes Leistungsvermögen, Schläfrigkeit und Schlafstörungen im Vordergrund. Auch eine erhöhte Infektanfälligkeit kann auftreten. Besonders hoch ist der Vitamin C-Gehalt in frischem Obst und Gemüse. Nicht nur Südfrüchte wie Zitronen und Apfelsinen enthalten größere Mengen an Vitamin C, sondern auch heimische Kohlsorten wie Grünkohl, Blumenkohl, Kohlrabi und Brokkoli.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist die zeitlich begrenzte Einnahme eines Zink-Präparates sinnvoll, da diesem Spurenelement eine entscheidende Rolle im Immunsystem zukommt und Zink zudem eine zentrale Bedeutung für den Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone hat. Von einem Zinkmangel ist als erstes unser Immunsystem betroffen, welches bei einem länger andauernden Zinkmangel deutlich geschwächt wird, so dass es häufiger zu Infektionen kommt. Reich an dem Spurenelement Zink sind beispielsweise Weizenkeime. Aber auch Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Käse enthalten größere Mengen an Zink.

Sauna
Während einer Schilddrüsenunterfunktion ist die Neigung zum Schwitzen herabgesetzt und die Belastung für das Herz-Kreislauf-System zu stark, so dass Saunagänge von Hashimoto-Thyreoiditis-Betroffenen deshalb oft nicht gut vertragen werden. Wenn die Schilddrüsenerkrankung gut eingestellt ist sind regelmäßige Saunagänge aber eine gute Möglichkeit die Abwehrkräfte zu steigern. Wer sich unsicher ist, sollte mit einem Gang in die Biosauna (feuchtes Warmluftbad) beginnen. Hier herrschen mit 50 bis 60 °C deutlich niedrigere Temperaturen als in der finnischen Sauna mit 80 bis 90 °C. Auch eine Infrarotsauna ist bei Kreislaufproblemen eine gute Alternative.


35. Stimmt es, dass das Krebsrisiko bei Hashimoto-Thyreoiditis erhöht ist?

Gelegentlich ist zu lesen, dass für Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen ein leicht erhöhtes Risiko besteht zusätzlich an einem Schilddrüsenkrebs oder einem Schilddrüsenlymphom (Non-Hodgkin-Lymphom, B-Zell-Lymphom, MALT-Lymphom) zu erkranken.

Im Hinblick auf das papilläre Schilddrüsenkarzinom konnte dieser Zusammenhang in verschiedenen Studien nachgewiesen werden.

Schilddrüsenkrebs ist insgesamt sehr selten
Dazu muss man aber auch sagen, dass Schilddrüsenkrebs eine insgesamt sehr seltene Erkrankung ist. Neu an Schilddrüsenkrebs erkranken pro Jahr rund 5300 Personen (ungefähr 1650 Männer und 3650 Frauen). Bei circa 50 bis 60 Prozent davon handelt es sich um papilläre Schilddrüsenkarzinome. Bei den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen, zu denen auch das papilläre Schilddrüsenkarzinom gehört, sind die Heilungschancen mit bis zu 90 Prozent zudem sehr gut.

Das Non-Hodgkin-Lymphom der Schilddrüse ist ebenfalls eine ausgesprochen seltene Erkrankung und hat mit einer Überlebensrate von 70 Prozent auch eine gute Prognose. In bis zu 80 Prozent geht dem Non-Hodgkin-Lymphom der Schilddrüse eine Hashimoto-Thyreoiditis voraus.

Warnsignale bei Schilddrüsenkrebs
Ernstzunehmende Warnsignale sind nicht schluck-verschiebliche Schilddrüsenknoten, anhaltende Heiserkeit, wiederkehrender Hustenreiz, Schluckbeschwerden, Atembeschwerden (selten bis hin zu Luftnot), vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich und Halsschmerzen. Gelegentlich kann es außerdem zu Allgemeinsymptomen wie Erschöpfung, Gewichtsverlust und Nachtschweiß kommen. Wenn Sie über einige Wochen derartige Beschwerden haben und insbesondere, wenn Sie selbst bereits einen Knoten im Halsbereich fühlen können, sollten Sie sich unverzüglich an eine/einen Ärztin/Arzt wenden!

Quellen:

  • L. Hegedüs, M. Heidenheim, M. Gervil u.a.: „High frequency of thyroid dysfunction in patients with vitiligo.“, Acta Derm Venereol. 1994, 74(2): 120 – 123.
  • Y. Lun u.a.: „Hashimoto’s thyroiditis as a risk factor of papillary thyroid cancer may improve cancer prognosis.“, Otolaryngol Head Neck Surg. 2013, 148(3): 396 – 402.
  • A. Konturek, M. Barczyński, W. Wierzchowski u.a.: „Coexistence of papillary thyroid cancer with Hashimoto thyroiditis.“, Langenbecks Arch Surg. 2013, 398(3): 389 – 394.
  • A. Fehr-Merhof, R. Flury, S. Rüttimann: „From Hashimoto thyroiditis to B-cell lymphoma of the thyroid gland.“, Schweiz Med Wochenschr. 1999, 129(23): 883 – 889.
  • N. Watanabe u.a.: „Clinicopathological features of 171 cases of primary thyroid lymphoma: a long-term study involving 24553 patients with Hashimoto’s disease.“, Br J Haematol. 2011, 153(2): 236 – 243.
  • S. E. Penney, J. J. Homer: „Thyroid lymphoma: acute presentation and long-term outcome.“ J Laryngol Otol. 2011, 125(12): 1256 – 1262.

36. Was ist der Unterschied zwischen Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow?

Die Hashimoto-Thyreoiditis und der Morbus Basedow sind beides Erkrankungen, die durch eine Entzündung der Schilddrüse gekennzeichnet sind. Eine weitere Gemeinsamkeit ist außerdem, dass diese durch eine fehlgeleitete Immunreaktion verursacht wird. Sowohl Hashimoto als auch Basedow sind also Autoimmunerkrankungen.

Der Unterschied besteht darin, dass der Morbus Basedow zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt, während die Hashimoto-Thyreoiditis eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zur Folge hat.

Symptome bei Hashimoto-Thyreoiditis
Die Hashimoto-Thyreoiditis hingegen geht mit einem Mangel an Schilddrüsenhormonen (Hypothyreose) einher. Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind auch hier vielfältig und können sich in Müdigkeit,→ Gewichtszunahme, Depression, verlangsamte Herzfrequenz, schwere oder abnormale Menstruationsperioden, Kälteempfindlichkeit, Schwellungen im Gesicht, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, trockene Haut und Haarausfall äußern.

Symptome bei Morbus Basedow
Der Morbus Basedow ist durch eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen gekennzeichnet, die zu einer Hyperthyreose führt. Die Symptome einer solchen Schilddrüsenüberfunktion sind vielfältig und können unter anderem Gewichtsverlust, Nervosität, Schlaflosigkeit, schneller Herzschlag, Zittern, Durchfall, Augenprobleme und Muskelschwäche umfassen.

Hashimoto und Basedow – Ursachen, Diagnose, Behandlung
Die Ursachen von Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis sind nicht bis ins letzte Detail bekannt, aber es wird angenommen, dass sowohl genetische Faktoren als auch Umweltbedingungen eine Rolle spielen.

Die Diagnose beider Erkrankungen erfolgt durch

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung (z.B. Blutdruck)
  • Bluttests (Hormone: TSH, fT3, fT4 und Antiköper: TPO-AK, TG-AK, TRAK)
  • Sonografie der Schilddrüse
  • Szintigrafie der Schilddrüse

Die Behandlung des Morbus Basedow kann eine Kombination aus Thyreostatika, Radiojodtherapie und Operation umfassen. Die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis besteht in der Regel aus einer Schilddrüsenhormonersatztherapie, die den Hormonspiegel im Blut reguliert.


37. Was bedeutet „ausgebrannte“ Hashimoto-Thyreoiditis?

Der Begriff klingt dramatisch – und das ist er in gewisser Weise auch. Eine „ausgebrannte“ Thyreoiditis bezeichnet das Endstadium einer chronischen Schilddrüsenentzündung, bei der das Schilddrüsengewebe nahezu vollständig zerstört ist. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um das Spätstadium einer Hashimoto-Thyreoiditis.

Was passiert dabei genau?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis greift das Immunsystem das eigene Schilddrüsengewebe an. Das führt über Monate bis Jahre zu einer schrittweisen Zerstörung der Schilddrüsenzellen. Irgendwann ist so wenig funktionierendes Gewebe übrig, dass die Schilddrüse kaum oder keine Hormone mehr produzieren kann – sie ist sozusagen „ausgebrannt“.

Typische Laborwerte

Laborwert Befund Was das bedeutet
TSH ↑ erhöht (z. B. >10 mU/l) Die Hypophyse versucht, die Schilddrüse zur Hormonproduktion zu stimulieren
fT4 ↓ erniedrigt oder niedrig normal Es fehlt an Schilddrüsenhormon.
fT3 ↓ oder niedrig normal Häufig ebenfalls erniedrigt – manchmal schafft es der Körper noch den Spiegel aufrecht zu erhalten.
TPO-AK ↑ stark erhöht Antikörper gegen Schilddrüsengewebe
TG-AK oft ↑ Kann ein Hinweis auf Hashimoto sein, falls die TPO-AK niht erhöht sind.

Im Ultraschall zeigt sich die Schilddrüse oft verkleinert, echoarm und inhomogen – oder sie ist kaum noch sichtbar. In der Fachsprache nennt man das ein atrophisches Organ.

Beispiel aus der Praxis – so könnte ein Arztbrief aussehen:

Diagnose:
Ausgebrannte Hashimoto-Thyreoiditis mit manifester Hypothyreose.Befunde:
Die Schilddrüse ist im Ultraschall stark verkleinert (Gesamtvolumen ca. 3 ml), echoarm und inhomogen.
TPO-Antikörper sind deutlich erhöht (>1000 IU/ml), TSH ist mit 12,3 mU/l pathologisch erhöht.
fT4 und fT3 im unteren Referenzbereich.Therapie:
Beginn einer Substitutionstherapie mit L-Thyroxin 50 µg täglich. Dosisanpassung nach Laborverlauf.Empfehlung:
Langfristige endokrinologische Betreuung, regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenwerte.

Und was bedeutet das für Betroffene?

  • Die Schilddrüse erholt sich nicht mehr – das geschädigte Gewebe regeneriert sich nicht.
  • Betroffene brauchen lebenslang Schilddrüsenhormone (meist L-Thyroxin).
  • Die richtige Dosis muss individuell angepasst werden – nicht zu wenig, nicht zu viel.
  • Es ist sehr gut möglich, auch mit dieser Diagnose ein vollkommen normales Leben zu führen – vorausgesetzt, es handelt sich um einen leichteren Krankheitsverlauf und die Therapie ist gut eingestellt.

Fazit

Die Diagnose „ausgebrannte Hashimoto-Thyreoiditis“ ist kein Grund zur Panik, aber sie erfordert konsequente Therapie und Kontrolle. Wichtig ist, die Symptome ernst zu nehmen, Laborwerte regelmäßig zu überprüfen und die L-Thyroxin-Dosis nicht „nach Gefühl“, sondern nach Laborbefund anzupassen.