{"id":9584,"date":"2023-02-13T09:00:56","date_gmt":"2023-02-13T08:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=9584"},"modified":"2025-08-05T09:01:45","modified_gmt":"2025-08-05T07:01:45","slug":"schilddruesenknoten-haeufigkeit-von-schilddruesenkrebs-ist-ueberbewertet-wird-zu-viel-operiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruesenknoten-haeufigkeit-von-schilddruesenkrebs-ist-ueberbewertet-wird-zu-viel-operiert\/","title":{"rendered":"Schilddr\u00fcsenknoten: H\u00e4ufigkeit von Schilddr\u00fcsenkrebs ist \u00fcberbewertet \u2013 wird zu viel operiert?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Neue Risikobewertung geht von deutlich niedrigeren Zahlen aus als bislang angenommen<\/strong><\/p>\n<p>Fast jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat knotige Ver\u00e4nderungen seiner Schilddr\u00fcse (1). Mitunter ist dann eine Operation notwendig, etwa wegen einer stark vergr\u00f6\u00dferte Schilddr\u00fcse oder bei Verdacht auf Krebs. Nach US-amerikanischen Leitlinien musste man bisher davon ausgehen, dass bis zu 15 Prozent dieser Knoten b\u00f6sartig sind oder entarten k\u00f6nnten (2, 3). Doch eine aktuelle deutsche Langzeitstudie zum Malignit\u00e4tsrisiko von Schilddr\u00fcsenknoten an \u00fcber 17.500 Patientinnen und Patienten mit Knoten kommt zu dem Schluss, dass die Zahlen viel niedriger sind: Im Lauf von bis zu 23 Jahren Nachbeobachtungszeit wurde nur bei 1,1 Prozent der Beobachteten Krebs diagnostiziert (4). Damit erweist sich die vorsorgliche Entfernung vieler Knoten als \u00fcberfl\u00fcssig. Die Indikation zur Operation sollte deshalb erst nach gr\u00fcndlicher Diagnostik gestellt werden, sagt die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie e. V. (DGE). Da Schilddr\u00fcsenoperationen mit Komplikationen wie etwa der Sch\u00e4digung des Stimmband-Nervs oder der Nebenschilddr\u00fcsen verbunden sein sowie eine lebenslange Einnahme von Medikamenten nach sich ziehen k\u00f6nnen, gelte es, unn\u00f6tige Operationen zu vermeiden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">-Anzeige-<br \/>\n<script async src=\"https:\/\/pagead2.googlesyndication.com\/pagead\/js\/adsbygoogle.js?client=ca-pub-2860650483659473\" crossorigin=\"anonymous\"><\/script><br \/>\n<!-- SDG-2025-Display-Responsiv --><br \/>\n<ins class=\"adsbygoogle\" style=\"display: block;\" data-ad-client=\"ca-pub-2860650483659473\" data-ad-slot=\"5199025168\" data-ad-format=\"auto\" data-full-width-responsive=\"true\"><\/ins><br \/>\n<script>\n     (adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});\n<\/script><\/p>\n<p>Jodmangel, aber auch eine immer weiter verfeinerte Ultraschalldiagnostik haben dazu gef\u00fchrt, dass bei nahezu jedem zweiten Erwachsenen Knoten in der Schilddr\u00fcse nachgewiesen werden k\u00f6nnen. \u201eDies l\u00f6st oft \u00c4ngste aus, an Krebs des Stoffwechselorgans zu leiden oder daran zu erkranken\u201c, wei\u00df der Endokrinologe und DGE-Mitglied Prof. Dr. med. Martin Gru\u00dfendorf aus Halblech. Doch er beruhigt: &#8222;Pro Jahr entwickelt sich in Deutschland bei weniger als 10 000 Menschen Schilddr\u00fcsenkrebs&#8220;. Dies zeigen die Daten des Robert Koch Instituts (RKI) zur H\u00e4ufigkeit von Schilddr\u00fcsenkarzinomen in Deutschland (5). Dort wurden in 25 Jahren 103.300 F\u00e4lle erfasst. \u201eDie daraus abgeleitete Krebsrate von Knoten der Schilddr\u00fcse liegt bei etwa einem Prozent und damit bei nur circa einem Zehntel der in den Leilinien angegebenen Rate\u201c, so der Experte.<\/p>\n<p><strong>Nur 1,1 Prozent der Schilddr\u00fcsenknoten wurden sp\u00e4ter b\u00f6sartig<\/strong><\/p>\n<p>Diese Zahlen best\u00e4tigt auch die aktuell von Gru\u00dfendorf als Erstautor publizierte retrospektive Studie (4): Hier wurden 17.592 Patientinnen und Patienten mit Schilddr\u00fcsenknoten von \u00fcber einem Zentimeter Durchmesser in den Jahren zwischen 1989 und 2013 in einem endokrinologischen Zentrum untersucht. 1.904 von ihnen wurden operiert und 6.731 l\u00e4nger als ein Jahr nachverfolgt (davon 1.165 l\u00e4nger als 10 Jahre und bis zu 23 Jahren). Bei 155 Patientinnen und Patienten konnten Malignome im ersten Jahr nach Erstvorstellung histologisch nachgewiesen werden, bei weiteren 25 wurde ein Malignom in den Jahren zwei bis f\u00fcnf entdeckt und bei weiteren neun in den Jahren sechs bis zehn. Danach wurden bis 23 Jahre nach Erstdiagnose der Knoten keine weiteren b\u00f6sartigen Ver\u00e4nderungen festgestellt. Insgesamt diagnostizierten \u00c4rztinnen und \u00c4rzte bei 189 Patienten Schilddr\u00fcsen &#8211; Krebs. Dies entspricht einer Malignit\u00e4tsrate von 1,1 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Die Risikoabsch\u00e4tzung beim Umgang mit den Knoten muss an die neuen Zahlen angepasst werden<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDiese neuen Zahlen sollten in die Risikoabsch\u00e4tzung beim Umgang mit den Knoten einflie\u00dfen, insbesondere auch was die OP-Entscheidung angeht\u201c, sagt Gru\u00dfendorf. Momentan werden in Deutschland j\u00e4hrlich rund 56.000 Schilddr\u00fcsenoperationen durchgef\u00fchrt: \u201eDas sind circa 70 Operationen\/100.000 Einwohner. Im europ\u00e4ischen Durchschnitt liegen die Zahlen jedoch mit 47 Operationen\/100.000 Einwohner deutlich niedriger (6, 7).\u201c<\/p>\n<p>Um \u00dcberdiagnostik und \u00dcbertherapie zu vermeiden, empfiehlt die DGE, im Jodmangel \u2013 Gebiet Deutschland auf ein routinem\u00e4\u00dfiges Ultraschall-Screening der Schilddr\u00fcse bei Patientinnen und Patienten ohne Hinweise auf eine Schilddr\u00fcsenerkrankung zu verzichten. Wird ein Knoten mit einem Durchmesser von \u00fcber einen Zentimeter nachgewiesen, sollte zun\u00e4chst eine Schilddr\u00fcsen-Sonographie mit einer standardisierten Befundung nach TIRADS (Thyroid Imaging And Reporting System) erfolgen. Au\u00dferdem r\u00e4t die Fachgesellschaft, im Blut den TSH-Wert zu bestimmen. Weicht er von der Norm ab, sollten im n\u00e4chsten Schritt zus\u00e4tzlich die Schilddr\u00fcsenhormone fT4 und fT3 gemessen werden. \u201eEbenso empfehlen wir die Bestimmung des Calcitonin-Wertes\u201c, so der Experte: Dadurch k\u00f6nnten die in etwa 0,5 Prozent der F\u00e4lle auftretenden sogenannten C-Zell Karzinome fr\u00fchzeitig entdeckt werden. Die weiteren Schritte richten sich nach den Befunden und k\u00f6nnen Untersuchungen wie Feinnadelbiopsien und Szintigrafien beinhalten.<\/p>\n<p>Hat man sich entschieden, den Knoten zu beobachten, sollte man ihn nach sechs bis zw\u00f6lf Monaten erneut per Ultraschall kontrollieren, sagt Gru\u00dfendorf. Bei weiterhin unauff\u00e4lligem Befund kann die n\u00e4chste Nachkontrolle nach zwei bis drei Jahren und dann nach f\u00fcnf Jahren erfolgen. \u201eDa bei initial unauff\u00e4lligen Schilddr\u00fcsenknoten danach nur noch sehr wenige Malignome auftreten, muss der Stellenwert einer langj\u00e4hrigen Nachsorge jedoch kritisch hinterfragt werden\u201c, erg\u00e4nzt er.<\/p>\n<div style=\"background-color: #f8f9fa; border: 2px solid #6c757d; padding: 20px; border-radius: 0; color: #343a40; font-family: Arial, sans-serif;\">\n<h3 style=\"margin-top: 0;\">Wissensbaustein Schilddr\u00fcsenknoten<\/h3>\n<p>Schilddr\u00fcsenknoten sind meist gutartige Ver\u00e4nderungen in der Schilddr\u00fcse, die jedoch nicht immer harmlos sind. Es ist wichtig, auf Warnsignale zu achten und regelm\u00e4\u00dfig Kontrolluntersuchungen durchf\u00fchren zu lassen, um m\u00f6gliche Risiken fr\u00fchzeitig zu erkennen.\u00a0Auf der zentralen Seite &#8222;<strong>Was tun bei Schilddr\u00fcsenknoten?<\/strong>&#8220; finden Sie alles Wichtige rund um die Diagnose, Behandlung und Therapie von Schilddr\u00fcsenknoten.<\/p>\n<p><a style=\"display: inline-block; background-color: #28a745; color: white; padding: 10px 20px; border-radius: 5px; text-decoration: none; font-weight: bold; text-align: center;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruesenknoten\/\">Mehr erfahren<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klug entscheiden-Empfehlung: kein pr\u00e4ventives Ultraschallscreening auf Schilddr\u00fcsenver\u00e4nderungen bei \u00e4lteren Menschen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Herausforderung besteht darin, mit einem angemessenen Aufwand an Diagnostik die seltenen b\u00f6sartigen F\u00e4lle aus der Vielzahl der harmlosen Ver\u00e4nderungen herauszufiltern. Au\u00dferdem ist eine Jodprophylaxe wichtig, da der Jodmangel in Deutschland in den letzten zehn Jahren wieder deutlich zugenommen hat (7)\u201c, sagt Professor Dr. med. Stephan Petersenn, Mediensprecher der DGE, ENDOC Praxis f\u00fcr Endokrinologie und Andrologie in Hamburg. Er fasst zusammen: \u201eUm Patienten unn\u00f6tige \u00c4ngste zu ersparen, sollte eine Ultraschall-Untersuchung der Schilddr\u00fcse nur bei klinisch oder laborchemisch begr\u00fcndetem Verdacht erfolgen, und nicht als Pr\u00e4ventivdiagnostik. Dies wird ausdr\u00fccklich auch in den Klug entscheiden-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Innere Medizin (DGIM) und der DGE festgehalten: Ein Ultraschallscreening auf Schilddr\u00fcsenver\u00e4nderungen bei \u00e4lteren Menschen soll nicht durchgef\u00fchrt werden (8).\u201c<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.endokrinologie.net\/pressemitteilung\/schilddruesenknoten-wird-zu-viel-operiert.php\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">endokrinologie.net<\/a> (Link gepr\u00fcft am 15.09.23)<\/p>\n<p><em>Jetzt Medikamente online bestellen bei der Partner-Apotheke von www.schilddruesenguide.de! 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