{"id":91,"date":"2013-11-27T12:32:25","date_gmt":"2013-11-27T11:32:25","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=91"},"modified":"2025-08-05T08:48:01","modified_gmt":"2025-08-05T06:48:01","slug":"jod-versorgung-ueber-die-muttermilch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/jod-versorgung-ueber-die-muttermilch\/","title":{"rendered":"Jod-Versorgung \u00fcber die Muttermilch"},"content":{"rendered":"<p>Jod-Mangel hat bei Babys gravierende Folgen. Die WHO empfiehlt stillenden M\u00fcttern ohne Zugang zu jodiertem Salz eine Jod-Kapsel zu schlucken, die ein Jahr lang sie und \u00fcbers Stillen auch das Kind versorgen soll. Forschende der ETH Z\u00fcrich pr\u00fcften erstmals, wie wirksam diese Massnahme ist.<\/p>\n<p>Jod ist f\u00fcr den menschlichen K\u00f6rper unentbehrlich. Insbesondere bei S\u00e4uglingen ist dieses Spurenelement kritisch f\u00fcr eine gesunde Entwicklung. Wachstumsst\u00f6rungen und Sch\u00e4den am Nervensystem k\u00f6nnen die Folge eines Mangels sein. In Jod-Mangel-Gebieten mit Jod-armen B\u00f6den wird jodiertes Salz zum Kochen und auch in der Lebensmittelindustrie empfohlen. \u00dcber die Muttermilch und Babynahrung mit Jod-Zusatz sind Neugeborene so in der Regel ausreichend mit dem Spurenelement versorgt. Jedoch sind gerade in entlegenen Gebieten in Entwicklungsl\u00e4ndern Jod-Salz oder jodierte Babynahrung nicht fl\u00e4chendeckend vorhanden und erreichen die gef\u00e4hrdeten Bev\u00f6lkerungsgruppen unvollst\u00e4ndig. <!--more--><\/p>\n<p>Um Neugeborene dennoch mit dem Spurenelement zu versorgen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO in diesen Gebieten frischgebackenen M\u00fcttern eine Jod-Depot-Kapsel zum Schlucken, die ein Jahr lang den Jod-Bedarf der Mutter und \u00fcbers Stillen auch des Kindes decken soll. In F\u00e4llen, in denen Stillen keine Option ist, verabreichen Mediziner dem S\u00e4ugling direkt eine niedriger konzentrierte Jod-Depot-Pille. Die Wirksamkeit dieser beiden Massnahmen wurde bislang jedoch nie gepr\u00fcft. Ein Team von Forschenden der ETH verglich nun erstmals die direkte Jod-Gabe an Neugeborene mit der indirekten Versorgung \u00fcber die Muttermilch und begleitete die M\u00fctter und ihre Babys ein Jahr lang, um ihren Jod-Status zu beobachten. Dabei stellten sie fest, dass die Jod-Kapsel der Mutter zu verabreichen effektiver ist als sie direkt dem Kind zu geben. Jedoch reichen beide Massnahmen nicht aus, um die Versorgung mit dem Spurenelement f\u00fcr Mutter und Kind zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p><strong>Alle Reserven in die Muttermilch<\/strong><\/p>\n<p>Raschida Bouhouch, Doktorandin im Labor f\u00fcr Humanern\u00e4hrung der ETH Z\u00fcrich, und ihre Kollegen untersuchten in einer Blindstudie 241 Mutter-Kind-Paare in Marokko, von denen bei der einen H\u00e4lfte die Mutter die Jod-Depot-Kapsel und das Baby ein Placebo schluckte, bei der anderen umgekehrt, wobei die jeweilige Pille beim ersten Impftermin innerhalb der ersten acht Wochen nach der Geburt verabreicht wurde. Anschliessend massen Bouhouch und ihre Kollegen \u00fcber neun Monate hinweg die Jod-Konzentration in der Muttermilch, sowie im Urin der Mutter und des Kindes, um den Jod-Status der beiden zu bestimmen.<\/p>\n<p>Zwar ging bei Jod-Gabe an die Mutter erstaunlich viel des Spurenelements \u00fcber die Muttermilch an das Kind, doch fiel die Jod-Konzentration im Urin des Babys bereits neun Monate nach der Geburt wieder unter die kritische Schwelle. Bei der Mutter selbst vermochte die einmalige Dosis den Jod-Mangel zu keinem Zeitpunkt zu beheben. \u00abDer K\u00f6rper der Mutter ist offenbar darauf eingestellt, alle Jod-Reserven in die Versorgung des Kindes zu stecken, und beh\u00e4lt nicht genug f\u00fcr sich selbst\u00bb, erkl\u00e4rt Bouhouch. Schon kurz nach der Geburt h\u00e4tten die S\u00e4uglinge so einen deutlich besseren Jod-Status als ihre M\u00fctter. Dennoch lagen die Werte deutlich unter dem vom K\u00f6rper ben\u00f6tigten Mindestwert.<\/p>\n<p><strong>WHO-Empfehlungen nicht ausreichend<\/strong><\/p>\n<p>Im Vergleich funktionierte die direkte Jod-Gabe an die Neugeborenen deutlich schlechter als der indirekte Weg \u00fcber die Muttermilch. Ein Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte sein, dass der K\u00f6rper des Kindes das Spurenelement besser aufnehmen kann, wenn es \u00fcber die Muttermilch in vorverarbeiteter Form weitergegeben wird. So blieb der Jod-Status der S\u00e4uglinge, welche die Kapsel direkt erhielten, meist unter dem Mindestwert.<\/p>\n<p>\u00abDas bedeutet nicht, dass die direkte Jod-Gabe v\u00f6llig schlecht ist\u00bb, betont Bouhouch. Beide Massnahmen reduzierten bei den S\u00e4uglingen Fehlfunktionen der Schilddr\u00fcse, welche Jod zur Produktion von Hormonen ben\u00f6tigt. Dennoch m\u00fcsste die Empfehlung der WHO angepasst werden, da die einmalige Jod-Dosis nicht wie bislang angenommen f\u00fcr ein ganzes Jahr reiche, sondern nur f\u00fcr etwa sechs Monate, sagt Bouhouch. Auch reiche die Jod-Kapsel offenbar nicht, den Jod-Status der Mutter auf ein gesundes Niveau anzuheben. \u00abBesser w\u00e4re, den M\u00fcttern nicht nur einmal im Jahr, sondern gegebenenfalls zweimal Jod zu geben.\u00bb Auch bei der direkten Jod-Gabe an den S\u00e4ugling seien regelm\u00e4ssigere und niedrige Dosen zu bevorzugen. Ausserdem ist die in der Studie eingesetzte Strategie, die Jod-Kapsel regul\u00e4r beim ersten Impftermin nach der Geburt zu verabreichen, ein vielversprechender Ansatz, der zu einer offiziellen Empfehlung werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Im weiteren werden die Forschenden um Michael Zimmermann, ETH-Professor f\u00fcr Humanern\u00e4hrung und Leiter der Studie, untersuchen, wie die hohe Jod-Dosis im K\u00f6rper der Kinder und M\u00fctter verstoffwechselt wird. Die Umsetzung im K\u00f6rper ist bislang noch nicht vollst\u00e4ndig verstanden.<\/p>\n<p>Literaturhinweis:<\/p>\n<p>Bouhouch RR, Bouhouch S, Cherkaoui M, Aboussad A, Stinca S, Haldimann M, Andersson M, Zimmermann MB: Direct iodine supplementation of infants versus supplementation of their breastfeeding mothers: a double-blind, randomised, placebo-controlled trial. The Lancet Diabetes and Endocrinology, November 22, 2013. DOI: 10.1016\/S2213-8587(13)70155-4<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.idw-online.de\/de\/news562714\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">idw-online.de<\/a> (<span style=\"color: #ff0000;\">Link gepr\u00fcft am 13.09.23<\/span>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jod-Mangel hat bei Babys gravierende Folgen. Die WHO empfiehlt stillenden M\u00fcttern ohne Zugang zu jodiertem Salz eine Jod-Kapsel zu schlucken, die ein Jahr lang sie und \u00fcbers Stillen auch das Kind versorgen soll. 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