{"id":8593,"date":"2020-10-29T07:00:55","date_gmt":"2020-10-29T06:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=8593"},"modified":"2025-08-05T08:12:47","modified_gmt":"2025-08-05T06:12:47","slug":"der-iodtransporter-der-schilddruese-als-vielversprechendes-therapiegen-fuer-die-entwicklung-einer-neuen-krebstherapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/der-iodtransporter-der-schilddruese-als-vielversprechendes-therapiegen-fuer-die-entwicklung-einer-neuen-krebstherapie\/","title":{"rendered":"Der Iodtransporter der Schilddr\u00fcse als vielversprechendes Therapiegen f\u00fcr die Entwicklung einer neuen Krebstherapie"},"content":{"rendered":"<p>Der Einsatz von Radioiod in der Diagnostik und Therapie von gut- und b\u00f6sartigen Schilddr\u00fcsenerkrankungen mithilfe des Iodtransporters \u201eNIS\u201c, der die Aufnahme von Iod aus dem Blut in die Schilddr\u00fcse vermittelt, hat sich langj\u00e4hrig etabliert. Nun gestattet die Charakterisierung des NIS-Gens die Entwicklung eines neuen Gentherapieansatzes, wobei NIS mittels Stammzellen in die Krebszellen transportiert und der Einsatz von Radioiod zur Bildgebung und Behandlung von Tumoren auch au\u00dferhalb der Schilddr\u00fcse m\u00f6glich wird. Gef\u00f6rdert durch die Wilhelm Sander-Stiftung, haben M\u00fcnchner Forscher jetzt die Wirksamkeit dieses Gentherapieansatzes in Kombination mit einer Hitzebehandlung des Tumors untersucht.<!--more--><\/p>\n<p>Der Natrium-Iodid-Symporter, kurz NIS, ist ein Transportprotein in den Zellen der Schilddr\u00fcse, das die aktive Iodaufnahme in die Schilddr\u00fcse vermittelt. Dieser Iodtransporter bildet die Grundlage der diagnostischen sowie therapeutischen Anwendung von Radioiod (131I), die bei der Behandlung und in der Nachsorge von Schilddr\u00fcsenkrebs eine zentrale Rolle spielt. In den letzten Jahren wurde nicht zuletzt auf dem Boden der Pionierarbeiten von Prof. Dr. Christine Spitzweg, Ober\u00e4rztin f\u00fcr den Fachbereich Endokrinologie sowie Leiterin des Interdisziplin\u00e4ren Schilddr\u00fcsenzentrums am LMU Klinikum M\u00fcnchen, ein neues Gentherapiekonzept entwickelt, welches auf dem gezielten Transport von NIS in das tumortragende Bindegewebe (Tumorstroma) mittels der spezifischen Wanderung mesenchymaler Stammzellen (MSC) als Transportvehikel beruht.<\/p>\n<p>Dieser Gentherapieansatz erm\u00f6glicht die Anwendung von Radioiod in der Bildgebung sowie Behandlung von Tumoren auch au\u00dferhalb der Schilddr\u00fcse. \u201eDadurch er\u00f6ffnet sich die Perspektive, auch bei anderen Krebsarten die Radioiodtherapie einzusetzen, die ein schon zugelassenes und sicheres Therapieverfahren mit nur geringen Nebenwirkungen darstellt und seit nun 80 Jahren mit gro\u00dfem Erfolg und viel Erfahrung in der Behandlung von Schilddr\u00fcsenkrebs angewendet wird\u201c, erkl\u00e4rt Christine Spitzweg die Bedeutung dieses Gentherapieansatzes.<\/p>\n<p>Im Rahmen eines von der Wilhelm Sander-Stiftung gef\u00f6rderten Projektes untersuchten die Arbeitsgruppen von Christine Spitzweg und Prof. Dr. Peter Nelson von der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV gemeinsam mit Prof. Dr. Lars Lindner an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des LMU Klinikums M\u00fcnchen nun die Steigerung der Wirksamkeit dieses vielversprechenden stammzellvermittelten Gentherapieansatzes durch die Kombination mit einer Hitzebehandlung des Tumors.<\/p>\n<div style=\"background-color: #f8f9fa; border: 2px solid #6c757d; padding: 20px; border-radius: 0; color: #343a40; font-family: Arial, sans-serif;\">\n<h3 style=\"margin-top: 0;\">Wissensbaustein Schilddr\u00fcsenkrebs<\/h3>\n<p>Schilddr\u00fcsenkrebs ist eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung der Schilddr\u00fcse. Fr\u00fch erkannt, sind die Heilungschancen in vielen F\u00e4llen gut. Deshalb ist es wichtig, Symptome ernst zu nehmen und sich umfassend \u00fcber Diagnose- und Behandlungsm\u00f6glichkeiten zu informieren. Auf der zentralen Seite &#8222;<strong>Was tun bei Schilddr\u00fcsenkrebs?<\/strong>&#8220; finden Sie alle wichtigen Informationen rund um die Erkrankung, Therapieformen und Nachsorge.<\/p>\n<p><a style=\"display: inline-block; background-color: #28a745; color: white; padding: 10px 20px; border-radius: 5px; text-decoration: none; font-weight: bold; text-align: center;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruesenkrebs\/\">Mehr erfahren<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das tumortragende Bindegewebe spielt eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr Wachstum und Metastasierung eines Tumors sowie f\u00fcr die Bildung von tumorversorgenden Blutgef\u00e4\u00dfen. Aus dem Knochenmark isolierte mesenchymale Stammzellen werden nach Injektion in die Blutbahn selektiv in Tumoren rekrutiert und entwickeln sich dort in blutgef\u00e4\u00dfbildende Zellen und andere Zellen des Tumorstromas. \u201eGenetisch ver\u00e4nderte mesenchymale Stammzellen stellen damit ideale tumorspezifische Vehikel dar, die auch nach Injektion in die periphere Blutbahn den gezielten Transport von Therapiegenen in Tumoren und ihre Metastasen erlauben\u201c, erl\u00e4utert Peter Nelson die Forschungserkenntnisse seiner Arbeitsgruppe, die bereits in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten erfolgreich publiziert werden konnten.<\/p>\n<p>In enger Kooperation gelang es den beiden Arbeitsgruppen, aufbauend auf einem fr\u00fcheren, ebenfalls von der Wilhelm Sander-Stiftung gef\u00f6rderten Forschungsprojekt, das enorme Potential genetisch ver\u00e4nderter MSC f\u00fcr den tumorselektiven Transport des NIS-Gens zu zeigen, der die effektive Anwendung von Radioiod f\u00fcr die Bildgebung sowie Therapie bei Tumoren auch au\u00dferhalb der Schilddr\u00fcse erlaubt. Dabei wurden MSC genetisch so ver\u00e4ndert, dass sie NIS auf ihrer Oberfl\u00e4che tragen. Nach Injektion in die periphere Blutbahn werden die MSC und damit auch NIS spezifisch in den Tumor und seine Metastasen rekrutiert, was die Anwendung von Radiojod f\u00fcr die Bildgebung und Behandlung dieser Tumoren erlaubt.<\/p>\n<p>Um die Wirksamkeit der MSC-basierten NIS-Gentherapie zu optimieren, untersuchten die M\u00fcnchner Wissenschaftler im aktuellen Forschungsprojekt deren Kombination mit einer bereits langj\u00e4hrig erfolgreich in der Tumortherapie angewandten Hitzebehandlung (Hyperthermie). Die Hyperthermie zielt darauf ab, die Freisetzung von Entz\u00fcndungsmediatoren im Tumor zu erh\u00f6hen, die bei der Wanderung von MSCs zum Tumor eine zentrale Rolle spielen. Die Arbeitsgruppen um Christine Spitzweg und Peter Nelson kooperierten hierbei eng mit Lars Lindner, dem Leiter der Tumor-Hyperthermie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des LMU Klinikums.<\/p>\n<p>In Zellkulturarbeiten konnten die Wissenschaftler in Leberkarzinomzellen zeigen, dass eine Hitzebehandlung der Tumorzellen die Freisetzung einer Reihe von Entz\u00fcndungsmediatoren erh\u00f6ht, was zu einer deutlich erh\u00f6hten Wanderung der MSC hin zu Hitze-vorbehandelten Tumorzellen f\u00fchrte. Dies wurde auch im Mausmodell best\u00e4tigt, wo nach der Hyperthermiebehandlung der Lebertumoren die vermehrte MSC-Wanderung in die Tumoren (siehe Abbildung) durch die NIS-vermittelte Radioiod-Bildgebung demonstriert und eine Steigerung des Therapieeffekts von Radioiod (131I) gezeigt werden konnte. Diese Arbeiten wurden j\u00fcngst in dem in der Gentherapie f\u00fchrenden internationalen Journal Molecular Therapy publiziert (1).<\/p>\n<p>In einer weiteren Untersuchung setzte das Forscherteam die Hitzebehandlung des Tumors ein, um die Bildung und Verankerung von NIS auf der MSC-Oberfl\u00e4che zu stimulieren. \u201eIm Tiermodell konnten wir in Lebertumor-tragenden M\u00e4usen zeigen, dass durch eine spezifische genetische Manipulation der mesenchymalen Stammzellen die Bildung von NIS durch eine Behandlung des Tumors mittels Hyperthermie verst\u00e4rkt werden kann\u201c, erl\u00e4utert Christine Spitzweg. Dies konnte mittels NIS-basierter Radioiod-Bildgebung im Tiermodell nicht nur bildlich dargestellt werden, sondern f\u00fchrte in einem Therapieversuch auch zu einer deutlichen Steigerung des Therapieeffekts von Radioiod (2).<\/p>\n<p>\u201eDie Forschungsf\u00f6rderung der Wilhelm Sander-Stiftung hat es uns erm\u00f6glicht, die MSC-vermittelte NIS-Gentherapie erfolgreich zu etablieren und weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt dank dieser Unterst\u00fctzung ist sie mittlerweile ein international viel beachtetes neues Krebstherapiekonzept mit hohem Potential f\u00fcr die klinische Weiterentwicklung\u201c, res\u00fcmiert Christine Spitzweg.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news756655\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">idw-online.de<\/a> (Link gepr\u00fcft am 14.09.23)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10118\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/SDG-Tipp.png\" alt=\"Schilddr\u00fcse SDG-Tipp Leseempfehlung\" width=\"112\" height=\"48\" \/><\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/das-wichtigste-zum-spurenelement-jod\/\">Das Wichtigste zum Spurenelement Jod<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einsatz von Radioiod in der Diagnostik und Therapie von gut- und b\u00f6sartigen Schilddr\u00fcsenerkrankungen mithilfe des Iodtransporters \u201eNIS\u201c, der die Aufnahme von Iod aus dem Blut in die Schilddr\u00fcse vermittelt, hat sich langj\u00e4hrig etabliert. Nun gestattet die Charakterisierung des NIS-Gens die Entwicklung eines neuen Gentherapieansatzes, wobei NIS mittels Stammzellen in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_metis_text_type":"standard","_metis_text_length":6948,"_post_count":0,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[923,925,922,924,56],"class_list":["post-8593","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schilddruesenkrebs","tag-gentherapie","tag-hyperthermie","tag-natrium-iodid-symporter","tag-radioiod","tag-schilddruesenkrebs"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8593\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}