{"id":749,"date":"2013-11-25T14:55:09","date_gmt":"2013-11-25T13:55:09","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=749"},"modified":"2025-08-05T08:50:20","modified_gmt":"2025-08-05T06:50:20","slug":"die-goldene-dosis-oder-auf-der-suche-nach-dem-unmoeglichen-traum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/die-goldene-dosis-oder-auf-der-suche-nach-dem-unmoeglichen-traum\/","title":{"rendered":"Die &#8222;goldene Dosis&#8220; oder auf der Suche nach dem unm\u00f6glichen Traum?"},"content":{"rendered":"<p>Alle auf www.schilddruesenguide.de bisher ver\u00f6ffentlichten Erfahrungsberichte von Hashimoto-Patientinnen: <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/glaubt-an-euch-kaempft-fuer-eure-gesundheit-und-wehrt-euch\/\">Andrea<\/a>, <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/die-goldene-dosis-oder-auf-der-suche-nach-dem-unmoeglichen-traum\/\">Annette<\/a>, <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/barbaras-erfahrungsbericht-hashimoto-thyreoiditis\/\">Barbara<\/a>, <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/brittas-diaet-tagebuch-abnehmen-mit-hashimoto-thyreoiditis\/\">Britta<\/a>, <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/katjas-erfahrungsbericht-abnehmen-mit-hashimoto-thyreoiditis\/\">Katja<\/a>, <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/saras-erfahrungsbericht-i-in-meinem-leben-spielt-hashimoto-kaum-noch-eine-rolle\/\">Sara<\/a>, <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/susannes-erfahrungsbericht-hashimoto-thyreoiditis\/\">Susanne<\/a> &#8211; falls sie auch bereit sind Ihre Geschichte aufzuschreiben, melden Sie sich gern per E-Mail.<\/p>\n<p>Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verf\u00fcgung gestellt von Annette Creson.<\/p>\n<p>Ich habe diesen Titel gew\u00e4hlt, weil so ein Editorial in einer SD-Zeitung betitelt war, wo es um den idealen SD-Hormonersatz ging und ob er m\u00f6glich ist (M. M. Kaplan, D. H. Sarne, A. B. Schneider: \u201eIn Search of the Impossible Dream? Thyroid Hormone Replacement Therapy That Treats All Symptoms in All Hypothyroid Patients\u201c J Clin Endoc a Metab 2003, 10(88): 4540 \u2013 4542). Langsam, sehr langsam setzt sich auch in der Fachwelt der Zweifel durch, ob es immer und in allen F\u00e4llen so einfach m\u00f6glich ist, perfekten Ersatz zu schaffen. Perfekt hie\u00dfe, da\u00df es dem Patienten unter der idalen Dosierung so wie ohne die Erkrankung ginge. Diese &#8222;goldene Dosis&#8220;, die ideale Einstellung habe ich auch lange gesucht und tue es irgendwo noch immer. Bei mir scheint es nicht zu funktionieren und bei sehr vielen, die ich kenne, auch nicht. Es geht besser als ohne Hormone, keine Frage, ich m\u00f6chte nie wieder in diese Hypoh\u00f6lle zur\u00fcck. Es geht auch besser als ohne T3, auch wieder keine Frage. Und ich wei\u00df inzwischen so einigerma\u00dfen, wo ich NICHT hin darf mit den Werten. ABER, und das ist ein gro\u00dfes aber, so wie vorher geht es nicht und richtig gut geht es nicht. Die Belastbarkeit ist nie wieder wie vorher geworden, meine Muskeln sind kaum noch vorhanden, mein Konzentrationsverm\u00f6gen ist nicht toll und ich habe so ein Paket Symptome, an die ich einfach nicht rankomme, egal wie die Dosis ist. Wohlgemerkt, ich merke Dosis\u00e4nderungen durchaus, also von Resistenz keine Spur. Ich arbeite weiter daran, gehe neue Wege, f\u00fcr mich ist es momentan der Weg der Nahrungserg\u00e4nzung (B12, Fols\u00e4ure, Eisen), aber ich habe auch da Erfahrungen sammeln d\u00fcrfen im Umkreis, die besagen, da\u00df weitere Besserung m\u00f6glich, langfristiges &#8222;Sich-richtig-gut-f\u00fchlen&#8220; oft unm\u00f6glich ist. Ich wei\u00df, da\u00df auch im amerikanischen Forum kaum welche sind, denen es richtig gut geht. Selbst \u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/buchvorstellung-mary-j-shomon-die-gesunde-schilddruese\/\">Mary Shomon<\/a>, vielen hier sicher ein Begriff durch ihre B\u00fccher, geht es nicht &#8222;richtig gut&#8220;.<!--more--><\/p>\n<p>Weitere Informationen zu meinen wissenschaftlich fundierten, gut strukturierten und leicht verst\u00e4ndlichen Patientenratgebern erhalten Sie, wenn Sie auf die Grafik klicken &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/ebooks\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-17298 size-full\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/E-Book-Reihe-Diagnose-Hashimoto-Thyreoiditis.png\" alt=\"Buchcover und Kundenrezensionen zu den E-Books der Reihe &quot;Diagnose-Hashimoto-Thyreoiditis&quot;\" width=\"708\" height=\"514\" srcset=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/E-Book-Reihe-Diagnose-Hashimoto-Thyreoiditis.png 708w, https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/E-Book-Reihe-Diagnose-Hashimoto-Thyreoiditis-300x218.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 708px) 100vw, 708px\" \/><\/a><\/p>\n<h5>Die Grenzen der Substitution mit Schilddr\u00fcsenhormonen<\/h5>\n<p>Ich m\u00f6chte aber auch betonen, da\u00df wenn es nicht klappt, es nicht an der Dummheit des Einzelnen und auch nicht nur an seinen \u00c4rzten liegen mu\u00df. Egal, wieviel man zu dem Thema gelesen hat, egal wie gut die behandelnden \u00c4rzte sind, die Substitutionstherapie mit SD-Hormonen hat ihre Grenzen. Ich glaube, wir versuchen hier, diese Grenzen schon bis zum Letztm\u00f6glichen zu dehnen, deshalb bleiben doch Grenzen da. Grenzen, die nicht bei allen gleicherma\u00dfen treffen, da gibt es sicher viele, die ohne Probleme ein zufriedenes und produktives Leben mit Hashimoto f\u00fchren und kaum was davon sp\u00fcren. Ich kenne aber eben auch viele, bei denen das nicht klappt und die dann bei sich selber die Schuld suchen oder das angebotene Antidepressivum dann doch akzeptieren.<\/p>\n<p>Die Grenzen der Substitution sind relativ einfach zu erkl\u00e4ren. Wir schlucken alles auf einmal oder in einigen Portionen, die SD des Gesunden produziert situativ, der TSH wird alle 20 Minuten neu eingestellt auf den Bedarf &#8211; das k\u00f6nnen wir nie simulieren. Der Gesunde reagiert auf Stress, Krankheit, K\u00e4lte oder Sport &#8211; wir m\u00fcssen m\u00fchselig anpassen. Wir schlucken freie Hormone (au\u00dfer bei Pr\u00e4paraten aus getrockneten Schweineschilddr\u00fcsen), die SD gibt die ihren soweit ich wei\u00df, gebunden in die Blutbahn, unsere m\u00fcssen erstmal gebunden werden nach Resorption. Ob diese Dinge, von denen es noch mehr gibt, relevant sind f\u00fcr den K\u00f6rper, wei\u00df keiner so genau bisher. Es w\u00e4re aber nur logisch. Und so ergibt sich eine vielleicht nur leichte, aber konstante Schieflage im K\u00f6rper, die dann manchmal erst nach Jahren der Substitution Folgen hat. [&#8230;]<\/p>\n<h5>Warum leben dann viele Menschen so gut ohne Schilddr\u00fcse (z. B. nach einer operativen Schilddr\u00fcsenentfernung)?<\/h5>\n<p>Also a) hat ein Teil sicher keine Autoimmunerkrankung gehabt und b) ich kenne auch ohne SD viele, die gro\u00dfe Probleme haben. Ich bin nat\u00fcrlich durch die Foren hier und in Amerika vorbelastet und einseitig gepr\u00e4gt, aber ich kenne diese Leute ohne Probleme nicht. Ich kenne sehr viele pers\u00f6nlich, die Probleme haben und diese aber nicht mit ihrer SD (ob noch vorhanden oder nicht) in Verbindung bringen. Was die Foren angeht, klar, wem es gut geht, der geht doch gar nicht hier ins Internet oder nur anf\u00e4nglich, um sich zu informieren. Ich kann also keine Zahlen nennen, meine aber, die \u00c4rzte, die uns immer erz\u00e4hlen, da\u00df wir die einzigen bei ihnen sind, die so empfindlich oder extrem reagieren, haben keine Ahnung. Die anderen Patienten sind einfach oft nicht informiert. Wenn denen gesagt wird, mit ihrer Hormoneinstellung ist alles okay, glauben das die meisten &#8230; und gehen mit ihren Beschwerden zu anderen \u00c4rzten.<\/p>\n<h5>Wie ist es zu verstehen, dass manche Leute Unterfunktionssymptome und bestimmte N\u00e4hrstoffdefizite haben, obwohl die Schilddr\u00fcsenwerte in Ordnung sind?<\/h5>\n<p>Was das angeht, keiner kennt die &#8222;echten, gesunden&#8220; Hormonwerte dieser Leute. Und ich f\u00fcr meinen Teil wei\u00df genau, was winzige Abweichungen von einem Wert hei\u00dfen k\u00f6nnen. Ich denke, da\u00df die Werte f\u00fcr diese Leute vielleicht schon NICHT mehr in Ordnung sind, sondern von ihren eigensten abweichen, denn die individuelle Norm ist sehr gering im Verh\u00e4ltnis zur allgemeinen, das ist untersucht. Und wenn du l\u00e4ngere Zeit auch nur hauchleicht unter deinen Idealwerten liegst, hat das Folgen, ohne da\u00df man unbedingt bereits aus der Norm oder extrem am Rand ist.<\/p>\n<p>Ich sehe die diffusen Defizite bei anderen Stoffen als Resultat der Hormonschieflage an. Daher ist meine Pr\u00e4misse nicht &#8222;Wenn alles prima im Lot w\u00e4re w\u00fcrden vielleicht Schwankungen bei den SD-Hormonen gar nicht entscheidend sein.&#8220;, sondern das Gegenteil, wenn es bei den Hormonen keine Schwankungen g\u00e4be, w\u00e4re alles andere prima im Lot. Ich bin durchaus auch daf\u00fcr, an allen m\u00f6glichen Ecken zu basteln, wenn man mit den Hormonen nicht weiterkommt, sehe aber immer die Hormone als urs\u00e4chlich. Denn bei mir zumindest war alles in Ordnung vor der SD-Erkrankung, Eisenwerte und alles andere immer gut (und die sind h\u00e4ufig kontrolliert worden, schon wegen den Schwangerschaften). Erst jetzt stimmt pl\u00f6tzlich hier und da was nicht mehr, wie bei den anderen auch. Und dann diese Defizite bei vielen, die nicht verschwinden, Eisenmangel z.B. der sich \u00fcber Jahre hinzieht und nur unter Substitution VOR\u00dcBERGEHEND besser wird, schon merkw\u00fcrdig. Ich denke eben, da\u00df manche ihr Wohlbefinden nicht gefunden haben, weil es nicht bei allen machbar ist, so unangenehm diese These auch sein mag. Nicht, weil diese Menschen irgendwas vers\u00e4umt haben oder quasi zu dumm sind, um die &#8222;goldene Dosis&#8220; zu finden. [&#8230;]<\/p>\n<h5>Ist das kein Tabubruch \u2013 zu sagen, dass man evt. nicht wieder beschwerdefrei wird?<\/h5>\n<p>Ich habe lange \u00fcberlegt, weil ich eben bef\u00fcrchtete, da\u00df Neue verunsichert werden, obwohl sie doch eine gute Chance haben, da\u00df alles gut wird. Ich habe auch \u00fcberlegt, ob dann gehetzt wird, nach dem Motto: Wenn es dir schlecht geht, wie kannst du dann anderen raten? Aber ich kann, so wie der Ein\u00e4ugige dem Blinden helfen kann. Es mu\u00df ja nicht jeder meine Fehler nochmal machen. Und ausschlaggebend f\u00fcr mein &#8222;coming out&#8220; war letztlich, da\u00df immer wieder in Postings von Leuten, die l\u00e4nger dabei sind, die Frage auftauchte: \u201eWas mache ich falsch?\u201c<\/p>\n<p>&#8222;Da liegt es nahe die Schuld bei sich zu suchen, das &#8222;nicht beschwerdefrei sein&#8220; als eigenes Versagen zu interpretieren. Vor allem, weil \u00c4rzte uns immer wieder eintrichtern, da\u00df eine Hashimoto-Thyreoiditis nichts macht &#8211; ein paar SD-Hormone und alles ist gut.&#8220;<\/p>\n<p>Eine L\u00fcge, wie wir wissen. Und eben deshalb finde ich, wir sollten das hier nicht nachmachen, uns nicht auch gegenseitig was vormachen, ist schon schlimm genug, wenn man das nach draussen st\u00e4ndig tun mu\u00df.<\/p>\n<p>&#8222;Und dann die Betroffenen, denen es tats\u00e4chlich gut geht. Wahrscheinlich hat es sie nur weniger hart erwischt, sie wurden schneller diagnostiziert, haben keine weiteren Erkrankungen usw. aber sie selbst glauben es sei eine Frage der richtigen inneren Einstellung. Alles nach dem Motto: Ich rauche nicht, also kriege ich keinen Lungenkrebs. Freunde und Verwandte, Nachbarn und Arbeitskollegen, die alles verharmlosen und von all dem nichts wissen wollen. Man mu\u00df sich nur zusammenrei\u00dfen, es nur wollen und dann geht es schon &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Ich HASSE diese Durchhalteparolen, die auch innerhalb dieses Forums gedroschen werden!!! Die &#8222;richtige Einstellung&#8220;, was f\u00fcr ein ausgemachter Bl\u00f6dsinn! Wenn ich so richtig schlecht dran bin, dann ist das physisch, psychisch und geistig, da ist gar nichts mehr mit Einstellung m\u00f6glich, dann kann man nur \u00fcberleben. Wer so redet, hat das nie erlebt. Wenn man \u00fcberhaupt mal irgendwo jammern darf, dann doch wohl hier, auch daf\u00fcr ist so ein Forum da. Im \u00dcbrigen habe ich die Erfahrung gemacht, da\u00df der Hashimoto-Kranke an sich erstaunlich wenig jammert, die Tendenz ist weit eher, alles an Beschwerden runterzuspielen. Mir wird heute, Jahre sp\u00e4ter, gesagt, man habe ja in den schlimmsten Zeiten bei mir nie was gemerkt! Ja, aber was mich das an Kraft gekostet hat begreift keiner. Und ich investiere da heute keine \u00fcberfl\u00fcssige Kraft mehr rein, wenn ich nicht kann, sage ich es. Nur besser f\u00fchle ich mich dadurch auch nicht und mehr geht auch nicht. Ich habe auch oft Angst vor der Zukunft, wenn ich jetzt schon so mies dran bin, wie wird das in 10 Jahren sein?<\/p>\n<h5>Sind das nicht nur Zipperlein?<\/h5>\n<p>Der Begriff Zipperlein scheint mir nicht gut gew\u00e4hlt, also ich hatte Zipperlein VOR Hashimoto. Ich hatte seitdem auch Brustkrebs. Im Vergleich zu dem, was mir Hashimoto angetan hat, war der Krebs ein Zipperlein! Was ich seitdem durchmache, ist mit dem Begriff Zipperlein nicht mehr zu beschreiben. Und wenn ich an die vielen, teils schwerkranken Menschen denke, die ich seitdem hier und auch pers\u00f6nlich kennenlernen durfte, finde ich diesen Ausdruck unangebracht. Ich habe sehr tapfere und beherrschte Menschen getroffen, die diese Krankheit zeitweise in die Knie gezwungen hat. Und sie alle waren durchaus in der Lage zu unterscheiden, was &#8222;normale&#8220; Zipperlein sind, das darf man bei den meisten getrost voraussetzen. [&#8230;] Wir haben es hier \u00fcberwiegend nicht mit Mi\u00dfempfindungen oder Zipperlein des normalen Lebens zu tun, sondern mit schwerwiegenden Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>Ich kann mit meiner Erkrankung umgehen, gerne tue ich es nicht. &#8222;Eine Strategie, wie ich damit leben kann.&#8220; ist f\u00fcr mich eine hohle Phrase, ich MUSS damit leben, welche Wahl habe ich denn, Selbstmord? Ein Weg damit umzugehen ist hier im Forum Klartext zu reden, dies ist der eine Ort, wo man sich das dumme Geschw\u00e4tz von manchen \u00c4rzten und Bekannten nicht anh\u00f6ren mu\u00df. Ich entwerfe keine Strategien, um mit dieser Krankheit umzugehen, das bringt nicht viel, da sie st\u00e4ndig ihr Gesicht \u00e4ndern kann. Ich lebe einfach weiter und k\u00e4mpfe um jedes bi\u00dfchen mehr Wohlbefinden, aber als Strategie w\u00fcrde ich das nicht bezeichnen. Strategisch gesehen ist mir Hashimoto zu seinen H\u00f6chstzeiten deutlich \u00fcberlegen, er hat die besseren Waffen, er w\u00e4hlt das Terrain aus und er bestimmt den jeweiligen Beginn der Kriegshandlungen.<\/p>\n<p>Was das Jammern angeht, hat wohl niemand das Recht, einem anderen vorzuschreiben, wieviel der jammern darf. Und wie gesagt, ich finde die Hashimoto-Kranken generell jammern recht wenig, wenn man bedenkt, wie stark bei vielen die Lebensqualit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt ist. [&#8230;]<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Neulinge: man wei\u00df, wann es &#8222;richtig&#8220; ist, weil man sich einfach normal f\u00fchlt. Ich habe fr\u00fcher auch \u00fcberlegt, ob ich \u00fcberhaupt noch merke, wenn die Dosis pa\u00dft, weil ich so lange krank war und vergessen hatte, wie es fr\u00fcher war. Das ist kein Problem, man merkt es!!! Nur da\u00df man die Normalit\u00e4t im Gegensatz zu vorher genie\u00dft, weil sie vor\u00fcbergehend weg war und nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich genommen wird.<\/p>\n<h5>Vielleicht ist es eine Frage der pers\u00f6nlichen Empfindlichkeit, der individuellen Wahrnehmung &#8230;?<\/h5>\n<p>Ein Facharzt f\u00fcr Nuklearmedizin hat mir mal gesagt, da\u00df er Patienten habe, die &#8222;indolent&#8220; seien (f\u00fcr die, die es nicht kennen, eine sch\u00f6ne altmodische Umschreibung f\u00fcr faule Leute) und nicht merkten,wenn sie tagelang ihre Pillen nicht n\u00e4hmen. Auch andere \u00c4rzte berichten von Hashimoto-Kranken, die im Urlaub keine Pillen haben und es gut aushalten ohne. Ich w\u00e4re halbtot nach zwei Tagen. Sind die wirklich indolent und wir sensibel? Oder ist bei denen noch mehr eigene SD-Funktion vorhanden, die dann \u00fcbernehmen kann? Auch von den SD-Krebslern wird teils erz\u00e4hlt, da\u00df sie bei vierw\u00f6chigem Thyroxinentzug zu Kontrollzwecken &#8222;nur etwas m\u00fcde werden&#8220;. Ich habe anderes gelesen oder ist auch das individuell?<\/p>\n<p>Ich glaube, mit dem &#8222;sensibel&#8220;-Stempel komme ich nicht gut klar. F\u00fcr mich impliziert das irgendwie, da\u00df wenn ich mich nur zusammenrisse, die Beschwerden kleiner w\u00e4ren (oder weg?). Und ich war nie sensibel f\u00fcr Schmerzen oder Krankheiten [&#8230;] beim Basedow-Ausbruch mit Puls 240 habe ich nur um eine Spritze gebeten, damit ich doch noch mit der Familie den Ausflug machen kann &#8211; leider fanden die Krankenhaus\u00e4rzte das unangebracht und mich auf Intensiv besser am Platze. Bei den Geburten habe ich viel mehr ausgehalten als sinnvoll war. Auch alle OP&#8217;s (Kaiserschnitt, Eierstock, Brust, Achsel) habe ich immer laut \u00c4rzten \u201etoll weggesteckt&#8220;. Also w\u00e4re die Sensibilit\u00e4t nur in Bezug auf Hashimoto vorhanden?<\/p>\n<h5>M\u00f6gliche Erkl\u00e4rung: gewebespezifische Versorgung mit T3<\/h5>\n<p>Ich finde, diese Quelle (P. E. Pedraza, M.-J. Obregon, H. F. Escobar-Morreale, F. Escobar del Rey, G. Morreale de Escobar: \u201eMechanisms of adaptation to iodine deficiency in rats: Thyroid status is tissue-specific. Its relevance for man\u201c Endoc 2006) passt in diese Diskussion um die \u201eGoldene Dosis\u201c hervorragend. Sie enth\u00e4lt auch eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung, warum es scheinbar unm\u00f6glich ist, sich einfach wieder rundum gesund, einfach ganz normal, zu f\u00fchlen. Die Quintessenz der Studie ist, dass die Versorgung des K\u00f6rpers mit T3, also dem aktiven Hormon, gewebespezifisch ist. Das bedeutet konkret, dass bei einem gleich bleibenden FT3-Pegel im Blut, bestimmte Organe an T3-Mangel leiden k\u00f6nnen und andere an T3-\u00dcberversorgung. Die Autoren der Studie sagen auch, dass man mit dem FT3 im Serum nicht die Versorgung des gesamten K\u00f6rpers mit T3 messen kann.<\/p>\n<p>Die Einschr\u00e4nkung hier ist, dass es sich um eine Studie \u00fcber verschiedene Stadien von Jodmangel an Ratten handelt. Die Rattenfrage ist unwichtig, denn die Autoren selber sehen einen klaren Bezug ihrer Ergebnisse zum Menschen. Was das andere angeht: Jodmangel hei\u00dft f\u00fcr die SD weniger Rohmaterial zum Bau von T4 und T3. Ich postuliere ganz einfach, dass der Jodmangel in dem Fall gleichzusetzen ist mit verschiedenen Stadien der Unterversorgung mit Hormon insgesamt, also auch auf uns anwendbar, wenn wir substituieren. Das hei\u00dft, dass auch die Ergebnisse dieser Studie f\u00fcr uns relevant sind. Was haben die nun gemacht in der Studie? Bei Ratten einen Jodmangel verschieden starker Abstufung hervorgerufen, dann nach drei Monaten bei den Ratten jeweils FT3 im Serum, sowie den T3-Pegel in ganz vielen verschiedenen Organen (Muskeln, Gehirn, Herz etc.) gemessen. Und siehe da &#8211; w\u00e4hrend der FT3-Serumspiegel (also das FT3 im Blut) bei leichtem Jodmangel gleich blieb, war in den verschiedene Geweben die H\u00f6lle los. In einigen war T3 niedrig, in anderen erh\u00f6ht, normal jedenfalls nirgendwo. Zum einen: FT3 im Serum sagt wenig \u00fcber den Zustand in den einzelnen Organen aus, wenn die Jod\/Hormonzufuhr nicht v\u00f6llig normal ist. Zum anderen: Bereits eine leichte Unterversorgung f\u00fchrt innerhalb des K\u00f6rpers zum Chaos, selbst wenn dabei noch die T3-Versorgung via FT3 im Serum gew\u00e4hrleistet zu sein scheint. Ich gehe noch einen Schritt weiter und postuliere, dass \u00c4hnliches passiert, nur umgekehrt dann, wenn winzig zuviel Hormon\/Jod im K\u00f6rper ankommt. Auch dann muss es nicht immer zu einem wilden Anstieg von FT3 im Serum kommen, damit in den Organen schon \u201eUnordnung\u201c herrscht. Diese k\u00f6rperinternen Mechanismen des Rauf- und Runterregulierens sind es teilweise auch, die bei vielen von uns zu den paradoxen Symptomen f\u00fchren, zu dem Auftreten von Unterfunktionssymptomen bei zuviel T4 bzw. T3 oder zu \u00dcberfunktionssymptomen in tiefster laborchemischer Unterfunktion. Da sind tats\u00e4chlich einzelne Organe dann \u00fcberversorgt mit T3, obwohl eigentlich \u00fcberall Mangel herrscht. Dieselben Mechanismen f\u00fchren wohl auch dazu, dass wir h\u00e4ufig bei Steigerungen ein Paket neue Beschwerden geliefert bekommen, w\u00e4hrend alte sich gerade wie gew\u00fcnscht verabschieden.<\/p>\n<p>Das Ganze erkl\u00e4rt ein wenig besser die scheinbar unerkl\u00e4rlichen Dinge, die uns oft bei der Hormoneinstellung widerfahren. \u00c4ndert es letztlich was an der Machbarkeit oder Nichtmachbarkeit der \u201eGoldenen Dosis\u201c? Ich denke, dass sie dadurch einerseits theoretisch m\u00f6glicher scheint, denn wenn es diese \u00dcberreaktion bei nur wenig zuviel einerseits und geringem Mangel andererseits ebenfalls gibt, m\u00fcsste ja bei perfekter Dosierung in allen Organen Ausgewogenheit herrschen. Auf der anderen Seite macht uns da dann die Natur einen Strich durch die Rechnung, denn die perfekte Dosierung des einen Tages wird durch minimale physiologische Schwankungen am n\u00e4chsten Tag eventuell nicht mehr zu 100% passen. Das Resultat solch winziger Schwankungen wird durch die o.a Studie \u00fcberdeutlich. Wir gehen hier oft davon aus, dass \u00c4nderungen im Befinden sich auch in den Werten widerspiegeln. Das stimmt auch oft, aber eben nicht immer. Und selbst bei v\u00f6llig gleich bleibendem FT3, so zeigt die Studie, kann enorm viel im K\u00f6rper passieren, was wir zwar sp\u00fcren, aber nicht messen k\u00f6nnen. Also liefert diese Studie eine bessere Erkl\u00e4rung dessen, was sich in unseren K\u00f6rpern abspielt, wirklich n\u00e4her zur \u201eGoldenen Dosis\u201c bringt sie uns leider auch nicht.<\/p>\n<div style=\"border: 1px solid #ccc; border-radius: 8px; padding: 15px; max-width: 300px; margin: 20px auto; text-align: center; background-color: #fdfdfd;\"><a title=\"Besuche den Hashimoto-Guide\" href=\"http:\/\/www.hashimoto-guide.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" style=\"max-width: 200px; height: auto; border: none;\" title=\"Hashimoto-Guide\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Logo-Hashimoto-Guide-scaled.jpg\" alt=\"Hashimoto-Guide\" \/><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p style=\"font-size: 14px; color: #333; margin-top: 10px;\">Mehr Infos zur Hashimoto-Thyreoiditis finden Sie unter<br \/>\n<a style=\"color: #006699; text-decoration: none;\" href=\"http:\/\/www.hashimoto-guide.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\nwww.hashimoto-guide.de<br \/>\n<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle auf www.schilddruesenguide.de bisher ver\u00f6ffentlichten Erfahrungsberichte von Hashimoto-Patientinnen: Andrea, Annette, Barbara, Britta, Katja, Sara, Susanne &#8211; falls sie auch bereit sind Ihre Geschichte aufzuschreiben, melden Sie sich gern per E-Mail. 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