{"id":740,"date":"2009-04-30T13:25:10","date_gmt":"2009-04-30T11:25:10","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=740"},"modified":"2025-09-19T12:25:29","modified_gmt":"2025-09-19T10:25:29","slug":"radioiodtherapie-wissenswertes-fuer-patienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/radioiodtherapie-wissenswertes-fuer-patienten\/","title":{"rendered":"Radioiodtherapie: Wissenswertes f\u00fcr Patienten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/fuer-aerztinnen-und-aerzte-fachwissen-und-vernetzung-rund-um-schilddruesenerkrankungen\/\">Zur\u00fcck zur Startseite: F\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte \u2013 Fachwissen und Vernetzung rund um Schilddr\u00fcsenerkrankungen<\/a><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verf\u00fcgung gestellt von <strong>Prof. Dr. Jochen Dressler<\/strong> (fr\u00fcher: Nuklearmedizinische Klinik der Henriettenstiftung Hannover, jetzt\u00a0\u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/30-jahre-nuklearmedizin-in-der-henriettenstiftung\/\">im Ruhestand<\/a>).<\/p>\n<h2>1. Was ist eine Radioiodbehandlung?<\/h2>\n<p>Radioiod, chemisches Kurzzeichen I-131, ist eine radioaktive Form des Iod, welches vom K\u00f6rper genauso aufgenommen wird wie das nat\u00fcrliche in der Nahrung vorkommende Spurenelement. Bei der sogenannten Radioiodtherapie (Abk\u00fcrzung: RIT) wird das Iod-Isotop I-131 einmalig in Form einer Kapsel oder als Fl\u00fcssigkeit eingenommen. Es wird im Magen rasch ins Blut resorbiert und gelangt damit in das Zielorgan Schilddr\u00fcse, wo es an der Hormonsynthese teilnimmt:. Nach etwa 24 Stunden hat die Schilddr\u00fcse &#8211; je nach Funktionszustand &#8211; etwa 50% des eingenommenen radioaktiven Jod gespeichert, der Rest wird weit \u00fcberwiegend \u00fcber die Nieren innerhalb weniger Tage ausgeschieden. Das instabile Radionuklid Iod-131 zerf\u00e4llt mit einer Halbwertzeit von 8 Tagen unter Aussendung von Beta-Strahlen, die eine Reichweite von nur 1 &#8211; 2 mm haben und damit ausschlie\u00dflich im Schilddr\u00fcsengewebe wirken k\u00f6nnen. In sehr geringem Umfang liegt auch eine Gammastrahlung vor, die sich von der K\u00f6rperoberfl\u00e4che her mit entsprechenden Ger\u00e4ten gut nachweisen l\u00e4sst, z.B. bei der Szintigraphie oder beim Radioiodtest. Radioiod ist damit ein \u201estrahlendes\u201c Medikament mit gro\u00dfer Wirkung auf die Schilddr\u00fcse. <!--more--><\/p>\n<div style=\"border-left: 6px solid #4CAF50; background-color: #f7f7f7; padding: 16px 20px 10px 20px; margin: 20px 0; border-radius: 6px; font-family: sans-serif; max-width: 100%; box-sizing: border-box;\">\n<div style=\"font-size: 16px; margin-bottom: 8px;\"><strong>Seri\u00f6se Schilddr\u00fcsenb\u00fccher von anerkannten ExpertInnen<\/strong><\/div>\n<div style=\"font-size: 14px; line-height: 1.5;\">In den vergangenen Jahren wurde der Buchmarkt mit Ratgebern zur Schilddr\u00fcse regelrecht geflutet. Ich erlebe oft, dass es neu diagnostizierten Patienten schwer f\u00e4llt, eine gute Kaufentscheidung zu treffen. Deshalb an dieser Stelle mein Tipp: Lassen Sie die B\u00fccher von Ern\u00e4hrungsspezialisten, Heilpraktikern und Prominenten erst einmal im Regal liegen. Schaffen Sie sich eine vern\u00fcnftige Wissensbasis, lesen Sie stattdessen zun\u00e4chst ein solides Buch von einem Schulmediziner \u2013 von denen \u00fcbrigens auch fast alle den Blick \u00fcber den eigenen Tellerrand wagen.<\/div>\n<ul style=\"margin: 12px 0 4px 20px; padding: 0; color: #333; list-style-type: disc; font-size: 14px;\">\n<li>Anneli Hainel, Marcel Ermer, Lothar-Andreas Hotze: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/4f6DKQ8\">Schilddr\u00fcse Mehr wissen \u2013 besser verstehen<\/a><\/li>\n<li>Joachim Feldkamp: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/474JS9v\">Gut leben mit Hashimoto<\/a><\/li>\n<li>Leveke Brakebusch, Armin Heufelder: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/45vzghR\">Leben mit Morbus Basedow<\/a><\/li>\n<li>Georg Zettinig, Wolfgang Buchinger: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/45ok1YX\">Meine Schilddr\u00fcse und ich: Der Ratgeber f\u00fcr ein gutes Miteinander<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div style=\"font-size: 12px; color: #666; margin-top: 8px;\"><em>Dieser Bereich enth\u00e4lt Affiliate-Links von Amazon. 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Diese werden durch die radioaktive Strahlung vollkommen beseitigt. \u00dcberwiegend wird Radioiod jedoch bei \u00dcberfunktionszust\u00e4nden der Schilddr\u00fcse eingesetzt, um die krankhaften Zellen durch eine schmerzlose Strahleneinwirkung, die nach wenigen Tagen abklingt, bez\u00fcglich ihrer Hormonproduktion und Vermehrungsf\u00e4higkeit stillzulegen. Als weitere Folge kommt es zu einer Vernarbung und Schrumpfung des Gewebes. So k\u00f6nnen aus zuvor \u201ehei\u00dfen\u201c sogenannte \u201ekalte\u201c Knoten entstehen. Dieser Vorgang dauert einige Wochen und f\u00fchrt zu einer Verkleinerung der Knoten und damit auch des Kropfes. Behandlungsziel der RIT bei der immunogenen Hyperthyreose (M.Basedow) ist in jedem Fall die dauerhafte Ausschaltung der \u00dcberfunktion, wobei wie nach einer Operation eine bleibende Unterfunktion in Kauf zu nehmen und durch eine Hormonsubstitution zu beseitigen ist. Bei den autonomen Adenomen ist neben der Beseitigung der \u00dcberfunktion Wunschziel das Erreichen einer normalen Funktion, was in den meisten F\u00e4llen bei entsprechend vorhandenen gesunden Schilddr\u00fcsenzellen auch ohne sp\u00e4tere Hormonsubstitution zu erreichen ist. Schlie\u00dflich sei noch das Neben- oder Hauptziel der RIT genannt, welches die Verkleinerung eines euthyreoten Kropfes mit oder ohne funktionelle Autonomie sein kann. Weitgehend unbekannt ist, dass mit radioaktivem Iod eine Struma (Kropf) wesentlich st\u00e4rker verkleinert werden kann als durch Iod- oder Thyroxin-Tabletten.<\/p>\n<h2>3. Welche Erkrankungen werden mit der RIT behandelt ?<\/h2>\n<p>Wie schon im vorgenannten Abschnitt aufgef\u00fchrt, gibt es f\u00fcr die RIT die folgenden Indikationen:<\/p>\n<ul>\n<li>Manifeste\/latente Hyperthyreose bei Autonomie oder Morbus Basedow<\/li>\n<li>Euthyreote Struma mit oder ohne funktionelle Autonomie<\/li>\n<li>Rezidivstruma mit oder ohne funktionelle Autonomie<\/li>\n<li>Restschilddr\u00fcsengewebe oder Metastasen nach obligater prim\u00e4rer Operation<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften f\u00fcr die Therapieauswahl lassen sich wie folgt zusammenfassen:<\/p>\n<p>Pro RIT<\/p>\n<ul>\n<li>Schilddr\u00fcsenvolumen bei Morbus Basedow bis 60 ml, bei Autonomie und\/oder Struma bis 100 ml<\/li>\n<li>Voroperierte Schilddr\u00fcsen. Keine gr\u00f6\u00dfere Cysten oder Knoten, kein Karzinomverdacht.<\/li>\n<li>Ablehnung einer Operation<\/li>\n<\/ul>\n<p>Pro Operation<\/p>\n<ul>\n<li>Nichtzutreffen der obigen Kriterien<\/li>\n<li>Kompressionssymptome, Notwendigkeit des sofortigen Therapieeffektes<\/li>\n<li>Ablehnung einer RIT<\/li>\n<\/ul>\n<p>Pro thyreostatische Therapie<\/p>\n<ul>\n<li>Hyperthyreosen mit geringem Rezidivrisiko<\/li>\n<\/ul>\n<p>(wie z. B. weibliches Geschlecht, Alter &gt; 40 Jahre, Schilddr\u00fcsenvolumen &lt; 40 ml, TR-AK &lt; 10 IU\/l) &#8211; Relevante Begleiterkrankungen oder Umst\u00e4nde, die gegen eine Operation oder RIT sprechen. Nach einj\u00e4hriger Thyreostase und anhaltender \u00dcberfunktion jedoch erneute \u00dcberlegung einer RIT oder OP.<\/p>\n<h2>4. Diagnostik vor der RIT und Voraussetzung<\/h2>\n<p>Bei \u00dcberfunktion: medikament\u00f6se Vorbehandlung, die im Einzelfall einige Tage vor der RIT unterbrochen wird und nach der RIT \u00fcberbr\u00fcckend bis zum Wirkungseintritt der RIT f\u00fcr einige Wochen weiter erfolgt. Vermeiden iodhaltiger Medikamente (z. B. Kontrastmittel, bestimmte Herz-, Hustenmittel, Augentropfen u.s.w.) vor dem Radioiodtest und der Radioiodtherapie. Ausschluss einer Schwangerschaft. Neben einer vollst\u00e4ndigen Schilddr\u00fcsendiagnostik mit Sonographie und quantitativer Szintigraphie, die m\u00f6glichst durch den therapierenden Arzt erfolgen sollte, wird dieser einen sogenannten Radioiodtest vornehmen. Der Patient erh\u00e4lt ambulant eine Kapsel mit einer kleinen Testdosis des Radioiod. Die Daten aus diesen Untersuchungen gehen in eine Formel ein, mit der die individuell f\u00fcr den Patienten notwendige Iod-131-Aktivit\u00e4t vor der Therapie berechnet wird. Im Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch werden die alternativen Therapieformen unter Ber\u00fccksichtigung von Nutzen und Risiko besprochen, die Nebenwirkungen, die Einhaltung der Strahlenschutzbedingungen w\u00e4hrend des station\u00e4ren Aufenthaltes und die Notwendigkeit einer lebenslangen Nachsorge. Voraussetzung f\u00fcr die Radioiodtherapie ist ein gut diagnostizierter und aufgekl\u00e4rter Patient, der in der Lage ist, die Auflagen des Strahlenschutzes zu erf\u00fcllen und zu verstehen. Kontraindikation ist die Schwangerschaft und Stillphase, aber nicht das Lebensalter.<\/p>\n<h2>5. Verlauf und Dauer des station\u00e4ren Aufenthaltes<\/h2>\n<p>Abweichend von vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sieht die deutsche Strahlenschutzverordnung vor, dass der Patient mindestens zwei Tage nach der Radioiodgabe hospitalisiert wird, auch wenn medizinische Gr\u00fcnde dies nicht notwendig machen. Dies wird damit begr\u00fcndet, dass die \u00fcbersch\u00fcssige Aktivit\u00e4t zu 90 % innerhalb der ersten zwei Tage ausgeschieden wird und damit unvermittelt in die Kanalisation gelangt, was eine (f\u00fcr Menschen unsch\u00e4dliche) aber \u00fcberfl\u00fcssige Strahlenbelastung der Umwelt bedeutet. Ferner k\u00f6nnen zu Beginn der Behandlung die Bestrahlungsgrenzwerte f\u00fcr einzelne Personen der Bev\u00f6lkerung (&gt; 1 mS\/Jahr) durch die vom Patienten austretende Gammastrahlung \u00fcberschritten werden, wenn sie sich in die N\u00e4he anderer Menschen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum begeben. Aus diesem Grund halten sich Schwestern und \u00c4rzte, die ein ganzes Berufsleben lang \u201ebestrahlt\u201c werden, nur kurz in den Patientenzimmern unmittelbar nach der Therapie auf. Durch t\u00e4gliche Messungen in der Schilddr\u00fcse wird festgestellt, wie lange das radioaktiv Iod in der Schilddr\u00fcse verbleibt und wie gro\u00df damit die Strahlenwirkung ist. Falls das radioaktive Iod die Schilddr\u00fcse schneller verl\u00e4sst als im Radioiodtest kann eine zweite Kapsel w\u00e4hrend des station\u00e4ren Aufenthaltes gegeben werden. Prinzipiell ist aber nur eine einmalige Einnahme des radioaktiven Medikamentes vorgesehen. Bei sehr gro\u00dfen Kr\u00f6pfen, bei denen hohe Aktivit\u00e4tsmengen mit sehr langem station\u00e4ren Aufenthalt notwendig w\u00fcrden, kann die station\u00e4re Radioiodtherapie nach 3 \u2013 6 Monaten wiederholt werden. Die Messungen w\u00e4hrend des station\u00e4ren Aufenthaltes dienen aber auch dazu, den in der Strahlenschutzgesetzgebung vorgesehenen Entlassungsgrenzwert festzustellen, mit dem der Patient aus der Abteilung entlassen werden darf. Entsprechend der individuell erforderlichen Radioioddosis betr\u00e4gt die Verweildauer auf der Station 3 \u2013 8 Tage und liegt im Durchschnitt bei unseren Patienten zur Zeit bei 4,7 Tagen. W\u00e4hrend des station\u00e4ren Aufenthaltes k\u00f6nnen sich die Patienten kurz nach der Radioiodgabe auf der Station frei bewegen. Bei h\u00f6heren Aktivit\u00e4ten oder auf Wunsch erfolgt die Unterbringung in einem Einzelzimmer. Die Spezialstation, die sich in ihrer Einrichtung mit Fernseh- und Telefonm\u00f6glichkeit nicht von anderen Abteilungen \u00e4u\u00dferlich unterscheidet, darf allerdings nur in Ausnahmef\u00e4llen vorzeitig verlassen werden, dies gilt auch f\u00fcr den Besuch von Angeh\u00f6rigen (nur nach Absprache mit dem Arzt).<\/p>\n<h2>6. Nebenwirkungen und Ergebnisse der Radioiodtherapie<\/h2>\n<p>Bei vielen Patienten trifft man die Auffassung an, die RIT sei besonders risikoreich. Im Gegenteil, die Patienten\u00e4ngste vor Therapie (s .Abschnitt 9) sind unbegr\u00fcndet: Die RIT ist wesentlich risiko\u00e4rmer als eine Behandlung der \u00dcberfunktion mit Medikamenten oder die Operation einer Struma. In seltenen F\u00e4llen kann es bei hoher Radioiodkonzentration im Schilddr\u00fcsengewebe zu einer harmlosen schmerzhaften Anschwellung der Schilddr\u00fcse nach der RIT kommen, die innerhalb kurzer Zeit gegebenenfalls mit Unterst\u00fctzung durch Medikamente abklingt. Bei Patienten mit funktioneller Autonomie ist nach der RIT bei einem kleinen Teil der F\u00e4lle (ca. 1 %) das Auftreten einer Immunthyreopathie bekannt. Bei Morbus Basedow wurde im Vergleich zur Operation und der thyreostatischen Behandlung ein h\u00f6herer Anteil von Patienten beschrieben, deren Augenbefund sich verschlechtert hatte. Dem kann durch eine niedrig dosierte Behandlung mit Cortison vorgebeugt werden, so dass eine Zunahme dieser Zweiterkrankung (s. endokrine Orbitopathie) nicht h\u00f6her als im spontanen Verlauf ist, wohl aber Besserungen auch des Augenbefundes auftreten. Weniger eine Nebenwirkung, sondern h\u00e4ufige zwangsl\u00e4ufige Folge der RIT ist wie bereits im Abschnitt 2 beschrieben die Entwicklung einer Unterfunktion. Deshalb sind regelm\u00e4\u00dfige Nachuntersuchungen nach einer RIT genauso wie nach einer Operation erforderlich (s. n\u00e4chster Abschnitt).<\/p>\n<p>Die Beseitigung einer funktionellen Autonomie gelingt zu 90 % bei einer geringen Hypothyreoserate von 5-10 %. Bei entsprechend hoch gew\u00e4hlter ablativer Dosis wird auch die Immunhyperthyreose mit einer \u00fcber 90%igen Wahrscheinlichkeit durch eine einmalige Radioiodbehandlung beseitigt. Hier liegen die Hypothyreoseraten allerdings ann\u00e4hernd gleich hoch! Bei funktionsoptimierten Dosiskonzepten liegt die Hypothyreoserate bei etwa 50 %, kann im Langzeitverlauf jedoch weiter ansteigen. Die Volumenreduktion einer Struma betr\u00e4gt etwa 50 %, beim Morbus Basedow schrumpft die Schilddr\u00fcse auf 10 \u2013 20 % ihrer Ursprungsgr\u00f6\u00dfe, autonome Adenome verkleinern sich bis auf 20 %.<\/p>\n<h2>7. Nachbehandlung und ambulante Kontrollen<\/h2>\n<p>Die Untersuchungen nach der Radioiodtherapie sind erforderlich, um eine Unterfunktion rechtzeitig, also noch vor dem Auftreten von Symptomen, zu erkennen und mit Schilddr\u00fcsenhormon zu behandeln. Sie dienen damit dem Patienten, der Qualit\u00e4tssicherung und der f\u00fcr Nuklearmediziner gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentation der Therapieergebnisse. Zwar erhalten die Patienten bei Entlassung ein Merkblatt, d\u00fcrfen aber nicht vergessen, bei einem Hausarztwechsel diesen auf die erfolgte RIT bzw. erforderliche Kontrollen in der behandelnden Klinik oder bei dem voruntersuchenden Facharzt hinzuweisen. Zur Erfolgskontrolle geh\u00f6rt eine einmalige Szintigraphie und die Sonographie der Schilddr\u00fcse neben der Labordiagnostik, die zun\u00e4chst in kurzen Abst\u00e4nden und danach obligat einmal j\u00e4hrlich ausreicht. Im weiteren Verlauf kann die Entscheidung zu einer eventuellen zweiten Radioiodbehandlung (diese ist im Gegensatz zu einer Operation beliebig h\u00e4ufig wiederholbar) zu treffen sein oder die Einstellung mit Schilddr\u00fcsenhormon zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<h2>8. Alternativen zur Radioiodtherapie<\/h2>\n<p>Die drei schulmedizinischen Verfahren, die im Abschnitt 3 aufgef\u00fchrt sind (Medikamente, Operation, RIT) sind immer im Einzelfall bez\u00fcglich ihres Nutzen, ihres Risikos und auch ihrer Kosten mit den Patienten abzuw\u00e4gen und zu besprechen. Insbesondere f\u00fcr die Patienten mit nicht ganz einfachem Krankheitsbild haben sich Schilddr\u00fcsenzentren wie an unserem Krankenhaus mit einer interdisziplin\u00e4ren Sprechstunde bew\u00e4hrt. Im Zweifelsfalle hat immer der Wunsch des Patienten Vorrang. Naturheilmittel wie Lycopus k\u00f6nnen unter Beachtung ihrer Nebenwirkungen erg\u00e4nzend zur medikament\u00f6sen Therapie verordnet werden. Bei hom\u00f6opathischen Medikamenten sollte jeweils der Iodgehalt sehr genau auf eine tats\u00e4chliche Unsch\u00e4dlichkeit \u00fcberpr\u00fcft werden. Besser, einfacher und billiger als jede Behandlung einer Schilddr\u00fcsenerkrankung ist die Vorsorge, die im nach wie vor bestehenden Iodmangelgebiet Deutschland in einer ausreichenden Versorgung mit Iod (freiwilliger Einsatz von jodiertem Speisesalz, jodierten Back- und Wurstwaren) besteht. Insbesondere sollte dies von j\u00fcngeren Menschen mit erh\u00f6htem Risiko f\u00fcr die Volkskrankheit Struma bedacht werden, bei denen bereits Schilddr\u00fcsenerkrankungen in der Familie aufgetreten sind.<\/p>\n<h2>9. H\u00e4ufig gestellte Fragen und Antworten<\/h2>\n<p><strong>Wie lange muss ich station\u00e4r bleiben?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn aufgrund der Vordiagnostik die Behandlungsdaten feststehen, kann der station\u00e4re Aufenthalt bereits abgesch\u00e4tzt werden. Das exakte Entlassungsdatum ist sp\u00e4testens nach dreit\u00e4giger Messung auf Station bekannt (siehe Abschnitt 5). Falls eine RIT \u00f6fter durchgef\u00fchrt wird, sollte zwischen den einzelnen Behandlungen ein Zeitraum von 4 \u2013 6 Monaten liegen, da erst dann die Therapieauswirkung beurteilbar ist und die Notwendigkeit der Wiederholung einer RIT entschieden werden kann. Auch nach einer RIT kann in Zweifelsf\u00e4llen operiert werden, was aber nicht das Ziel der RIT sein kann.<\/p>\n<p><strong>Kann das radioaktive Iod Krebs verursachen?<\/strong><\/p>\n<p>Nach 50j\u00e4hriger Erfahrung und Nachuntersuchung von mehr als 100.000 Patienten steht fest, dass Radioiod das Risiko einer Entstehung von Leuk\u00e4mie oder b\u00f6sartigen Tumoren, auch solche der Schilddr\u00fcse, nicht erh\u00f6ht. Das theoretische bzw. aus Tierversuchen abgeleitete Risiko einer minimalen Erh\u00f6hung der nat\u00fcrlichen Krebswahrscheinlichkeit wurde beim Menschen nicht beobachtet. Dem hypothetischen Risiko der RIT stehen reale Risiken (leichte bis schwere Folgeerkrankungen) nach Operation oder thyreostatischen Medikamenten entgegen.<\/p>\n<p><strong>Kann ich nach einer Radioiodtherapie Kinder bekommen? Gibt es Ver\u00e4nderungen des Erbgutes?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Risiko einer Erbgutsch\u00e4digung nach RIT gutartiger Schilddr\u00fcsenerkrankungen besteht nicht. Die Familienplanung ist nach abgeschlossener Behandlung mit Radioiod unbedenklich. W\u00e4hrend der ersten 6 Monate nach Therapieende sollte jedoch aus Sicherheitsgr\u00fcnden f\u00fcr eine Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung gesorgt werden. Eine Altersgrenze der Radioiodbehandlung aus Strahlenschutzgr\u00fcnden gibt es nicht, bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist man jedoch aufgrund einer h\u00f6heren Strahlenempfindlichkeit zur\u00fcckhaltend. Die mittlere Strahlenbelastung einer RIT f\u00fcr die Keimdr\u00fcsen und andere Organe entspricht in etwa derjenigen einer \u00fcblichen R\u00f6ntgenuntersuchung.<\/p>\n<p><strong>Bestrahle ich nach der Entlassung andere Menschen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Muss ich Abstand von meinem Partner \/ Kindern \/ Enkeln \/ Haustieren halten?<\/strong><\/p>\n<p>Nach Entlassung befindet sich noch radioaktives Iod im K\u00f6rper und sendet in geringem Ma\u00df eine Strahlung aus, die zwar nicht gef\u00e4hrlich ist, aber so niedrig wie m\u00f6glich gehalten werden sollte. Bei der Entlassung wird der Arzt im Einzelfall Vorsichtsma\u00dfnahmen f\u00fcr noch einige Tage besprechen. Dazu geh\u00f6rt das Vermeiden eines l\u00e4ngeren k\u00f6rperlichen Kontaktes mit (strahlenempfindlichen) Kindern oder Schwangeren. Eine \u201eBestrahlung\u201c kann bereits durch einen Abstand von 1 \u2013 2 Metern vermieden werden. Selbstverst\u00e4ndlich d\u00fcrfen Sie ihre Kinder oder Angeh\u00f6rige in den Arm nehmen. Ob ein Kinobesuch am Entlassungstag oder das Schlafen in einem gemeinsamen Bett m\u00f6glich ist, sollte ein vorsichtiger Patient im Einzelfall bei seinem Stationsarzt hinterfragen. Generell ist bei der Regelentlassung eine Gef\u00e4hrdung von Mensch, Tier und Umwelt nicht gegeben.<\/p>\n<p><strong>Darf ich nach der Behandlung alles essen, besonders Seefisch?<\/strong><\/p>\n<p>Eine besondere, weitgehend iodfreie Ern\u00e4hrung ist nach der Entlassung nicht erforderlich. Seefisch und iodiertes Speisesalz kann in Grenzen verwendet werden. Viel wichtiger ist, dass bis zur Nachuntersuchung keine jodhaltige Medikamente oder etwa R\u00f6ntgen-Kontrastmittel zur Anwendung kommen. Nach erfolgreicher Behandlung und Nachweis der normalen Funktion oder einer Unterfunktion bestehen keine Bedenken mehr gegen\u00fcber iodhaltigen Medikamenten und Anwendungen. Vor einer R\u00f6ntgenuntersuchung mit Kontrastmitteln sollte der behandelnde Arzt \u00fcber eine stattgehabte Radioiodtherapie informiert werden bzw. den aktuellen Schilddr\u00fcsen-Befund kennen.<\/p>\n<h2>10. Zusammenfassung<\/h2>\n<p>Die Radioiodtherapie ist eine risikofreie und sichere Behandlungsmethode mit dauerhaften Erfolgen bei Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion oder Vergr\u00f6\u00dferung. Sie ist in vielen F\u00e4llen medizinisch sinnvoller und kosteneffektiver als eine Operation oder langj\u00e4hrige Behandlung mit Medikamenten. Die Strahlenbelastung ist f\u00fcr den Patienten schadlos, allerdings ist ein kurzer station\u00e4rer Aufenthalt erforderlich und anschlie\u00dfend wie bei allen Schilddr\u00fcsenerkrankungen eine regelm\u00e4\u00dfige Funktionskontrolle. Speziell in Deutschland, wo diese Behandlung nur station\u00e4r durchgef\u00fchrt werden kann, einen geringeren Bekanntheitsgrad hat und noch deutlich weniger als in den USA und anderen EU-L\u00e4ndern angewandt wird, ist die RIT bei Patienten noch mit vielen Vorbehalten versehen.<\/p>\n<aside style=\"font-family: Arial, sans-serif; padding: 16px 20px 10px 20px; background-color: #f7f7f7; border-radius: 6px; max-width: 100%; width: 100%; box-shadow: 0px 4px 8px rgba(0, 0, 0, 0.1); margin: 20px 0; box-sizing: border-box;\">\n<h3 style=\"font-size: 18px; font-weight: bold; color: #2c6f46; margin-bottom: 8px;\">\n    <span style=\"color: #4caf50;\">Top-12 Grundlagenartikel &#8222;Schilddr\u00fcse&#8220;<\/span><br \/>\n  <\/h3>\n<ol style=\"padding-left: 20px; line-height: 1.6; margin: 0;\">\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555; transition: color 0.3s;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruese-und-schilddruesenhormonsynthese\/\">Schilddr\u00fcse und Schilddr\u00fcsenhormonsynthese<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/beschwerden-bei-einer-unterfunktion-der-schilddruese\/\">Beschwerden bei einer Unterfunktion der Schilddr\u00fcse (Hypothyreose)<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/beschwerden-bei-einer-ueberfunktion-der-schilddruese\/\">Beschwerden bei einer \u00dcberfunktion der Schilddr\u00fcse (Hyperthyreose)<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruesendiagnostik\/\">Schilddr\u00fcsendiagnostik<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/erklaerung-der-schilddruesenlaborwerte-teil-1-schilddruesenhormonwerte\/\">Erkl\u00e4rung der Schilddr\u00fcsenlaborwerte, Teil 1: Schilddr\u00fcsenhormonwerte<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/erklaerung-der-schilddruesenlaborwerte-teil-2-schilddruesenautoantikoerper\/\">Erkl\u00e4rung der Schilddr\u00fcsenlaborwerte, Teil 2: Schilddr\u00fcsenautoantik\u00f6rper<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/ueberblick-schilddruesenerkrankungen\/\">\u00dcberblick Schilddr\u00fcsenerkrankungen<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/behandlung-von-krankheiten-der-schilddruese\/\">Behandlung von Krankheiten der Schilddr\u00fcse<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/welche-schilddruesenmedikamente-gibt-es\/\">Schilddr\u00fcsenmedikamente<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/radioiodtherapie-wissenswertes-fuer-patienten\/\">Radioiodtherapie<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/thermoablation-von-schilddruesenknoten\/\">Thermoablative Verfahren<\/a><\/li>\n<li><a style=\"text-decoration: none; color: #555555;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/chirurgische-therapie-von-gut-und-boesartigen-schilddruesenerkrankungen\/\">Operation der Schilddr\u00fcse<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/aside>\n<div style=\"border-left: 4px solid #008000; background-color: #f1fdf3; padding: 12px; font-family: Arial, sans-serif; font-size: 14px; line-height: 1.5; margin-bottom: 20px; text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Tipp<\/strong>: Um Ihnen die Orientierung auf www.schilddruesenguide.de zu erleichtern, habe ich eine \u00dcbersicht der wichtigsten Inhalte erstellt. <\/span>\u27a4<span style=\"color: #008000;\"><strong> <a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/navigationsseite\/\">Zur Navigationsseite<\/a><\/strong><\/span><\/div>\n<hr \/>\n<p>Letzte Aktualisierung: 19. September 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck zur Startseite: F\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte \u2013 Fachwissen und Vernetzung rund um Schilddr\u00fcsenerkrankungen Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verf\u00fcgung gestellt von Prof. Dr. Jochen Dressler (fr\u00fcher: Nuklearmedizinische Klinik der Henriettenstiftung Hannover, jetzt\u00a0\u2192 im Ruhestand). 1. Was ist eine Radioiodbehandlung? Radioiod, chemisches Kurzzeichen I-131, ist eine radioaktive Form des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_metis_text_type":"standard","_metis_text_length":19553,"_post_count":0,"footnotes":""},"categories":[33,10],"tags":[53,135,110,65,119],"class_list":["post-740","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-morbus-basedow","category-schilddruesenkrebs","tag-gastartikel","tag-hannover","tag-ht","tag-radioiodtherapie","tag-schilddruesentherapie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/740","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=740"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/740\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}