{"id":734,"date":"2015-09-07T12:50:16","date_gmt":"2015-09-07T10:50:16","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=734"},"modified":"2025-08-05T08:40:08","modified_gmt":"2025-08-05T06:40:08","slug":"groesste-gesamteuropaeische-jodstudie-startet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/groesste-gesamteuropaeische-jodstudie-startet\/","title":{"rendered":"Gr\u00f6\u00dfte gesamteurop\u00e4ische Jodstudie startet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wissenschaftler aus 27 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wollen mit Hilfe der EU dem Jodmangel den Kampf ansagen. Mit dem Netzwerk EUthyroid stellt sich eine gesamteurop\u00e4ische Initiative der Herausforderung, die Jodversorgung der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung wissenschaftlich zu erfassen und gemeinsam geeignete Ma\u00dfnahmen zu entwickeln, um die Jodversorgung in Europa nachhaltig zu verbessern.<\/strong><\/p>\n<p>Heute beginnt in\u00a0Wien das dreit\u00e4gige Kick-off Meeting. Die Koordinierung des EU&#8211;Forschungsprojektes mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem F\u00f6rdervolumen in H\u00f6he von drei Millionen Euro \u00fcbernimmt die Universit\u00e4tsmedizin Greifswald. <!--more--><\/p>\n<p>Jodmangel ist der wichtigste Risikofaktor f\u00fcr Schilddr\u00fcsenerkrankungen bei Erwachsenen und Kindern. St\u00f6rungen der Schilddr\u00fcsenfunktion sind besonders h\u00e4ufig dort anzutreffen, wo ein Jodmangel besteht. Aber vor allem Schwangere und Stillende haben einen erh\u00f6hten Bedarf an Jod, um das Baby ausreichend zu versorgen und so eine optimale Entwicklung zu gew\u00e4hrleisten. Selbst ein leichter Jodmangel w\u00e4hrend der Schwangerschaft kann zu einer gest\u00f6rten Gehirnentwicklung des Kindes und so zu einer verminderten Intelligenz f\u00fchren. Tats\u00e4chlich ist Jodmangel die weltweit h\u00e4ufigste Ursache f\u00fcr vermeidbare Gehirnsch\u00e4den und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt seit Jahren, dass in Europa zunehmend Menschen von den Folgen eines Jodmangels betroffen sind.<\/p>\n<p><strong>Keine Datenlage zur Jodversorgung<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich wird Jod auf nat\u00fcrlichem Weg durch die Ern\u00e4hrung aufgenommen. Meeresfr\u00fcchte sind eine nat\u00fcrliche Quelle des wichtigen Spurenelements. Die meisten Regionen in Europa sind allerdings Jodmangelgebiete. Neben den Hochgebirgsregionen wie den Alpen gibt es viele Staaten in allen Teilen Europas, die aufgrund ihrer kontinentalen Lage und den Ern\u00e4hrungsgewohnheiten typische Jodmangelgebiete darstellen, was nachweislich negative Folgen f\u00fcr die Gesundheit hat. Prof. Henry V\u00f6lzke (Foto), EUthyroid-Koordinator von der Universit\u00e4tsmedizin Greifswald, hat das Projekt ma\u00dfgeblich vorangetrieben. \u201eAktuell gibt es in Europa keine einheitlichen Daten zur Jodversorgungslage. So k\u00f6nnen wir nur Vermutungen \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfenordnung der Gesundheitsprobleme anstellen, die eine mangelhafte Jodversorgung ausl\u00f6st. Fakt ist, dass selbst in Deutschland viele Kinder mit intellektuellen Defiziten geboren werden. Insofern bin ich als Epidemiologe und Arzt sehr froh, dass uns die EU mit EUthyroid jetzt eine M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, diese unbefriedigende Situation zu \u00e4ndern. Ich bin \u00fcberzeugt, dass eine bessere Jod-Versorgung Europa kl\u00fcger machen kann.\u201c<\/p>\n<p>Viele europ\u00e4ische Staaten haben im letzten Jahrhundert Pr\u00e4ventionsprogramme mit jodiertem Speisesalz eingef\u00fchrt, die das Jodangebot in der Bev\u00f6lkerung verbessern k\u00f6nnen. Dennoch verwenden nur 27 Prozent der europ\u00e4ischen Haushalte jodiertes Salz. Die Weltgesundheitsorganisation ruft daher seit Jahren auf, die Situation in Europa durch ein einheitliches Monitoring zu \u00fcberpr\u00fcfen, um eine Grundlage f\u00fcr verbesserte Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen zu schaffen. \u201eEuropa hat viel Erfahrung mit der Harmonisierung der unterschiedlichsten Verfahren \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinaus, aber in der Jodpr\u00e4vention hinken wir deutlich unseren M\u00f6glichkeiten hinterher\u201c, sagte Prof. John Lazarus von der University Cardiff als regionaler Koordinator des \u201eIodine Global Network\u201c in West- und Zentral-Europa und Partner von EUthyroid. \u201eIch setzte darauf, dass mit EUthyroid eine Dynamik entsteht, die am Ende in deutlich effektiveren Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen m\u00fcndet.\u201c<\/p>\n<p>An dem europ\u00e4ischen Projekt EUthyroid beteiligen sich 30 Partner aus 27 L\u00e4ndern. Das Netzwerk EUthyroid sammelt zum ersten Mal einheitliche Daten \u00fcber die Jodversorgung der Bev\u00f6lkerung in den beteiligten L\u00e4ndern, vergleicht die nationalen Ma\u00dfnahmen und Ern\u00e4hrungsgewohnheiten und wird geeignete Schritte herausarbeiten, um die Jodversorgung in Europa gezielt zu verbessern.<\/p>\n<p><strong>Schwerpunkt Jodmangel in der Schwangerschaft<\/strong><\/p>\n<p>Ein besonderer Aspekt der wissenschaftlichen Arbeit bildet die Vereinheitlichung der Datenerhebung und die Analyse bestehender Pr\u00e4ventionsprogramme auf ihre Kosten-Nutzen-Relation. \u201eDie Jodierung von Salz ist sehr billig, aber wir m\u00fcssen auch in ein taugliches Programm investieren, das die Jodversorgung abbildet. Nur so k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass trotz sich wandelnder Ern\u00e4hrungsgewohnheiten und gro\u00dfer regionaler Unterschiede in Europa kein Kind mehr einem Jodmangel vor der Geburt ausgesetzt wird\u201c, erl\u00e4uterte Henry V\u00f6lzke.<\/p>\n<p>EUthyroid legt ein besonderes Augenmerk auf die Frage, inwiefern eine nicht ausreichende Jodversorgung von Schwangeren Auswirkungen auf die geistige Entwicklung ihrer Neugeborenen hat. Voruntersuchungen deuten darauf hin, dass selbst ein leichter Jodmangel in der Schwangerschaft den Intelligenzquotienten des Kindes negativ beeinflusst. EUthyroid wird dieser Frage an drei gesonderten Mutter-Kind-Studien aus Regionen mit unterschiedlicher Jodversorgung nachgehen. Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass sogar in Deutschland 50 Prozent aller Neugeborenen w\u00e4hrend der Schwangerschaft einem Jodmangel ausgesetzt waren, der die Neugeborenen negativ beeinflussen k\u00f6nnte. Aber belastbare Daten gibt es dazu in ganz Europa nicht.<br \/>\nDer europ\u00e4ische Kontinent stellt einen komplexen Flickenteppich in der Jodprophylaxe dar. Die nat\u00fcrliche Jodversorgung ist aufgrund der regionalen Unterschiede in den Ern\u00e4hrungsgewohnheiten heterogen. In vielen L\u00e4ndern existieren Pr\u00e4ventionsprogramme mit jodiertem Salz, die aber nicht einheitlich geregelt sind. Schlie\u00dflich gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Nationen, die ein regelm\u00e4\u00dfiges Monitoring der Jodversorgung durchf\u00fchren, das aber wiederum nur sehr eingeschr\u00e4nkt untereinander vergleichbare Daten liefert. \u201eEs gibt also noch viel zu tun, bis in Europa alle B\u00fcrger mit einer guten und \u00fcber die L\u00e4ndergrenzen hinweg harmonisierten Jodversorgung rechnen k\u00f6nnen\u201c, so V\u00f6lzke.<\/p>\n<p>Mit dem Aufbau zentraler Datenbanken und Strukturen f\u00fcr Laborvergleichsuntersuchungen sowie der Einf\u00fchrung qualit\u00e4tssichernder Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Datenerhebungen werden jetzt Voraussetzungen daf\u00fcr geschaffen, dass auch schon \u00fcber die dreij\u00e4hrige Laufzeit des Projektes hinaus die Jodversorgung der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung verbessert werden kann.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/euthyroid.eu\/press\/PI_65_2015_Universitatsmedizin_Greifswald_DE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">euthyroid.eu<\/a> (<span style=\"color: #ff0000;\">Link gepr\u00fcft am 13.09.23<\/span>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler aus 27 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wollen mit Hilfe der EU dem Jodmangel den Kampf ansagen. 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