{"id":700,"date":"2013-11-26T10:57:49","date_gmt":"2013-11-26T09:57:49","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=700"},"modified":"2025-09-17T08:39:04","modified_gmt":"2025-09-17T06:39:04","slug":"informationen-zum-krankheitsbild-morbus-basedow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/informationen-zum-krankheitsbild-morbus-basedow\/","title":{"rendered":"Morbus Basedow: Informationen zum Krankheitsbild"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>Tipp<\/strong>: \u00dcberblicksartikel zu den <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruesenentzuendungen\/\">Entz\u00fcndungen der Schilddr\u00fcse<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verf\u00fcgung gestellt von <strong>Jutta Knopp<\/strong>.<\/p>\n<p>Bei Morbus Basedow (Autoimmunhyperthyreose) handelt es sich um eine eng mit der Hashimoto-Thyreoiditis verwandte Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fehlerhaft reagiert und sich gegen k\u00f6rpereigenes Gewebe \u2013 in diesem Falle die Schilddr\u00fcse \u2013 richtet. Das Immunsystem bildet bestimmte organspezifische Autoantik\u00f6rper gegen die Schilddr\u00fcse und stimulieren diese zu einer stark \u00fcbersteigerten Schilddr\u00fcsenhormonproduktion, so dass es zu einer Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion (Hyperthyreose) kommt.<!--more--><\/p>\n<p>Es ist die seltenere (ca. 1 \u2013 6 % der Bev\u00f6lkerung sind daran erkrankt), jedoch allgemein weitaus bekanntere Variante von autoimmuner Schilddr\u00fcsenerkrankung. Benannt wurde die Erkrankung nach Carl Adolph von Basedow, der die Erkrankung 1840 erstmals in Merseburg\/Deutschland beschrieb. Im englischen Sprachraum ist Morbus Basedow als \u201eGraves\u2019 disease\u201c bekannt (benannt nach dem in Dublin\/Irland praktizierenden Arzt Robert J. Graves, der die Krankheit bereits vor Basedow im Jahre 1835 beschrieb).<\/p>\n<p>Am h\u00e4ufigsten von Morbus Basedow sind Frauen betroffen (Frauen erkranken 5-8 mal h\u00e4ufiger als M\u00e4nner), die meisten erkranken zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr (das erkl\u00e4rt sich vermutlich aus den in diesem Alter h\u00e4ufigeren Hormonumschw\u00fcngen bedingt durch Schwangerschaften\/Geburten\/Wechseljahre). Seltener sind Kinder\/Jugendliche betroffen.<\/p>\n<p>Eine zentrale Rolle bei dieser Erkrankung nehmen die TRAK (TSH-Rezeptor-Antik\u00f6rper) ein, denn diese Antik\u00f6rper sind letztendlich f\u00fcr die Krankheitssymptome verantwortlich, indem sie an den TSH-Rezeptoren der Schilddr\u00fcse andocken und die Schilddr\u00fcse zu einer \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Schilddr\u00fcsenhormonproduktion veranlassen. Daneben k\u00f6nnen die TRAK auch noch am Augenhintergrundgewebe andocken und dort eine endokrine Orbitopathie (EO) ausl\u00f6sen.<\/p>\n<h1>Ursachen des Morbus Basedow<\/h1>\n<p>Die genauen Ursachen und Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Entstehung von Morbus Basedow sind bisher leider noch unbekannt. Da Morbus Basedow und auch die Hashimoto-Thyreoiditis h\u00e4ufig famili\u00e4r geh\u00e4uft auftreten, wird stark vermutet, dass eine gemeinsame genetische Pr\u00e4disposition (Veranlagung) f\u00fcr diese Erkrankungen vererbt wird. Als Risikofaktor hat man das Vorkommen bestimmter Antigene im Erbmaterial (Antigene HLA-DR3, HLA-DR5 und HLA B8) ausgemacht.<\/p>\n<p>Allerdings bedeutet das Vorkommen dieser Antigene im Erbgut eines Menschen auch nicht, dass dieser Mensch zwangsl\u00e4ufig irgendwann in seinem Leben an Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis erkranken wird. Denn es bedarf offensichtlich unbedingt noch anderer zus\u00e4tzlicher Faktoren, um die Erkrankung zum Ausbruch zu bringen. Zu solchen zus\u00e4tzlichen Faktoren geh\u00f6ren neben Stress, hormonellen Umschw\u00fcngen (Pubert\u00e4t, Schwangerschaft, Entbindung, Wechseljahre), Umwelteinfl\u00fcssen (Zellgifte, Nikotin) auch eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Jodzufuhr. Daneben werden Infektionen mit verschiedenen Viren (z. B. Eppstein-Barr) oder Bakterien (z. B. Yersinia enterocolitica) und Kreuzreaktionen des TSH-Rezeptors mit diesen Erregern als m\u00f6glicher Krankheitsausl\u00f6ser diskutiert. Inwieweit eine Ver\u00e4nderung des Antigens durch Viren\/Bakterien oder TSH-Rezeptor-Mutationen f\u00fcr die Entstehung von Morbus Basedow urs\u00e4chlich beteiligt sind oder f\u00fcr die Entwicklung der Krankheit sogar zwingend n\u00f6tig sind, ist noch unbekannt.<\/p>\n<div style=\"background-color: #f8f9fa; border: 2px solid #6c757d; padding: 20px; border-radius: 0; color: #343a40; font-family: Arial, sans-serif;\">\n<h3 style=\"margin-top: 0;\">Wissensbaustein Morbus Basedow<\/h3>\n<p>Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddr\u00fcse, die zu einer \u00dcberproduktion von Schilddr\u00fcsenhormonen f\u00fchrt. Es ist wichtig, die Symptome fr\u00fchzeitig zu erkennen und sich regelm\u00e4\u00dfig \u00e4rztlich untersuchen zu lassen, um m\u00f6gliche Komplikationen zu vermeiden. Weitere Informationen zu Diagnose, Behandlung und Therapie von Morbus Basedow finden Sie auf der zentralen Seite &#8222;<strong>Wie schlimm ist Morbus Basedow?<\/strong>&#8222;.<\/p>\n<p><a style=\"display: inline-block; background-color: #28a745; color: white; padding: 10px 20px; border-radius: 5px; text-decoration: none; font-weight: bold; text-align: center;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/basedow\/\">Mehr erfahren<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Krankheitsverlauf des Morbus Basedow<\/h1>\n<p>Morbus Basedow f\u00fchrt zu einer Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion. Diese beginnt meistens ziemlich pl\u00f6tzlich und kommt oft wie \u201eaus heiterem Himmel\u201c. Je nach Schwere der Symptome kann es allerdings eine Weile dauern, bis sich ein Betroffener wirklich gewahr wird, dass er ernsthaft krank ist. Wegen der Auswirkungen der Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion auf die Psyche und wegen der \u00c4hnlichkeit zu typischen Stressreaktionen des K\u00f6rpers, werden die Symptome h\u00e4ufig zuerst als vegetative oder psychosomatische Beschwerden (durch psychische Belastung und Stress hervorgerufene k\u00f6rperliche Beschwerden) fehlgedeutet.<\/p>\n<p>Leider sch\u00e4tzen auch \u00c4rzte die Beschwerden zuweilen falsch ein und stellen mitunter die falsche Diagnose. Da sich bei Morbus Basedow oftmals die Schilddr\u00fcse sichtbar vergr\u00f6\u00dfert, wird zuweilen \u00e4rztlicherseits die verh\u00e4ngnisvolle Falschdiagnose \u201eJodmangelkropf\u201c gestellt \u2013 verh\u00e4ngnisvoll deswegen, weil bei einer solchen Fehldiagnose Jod verschrieben wird und dieses Jod den Morbus Basedow nur noch verschlimmert.<\/p>\n<p>Auch vegetative St\u00f6rung, Neurose, Angsterkrankung, Depression, Borderline-Syndrom oder bipolare St\u00f6rung (manisch-depressive Erkrankung) geh\u00f6ren leider zu den \u201eklassischen Fehldiagnosen\u201c, die im Extremfall auch schon dazu gef\u00fchrt haben, dass an Morbus Basedow Erkrankte als \u201epsychisch krank\u201c abgestempelt wurden, mit Psychopharmaka behandelt oder gar zur Therapie in eine Psychiatrie eingewiesen wurden.<\/p>\n<p>Neben der Schilddr\u00fcse sind bei etwa 50 % der Erkrankten auch die Augen von der Erkrankung betroffen und es kommt zur Entwicklung einer endokrinen Orbitopathie. Die EO kann sich zeitlich unabh\u00e4ngig vom Auftreten der \u00dcberfunktionssymptome entwickeln \u2013 bei etwa 20 % der F\u00e4lle geht die EO der akuten \u00dcberfunktion voraus, bei etwa 40 % manifestiert sich die EO zeitgleich mit der \u00dcberfunktion und bei 40 % entwickelt sich die EO erst wesentlich sp\u00e4ter (zumeist ist bei diesen Sp\u00e4tmanifestationen der EO eine Schilddr\u00fcsenunterfunktion der Ausl\u00f6ser).<\/p>\n<p>\u00dcberm\u00e4\u00dfige Jodzufuhr kann die \u00dcberfunktion bei Morbus Basedow erheblich verschlechtern und die Prognose verschlechtern. Aus diesem Grunde sollten an Morbus Basedow Erkrankte unbedingt zu viel Jod vermeiden, z. B. durch Verwendung von unjodiertem Speisesalz, Verzehr von mit unjodiertem Speisesalz hergestellten Lebensmitteln (schwierig in Deutschland!), nur seltener und sparsamer Verzehr von Seefisch und Meeresfr\u00fcchten, Vermeidung von jodhaltigen Medikamenten und Untersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln.<\/p>\n<h1>Krankheitssymptome des Morbus Basedow<\/h1>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3834 alignright\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/schilddruesenfehlfunktion-300x220.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/schilddruesenfehlfunktion-300x220.png 300w, https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/schilddruesenfehlfunktion.png 580w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Es gibt 3 \u201eLeitsymptome\u201c bei Morbus Basedow, das so genannte \u201eMerseburger Trias\u201c (1840 von Carl-Adolph von Basedow in Merseburg als Hauptsymptome beschrieben): Tachykardie (Herzrasen), Struma (Schilddr\u00fcsenvergr\u00f6\u00dferung) und Exophthalmus (Hervortreten der Augen aus den H\u00f6hlen).<\/p>\n<p>In der heutigen Zeit wei\u00df man jedoch, da\u00df es nicht immer zum sichtbaren Hervortreten der Augen kommen mu\u00df, daher sollte man bei einer Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion auch bei fehlender Augenbeteiligung an die M\u00f6glichkeit eines Morbus Basedow denken. Da Schilddr\u00fcsenhormone nahezu jedes Organ im K\u00f6rper eines Menschen beeinflussen, sind die Symptome einer durch MB verursachten Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion auch sehr zahlreich und umfassen ein weit gr\u00f6\u00dferes Spektrum als nur das \u201eMerseburger Trias\u201c.<\/p>\n<p>Weitere Symptome betreffen folgende Bereiche:<\/p>\n<p><strong>Schilddr\u00fcse<\/strong>: Vergr\u00f6\u00dferung der Schilddr\u00fcse (Struma), reicht von leicht bis deutlich von au\u00dfen sicht- und tastbar, Missempfindungen im Hals, Schluckbeschwerden, Druckempfindlichkeit (typisch: Ber\u00fchrungen am Hals, enge Kragen\/Halsketten\/Halst\u00fccher etc. werden als \u00e4u\u00dferst unangenehm empfunden und erzeugen ein Gef\u00fchl des \u201eErw\u00fcrgtwerdens\u201c), Globusgef\u00fchl (\u201eKlo\u00df im Hals\u201c), Hautr\u00f6tungen am Hals, f\u00fchlbare Vibration der Schilddr\u00fcse (\u201eSchwirren\u201c)<\/p>\n<p><strong>Herz\/Kreislauf<\/strong>: Dauertachykardie (st\u00e4ndig erh\u00f6hter Puls &gt;90, auch in Ruhe\/Schlaf), Bluthochdruck (vor allem Systole erh\u00f6ht), Palpitationen (der Herzschlag wird als ungew\u00f6hnlich hart und in Brust\/Hals deutlich sp\u00fcrbar und im Kopf dr\u00f6hnend empfunden), Herzrhythmusst\u00f6rungen (\u201eHerzstolpern\u201c), Herzstiche\/-schmerzen (Angina Pectoris), bei \u00e4lteren Patienten h\u00e4ufig auch Neigung zur Herzschw\u00e4che (Herzinsuffizienz, Thyreokardiopathie). Bei vielen MB-Erkrankten (40 %) kann ein Mitralklappenprolaps (Vorw\u00f6lbung der Mitralklappe in den Herzvorhof) nachgewiesen werden.<\/p>\n<p><strong>Atmung<\/strong>: meistens beschleunigt, auch bei nur leichter Anstrengung h\u00e4ufig Luftnot, welche durch Herzprobleme, aber auch durch die vergr\u00f6\u00dferte Schilddr\u00fcse bedingt sein kann (seltener durch Muskelschw\u00e4che der Atemmuskulatur).<\/p>\n<p><strong>Haut<\/strong>: warm, samtartig weich, oft feucht von Schwei\u00df. Bei Herzschw\u00e4che kann die Haut auch k\u00fchl\/feucht sein (\u201ekalter Schwei\u00df\u201c). Schwei\u00dfausbr\u00fcche und Hitzeintoleranz (typisch: warme R\u00e4ume werden als extrem unangenehm empfunden; Erkrankte neigen dazu, sich auch bei k\u00fchlem Klima nur sehr leicht anzuziehen (z. B. im Winter T-Shirt, keine Jacke)) . Hyperpigmentationen (verst\u00e4rkte Braunf\u00e4rbung der Haut), aber auch Vitiligo (Wei\u00dffleckenkrankheit) k\u00f6nnen begleitend bei MB auftreten, ebenso wie Pruritus (Juckreiz) und Urtikaria (Nesselsucht mit Quaddelbildung\/Juckreiz). H\u00e4ufig \u00d6dembildung im Bereich der Kn\u00f6chel oder Unterschenkel. In ca. 3 % der F\u00e4lle kommt es beim Morbus Basedow zu einem pr\u00e4tibialen Myx\u00f6dem (derbe Hautver\u00e4nderung am unteren Schienbein; die Haut ist dort geschwollen\/verdickt, grobporig und r\u00f6tlich verf\u00e4rbt).<\/p>\n<p><strong>Haare\/N\u00e4gel<\/strong>: das Kopfhaar ist seidenweich und schwer frisierbar. H\u00e4ufig kommt es zu Haarausfall, der in schweren F\u00e4llen auch die Achsel- und Schambehaarung betreffen kann.<\/p>\n<p>Die Finger- und Zehenn\u00e4gel wachsen schnell, sind jedoch sehr weich\/br\u00fcchig.<\/p>\n<p><strong>Magen\/Darm<\/strong>: Durst, Hei\u00dfhunger mit regelrechten \u201eFressattacken\u201c, trotzdem Gewichtsabnahme (selten: Gewichtszunahme), \u00dcbelkeit (selten mit Erbrechen), h\u00e4ufiger Stuhlgang bis hin zu schweren Durchf\u00e4llen, gelegentlich erh\u00f6hte Leberwerte, Leber- und Gallenblasenprobleme (selten: Hepatitis)<\/p>\n<p><strong>Muskulatur<\/strong>: hyperthyreote Myopathie mit h\u00e4ufig hochgradiger Muskelschw\u00e4che im Bereich des Schulter- und Beckeng\u00fcrtels (typisch: ein Erkrankter kann nicht mehr ohne fremde Hilfe\/Festhalten aus der Hocke aufstehen), Muskelatrophie (Muskelschwund), Muskelschmerzen und \u2013verspannungen, Kraftlosigkeit, Zittern der H\u00e4nde\/Finger (feinschl\u00e4giger Tremor), Probleme bei der Muskelkoordination (typisch: fahrige, hastige Bewegungen, Schwierigkeiten beim Schreiben, ver\u00e4nderte (unleserliche) Handschrift), gesteigerte Sehnenreflexe (Achillessehnenreflex), Neigung zu Muskelkr\u00e4mpfen, selten: Dysphagie\/Dysarthie (der Buchstabe \u201eR\u201c kann nicht mehr richtig ausgesprochen werden)<\/p>\n<p><strong>Knochen<\/strong>: Der Knochenumbau ist beschleunigt, es kann zu einem Knochenschwund (Osteoporose) kommen, der jedoch nach Therapie reversibel ist. Die Calciumausscheidung ist h\u00e4ufig erh\u00f6ht. Selten kommt es als Begleiterscheinung bei MB zu einer Akropachie (\u201eTrommelschlegelfinger\u201c \u2013 keulenf\u00f6rmige Auftreibung im Bereich der Finger- oder Zehenendglieder).<\/p>\n<p>Bei Kindern kann es zu einem verst\u00e4rkten Wachstum und zu verfr\u00fchter Knochenreifung kommen (vorzeitiger Schlu\u00df der Sch\u00e4deln\u00e4hte)<\/p>\n<p><strong>Hormonsystem<\/strong>: die Sexualhormone k\u00f6nnen sich ver\u00e4ndern, als Folge treten h\u00e4ufig auf: Menstruationsst\u00f6rungen (verl\u00e4ngerte, verk\u00fcrzte oder g\u00e4nzlich ausbleibende Regel), Verminderung (selten: Steigerung) von Libido und Potenz, eingeschr\u00e4nkte Fruchtbarkeit. MB kann gelegentlich zusammen mit Morbus Addison (autoimmune Nebennierenschw\u00e4che) und Diabetes Typ-I kombiniert auftreten, ein Diabetes Typ II (Diabetes mellitus) kann erstmals auftreten, der Insulinbedarf eines Diabetikers kann sich erh\u00f6hen<\/p>\n<p><strong>Blut\/Lymphsystem<\/strong>: h\u00e4ufig leichte An\u00e4mie (Blutarmut), erh\u00f6hte CK-Werte, erh\u00f6hte AP-Werte (alkalische Phosphatase), niedrige Cholesterinwerte. Lymphozytose (vermehrte Lymphozytenbildung), selten: geschwollene Lymphknoten, vergr\u00f6\u00dferte Thymusdr\u00fcse, vergr\u00f6\u00dferte Milz.<\/p>\n<p><strong>Nerven\/Psyche<\/strong>: gesteigerte Reflexe, Nervosit\u00e4t, Unruhe, Konzentrationsschw\u00e4che, Rastlosigkeit, gesteigerter Bewegungsdrang, Zittrigkeit, Schreckhaftigkeit, Angst- und Panikattacken, Schlafst\u00f6rungen (typisch: trotz gr\u00f6\u00dfter M\u00fcdigkeit\/Ersch\u00f6pfung nicht einschlafen k\u00f6nnen), Gereiztheit\/Agressionen\/Wutanf\u00e4lle (typisch: der Erkrankte ist oft schon aus nichtigen Anl\u00e4ssen \u201evon Null auf 100\u201c), starke Stimmungsschwankungen (\u201ehimmelhochjauchzend \u2013 zu Tode betr\u00fcbt\u201c), die an manisch-depressive Zust\u00e4nde erinnern (und mit diesen verwechselt werden k\u00f6nnen), selten regelrechte Psychosen, delirium-artige Erregungszust\u00e4nde oder Apathie. Epileptiker k\u00f6nnen zu verst\u00e4rten Krampfanf\u00e4llen neigen<\/p>\n<p><strong>Augen<\/strong>: Symptome der endokrinen Orbitopathie: Die Augenbeteiligung bei Morbus Basedow beginnt oft schleichend mit vermehrter Lichtempfindlichkeit, Jucken, Fremdk\u00f6rpergef\u00fchl (\u201eSand im Auge\u201c), Druckgef\u00fchl hinter dem Auge, Tr\u00e4nen der Augen, Kopfweh (im Schl\u00e4fenbereich), Schwellungen der Lider, Sehst\u00f6rungen (unscharfes\/verschwommenes Sehen, Blickfeldeinschr\u00e4nkungen). Im fortgeschrittenerem Stadium der EO kommt es zu einem Hervortreten der Augen aus den Augenh\u00f6hlen (Exopthalmus) aufgrund eines Anschwellens des Augenhintergrundgewebes. Das Hervortreten der Augen tritt meist doppelseitig auf, oft ist aber ein Auge mehr als das andere betroffen; selten treten beide Augen gleich stark hervor.<\/p>\n<p>In sehr schweren F\u00e4llen \u2013 sie sind gl\u00fccklicherweise selten &#8211; kommt es zu einem sogenannten \u201emalignen Exophthalmus\u201c, bei dem die Augen sehr stark hervortreten. In der Folge kommt es zu Motilit\u00e4tsst\u00f6rungen der Augenmuskeln (die Augenmuskeln k\u00f6nnen das Auge nicht mehr richtig bewegen) und daraus resultierend zur Entwicklung von Doppelbildersehen und\/oder Schielen. H\u00e4ufige Folge eines starken Exophthalmus ist auch, da\u00df die Augenlider nicht mehr richtig geschlossen werden k\u00f6nnen (Lagopthalmus), wodurch es zu Verletzungen und Austrockung der Augenhornhaut kommen kann. Wenn der Sehnerv durch die Schwellung hinter den Augen ebenfalls beeintr\u00e4chtigt wird, droht im Extremfall Erblindung.<\/p>\n<h1>Diagnose des Morbus Basedow<\/h1>\n<p>Die Verdachtsdiagnose wird wahrscheinlich zun\u00e4chst einmal der Hausarzt stellen. Allerdings ist es wichtig, da\u00df sich der Betroffene m\u00f6glichst bald in die H\u00e4nde eines Facharztes (Endokrinologe, auf Schilddr\u00fcsenkrankheiten spezialisierter Internist, Radiologe oder Nuklearmediziner) begibt, da die Therapie des Morbus Basedow unbedingt in erfahrene Arzth\u00e4nde geh\u00f6rt!<\/p>\n<p>Zu Beginn der Diagnose sollte unbedingt eine gr\u00fcndliche Anamnese erfolgen, in der neben dem Krankheitsverlauf und den Symptomen und einer eventuellen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Jodbelastung (etwa nach Untersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln oder Behandlung mit jodhaltigen Medikamenten) auch unbedingt nach Schilddr\u00fcsenerkrankungen in der Familie gefragt werden sollte. Auch die Frage, ob der Betroffene Raucher ist, sollte nicht fehlen, da Rauchen einen Risikofaktor darstellt und den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen kann.<\/p>\n<p>Danach sollte der Arzt die Schilddr\u00fcse untersuchen und abtasten, um festzustellen, ob sie vergr\u00f6\u00dfert ist und ob ihre Struktur auff\u00e4llig ver\u00e4ndert ist (Knoten). Bei Morbus Basedow l\u00e4sst sich bei der Tastuntersuchung h\u00e4ufig das typische \u201eSchwirren\u201c feststellen \u2013 eine leichte Vibration in der Schilddr\u00fcse, ausgel\u00f6st durch die verst\u00e4rkte Durchblutung des Gewebes.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend sollte immer eine Sonografie (Ultraschall) der Schilddr\u00fcse erfolgen. Bei Morbus Basedow ist die Schilddr\u00fcse in der Regel diffus vergr\u00f6\u00dfert (Struma diffusa) und das Ultraschallbild ist echoarm (das Bild der Schilddr\u00fcse erscheint dunkel im Ultraschall). Daneben mu\u00df auf Knoten in der Schilddr\u00fcse geachtet werden.<\/p>\n<p>Eine Szintigrafie sollte immer dann vorgenommen werden, wenn mittels Ultraschall oder Abtasten Knoten in der Schilddr\u00fcse gefunden werden (zwecks Abgrenzung zur funktionellen Autonomie (\u00dcberfunktion durch hei\u00dfe Knoten in der Schilddr\u00fcse)) oder wenn die bisherige Diagnostik keine eindeutige Diagnose erlaubt. In der Regel kann auf eine Szintigrafie allerdings bei Morbus Basedow verzichtet werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3692\" aria-describedby=\"caption-attachment-3692\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3692\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fehlfunktion-Schilddruese-300x194.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fehlfunktion-Schilddruese-300x194.png 300w, https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Fehlfunktion-Schilddruese.png 573w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3692\" class=\"wp-caption-text\">Schilddr\u00fcsenfunktionslage und Schilddr\u00fcsenwerte<\/figcaption><\/figure>\n<p>Um eine Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion festzustellen oder auszuschlie\u00dfen sollte unbedingt eine Blutuntersuchung erfolgen, bei der TSH, fT3 und fT4 bestimmt werden sollten. Eine Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion liegt dann vor, wenn TSH supprimiert ist (&lt;0,1) und fT3 und fT4 erh\u00f6ht sind.<\/p>\n<p>Wird eine Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion festgestellt, sollten die Schilddr\u00fcsenautoantik\u00f6rper bestimmt werden, und zwar TRAK (TSH-Rezeptor-Antik\u00f6rper), TPO-AK (Antik\u00f6rper gegen die Schilddr\u00fcsenperoxidase), sowie evtl. zus\u00e4tzlich Tg-AK (Thyreoglobulin-Antik\u00f6rper; auf diese Antik\u00f6rperart kann normalerweise bei positiven TRAK\/TPO-AK auch verzichtet werden; bei negativen oder grenzwertigen TRAK\/TPO-AK kann die Bestimmung jedoch sinnvoll sein).<\/p>\n<p>Werden zus\u00e4tzlich zu einer Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion auch typische Symptome einer endokrinen Orbitopathie vorgefunden, so gilt der Morbus Basedow als bewiesen (auch wenn die Antik\u00f6rperbefunde vielleicht nicht eindeutig sind). Bei Diagnose eines Morbus Basedow mit endokriner Orbitopathie sollte unbedingt ein auf diesem Gebiet erfahrener Augenarzt aufgesucht und in die Therapie mit einbezogen werden.<\/p>\n<h1>Thyreostatische Therapie<\/h1>\n<p>W\u00e4hrend in den USA und vielen anderen L\u00e4ndern die Radiojodtherapie als erste Therapiewahl gilt, wird hier in Deutschland in der Regel zun\u00e4chst die medikament\u00f6se Therapie mit Thyreostatika (schilddr\u00fcsenhemmende Mittel) bevorzugt.<\/p>\n<p>Thyreostatika wie Thiamazol, Carbimazol oder Propylthiouracil hemmen die Hormonproduktion in der Schilddr\u00fcse und k\u00f6nnen so die \u00dcberfunktion beseitigen. Diese Medikamente beseitigen allerdings nicht die Ursache, d.h. die Krankheit Morbus Basedow k\u00f6nnen sie nicht heilen, sondern nur die \u00dcberfunktion beenden und damit meistens auch die meisten Symptome unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Der Morbus Basedow neigt jedoch zur Remisson (Spontanheilung), d.h. es kommt bei ca. 40-50 % der Betroffenen nach 1-2 Jahren zu einem spontanen Abflauen bzw. v\u00f6lligen Stillstand des Autoimmunprozesses. Aus diesem Grunde ist es sinnvoll, die Zeit bis zum Eintritt dieser Remission mit einer thyreostatischen Langzeittherapie zu \u00fcberbr\u00fccken, so da\u00df der Betroffene ohne die k\u00f6rperliche und psychische Belastung einer \u00dcberfunktion abwarten kann, ob der Morbus Basedow zum Stillstand kommt. Daneben haben Thyreostatika auch eine leicht immunsuppressive (das Immunsystem unterdr\u00fcckende) Wirkung, was den Eintritt einer Remission auch positiv beeinflussen kann.<\/p>\n<p>Anfangs sollte zus\u00e4tzlich zum Thyreostatikum auch ein Betablocker (Metoprolol) verordnet werden, da dieser zum einen die Belastung des Herzes durch die Tachykardie mindert und hilft, den Puls wieder zu normalisieren; zum anderen hemmt Metoprolol auch die Umwandlung von T4 in T3 und kann damit auch zu schnelleren Normalisierung der Werte beitragen. Wenn die akute \u00dcberfunktion vorbei ist, kann der Betablocker meistens wieder langsam ausgeschlichen werden (sollte nicht abrupt abgesetzt werden).<\/p>\n<p>Die thyreostatische Therapie sollte mindestens 1 Jahr, jedoch in der Regel nicht l\u00e4nger als 2 Jahre durchgef\u00fchrt werden. Anfangs werden h\u00f6here Initialdosen des Thyreostatikums gegeben (z. B. 10-40 mg Thiamazol), im sp\u00e4teren Krankheitsverlauf kann die Dosis in der Regel nach und nach immer weiter reduziert werden, bis nur noch eine niedrige Erhaltungsdosis (z. B. 2,5 \u2013 10 mg Thiamazol) ausreicht, um die Schilddr\u00fcsenfunktion ausreichend zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Ziel der thyreostatischen Therpie ist die schnelle Beseitung der \u00dcberfunktion und Herbeif\u00fchren der Euthyreose (normale Schilddr\u00fcsenfunktion). Auf keinen Fall sollte eine Unterfunktion der Schilddr\u00fcse herbeigef\u00fchrt werden, da dies nicht nur das Allgemeinbefinden des Betroffenen erheblich verschlechtern kann, sondern auch eine Augenbeteilung (EO) verschlimmern oder sogar erst ausl\u00f6sen kann. Wichtigster Grundsatz bei der Durchf\u00fchrung der Therapie ist daher: \u00dcberfunktion rasch beseitigen, jedoch Unterfunktion unbedingt vermeiden!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Therapie ist eine regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle der Schilddr\u00fcsenwerte erforderlich. Anfangs sollten die Blutwerte alle 1-2 Wochen bestimmt werden, dann alle 3-4 Wochen. Noch sp\u00e4ter reichen auch gr\u00f6\u00dfere Kontrollabst\u00e4nde (6-12 Wochen).<\/p>\n<p>Bestimmt werden sollten zur Therapiekontrolle grunds\u00e4tzlich: TSH, fT3 und fT4. Bei Morbus Basedow ist der TSH oft sehr lange (mehrere Wochen bis Monate) supprimiert, d.h. noch zu niedrig, und zwar weil die TRAK die TSH-Aussch\u00fcttung unterdr\u00fccken und der Hypopyhsen-Schilddr\u00fcsenregelkreis durch die vorangegangene \u00dcberfunktion h\u00e4ufig noch l\u00e4ngere Zeit gest\u00f6rt ist. Aus diesem Grunde ist es wichtig, bei Kontrollen nicht nur TSH zu bestimmen, sondern grunds\u00e4tzlich auch fT3 und fT4. Sobald fT3 und fT4 wieder innerhalb des Normbereiches sind, mu\u00df die Dosis der Thyreostatika auf eine niedrigere Dosis reduziert werden (nicht erst, wenn TSH \u00fcber die Norm ansteigt!!!!). Wenn TSH wieder in den Normbereich ansteigt, sollte er im Bereich zwischen ca. 0,3 bis maximal 1 (bei vorhandener EO bis 0,8) liegen. Die fT-Werte sollten im mittleren bis oberen Bereich liegen. Ein TSH-Anstieg \u00fcber 1 sollte vermieden werden, um keine Unterfunktion der Schilddr\u00fcse zu riskieren.<\/p>\n<p>Wenn es selbst unter einer sehr geringen Erhaltungsdosis des Thyreostatikums zu einer Unterfunktionstendenz kommen sollte, kann eine sogenannte Kombinationstherapie mit Thyreostatika + Schilddr\u00fcsenhormon (L-Thyroxin) durchgef\u00fchrt werden. Dabei werden eine niedrige Dosis Thyreostatika (z. B. 5 mg Thiamazol ) mit 50-75 \u00b5g L-Thyroxin kombiniert, um die Werte stabil euthyreot zu halten.<\/p>\n<p>Die Schilddr\u00fcsenantik\u00f6rper brauchen w\u00e4hrend der Therapie in der Regel nicht nochmals bestimmt zu werden, da ihre H\u00f6he nur wenig R\u00fcckschlu\u00df auf den Verlauf der Erkrankung gibt. Lediglich die TRAK sollten am Ende der thyreostatischen Therapie noch einmal bestimmt werden, da weiterhin hohe Antik\u00f6rperwerte h\u00e4ufig eine schlechte Prognose bez\u00fcglich des Gelingens eines Auslassversuchs bedeuten.<\/p>\n<p>Auslassversuch:<\/p>\n<p>Nachdem die thyreostatische Therapie mindestens 1 Jahr lang durchgef\u00fchrt wurde (ob die Therapie auf 1 \u00bd bis 2 Jahre verl\u00e4ngert werden sollte, mu\u00df man vom Einzelfall abh\u00e4ngig machen) und wenn dabei l\u00e4ngere Zeit eine stabile Euthyreose bestand, kann ein Auslassversuch gestartet werden. Dabei wird das Thyreostatikum am besten langsam immer weiter reduziert (ausgeschlichen), bis es v\u00f6llig abgesetzt wird.<\/p>\n<p>Unter regelm\u00e4\u00dfigen Kontrollen wird dann beobachtet, ob es zu einer Remission des Morbus Basedow gekommen ist oder ob es zu einem Rezidiv (R\u00fcckfall; Wiederauftreten der \u00dcberfunktion) kommt. Die erste Kontrolle sollte 4 (bis 6) Wochen nach Absetzen des Thyreostatikums erfolgen, dann nach 3, 6 und 12 Monaten. Die meisten Rezidive (2\/3) treten innerhalb des ersten Jahres nach Beginn des Auslassversuches auf, jedoch sind Rezidive auch nach vielen Jahren noch m\u00f6glich. In 2-3 % der F\u00e4lle entwickelt sich w\u00e4hrend des Auslassversuches eine Hypothyreose (Schilddr\u00fcsenunterfunktion).<\/p>\n<p>Auch bei einem erfolgreichen Auslassversuch sollte ein Betroffener darum seine Schilddr\u00fcsenwerte f\u00fcr den Rest seines Lebens wenigstens 1 x pro Jahr untersuchen lassen.<\/p>\n<h1>Definitive Therapie:<\/h1>\n<p>Wenn eine thyreostatische Therapie erfolglos bleibt und es zu einem Rezidiv kommt oder wenn die thyreostatische Therapie aus Gr\u00fcnden wie z. B. schwere Unvertr\u00e4glichkeitsreaktionen nicht durchgef\u00fchrt werden kann, so mu\u00df bei Morbus Basedow eine definitive Therapie erfolgen.<\/p>\n<p>Dabei stehen grunds\u00e4tzlich zwei Verfahren zur Verf\u00fcgung: die Radiojodtherapie und die Strumaresektion (operative Schilddr\u00fcsenentfernung).<\/p>\n<h2><strong>Radiojodtherapie<\/strong><\/h2>\n<p>Bei der Radiojodtherapie (RJT) ist eine so genannte nicht-invasive Therapie, bei der der Betroffene eine Kapsel mit radioaktivem Jod (Jod123) schluckt. Das radioaktive Jod wird von der Schilddr\u00fcse gespeichert und f\u00fchrt dann von innen heraus zu einer Zerst\u00f6rung des Schilddr\u00fcsengewebes.<\/p>\n<p>Ziel der RJT ist es, eine weitere \u00dcberfunktion der Schilddr\u00fcse sicher unm\u00f6glich zu machen und eine vergr\u00f6\u00dferte Schilddr\u00fcse wieder zu verkleinern. Bei Morbus Basedow sollte die Radiojoddosis m\u00f6glichst so hoch gew\u00e4hlt werden, da\u00df nur noch sehr wenig funktionierendes Gewebe erhalten bleibt, um ein Rezidiv m\u00f6glichst sicher auszuschlie\u00dfen. Der Preis daf\u00fcr ist allerdings meistens, da\u00df nach der RJT das Schilddr\u00fcsenrestgewebe nicht mehr eine f\u00fcr den K\u00f6rper ausreichende Hormonmenge herstellen kann, weswegen zur Vermeidung einer Unterfunktion dann die fehlende Hormonmenge durch Gabe von k\u00fcnstlichem Schilddr\u00fcsenhormon ersetzt werden mu\u00df (in der Regel lebenslang).<\/p>\n<p>In Deutschland ist aufgrund der Strahlenschutzbestimmungen f\u00fcr die RJT zwingend ein station\u00e4rer Aufenthalt (je nach eingesetzter Dosis ca. 4-5 Tage) in einer entsprechend ausger\u00fcsteten Klinik erforderlich. W\u00e4hrend des station\u00e4ren Aufenthalts darf der Betroffene keinen Besuch empfangen.<\/p>\n<p>Eine RJT ist geeignet f\u00fcr Betroffene, deren Schilddr\u00fcse nicht zu sehr vergr\u00f6\u00dfert ist (50 ml), bei gleichzeitigem vorliegen von kalten Knoten, bei Kindern und Jugendlichen, bei Frauen mit dringendem Kinderwunsch (Wartezeit f\u00fcr eine Schwangerschaft nach einer RJT mindestens 6, besser noch 12 Monate!) und bei Patienten mit EO (bei Vorhandensein von Augensymptomen sollte eine RJT grunds\u00e4tzlich nur unter Cortisonschutz durchgef\u00fchrt werden! Bei schwerer EO sollte eine OP bevorzugt werden).<\/p>\n<p>Absolut kontraindiziert ist eine Radiojodtherapie bei Schwangeren, Stillenden, bei Betroffenen mit thyreotoxischer Krise, bei Malignomverdacht (Verdacht auf Schilddr\u00fcsenkarzinom).<\/p>\n<p>Nach der Durchf\u00fchrung der RJT tritt deren Wirkung durchschnittlich erst nach 6-12 Wochen ein. Es kann deshalb eventuell notwendig sein, bis zum Wirkungseintritt noch vor\u00fcbergehend weiter mit Thyreostatika zu behandeln, um eine \u00dcberfunktion zu unterdr\u00fccken. Wenn vor der RJT nur noch sehr niedrige Erhaltungsdosen n\u00f6tig waren, kann das Thyreostatikum jedoch meistens unmittelbar nach der RJT abgesetzt werden.<\/p>\n<p>Die Nachsorge nach der RJT mu\u00df unbedingt gewissenhaft erfolgen. Leider ist es heutzutage oft noch so, da\u00df \u00c4rzte nach Wirkungseintritt der RJT und der damit in der Regel fast immer einsetzenden Hypothyreose oft erst viel zu sp\u00e4t Schilddr\u00fcsenhormone verordnen, was dann f\u00fcr die Betroffenen v\u00f6llig unn\u00f6tiges Leid und oftmals auch eine Verschlimmerung oder gar erst Ausl\u00f6sung einer endokrinen Orbitopathie beschert.<\/p>\n<p>Aus diesem Grunde sollten nach einer RJT die Schilddr\u00fcsenwerte sehr engmaschig (am besten alle 2-3 Wochen) kontrolliert werden, um den Zeitpunkt des Wirkungseintrittes der RJT wirklich festzustellen. Oftmals werden erst 6-8 Wochen nach der RJT erstmals die Werte kontrolliert \u2013 bei manchen Betroffenen ist es dann jedoch zu einer Unterfunktion gekommen.<\/p>\n<p>Es sollte nach einer RJT keinesfalls abgewartet werden, bis eine Unterfunktion eintritt. Der TSH ist ein denkbar schlechter Kontrollparameter, wann nach der RJT mit der Gabe von Schilddr\u00fcsenhormon begonnen werden sollte, da sein Anstieg oft erst sehr zeitverz\u00f6gert einsetzt. Der beste Kontrollparameter ist fT4 \u2013 mit der Hormonsubstitution sollte bereits begonnen werden, wenn dieser Wert sich dem unteren Normbereich ann\u00e4hert. Das ist besonders wichtig, bei Patienten mit EO \u2013 hier sollte ein TSH-Anstieg unter allen Umst\u00e4nden vermieden werden, um die EO nicht zu verschlimmern.<\/p>\n<p>Es sollte dann mit einer t\u00e4glichen Dosis von 50 \u2013 75 \u00b5g L-Thyroxin begonnen werden \u2013 die Dosis mu\u00df dann je nach Befinden und Schilddr\u00fcsenwerten weiter angepasst werden (Wertekontrollen alle 4-6 Wochen bis zum Erreichen guten Befindens und euthyreoter Werte (Ziel sollte ein TSH-Wert im unterem Normbereich (0,3 \u20131) sein, die fT-Werte sollten im mittleren bis oberen Normbereich liegen).<\/p>\n<h2><strong>Operation (Strumaresektion)<\/strong><\/h2>\n<p>Die operative Entfernung der Schilddr\u00fcse ist eine weitere M\u00f6glichkeit der definitiven Therapie. Sie darf nur nach ausreichender medikament\u00f6ser Vorbehandlung und bei euthyreoter Stoffwechsellage durchgef\u00fchrt werden. Lediglich in besonderen Ausnahmef\u00e4llen ist der Eingriff auch im Zustand der akuten \u00dcberfunktion durchzuf\u00fchren (bei thyreotoxischer Krise, die eine Schilddr\u00fcsenentfernung als lebensrettende Ma\u00dfnahme zwingend erforderlich macht).<\/p>\n<p>Die Operation erfolgt grunds\u00e4tzlich in Vollnarkose. Dabei wird die Schilddr\u00fcse entweder subtotal (\u201enear total\u201c; Rest von maximal 2-4 ml \u2013 gr\u00f6\u00dfere Schilddr\u00fcsenreste bergen ein erh\u00f6htes Rezidivrisiko!) oder total entfernt. F\u00fcr die OP ist ein station\u00e4rer Aufenthalt von 2-5 Tagen erforderlich. Nach der subtotalen bzw. der totalen Schilddr\u00fcsenentfernung ist grunds\u00e4tzlich eine lebenslange Hormonsubstitution mit Schilddr\u00fcsenhormon erforderlich, um eine Unterfunktion zu vermeiden.<\/p>\n<p>Vorteil der OP ist, da\u00df die \u00dcberfunktion damit rasch, sicher und ohne l\u00e4ngere Wartezeit beseitigt werden kann. Die Wirkung tritt unmittelbar postoperativ ein, Thyreostatika k\u00f6nnen sofort nach der OP abgesetzt werden. Das Rezidivrisiko ist bei der subtotalen und der totalen Strumaresektion sehr gering (0 \u2013 2 %). Mit der notwendigen Hormonsubstitution kann unmittelbar nach der OP und ann\u00e4hernd mit der voraussichtlich notwendigen Erhaltungsdosis begonnen werden.<\/p>\n<p>Nachteil der OP ist, da\u00df es ein invasiver Eingriff ist, f\u00fcr den eine Vollnarkose notwendig ist und der nat\u00fcrlich auch mit gewissen Risiken einhergeht. Neben dem allgemeinen Narkoserisiko (&lt;0,1 %) besteht bei der OP das Risiko einer Nachblutung (ca. 5 %), einer Recurrensparese (Verletzung des Stimmbandnerves und daraus folgender ein- oder beidseitiger Stimmbandl\u00e4hmung; 1-3 %) sowie das Risiko der versehentlichen Verletzung oder Entfernung der an der Hinterseite der Schilddr\u00fcse liegenden Nebenschilddr\u00fcsen und daraus folgendem Hypoparathyreoidismus (Unterfunktion der Nebenschilddr\u00fcsen; ca. 1-2 %). Ein kosmetischer Nachteil ist die sichtbare Narbe am Hals, wobei die Narbe normalerweise zu einem kaum sichtbaren Strich am Hals verheilt (Komplikation kann eine wulstige Narbenbildung sein).<\/p>\n<p>Bei der OP wird ein 3-4 cm langer Hautschnitt etwa in H\u00f6he der Drosselgrube gemacht und die Schilddr\u00fcsenlappen nach sorgf\u00e4ltiger Freilegung der rechts und links jeweils verlaufenden Stimmbandnerven und unter Schonung der Nebenschilddr\u00fcsen herausoperiert. Die OP-Wunde wird (je nach Chirurg) geklammert, geklebt oder mit F\u00e4den (selbstaufl\u00f6send oder auch nicht) wieder verschlossen. Dabei wird in der Regel ein d\u00fcnner Drainageschlauch in die Wunde gelegt, um Wundwasser und Blut ablaufen zu lassen (was Schwellungen und Bluterg\u00fcsse vermindert). Der Drainageschlauch wird in der Regel bereits am Tag nach der OP wieder entfernt. Die F\u00e4den (sofern nicht-selbstaufl\u00f6sendes Nahtmaterial verwendet wurde) werden in der Regel nach etwa 7-10 Tagen gezogen.<\/p>\n<p>Auch nach einer Schilddr\u00fcsen-OP ist eine gewissenhafte Nachsorge sehr wichtig. Noch in der Klinik sollten nach der OP unbedingt die Calcium- und Phospatwerte im Blut bestimmt werden, um einen postoperativen Hypoparathyreoidismus auszuschlie\u00dfen (im Falle, da\u00df ein solche festgestellt w\u00fcrde, w\u00e4re eine Behandlung mit Calcium- und Vitamin D3-Pr\u00e4peraten erforderlich).<\/p>\n<p>Mit der Hormonsubstitution kann unmittelbar nach der OP begonnen werden \u2013 sp\u00e4testens bei Entlassung aus der Klinik sollte dem Betroffenen ein entsprechendes Schilddr\u00fcsenhormonpr\u00e4perat verordnet werden. Als Standardanfangsdosis gelten 100 \u00b5g L-Thyroxin; je nach K\u00f6rpergewicht kann diese Anfangsdosis jedoch auch h\u00f6her (seltener niedriger) gew\u00e4hlt werden. Man rechnet mit einer Erhaltungsdosis von ca. 2 \u00b5g pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht\/Tag.<\/p>\n<p>Nach Beginn der Schilddr\u00fcsenhormoneinnahme sollte die erste Wertekontrolle nach 4-6 Wochen erfolgen und dann jeweils 4-6 Wochen nach einer Dosis\u00e4nderung, um die Dosis individuell und bedarfsgerecht auf den Betroffenen anzupassen. Kontrolliert werden sollten unbedingt TSH, fT3 und fT4. Ziel sollte ein TSH im unteren Normbereich sein (0,3 \u2013 1), die fT-Werte sollten im mittleren bis oberen Normbereich liegen.<\/p>\n<p>Wenn eine gute Einstellung und gutes Befinden erreicht ist, k\u00f6nnen die Kontrollabst\u00e4nde auch weiter ausgedehnt werden, erst auf 3, dann auf 6 Monate. Der Betroffene sollte seine Schilddr\u00fcsenwerte lebenslang mindestens 1 bis 2 mal pro Jahr pr\u00fcfen lassen. Eine Ultraschallkontrolle ist ca. 6-12 Wochen nach der OP und danach 1 x j\u00e4hrlich ratsam.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10118\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/SDG-Tipp.png\" alt=\"Schilddr\u00fcse SDG-Tipp Leseempfehlung\" width=\"112\" height=\"48\" \/><\/p>\n<p><strong>Morbus Basedow<\/strong> \u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/morbus-basedow\/\">Morbus Basedow<\/a>\u00a0\u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/warnhinweis-rote-hand-brief-bzgl-der-wirkstoffe-carbimazol-oder-thiamazol\/\">Warnhinweis: Rote-Hand-Brief bzgl. der Wirkstoffe Carbimazol oder Thiamazol<\/a> \u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/morbus-basedow-tipps-fuer-die-zeit-der-thyreostatischen-therapie\/\">Tipps f\u00fcr die Zeit der thyreostatischen Therapie<\/a><\/p>\n<p>\u2192 Spezial: Behandlung der <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/spezial-behandlung-der-endokrinen-orbitopathie-augenbeteiligung-beim-morbus-basedow\/\"><strong>Endokrinen Orbitopathie (Augenbeteiligung)<\/strong><\/a> beim Morbus Basedow<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Dieser Artikel wurde zuletzt am 24. Januar 2024 aktualisiert.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/navigationsseite\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-12600 size-full\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Navigationsseite.png\" alt=\"\" width=\"702\" height=\"61\" srcset=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Navigationsseite.png 702w, https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Navigationsseite-300x26.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 702px) 100vw, 702px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausf\u00fchrliche Darstellung des Krankheitsbildes Morbus Basedow. 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