{"id":556,"date":"2024-01-15T15:00:24","date_gmt":"2024-01-15T14:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=556"},"modified":"2025-09-17T13:42:49","modified_gmt":"2025-09-17T11:42:49","slug":"schilddruesenerkrankungen-im-alter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruesenerkrankungen-im-alter\/","title":{"rendered":"Schilddr\u00fcsenerkrankungen im Alter: H\u00e4ufig unerkannt und oft untersch\u00e4tzt"},"content":{"rendered":"<p>Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko f\u00fcr eine Erkrankung der Schilddr\u00fcse deutlich \u2013 trotzdem wird sie bei \u00e4lteren Menschen h\u00e4ufig \u00fcbersehen. Beschwerden wie M\u00fcdigkeit, Antriebslosigkeit, Verstopfung, Vergesslichkeit oder Traurigkeit gelten oft als \u201enormale Alterserscheinungen\u201c, Altersdepression oder gar als Vorstufe einer Demenz. Dabei k\u00f6nnten sie auch Anzeichen einer beginnenden Schilddr\u00fcsenfehlfunktion sein.<!--more--><\/p>\n<h2>Warum Schilddr\u00fcsenerkrankungen im Alter oft \u00fcbersehen werden<\/h2>\n<p>Insbesondere bei Seniorinnen und Senioren zeigt sich ein atypisches oder unauff\u00e4lliges Beschwerdebild. Viele Betroffene klagen nicht \u00fcber klassische Symptome, sondern \u00fcber sehr allgemeine Beschwerden, die leicht fehlinterpretiert werden. Die Folge: Die Diagnose wird h\u00e4ufig zu sp\u00e4t oder gar nicht gestellt.<\/p>\n<p>Erschwerend kommt hinzu, dass auch in der \u00e4rztlichen Praxis lange dar\u00fcber diskutiert wurde (und teilweise noch wird), ob eine leicht ver\u00e4nderte Schilddr\u00fcsenfunktion \u2013 zum Beispiel eine sogenannte latente Hypothyreose \u2013 im h\u00f6heren Lebensalter \u00fcberhaupt behandelt werden sollte.<\/p>\n<h2>Schilddr\u00fcsenerkrankungen sind im Alter weit verbreitet<\/h2>\n<p>Statistisch gesehen ist jeder zweite Mensch \u00fcber 65 Jahren von einer krankhaften Ver\u00e4nderung der Schilddr\u00fcse betroffen \u2013 oft ohne es zu wissen.<\/p>\n<p>Drei Fakten zur H\u00e4ufigkeit:<\/p>\n<ul>\n<li>Schilddr\u00fcsenunterfunktionen treten im Alter etwa dreimal so h\u00e4ufig auf wie \u00dcberfunktionen.<\/li>\n<li>Die Zahl der unentdeckten F\u00e4lle steigt mit dem Alter \u2013 vor allem bei Frauen.<\/li>\n<li>Viele \u00e4ltere PatientInnen werden erst im Rahmen anderer Untersuchungen (z.\u202fB. bei Herzerkrankungen oder kognitivem Abbau) auf ihre Schilddr\u00fcse hin untersucht.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Typische Schilddr\u00fcsenerkrankungen im h\u00f6heren Lebensalter<\/h2>\n<h3>Schilddr\u00fcsenunterfunktion (Hypothyreose)<\/h3>\n<p>Die h\u00e4ufigste Schilddr\u00fcsenerkrankung im Alter ist die Hypothyreose, also ein Mangel an Schilddr\u00fcsenhormonen. Als h\u00e4ufigste Ursache gilt die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, die sich meist schleichend entwickelt. Aber auch jodmangelbedingte Schilddr\u00fcsenvergr\u00f6\u00dferungen oder Knoten k\u00f6nnen zur Unterfunktion f\u00fchren.<\/p>\n<p>Typische Symptome:<\/p>\n<ul>\n<li>M\u00fcdigkeit, Antriebslosigkeit<\/li>\n<li>Gewichtszunahme trotz vermindertem Appetit<\/li>\n<li>Verstopfung<\/li>\n<li>Frieren<\/li>\n<li>Vergesslichkeit oder Konzentrationsprobleme<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion (Hyperthyreose)<\/h3>\n<p>Im h\u00f6heren Alter ist die h\u00e4ufigste Ursache einer \u00dcberfunktion die sogenannte autonome Adenome oder \u201ehei\u00dfe Knoten\u201c. Diese k\u00f6nnen durch jahrelangen Jodmangel entstehen und beginnen im Alter, unkontrolliert Hormone zu produzieren \u2013 unabh\u00e4ngig von der Steuerung durch das Gehirn.<\/p>\n<p>Risikofaktor: Die Gabe von jodhaltigen Medikamenten oder Kontrastmitteln bei CT\/MRT-Untersuchungen kann eine \u00dcberfunktion ausl\u00f6sen oder verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Symptome, die leicht \u00fcbersehen werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Unruhe, Nervosit\u00e4t<\/li>\n<li>Schlafst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Herzrhythmusst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Muskelschw\u00e4che<\/li>\n<li>Gewichtsabnahme trotz normalem Essverhalten<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Besondere Risiken bei der Behandlung \u00e4lterer Schilddr\u00fcsenpatientInnen<\/h2>\n<p>Die Schilddr\u00fcsentherapie bei \u00e4lteren Menschen unterscheidet sich grundlegend von der bei J\u00fcngeren \u2013 vor allem, weil oft weitere Erkrankungen (Multimorbidit\u00e4t) vorliegen, z.\u202fB.:<\/p>\n<ul>\n<li>Herzerkrankungen<\/li>\n<li>Osteoporose<\/li>\n<li>Diabetes<\/li>\n<li>Nierenschw\u00e4che<\/li>\n<\/ul>\n<h3>&#x26a0;&#xfe0f; Schilddr\u00fcse &amp; Herz<\/h3>\n<p>Eine falsche oder zu hohe Dosierung von Schilddr\u00fcsenhormonen kann ernste Nebenwirkungen verursachen:<\/p>\n<p>Bei Unterfunktion: Gefahr von Arteriosklerose, erh\u00f6htem LDL-Cholesterin, M\u00fcdigkeit, Bradykardie<\/p>\n<p>Bei \u00dcberfunktion: Risiko f\u00fcr Herzrhythmusst\u00f6rungen, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz<\/p>\n<h3>&#x26a0;&#xfe0f; Schilddr\u00fcse &amp; Knochen<\/h3>\n<p>Schilddr\u00fcsenhormone beeinflussen auch den Knochenstoffwechsel:<\/p>\n<p>Bei \u00dcberfunktion: Erh\u00f6hter Knochenabbau \u2192 Risiko f\u00fcr Osteoporose<\/p>\n<p>Bei Unterfunktion: Verlangsamter Knochenumbau \u2192 m\u00f6gliche Knochenschw\u00e4che<\/p>\n<p>Gerade bei \u00e4lteren Frauen mit bestehender Osteoporose muss eine Hormonersatztherapie deshalb besonders vorsichtig und individuell dosiert werden.<\/p>\n<h2>Wann ist eine Schilddr\u00fcsendiagnostik im Alter sinnvoll?<\/h2>\n<p>Bei folgenden Beschwerden oder Ver\u00e4nderungen sollte die Schilddr\u00fcsenfunktion unbedingt \u00fcberpr\u00fcft werden:<\/p>\n<ul style=\"margin-top: 10px;\">\n<li>Pl\u00f6tzliche M\u00fcdigkeit, Abgeschlagenheit<\/li>\n<li>Unklarer Gewichtsverlust oder -zunahme<\/li>\n<li>Kognitive Ver\u00e4nderungen (Konzentration, Ged\u00e4chtnis)<\/li>\n<li>Herzrhythmusst\u00f6rungen ohne erkennbare Ursache<\/li>\n<li>Neu aufgetretene depressive Verstimmungen<\/li>\n<li>K\u00e4lteempfindlichkeit oder inneres Zittern<\/li>\n<\/ul>\n<p>Empfohlen werden folgende Werte:<\/p>\n<ul>\n<li>TSH<\/li>\n<li>fT3 und fT4<\/li>\n<li>TPO-Antik\u00f6rper<\/li>\n<li>Ultraschall der Schilddr\u00fcse<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: Im Alter an die Schilddr\u00fcse denken!\u00a0Schilddr\u00fcsenerkrankungen sind kein seltenes Altersph\u00e4nomen, sondern h\u00e4ufig \u2013 und oft die Ursache f\u00fcr scheinbar \u201ealtersbedingte\u201c Beschwerden. Eine fr\u00fchzeitige Diagnose und individuell abgestimmte Behandlung kann nicht nur die Lebensqualit\u00e4t verbessern, sondern auch schwerwiegende Folgeerkrankungen verhindern.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Letzte Aktualisierung: 17. September 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko f\u00fcr eine Erkrankung der Schilddr\u00fcse deutlich \u2013 trotzdem wird sie bei \u00e4lteren Menschen h\u00e4ufig \u00fcbersehen. Beschwerden wie M\u00fcdigkeit, Antriebslosigkeit, Verstopfung, Vergesslichkeit oder Traurigkeit gelten oft als \u201enormale Alterserscheinungen\u201c, Altersdepression oder gar als Vorstufe einer Demenz. 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