{"id":440,"date":"2009-10-20T10:54:07","date_gmt":"2009-10-20T08:54:07","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=440"},"modified":"2024-01-22T09:58:14","modified_gmt":"2024-01-22T08:58:14","slug":"probleme-im-arzt-patienten-verhaeltnis-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/probleme-im-arzt-patienten-verhaeltnis-verstehen\/","title":{"rendered":"Probleme im Arzt-Patienten-Verh\u00e4ltnis verstehen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Blick in einschl\u00e4gige Internetforen gen\u00fcgt und es wird deutlich, dass die Unzufriedenheit der Hashimoto-Patienten mit ihren behandelnden \u00c4rzten ein erschreckendes Ausma\u00df angenommen hat. Aber warum ist das eigentlich so?<!--more--><\/p>\n<h3>Langer Leidensweg bis zur Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis<\/h3>\n<p>Schilddr\u00fcsenerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis werden oft erst sehr sp\u00e4t, nach jahrelangem und h\u00e4ufig zerm\u00fcrbendem Leidensweg mit unz\u00e4hligen Fehldiagnosen, erkannt. Daf\u00fcr gibt es unz\u00e4hlige Gr\u00fcnde. Besonders in der Anfangsphase sind die Symptome noch unspezifisch und wenig beeintr\u00e4chtigend. Zyklusunregelm\u00e4\u00dfigkeiten werden vorschnell als Befindlichkeitsst\u00f6rungen abgetan, trockene Haut und Haarausfall als kosmetische Probleme angesehen und f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Nervosit\u00e4t wird die aktuell stressige Lebenssituation verantwortlich gemacht. Bei der Vielzahl an m\u00f6glichen Symptomen f\u00e4llt es auch oft schwer die Komplexit\u00e4t der Erkrankung zu erkennen und einer einzigen Ursache zuzuordnen. Wegen der Zyklusunregelm\u00e4\u00dfigkeiten wird der Gyn\u00e4kologe aufgesucht, bei Haarproblemen wendet man sich an Friseur, bez\u00fcglich der Magen-Darmbeschwerden geht man zum Hausarzt und die zunehmende Nervosit\u00e4t behandelt man selbst mit freiverk\u00e4uflichen Beruhigungsmitteln. Viele der durch eine Schilddr\u00fcsenerkrankung verursachten Beschwerden (\u00dcbelkeit, Gewichtsschwankungen, Durchfall oder Verstopfung) sind au\u00dferdem uncharakteristisch und besonders wenn nur wenige Krankheitssymptome vorhanden sind, k\u00f6nnen sie leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden.<\/p>\n<h3>Psychische Fehldiagnosen sind keine Seltenheit<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/spezial-schilddruese-und-psyche\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4664 aligncenter\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Banner_Schilddruese_und_Psyche.png\" alt=\"\" width=\"468\" height=\"110\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und gerade die m\u00f6glichen psychischen Auswirkungen von Schilddr\u00fcsenerkrankungen (Nervosit\u00e4t, M\u00fcdigkeit, Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, Schlafst\u00f6rungen) f\u00fchren durch ihre Verwechselbarkeit mit psychischen Erkrankungen zu Fehldiagnosen wie Depression oder Angstst\u00f6rung. Au\u00dferdem kommt hinzu, dass das medizinische Wissen \u00fcber die Hashimoto-Thyreoiditis nur sehr unzureichend ist. An den Universit\u00e4ten wird sie als Hauptursache einer erworbenen Schilddr\u00fcsenunterfunktion kurz erw\u00e4hnt und genauso wie in den meisten Fachb\u00fcchern wird dann nur noch darauf verwiesen, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Da ist es kein Wunder, dass die Hashimoto-Thyreoiditis bei der Mehrzahl der \u00c4rzte f\u00e4lschlicherweise als weitgehend belanglose Erkrankung gilt. <!--more--><\/p>\n<h3>Kaum Alternativen zur Schilddr\u00fcsenhormontherapie<\/h3>\n<p>Die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis zu erhalten hei\u00dft noch lange nicht auch eine gute Behandlung zu bekommen. In einer Zeit, in der \u00c4rzte zunehmend zwischen Patientenwohl und Wirtschaftlichkeit ihrer Praxis abw\u00e4gen m\u00fcssen, wird oft nur noch das N\u00f6tigste gemacht. Schilddr\u00fcsenhormon- und Antik\u00f6rperbestimmungen belasten das Budget, so dass die Zeitr\u00e4ume zwischen einzelnen Kontrolluntersuchungen verl\u00e4ngert und wenn \u00fcberhaupt nur wenige Werte untersucht werden. Und f\u00fcr ausf\u00fchrliche Gespr\u00e4che, um Patientenfragen zu beantworten und einen individuell angemessenen Behandlungsplan zu erstellen, bleibt oftmals keine Zeit. Ein derartiges Verhalten der \u00c4rzte l\u00f6st bei vielen unzufriedenen Patienten das Bed\u00fcrfnis aus sich selbst zu informieren und sich anschlie\u00dfend auch selbst zu helfen. Neuere Medien, insbesondere das Internet bieten dazu hervorragende M\u00f6glichkeiten. Gleichwohl gibt es \u00c4rzte, die den informierten Patienten, der Verantwortung f\u00fcr seine Gesundheit \u00fcbernimmt, als Querulanten betrachten, der ihre eigene Expertenmacht gef\u00e4hrdet. In \u00e4lteren Lehrb\u00fcchern wird die Behandlung der Schilddr\u00fcsenunterfunktion zudem als besonders dankbare Aufgabe f\u00fcr den Arzt dargestellt, da sie angeblich einfach und nebenwirkungsfrei zu behandeln ist und es schnell zu durchgreifenden Verbesserungen beim Patienten kommt. Patienten, die mit einer vermeintlich harmlosen Hashimoto-Thyreoiditis in eine Arztpraxis kommen und trotz laborchemisch guter Einstellung \u00fcber anhaltende gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen klagen, laufen Gefahr als psychisch krank eingestuft zu werden. Denn einem Patienten nicht helfen k\u00f6nnen, empfinden \u00c4rzte oftmals als Niederlage. Aber anstatt sich selbst Vers\u00e4umnisse einzugestehen und die Grenzen der eigenen Handlungsf\u00e4higkeit zu erkennen, werden solche Problemf\u00e4lle der Psychoecke zugeordnet. Der Arzt schiebt die Verantwortung von sich, indem er dem Patienten eine Mitschuld an seiner Erkrankung einredet. Anscheinend ist \u00c4rzten nicht bewusst, dass sie einem Patienten durch dieses Verhalten noch zus\u00e4tzliches Leid zuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Andererseits &#8211; Kein Arzt kann bei dem rasanten medizinischen Fortschritt sowie der ungeheuren Anzahl von unterschiedlichsten Krankheiten und Behandlungsmethoden bei jeder Krankheit auf dem jeweils neuesten Stand der Wissenschaft sein. Das Problem entsteht, wenn der Arzt einerseits die uneingeschr\u00e4nkte Anerkennung seiner medizinischen Fachkompetenz durch den Patienten erwartet und andererseits die Krankheitssymptome, \u00c4ngste und \u00dcberlegungen seiner vielleicht hervorragend informierten Patienten selbst nur wenig ernst nimmt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Handlungsspielraum des Arztes eng begrenzt ist. Denn die Ursache der Hashimoto-Thyreoiditis ist derzeit schulmedizinisch nicht behandelbar. Selbst der beste Schilddr\u00fcsenspezialist kann diese Krankheit nicht heilen. Es kann lediglich der bei fortgeschrittener Erkrankung bestehende Mangel an Schilddr\u00fcsenhormonen durch die lebenslange Zufuhr synthetisch hergestellter Schilddr\u00fcsenhormone ausgeglichen werden. Wenn es dem Patienten trotz individueller Einstellung mit Schilddr\u00fcsenhormonen nicht gut geht hat der Arzt kaum dar\u00fcber hinausgehende M\u00f6glichkeiten. Das ein oder andere Krankheitssymptom l\u00e4sst sich lindern, aber wenn der Patient auch dadurch keine zufriedenstellende Lebensqualit\u00e4t erreicht, ist der Arzt machtlos. Es kommt zu einer f\u00fcr beide Seiten unbefriedigenden Situation.<\/p>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11805 alignleft\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Hashimoto-eBook-PsychischeAspekte.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"159\" \/>Nicole Wobker &#8222;<a href=\"https:\/\/amzn.to\/3si6Jt5\">Psychische Aspekte der Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis<\/a> &#8220; (Amazon-Partnerlink)<\/p>\n<p>Die Hashimoto-Thyreoiditis ist keine psychische Erkrankung. Und doch f\u00fchren weit verbreitete Beschwerden wie innere Unruhe, Unsicherheit, Selbstzweifel, Schlafst\u00f6rungen und Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde gerade im Anfangsstadium der Autoimmunerkrankung h\u00e4ufig zu entsprechenden Fehldiagnosen ( Angstst\u00f6rung, Burnout, Depression).<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Blick in einschl\u00e4gige Internetforen gen\u00fcgt und es wird deutlich, dass die Unzufriedenheit der Hashimoto-Patienten mit ihren behandelnden \u00c4rzten ein erschreckendes Ausma\u00df angenommen hat. 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