{"id":3585,"date":"2017-10-16T16:26:28","date_gmt":"2017-10-16T14:26:28","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=3585"},"modified":"2025-08-05T08:23:16","modified_gmt":"2025-08-05T06:23:16","slug":"schilddruesenunterfunktion-bei-aelteren-werte-zunaechst-kontrollieren-und-nicht-immer-behandeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruesenunterfunktion-bei-aelteren-werte-zunaechst-kontrollieren-und-nicht-immer-behandeln\/","title":{"rendered":"Schilddr\u00fcsenunterfunktion bei \u00c4lteren: Werte zun\u00e4chst kontrollieren und nicht immer behandeln"},"content":{"rendered":"<p><strong>Menschen \u00fcber 65 Jahre haben einen h\u00f6heren TSH-Wert als j\u00fcngere Menschen. Das bedeutet nicht, dass auch eine behandlungsbed\u00fcrftige Schilddr\u00fcsenunterfunktion vorliegt.<\/strong><\/p>\n<p>Symptome wie K\u00e4lteempfindlichkeit, M\u00fcdigkeit oder depressive Verstimmungen k\u00f6nnen auf eine Unterfunktion der Schilddr\u00fcse hinweisen. Bei \u00fcber 65-J\u00e4hrigen ist der TSH-Wert, der anzeigt, ob eine Schilddr\u00fcsenfunktionsst\u00f6rung vorliegt, allerdings altersbedingt h\u00f6her als bei J\u00fcngeren. H\u00f6her hei\u00dft nicht unbedingt, dass die Unterfunktion behandelt werden muss. Auch kann es zu einer spontanen Normalisierung der TSH-Werte kommen, und die Leitlinien empfehlen hier deshalb ein sehr zur\u00fcckhaltendes Vorgehen. Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie (DGE) anl\u00e4sslich der im New England Journal of Medicine ver\u00f6ffentlichten \u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schweizer-forschungsprojekt-trust\/\">TRUST-Studie<\/a> hin.<!--more--><\/p>\n<p>In der Schilddr\u00fcse werden die zwei zentralen Hormone, das Thyroxin (T4) und das Triiodthyronin (T3) gebildet, die den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und das Wachstum beeinflussen. Reguliert wird das Organ \u00fcber die Hirnanhangdr\u00fcse, deren thyreo-stimulierendes Hormon (TSH) Jodaufnahme und Hormonproduktion in der Schilddr\u00fcse anregt. F\u00fcr Erwachsene gilt ein TSH-Referenzbereich von etwa 0,4 bis 4,0 mU\/l. \u201eErh\u00f6hte TSH-Werte sind h\u00e4ufig. Wenn sie oberhalb des definierten Laborreferenzbereiches liegen, interpretieren Mediziner sie oft automatisch als Schilddr\u00fcsenfunktionsst\u00f6rung und ordnen sie als latente oder subklinische Schilddr\u00fcsenunterfunktion ein\u201c, sagt Professor Dr. Dr. med. Dagmar F\u00fchrer, Mitglied im Beirat der DGE-Sektion Schilddr\u00fcse. Doch nicht immer steckt dahinter ein krankhafter Befund: \u201eVor allem bei \u00e4lteren Menschen, bei denen der TSH-Wert aufgrund des Lebensalters ohnehin erh\u00f6ht ist, bei denen die Symptome variabel sind und oft auch Begleiterkrankungen vorliegen, muss der behandelnde Arzt bei der Interpretation der Laborwerte den Faktor Alter mit einbeziehen\u201c, so F\u00fchrer, die die Klinik f\u00fcr Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universit\u00e4tsklinikum Essen leitet.<\/p>\n<p>Welchen Einfluss das Lebensalter auf den Behandlungsnutzen einer Schilddr\u00fcsenhormonsubstitution bei \u00c4lteren hat, untersuchten Forscher in einer gro\u00dfen, \u00fcber f\u00fcnf Jahre laufenden Studie, die im Juni 2017 im New England Journal of Medicine ver\u00f6ffentlicht wurde. An der TRUST-Studie nahmen insgesamt 737 \u00fcber 65-J\u00e4hrige teil, bei denen ein TSH-Wert zwischen 4,60 und 19,99 mU\/l vorlag. Eine H\u00e4lfte der Gruppe erhielt zur Hormonsubstitution den Wirkstoff Levothyroxin, die andere H\u00e4lfte ein Placebo. Nach einem Jahr Therapie wurden keine Verbesserungen von Lebensqualit\u00e4t und M\u00fcdigkeitsempfinden beobachtet. Die Autoren der TRUST-Studie kamen zu dem Schluss, dass \u00e4ltere Menschen von einer medikament\u00f6sen Behandlung mit Levothyroxin nicht profitieren, denn am Befinden der Patienten \u00e4nderte sich nichts. \u201eAus diesen Ergebnissen jedoch neue Empfehlungen abzuleiten, w\u00e4re falsch\u201c, erkl\u00e4rt F\u00fchrer.<\/p>\n<p>Eine differenzierte Analyse der Studie zeige seit Langem bekannte Regelsysteme der Schilddr\u00fcsenhormone. \u201e60 Prozent der Studienpopulation mit TSH-Erh\u00f6hung \u2013 das waren 2647 Personen \u2013 hatten bei einer Wiederholungsuntersuchung zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt normale Schilddr\u00fcsenwerte\u201c, so die Expertin. Leicht erh\u00f6hte TSH-Werte bis 7 mU\/l normalisierten sich h\u00e4ufig spontan. Das zeigten auch fr\u00fchere Untersuchungen. F\u00fcr den klinischen Alltag bedeute das: Ein gering erh\u00f6hter TSH-Wert m\u00fcsse erst einmal best\u00e4tigt werden. Das hei\u00dft, er sollte nach zwei bis drei Monaten kontrolliert werden; erst danach ist eine weitere Abkl\u00e4rung auf eine urs\u00e4chliche Schilddr\u00fcsenerkrankung angezeigt. Wenn der TSH-Wert bei &gt; 10 mU\/l liegt, bestehe ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Fettstoffwechselst\u00f6rungen, kardiovaskul\u00e4re Ereignisse und eine beeintr\u00e4chtigte Lebensqualit\u00e4t. Eine pragmatische Empfehlung sei deshalb, bei \u00e4lteren Patienten, die an anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck, \u00dcbergewicht, einer koronaren Herzkrankheit oder Diabetes leiden, ab diesem Wert eine Schilddr\u00fcsenhormonsubstitution zu starten. \u201eDer zu erzielende Wert sollte altersbezogen eingestellt werden; also bei \u00e4lteren Patienten durchaus auf TSH-Konzentrationen von 4 bis 6 mU\/l\u201c, so F\u00fchrer. \u201eDie Teilnehmer der TRUST-Studie hatten \u00fcbrigens im Mittel \u2013 vor Therapiebeginn \u2013 TSH-Werte um 6,4 mU\/l. Das d\u00fcrfte miterkl\u00e4ren, warum kein Behandlungsbenefit eintrat\u201c, erg\u00e4nzt die Expertin aus Essen. An den geltenden \u2013 auch leitliniengem\u00e4\u00dfen \u2013 Diagnostik- und Therapieempfehlungen \u00e4ndern die TRUST-Ergebnisse nichts. Sie best\u00e4tigen sie eher.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news682831\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">idw-online.de<\/a> (<span style=\"color: #ff0000;\">Link gepr\u00fcft am 14.09.23<\/span>)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10118\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/SDG-Tipp.png\" alt=\"Schilddr\u00fcse SDG-Tipp Leseempfehlung\" width=\"112\" height=\"48\" \/><br \/>\n\u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/tag\/trust\/\">Schweizer Forschungsprojekt &#8222;Trust&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschen \u00fcber 65 Jahre haben einen h\u00f6heren TSH-Wert als j\u00fcngere Menschen. Das bedeutet nicht, dass auch eine behandlungsbed\u00fcrftige Schilddr\u00fcsenunterfunktion vorliegt. 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