{"id":3122,"date":"2016-11-01T17:22:34","date_gmt":"2016-11-01T16:22:34","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=3122"},"modified":"2025-08-05T08:26:48","modified_gmt":"2025-08-05T06:26:48","slug":"weltweit-erstmalig-lebendspende-transplantation-einer-isolierten-nebenschilddruese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/weltweit-erstmalig-lebendspende-transplantation-einer-isolierten-nebenschilddruese\/","title":{"rendered":"Weltweit erstmalig: Lebendspende-Transplantation einer isolierten Nebenschilddr\u00fcse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Team um Professor Dr. Ayman Agha unter der Leitung von Professor Dr. Hans-J\u00fcrgen Schlitt am Universit\u00e4tsklinikum Regensburg (UKR) entwickelte einen neuen chirurgischen Therapieansatz, mit dem eine dauerhafte Unterfunktion der Nebenschilddr\u00fcse behandelt werden kann. Drei Jahre nach dem Eingriff ziehen die Mediziner Bilanz.<\/strong><\/p>\n<p>Am 18. Juni 2013 hat das chirurgische Team des Universit\u00e4tsklinikums Regensburg (UKR) weltweit erstmals eine isolierte Nebenschilddr\u00fcse eines lebenden Fremdspenders transplantiert. In einer Fallstudie wurde dieser bislang nach wie vor einzigartige Eingriff nun publiziert. <!--more--><\/p>\n<p>Professor Dr. Ayman Agha, damals Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Chirurgie des UKR und heute als Chefarzt der Klinik f\u00fcr Allgemein-, Viszeral-, Endokrine und Minimalinvasive Chirurgie des Klinikums Bogenhausen in M\u00fcnchen t\u00e4tig, zieht sein Fazit: \u201eDie Lebendspende-Autotransplantation von Nebenschilddr\u00fcsengewebe stellt f\u00fcr Patienten mit einer dauerhaften Nebenschilddr\u00fcsenunterfunktion einen guten chirurgischen Therapieansatz dar; insbesondere dann, wenn kein eigenes Nebenschilddr\u00fcsengewebe zur Autotransplantation vorliegt, die konservativen Ma\u00dfnahmen versagen und der Patient bereit ist, sich einer Langzeit-Immunsuppressionstherapie zu unterziehen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Keine Therapie spricht an \u2013 die Suche nach einem neuen Weg beginnt<\/strong><\/p>\n<p>Professor Agha behandelte in seiner Zeit im UKR eine damals 32-j\u00e4hrige Patientin mit chronischer Hypokalz\u00e4mie (Kalziummangel). Aufgrund eines papill\u00e4ren Schilddr\u00fcsenkarzinoms war die Patientin einige Jahre zuvor operiert worden, wobei die Nebenschilddr\u00fcsen besch\u00e4digt wurden. Die Nebenschilddr\u00fcsen bilden das Parathormon, das zusammen mit Kalzitonin, welches in der Schilddr\u00fcse gebildet wird, und dem Vitamin-D Hormon f\u00fcr das Kalziumgleichgewicht im K\u00f6rper verantwortlich ist.<\/p>\n<p>In den Jahren nach der Entnahme der Nebenschilddr\u00fcsen kam es bei der Patientin zu wiederholten generalisierten Krampfanf\u00e4llen mit lebensbedrohlichen Krampfattacken. Wie bei einigen anderen Betroffenen auch wurden diese zun\u00e4chst f\u00e4lschlicherweise als Epilepsie eingestuft und behandelt. Konservative Therapieans\u00e4tze, bei denen zur Behandlung der Hypokalz\u00e4mie beispielsweise Kalzium und Vitamin D gegeben werden, sprachen nicht oder mit nur geringem Erfolg an.<\/p>\n<p>Wenn konservative Behandlungsma\u00dfnahmen versagen, sind die chirurgischen Alternativen bei einer Nebenschilddr\u00fcsenunterfunktion sehr eingeschr\u00e4nkt: nur die Autotransplantation von eigenem, in K\u00e4lte konserviertem Nebenschilddr\u00fcsengewebe ist etabliert und erfolgsversprechend. Die Transplantation von Nebenschilddr\u00fcsengewebe eines verstorbenen fremden Organspenders wurde zwar \u00f6fter versucht, ist aber nur in ganz wenigen Einzelf\u00e4llen erfolgreich gewesen.<\/p>\n<p>Da auch diese chirurgischen Therapieverfahren bei der Patientin nicht m\u00f6glich waren, wurde in einer interdisziplin\u00e4ren Fallkonferenz \u00fcber alternative, neue Wege beraten. \u201eWir konzipierten ein Verfahren, um Nebenschilddr\u00fcsengewebe eines lebenden Fremdspenders zu transplantieren. Das war zuvor nicht gemacht worden, schien uns aber als einziger Weg der Heilung\u201c, f\u00fchrt Professor Dr. Hans J\u00fcrgen Schlitt, Direktor der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Chirurgie des UKR, aus. Nach Pr\u00fcfung der Gewebeeigenschaften stellte sich der Bruder der Patientin als geeigneter Spender heraus.<\/p>\n<p>Das Vorhaben wurde als Forschungsprojekt entwickelt und von der Fakult\u00e4t f\u00fcr Medizin der Universit\u00e4t Regensburg unterst\u00fctzt. Nach der Zustimmung der Ethikkommision der Universit\u00e4t Regensburg, der Lebendspendekommission und der klinischen Fallvorstellung erfolgte weltweit erstmals die Transplantation von Nebenschilddr\u00fcsengewebe eines Lebendspenders. Durch einen 2,5 cm gro\u00dfen Schnitt am Hals wurden dem Spender zwei gesunde Nebenschilddr\u00fcsen entfernt. Diese wurden der Empf\u00e4ngerin durch einen kleinen Schnitt am Unterarm reimplantiert. Die Reimplantation am Unterarm ist deutlich risiko\u00e4rmer als am urspr\u00fcnglichen Ort \u201eHals\u201c. \u201eEs gab weder w\u00e4hrend noch nach der Operation Komplikationen bei Spender und Empf\u00e4ngerin\u201c, so Professor Agha. Nach dem Eingriff erhielt die Empf\u00e4ngerin \u2013 wie nach Transplantationen \u00fcblich \u2013 Immunsuppressiva. Diese unterdr\u00fccken das Immunsystem des Organempf\u00e4ngers so weit, dass der K\u00f6rper gegen das Transplantat keine Abwehrreaktion entwickelt und es somit nicht abst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Die Transplantation verlief f\u00fcr Spender und Empf\u00e4ngerin gut. Schon drei Wochen nach der Transplantation stiegen bei der Empf\u00e4ngerin der Parathormonspiegel sowie der Kalziumspiegel deutlich an. Ab diesem Zeitpunkt konnte auf die zus\u00e4tzliche Gabe von Kalzium und Vitamin D verzichtet werden. Der Spender wurde bereits zwei Tage nach der Operation mit normalem Kalzium- und Parathormonspiegel entlassen. Auch der Langzeitverlauf beim Spender ist mit den zwei verbliebenen Nebenschilddr\u00fcsen hinsichtlich Kalzium-und Parathormon unauff\u00e4llig.<\/p>\n<p><strong>Drei Jahre sp\u00e4ter \u2013 Wie geht es der Patientin heute?<\/strong><\/p>\n<p>Auch drei Jahre nach der Transplantation ben\u00f6tigt die Patientin keine zus\u00e4tzliche Gabe von Kalzium oder Vitamin D mehr. Bei den regelm\u00e4\u00dfigen Kontrollen des Kalzium- und Parathormonspiegels liegen die Werte im Normbereich. Auch die Symptome einer Hypokalz\u00e4mie sind seit der Operation nicht mehr aufgetreten. Die Patientin erh\u00e4lt nach wie vor immunsuppressive Medikamente, allerdings in sehr geringen Dosen. Die engmaschige Nachsorge und Anpassung der Immunsuppresion wird im Universit\u00e4tsklinikum Regensburg gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p>\u201eAm Universit\u00e4tsklinikum Regensburg ist uns mit der Transplantation einer Nebenschilddr\u00fcse etwas gelungen, was vielen Patienten Hoffnung machen kann. Nun gilt es das Verfahren weiterzuentwickeln und aus der Forschung heraus zu standardisieren\u201c, so Professor Agha.<\/p>\n<p>Quelle: ukr.de (<span style=\"color: #ff0000;\">defekter Link wurde am 13.09.23 entfernt<\/span>)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10118\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/SDG-Tipp.png\" alt=\"Schilddr\u00fcse SDG-Tipp Leseempfehlung\" width=\"112\" height=\"48\" \/><\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/spezial-schilddruesenoperation\/\">Spezial: operative Eingriffe an der Schilddr\u00fcse (Schilddr\u00fcsenoperation)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Team um Professor Dr. Ayman Agha unter der Leitung von Professor Dr. Hans-J\u00fcrgen Schlitt am Universit\u00e4tsklinikum Regensburg (UKR) entwickelte einen neuen chirurgischen Therapieansatz, mit dem eine dauerhafte Unterfunktion der Nebenschilddr\u00fcse behandelt werden kann. 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