{"id":3118,"date":"2016-10-27T20:08:03","date_gmt":"2016-10-27T18:08:03","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=3118"},"modified":"2025-08-05T08:27:06","modified_gmt":"2025-08-05T06:27:06","slug":"neuer-blick-auf-erkrankungen-der-schilddruese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/neuer-blick-auf-erkrankungen-der-schilddruese\/","title":{"rendered":"Neuer Blick auf Erkrankungen der Schilddr\u00fcse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erkrankungen der Schilddr\u00fcse sind weit verbreitet. Bei rund einem Drittel der Erwachsenen in Deutschland ist die Schilddr\u00fcsenfunktion gest\u00f6rt. In einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft erforschen Wissenschaftlerinnen der Jacobs University, wie eine gesunde Schilddr\u00fcse arbeitet. Ihre Erkenntnisse k\u00f6nnten helfen, Diagnostik und Therapie von Schilddr\u00fcsenerkrankungen zu ver\u00e4ndern.<\/strong><\/p>\n<p>Das kleine Organ mit der Form eines Schmetterlings hat es in sich. Eine Schilddr\u00fcse, die zu viel oder zu wenig Hormon aussch\u00fcttet, kann verschiedenste gesundheitliche Probleme ausl\u00f6sen: Zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen, Osteoporose, krankhaftes \u00dcbergewicht oder Immunerkrankungen. Auch bei Depressionen kann das Organ eine Rolle spielen. <!--more-->\u201eWie wichtig eine gesunde Schilddr\u00fcse ist, wei\u00df man seit mehr als 100 Jahren. Umso erstaunlicher ist es, dass man einiges \u00fcber die Funktionsweise dieses Organs und ihr Zusammenspiel mit anderen Organen bislang noch nicht wei\u00df\u201c, sagt Klaudia Brix, Professorin f\u00fcr Zellbiologie an der Jacobs University. Sie und ihr Team hoffen nun, einen Teil dieser Wissensl\u00fccken zu schlie\u00dfen. \u201eThyroid Trans Act\u201c hei\u00dft das Schwerpunktprogramm, das von Klaudia Brix an der Jacobs University, Prof. Dr. Heike Biebermann an der Charit\u00e9 in Berlin und Prof. Dr. Dr. Dagmar F\u00fchrer am Universit\u00e4tsklinikum Essen koordiniert wird. Insgesamt 18 Forschungsinstitute sind Deutschland-weit daran beteiligt.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eWir kommen aus ganz unterschiedlichen Forschungseinrichtungen, aber wir haben dasselbe Ziel: Wir wollen besser verstehen, wie die Schilddr\u00fcse funktioniert. Das verbindet uns\u201c, sagt Vaishnavi Venugopalan, eine der jungen Wissenschaftlerinnen aus dem Projektteam der Jacobs University. \u201eDie Zusammenarbeit mit den anderen Forschungseinrichtungen ist wirklich gut, erg\u00e4nzt ihre Kollegin Maren Rehders. \u201eEs ist ein sehr offener, kollegialer Austausch ohne Konkurrenzdenken.\u201c<\/p>\n<p>Wie auch andere Forschungsteams an der Jacobs University bilden auch die Schilddr\u00fcsen-Forscherinnen eine internationale Gemeinschaft: Vaishnavi Venugopalan stammt aus Indien, Maren Rehders und Klaudia Brix aus Deutschland, ihre Kolleginnen Maria Qatato und Joanna Szumska aus Pal\u00e4stina und Polen. Ein interkulturelles Team in einer interdisziplin\u00e4ren Forschungsgemeinschaft, die sich komplexen Fragen widmet. \u201eEs ist spannend, in einem solchen Umfeld an einem Thema zu forschen, das f\u00fcr so viele Menschen Bedeutung hat\u201c, sagt Maria Qatato.<\/p>\n<p>Besonderes Augenmerk richten die Forscherinnen auf die sogenannten Hormontransportmolek\u00fcle. \u201eLange Zeit glaubte man, dass Schilddr\u00fcsen-Hormone einfach aus der Blutbahn in die Zellen einzelner Organe gelangen\u201c erkl\u00e4rt Klaudia Brix. Mittlerweile wissen wir, dass der Aufnahmeweg in die Zellen wesentlich komplexer ist. Denn in der Zellmembran befinden sich Transportproteine. Sie sorgen daf\u00fcr, dass die Hormone in die jeweilige Zielzelle hineingelangen oder aus den Schilddr\u00fcsenzellen heraus ins Blut gelangen k\u00f6nnen. Sind die Transportproteine in ihrer Funktion gest\u00f6rt, hat das erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit.\u201c<\/p>\n<p>Diese etwa f\u00fcnfzehn Jahre alte Erkenntnis habe zu einem neuen wissenschaftlichen Interesse an der Schilddr\u00fcse gef\u00fchrt. \u201eWichtig ist eben nicht nur die Frage, wieviel Hormon die Schilddr\u00fcse produziert, sondern auch, wie die Hormone am Zielort, also von den Zellen des jeweiligen Organs, aufgenommen werden. Unser Ansatz ist es deshalb, die Schilddr\u00fcse nicht isoliert zu betrachten, sondern auch die Zellfunktionen besser kennenzulernen, die mit Schilddr\u00fcsenhormonen zu tun haben.\u201c<br \/>\nWie komplex die Wechselwirkungen zwischen der Schilddr\u00fcse und dem Stoffwechsel des K\u00f6rpers sind, zeigt sich auch am Beispiel der Thyronamine. Hierbei handelt es sich um Molek\u00fcle, die sich von klassischen Schilddr\u00fcsenhormonen ableiten. Sie entstehen, sobald die Hormone bestimmten biochemischen Prozessen unterliegen und dabei abgewandelt werden. Die Abk\u00f6mmlinge, die aus diesem Prozess hervorgehen, haben in den menschlichen Organen auch entgegengesetzte Wirkungen zu den klassischen Schilddr\u00fcsenhormonen. So kann ein Hormon, das f\u00fcr erh\u00f6hten Blutdruck sorgt, unter Umst\u00e4nden seinen Gegenspieler in einem blutdrucksenkenden Thyronamin haben. Brix spricht von einem fein regulierten Gleichgewicht. \u201eWie bei einer Waage.\u201c<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr Menschen, bei denen dieses Gleichgewicht nicht mehr besteht? Die Forscherinnen an der Jacobs University sind zuversichtlich, dass die Entdeckung der Thyronamine den Grundstein f\u00fcr das bessere Verst\u00e4ndnis einiger Stoffwechselwege legen kann. Doch sie wissen auch um die komplexen Zusammenh\u00e4nge. \u201eBevor wir an neue Medikamente denken, m\u00fcssen wir die Konzentration und genaue Beschaffenheit der Thyronamine im K\u00f6rper noch besser verstehen\u201c, sagt Klaudia Brix. \u201eWir sind \u00fcberzeugt: Je besser uns das gelingt, desto gezielter kann Menschen bei Schilddr\u00fcsenerkrankungen geholfen werden. Diese Aussicht spornt uns an.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news662123\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">idw-online.de<\/a> (<span style=\"color: #ff0000;\">Link gepr\u00fcft am 13.09.23<\/span>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erkrankungen der Schilddr\u00fcse sind weit verbreitet. Bei rund einem Drittel der Erwachsenen in Deutschland ist die Schilddr\u00fcsenfunktion gest\u00f6rt. In einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft erforschen Wissenschaftlerinnen der Jacobs University, wie eine gesunde Schilddr\u00fcse arbeitet. 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