{"id":2949,"date":"2016-06-08T16:08:51","date_gmt":"2016-06-08T14:08:51","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=2949"},"modified":"2025-08-05T08:34:33","modified_gmt":"2025-08-05T06:34:33","slug":"jodtabletten-debatte-in-nrw-endokrinologen-raten-jod-nur-nach-behoerdlicher-anordnung-einzunehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/jodtabletten-debatte-in-nrw-endokrinologen-raten-jod-nur-nach-behoerdlicher-anordnung-einzunehmen\/","title":{"rendered":"Jodtabletten-Debatte in NRW: Endokrinologen raten, Jod nur nach beh\u00f6rdlicher Anordnung einzunehmen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wenn bei einer Reaktorkatastrophe radioaktives Jod freigesetzt worden ist, bieten Jodtabletten einen gewissen Schutz. Denn hochdosiertes Jod in Form von Kaliumjodid-Tabletten blockiert die Schilddr\u00fcse und reduziert damit das Risiko f\u00fcr Schilddr\u00fcsenkrebs.<\/strong> Dosierung und Zeitpunkt der Einnahme m\u00fcssen aber exakt nach Vorgaben der Beh\u00f6rden erfolgen. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie (DGE) r\u00e4t anl\u00e4sslich der Jodtabletten-Debatte in Nordrhein-Westfalen von einer \u201evorsorglichen\u201c Eigenmedikation dringend ab. <!--more--><\/p>\n<p>Zu hohe Joddosen schadeten der Gesundheit. Die handels\u00fcblichen Jodtabletten seien andererseits zu gering dosiert und reichten nicht zur \u201eJodblockade\u201c, so die Hormonexperten. Die Bev\u00f6lkerung solle sich auf die beh\u00f6rdlichen Angaben zu Anlass, Zeitpunkt und Dosierung verlassen.<\/p>\n<p>Ende Mai berichteten zahlreiche Medien, dass Nordrhein-Westfalen vorsorglich Jodtabletten f\u00fcr alle Schwangeren und Minderj\u00e4hrigen im Land kaufen werde. Sie sollen bei einem Reaktorunfall an diese zum Schutz vor Strahlensch\u00e4den der Schilddr\u00fcse verteilt werden. Hintergrund der Ma\u00dfnahme sind die grenznah gelegenen belgischen Atomkraftwerken Tihange und Doel, die als st\u00f6ranf\u00e4llig gelten. Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie (DGE) bekr\u00e4ftigt, dass die Einnahme von Kaliumjodid-Tabletten das vermehrte Auftreten von Schilddr\u00fcsenkrebs verhindert: \u201eNach dem Reaktorungl\u00fcck im ukrainischen Tschernobyl vor 30 Jahren gaben die Beh\u00f6rden in Polen sofort Jodtabletten an Kinder aus. Im Unterschied zur Ukraine und zu Wei\u00dfrussland stieg dort die Zahl der Schilddr\u00fcsenkarzinome bei Kindern und Jugendlichen nicht an.\u201c<\/p>\n<p>Radioaktives Jod wird bei einem Reaktorunfall freigesetzt. Es hat die gleichen chemischen und biologischen Eigenschaften wie das in der Nahrung vorkommende nat\u00fcrliche Jod und wird daher wie normales Jod in der Schilddr\u00fcse gespeichert. \u201eDiese konzentrierte Speicherung in der Schilddr\u00fcse unterscheidet Jod von anderen Stoffen\u201c, so Professor Schatz. \u201eDurch die Einnahme von extrem hochdosierten Jodtabletten wird die Aufnahme des freigesetzten radioaktiven Jods in der Schilddr\u00fcse blockiert.\u201c<\/p>\n<p>Die WHO empfiehlt 130 Milligramm als Einmalgabe ein bis zwei Tage vor Eintreffen der radioaktiven Wolke. Drei Stunden sp\u00e4ter sind die Tabletten nur noch zu 50 Prozent wirksam, zehn Stunden sp\u00e4ter gar nicht mehr. Noch sp\u00e4ter kann die Einnahme sogar schaden, da dann das durch die Atmung schon aufgenommene radioaktive Jod langsamer ausgeschieden wird.<\/p>\n<p>Jodpr\u00e4parate, die als Schilddr\u00fcsensupplemente f\u00fcr Schilddr\u00fcsenerkrankungen oder f\u00fcr Schwangere angeboten werden, sind f\u00fcr den Einsatz nach einem St\u00f6rfall v\u00f6llig ungeeignet, da sie um einige Zehnerpotenzen niedriger dosiert sind: Sie enthalten 100 bis 200 Mikrogramm und haben auch nicht die unten aufgef\u00fchrten Nebenwirkungen. Der H\u00f6chstwert f\u00fcr die Jodzufuhr betrage in Deutschland 500 Mikrogramm pro Tag, so der Endokrinologe Schatz.<\/p>\n<p>Professor Dr. med. Matthias Weber, DGE-Mediensprecher von der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz warnt vor den Folgen eines unbedachten Umgangs mit den hochdosierten Kaliumjodid-Tabletten: \u201eJod in diesen extrem hohen Dosen kann zu St\u00f6rungen der Schilddr\u00fcsenfunktion wie zum Beispiel einer \u00dcberfunktion der Schilddr\u00fcse, einer Hyperthyreose, mit Herzrasen, Schwei\u00dfausbr\u00fcchen, Gewichtsverlust und Bluthochdruck f\u00fchren.\u201c Auch ein Morbus Basedow oder eine chronische Schilddr\u00fcsenentz\u00fcndung (Hashimoto-Thyreoiditis) k\u00f6nnten die Folge sein. DGE-Mediensprecher Weber fasst den Appell der Fachgesellschaft zusammen: \u201eNiemand sollte zum Schutz vor m\u00f6glichen Reaktorunf\u00e4llen eigenst\u00e4ndig hochdosierte Jodpr\u00e4parate einnehmen. Wenn eine Reaktorunfall eingetreten ist, werden die Beh\u00f6rden unverz\u00fcglich die entsprechenden Informationen und Empfehlungen zur Einnahme von Jodtabletten bekannt geben.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news653986\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">idw-online.de<\/a> (<span style=\"color: #ff0000;\">Link gepr\u00fcft am 13.09.23<\/span>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn bei einer Reaktorkatastrophe radioaktives Jod freigesetzt worden ist, bieten Jodtabletten einen gewissen Schutz. Denn hochdosiertes Jod in Form von Kaliumjodid-Tabletten blockiert die Schilddr\u00fcse und reduziert damit das Risiko f\u00fcr Schilddr\u00fcsenkrebs. Dosierung und Zeitpunkt der Einnahme m\u00fcssen aber exakt nach Vorgaben der Beh\u00f6rden erfolgen. 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