{"id":15376,"date":"2025-04-23T08:00:47","date_gmt":"2025-04-23T06:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=15376"},"modified":"2025-08-05T07:56:57","modified_gmt":"2025-08-05T05:56:57","slug":"experte-kritisiert-studie-zur-schilddruesendiagnostik-medizinisch-nicht-nachvollziehbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/experte-kritisiert-studie-zur-schilddruesendiagnostik-medizinisch-nicht-nachvollziehbar\/","title":{"rendered":"Experte kritisiert Studie zur Schilddr\u00fcsendiagnostik: \u201eMedizinisch nicht nachvollziehbar\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen hatte ich auf folgende Pressemitteilung \u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/ueberversorgung-im-deutschen-gesundheitssystem-unangemessene-medizinische-leistungen-identifiziert\/\">\u00dcberversorgung im deutschen Gesundheitssystem: unangemessene medizinische Leistungen identifiziert <\/a>der TU Berlin verwiesen. Da war ich offenbar nicht die Einzige, die sich dar\u00fcber ge\u00e4rgert hat. Im Nachgang gab es u.a. das nachfolgende Statement von Markus Wolters (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e.V.).<!--more--><\/p>\n<p>Eine aktuelle Studie der TU Berlin hat im Gesundheitswesen f\u00fcr Diskussionen gesorgt. Sie legt nahe, dass es im ambulanten Bereich bei TSH-Messungen zur Schilddr\u00fcsenfunktion eine \u201e\u00dcberversorgung\u201c gebe. Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Orth, Chefarzt des Instituts f\u00fcr Laboratoriumsmedizin am Marienhospital Stuttgart, \u00e4u\u00dferte sich im Exklusivinterview mit MedLabPortal (https:\/\/medlabportal.de) kritisch zu den Ergebnissen und deren Interpretation. Der Facharzt f\u00fcr Laboratoriumsmedizin, Medizinhygiene und H\u00e4mostaseologie sieht sowohl methodische Schw\u00e4chen als auch medizinische Fehleinsch\u00e4tzungen in der Untersuchung.<\/p>\n<p>Die Studie st\u00fctzt sich auf Abrechnungsdaten der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung, um die medizinische Plausibilit\u00e4t von Schilddr\u00fcsenuntersuchungen zu bewerten. Orth betont jedoch, dass solche Daten nur bedingt Aussagekraft haben. \u201eDie Symptome von Schilddr\u00fcsenst\u00f6rungen sind vielf\u00e4ltig, und eine TSH-Bestimmung ist ressourcenschonend. Bei normalem Befund wird ein Ausschluss oft nicht per ICD-Code dokumentiert\u201c, erkl\u00e4rt er. Die Schlussfolgerung der Autoren, dass Hormonbestimmungen wie fT4 bei bestimmten Diagnosen unn\u00f6tig oder sch\u00e4dlich seien, h\u00e4lt er f\u00fcr fragw\u00fcrdig. Besonders die Bewertung der subklinischen Hypothyreose \u2013 eine latente Unterfunktion \u2013 sieht Orth kritisch: \u201eDie Diagnosekriterien sind hier nicht eindeutig. Patienten d\u00fcrfen nicht von weiterer Diagnostik ausgeschlossen werden, nur weil ein Schaden suggeriert wird.\u201c<\/p>\n<p>Die S2K-Leitlinie der DEGAM\/AWMF empfiehlt bei verd\u00e4chtiger Anamnese die Bestimmung von fT4 zus\u00e4tzlich zum TSH-Wert. Orth verteidigt diese Vorgabe: \u201eDie Leitlinie ist korrekt, versucht aber, verschiedene Ans\u00e4tze zu vereinen, ohne alle Details abzudecken.\u201c Ein generelles Screening bei symptomfreien Personen werde nicht empfohlen, doch bei Verdacht auf St\u00f6rungen sei die schrittweise Diagnostik unerl\u00e4sslich.<br \/>\nEin Praxisproblem schildert Orth anhand eines typischen Falls: Allgemeinmediziner bestimmen oft nur den TSH-Wert, um Plausibilit\u00e4tspr\u00fcfungen zu entgehen, und \u00fcberweisen bei Auff\u00e4lligkeiten an Nuklearmediziner. \u201eDas verz\u00f6gert die Diagnose erheblich, verursacht Mehrkosten und unn\u00f6tige Arztbesuche\u201c, so Orth. Er pl\u00e4diert f\u00fcr eine automatisierte Stufendiagnostik, wie sie auch die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung vorschl\u00e4gt. Die Kosten f\u00fcr TSH (2,03 Euro) und fT4 (3,15 Euro) seien ohnehin gering und w\u00fcrden im Budget der Kassen nicht direkt einsparen, da es sich um umverteiltes Geld handle.<\/p>\n<p>Die Studie klassifiziere Schilddr\u00fcsenuntersuchungen als \u201elow value care\u201c \u2013 eine Kategorie f\u00fcr potenziell sch\u00e4dliche Ma\u00dfnahmen. Orth widerspricht: \u201eDas ist irref\u00fchrend. Im Gegensatz zu wirklich sch\u00e4dlichen Untersuchungen, wie bei Choosing Wisely gelistet, ist die Schilddr\u00fcsendiagnostik n\u00fctzlich und kosteneffizient.\u201c Er kritisiert zudem die rein \u00f6konomische Perspektive der Krankenkassen und schl\u00e4gt vor, den sogenannten Wirtschaftlichkeitsbonus, den \u00c4rzte f\u00fcr das Unterlassen von Laborleistungen erhalten, stattdessen in leitliniengerechte Diagnostik zu investieren.<\/p>\n<p>Patientinnen und Patienten mit unklaren Symptomen r\u00e4t Orth, auf die Empfehlung der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung zu verweisen: \u201eFordern Sie eine TSH-Bestimmung und bei Auff\u00e4lligkeiten automatisch fT4 und gegebenenfalls fT3.\u201c Damit k\u00f6nne eine schnelle und sinnvolle Diagnose gesichert werden.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news849144\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">idw-online.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen hatte ich auf folgende Pressemitteilung \u2192 \u00dcberversorgung im deutschen Gesundheitssystem: unangemessene medizinische Leistungen identifiziert der TU Berlin verwiesen. 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