{"id":15126,"date":"2024-04-04T10:19:15","date_gmt":"2024-04-04T08:19:15","guid":{"rendered":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=15126"},"modified":"2025-08-05T07:59:42","modified_gmt":"2025-08-05T05:59:42","slug":"gutartig-oder-gefaehrlich-sonografische-abklaerung-statt-invasiver-eingriffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/gutartig-oder-gefaehrlich-sonografische-abklaerung-statt-invasiver-eingriffe\/","title":{"rendered":"Gutartig oder gef\u00e4hrlich? Sonografische Abkl\u00e4rung statt invasiver Eingriffe"},"content":{"rendered":"<p>Schilddr\u00fcsenerkrankungen geh\u00f6ren zu den Volkskrankheiten: Neben Funktionsst\u00f6rungen der schmetterlingsf\u00f6rmigen Hormondr\u00fcse, die rund jeden dritten Erwachsenen betreffen (1), sind auch Knotenbildungen ausgesprochen h\u00e4ufig. Sie lassen sich bei mehr als der H\u00e4lfte aller Erwachsenen nachweisen (2). Um schnell diagnostische Sicherheit zu erlangen, ist eine Untersuchung mit hochaufl\u00f6sendem Ultraschall unverzichtbar. Wie die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) mitteilt, gilt dies sowohl f\u00fcr die erste optische Beurteilung der Knoten als auch f\u00fcr eine Punktion, die unter Ultraschallkontrolle zielgerichteter und sicherer erfolgen kann.<!--more--><\/p>\n<p>Ob sie bei einer Sonografie der Halsschlagadern entdeckt werden, durch Tastbefund oder durch einen Vorsorge-Ultraschall \u2013 knotige Ver\u00e4nderungen der Schilddr\u00fcse sind oft Zufallsbefunde, die beschwerdefreie Menschen wie aus heiterem Himmel treffen. Sofort steht die Angst vor einer Krebserkrankung im Raum. \u201eEine aktuelle Studie (2) zeigt jedoch, dass der Anteil maligner Knoten mit 1,1 Prozent sehr niedrig ist\u201c, sagen Professor Dr. med. Peter Jecker, Chefarzt der Klinik f\u00fcr Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Plastische Kopf-Hals-Chirurgie am Klinikum Bad Salzungen GmbH und Vorstandsmitglied der DEGUM. Denn mit der Zahl der Schilddr\u00fcsenuntersuchungen und deren zunehmender Sensitivit\u00e4t sei \u00fcber die Jahre vor allem der Anteil harmloser Befunde deutlich angestiegen.<\/p>\n<p><strong>In Deutschland wird viel zu h\u00e4ufig operiert<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch tut eine rasche Abkl\u00e4rung Not \u2013 und dies m\u00f6glichst wenig invasiv, betont auch der leitende Oberarzt Dr. med. MUDr. Ji\u0159\u00ed Podzimek, MBA. \u201eMittlerweile gibt es eine gut etablierte Stufendiagnostik f\u00fcr Schilddr\u00fcsenknoten, mit der das Krebsrisiko sehr gut abgesch\u00e4tzt werden kann\u201c, sagt er. Ziel dieses Vorgehens ist es, die Zahl der Schilddr\u00fcsenoperationen k\u00fcnftig zu senken. Denn im europ\u00e4ischen Vergleich wird hierzulande zu viel operiert: Mit 70 Schilddr\u00fcsenoperationen pro 100.000 Einwohner liegt Deutschland deutlich \u00fcber dem europ\u00e4ischen Durchschnitt von 47 pro 100.000 (3). Dass man hier reduzieren kann und sollte, zeigt auch eine andere Zahl: Nur bei einer von 15 Operationen best\u00e4tigt sich hierzulande der Krebsverdacht \u2013 das hei\u00dft, 14 dieser Operationen stellen sich im Nachgang als unn\u00f6tig heraus (4). In Skandinavien dagegen liegt dieses Verh\u00e4ltnis bei 1 zu 5.<\/p>\n<p>Das wichtigste Standbein der nicht-invasiven Diagnostik ist der Ultraschall. Mithilfe moderner, hochaufl\u00f6sender Ultraschallger\u00e4te kann nicht nur die Gr\u00f6\u00dfe des Knotens in allen Raumrichtungen genau bestimmt werden, sondern auch seine innere Struktur und die Art seiner Begrenzung zum umgebenden Gewebe. Wichtige Hinweise f\u00fcr die Absch\u00e4tzung des Krebsrisikos gibt auch die ebenfalls per Ultraschall ermittelte Elastizit\u00e4t des Knotens. \u201eNeuere Erkenntnisse deuten zudem darauf hin, dass die Fusion der Ultraschallbildgebung mit einer funktionellen Bildgebung per PET oder SPECT die Genauigkeit der Risikoabsch\u00e4tzung noch steigert\u201c, berichtet Podzimek. F\u00fcr eine Forschungsarbeit zu diesem Thema, die PD Dr. med. Philipp Seifert im Rahmen seiner Habilitation am Jenaer Universit\u00e4tsklinikum anfertigte, hat die DEGUM im Herbst ihren Wissenschaftspreis vergeben.<\/p>\n<div style=\"background-color: #f8f9fa; border: 2px solid #6c757d; padding: 20px; border-radius: 0; color: #343a40; font-family: Arial, sans-serif;\">\n<h3 style=\"margin-top: 0;\">Wissensbaustein Schilddr\u00fcsenknoten<\/h3>\n<p>Schilddr\u00fcsenknoten sind meist gutartige Ver\u00e4nderungen in der Schilddr\u00fcse, die jedoch nicht immer harmlos sind. Es ist wichtig, auf Warnsignale zu achten und regelm\u00e4\u00dfig Kontrolluntersuchungen durchf\u00fchren zu lassen, um m\u00f6gliche Risiken fr\u00fchzeitig zu erkennen.\u00a0Auf der zentralen Seite &#8222;<strong>Was tun bei Schilddr\u00fcsenknoten?<\/strong>&#8220; finden Sie alles Wichtige rund um die Diagnose, Behandlung und Therapie von Schilddr\u00fcsenknoten.<\/p>\n<p><a style=\"display: inline-block; background-color: #28a745; color: white; padding: 10px 20px; border-radius: 5px; text-decoration: none; font-weight: bold; text-align: center;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/schilddruesenknoten\/\">Mehr erfahren<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Richtige Vorgehensweise wird zu selten eingehalten<\/strong><\/p>\n<p>Flankiert werden sollten die sonografischen Untersuchungen bei Auff\u00e4lligkeiten von einer Messung des Calcitonin-Spiegels im Blut \u2013 denn auch erh\u00f6hte Werte dieses Hormons k\u00f6nnen auf b\u00f6sartige Ver\u00e4nderungen an der Schilddr\u00fcse hindeuten. \u201eWenn sich bei diesen Untersuchungen auff\u00e4llige Befunde ergeben, sollte eine Feinnadelbiopsie vorgenommen werden\u201c, so Podzimek. Wenn sich in dieser Gewebeprobe Hinweise auf Krebszellen finden, sollte umgehend operiert werden. Dieser Pfad wird in Deutschland jedoch oft nicht eingehalten, wie Krankenkassendaten zeigen. In einer einige Jahre zur\u00fcckliegenden Analyse wurde vor der Operation eines Schilddr\u00fcsenknotens nur bei 9 Prozent der Patientinnen und Patienten der Calcitonin-Spiegel gemessen; bei lediglich 21 Prozent wurde eine Feinnadelbiopsie vorgenommen (4). Diese Werte m\u00fcssen nach Ansicht der DEGUM dringend gesteigert werden, um die Zahl unn\u00f6tiger Schilddr\u00fcsenoperationen samt der sie begleitenden Risiken wie Hormonst\u00f6rungen und Stimmbandl\u00e4hmungen zu verringern.<\/p>\n<p><strong>Millimetergenaue Punktion in der N\u00e4he von Blutgef\u00e4\u00dfen m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n<p>Dem hochaufl\u00f6senden Ultraschall kommt dabei auch nach den initialen Untersuchungsschritten noch eine wichtige Funktion zu \u2013 sei es zur regelm\u00e4\u00dfigen Kontrolle von zun\u00e4chst als unverd\u00e4chtig eingestuften Knoten, oder zur Unterst\u00fctzung einer Feinnadelbiopsie bei m\u00f6glicherweise malignen Ver\u00e4nderungen. Im Ultraschall zeichnet sich nicht nur der Knoten als Zielgebiet deutlich ab, sondern auch benachbarte Arterien, die m\u00f6glichst nicht verletzt werden sollten. \u201eZumindest kleine, nicht tastbare Knoten sollten deshalb unbedingt unter Ultraschallkontrolle punktiert werden\u201c, sagt Jecker. Aber auch gr\u00f6\u00dfere Knoten lie\u00dfen sich unter Sicht wesentlich genauer und sicherer ansteuern, was letztlich auch die Aussagekraft der Biopsie steigere. Auch in diesem Bereich gibt es zudem Neuentwicklungen, die derzeit evaluiert werden. So soll die Anwendung von magnetisierten Nadeln und einem ultraschallbasierten Nadelerkennungssystem es erlauben, den Stichkanal im Gewebe vorherzusagen \u2013 und bei Bedarf millimetergenau anzupassen. Auch diese Technik hat Seifert im Rahmen seiner pr\u00e4mierten Habilitationsarbeit am Jenaer Klinikum untersucht. Dort konnten selbst kleine und nahe an Blutgef\u00e4\u00dfen liegende Knoten ohne Komplikationen punktiert werden. \u201eArbeiten wie diese stimmen zuversichtlich\u201c, so DEGUM-Experte Jecker, \u201edass die ohnehin schon sehr gute Schilddr\u00fcsendiagnostik in naher Zukunft noch an Vorhersagekraft und Sicherheit gewinnen wird.\u201c<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<ol>\n<li>Durante C, Grani G, Lamartina L, Filetti S, Mandel SJ, Cooper DS. The Diagnosis and Management of Thyroid Nodules: A Review. JAMA. 2018 Mar 6;319(9): 914-924.<\/li>\n<li>Grussendorf M et al.: Malignancy rates in thyroid nodules: a long-term cohort study of 17.592 patients, 2022 European Thyroid Journal, Article ID: e220027<\/li>\n<li>M\u00f8llehave LT et al.: Register-based information on thyroid diseases in Europe: lessons and results from the EUthyroid collaboration. Endocr Connect. 2022;11(3): e21052<\/li>\n<li>Wienhold R et al.: Versorgung bei Schilddr\u00fcsenknoten, Deutsches \u00c4rzteblatt 2013: 110(49), S. 827<\/li>\n<\/ol>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news830972\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">idw-online.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schilddr\u00fcsenerkrankungen geh\u00f6ren zu den Volkskrankheiten: Neben Funktionsst\u00f6rungen der schmetterlingsf\u00f6rmigen Hormondr\u00fcse, die rund jeden dritten Erwachsenen betreffen (1), sind auch Knotenbildungen ausgesprochen h\u00e4ufig. Sie lassen sich bei mehr als der H\u00e4lfte aller Erwachsenen nachweisen (2). Um schnell diagnostische Sicherheit zu erlangen, ist eine Untersuchung mit hochaufl\u00f6sendem Ultraschall unverzichtbar. Wie die Deutsche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_metis_text_type":"standard","_metis_text_length":6849,"_post_count":0,"footnotes":""},"categories":[21,10],"tags":[1651,829,1664,144,147,56,338,1663],"class_list":["post-15126","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schilddruesenknoten","category-schilddruesenkrebs","tag-calcitonin","tag-feinnadelbiopsie","tag-schildddruesenoperation","tag-schilddruese","tag-schilddruesenknoten","tag-schilddruesenkrebs","tag-schilddruesensonografie","tag-ultraschalldiagnostik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15126"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15126\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}