{"id":1117,"date":"2015-05-13T15:59:39","date_gmt":"2015-05-13T13:59:39","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=1117"},"modified":"2025-10-21T10:37:17","modified_gmt":"2025-10-21T08:37:17","slug":"medizingeschichte-schilddruese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/medizingeschichte-schilddruese\/","title":{"rendered":"Medizingeschichte Schilddr\u00fcse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wann wurde die Hashimoto-Thyreoiditis entdeckt? Wer hat die erste Radioiodtherapie durchgef\u00fchrt? \u2026 spannende Fragen auf die Sie hier eine Antwort finden!<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte der Schilddr\u00fcse ist ein faszinierender Spiegel medizinischer Irrt\u00fcmer, Fortschritte und Erkenntnisse. Bereits im Alten \u00c4gypten um 1500\u202fv.\u202fChr. wurde gegen Kropf unter\u00e4gyptisches Salz empfohlen. Auch in der Antike und im Mittelalter wurden Schilddr\u00fcsenvergr\u00f6\u00dferungen beobachtet und mit Algen, Meerschwamm oder Salz behandelt \u2013 lange vor der Entdeckung von Jod.\u00a0Mit der Renaissance begann die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Anatomie. Vesalius und Eustachius beschrieben die Schilddr\u00fcsenlappen und ihre Verbindung durch den Isthmus. Thomas Wharton benannte das Organ im 17. Jh. als Glandula thyreoidea. Erste Operationen erfolgten im 18. Jh., zun\u00e4chst mit hoher Sterblichkeit.\u00a0Die Entdeckung des Jods (1811) durch Courtois und seine therapeutische Anwendung durch Coindet (1820) war ein Meilenstein. Graves (1835) und Basedow (1840) beschrieben unabh\u00e4ngig voneinander die Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion mit Exophthalmus. Emil Theodor Kocher, Vater der modernen Schilddr\u00fcsenchirurgie, senkte im 19. Jh. die Operationssterblichkeit drastisch und erhielt daf\u00fcr 1909 den Nobelpreis.\u00a0Im 19. und fr\u00fchen 20. Jh. wuchs das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Hypo- und Hyperthyreosen. Schiff und Murray begr\u00fcndeten die Hormonersatztherapie mit tierischen Schilddr\u00fcsenextrakten. 1912 beschrieb Hakaru Hashimoto erstmals die Autoimmunthyreoiditis \u2013 heute als Hashimoto-Thyreoiditis bekannt.\u00a0Das 20. Jh. brachte entscheidende Fortschritte in der Hormonchemie: Synthese von Thyroxin (1927), Entdeckung von T3 (1952), TRH (1969), TSH-Tests und die Einf\u00fchrung synthetischer Hormone. Die Radioiodtherapie wurde 1942 etabliert und bildet bis heute eine wichtige Behandlungss\u00e4ule bei Hyperthyreose und Schilddr\u00fcsenkrebs.\u00a0Ab den 1920er-Jahren begannen Ma\u00dfnahmen zur Iodprophylaxe (zuerst in der Schweiz, dann USA und Deutschland). Ab den 1980er-Jahren setzten sich Jodierung und Aufkl\u00e4rung in gro\u00dfem Stil durch. Auch minimalinvasive Techniken wie die Mikrowellenablation (ab 2012) sind inzwischen Teil der Behandlung.<\/p>\n<nav id=\"inhaltsverzeichnis-geschichte\"><strong>Inhaltsverzeichnis: Geschichte der Schilddr\u00fcsenmedizin<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"#bis-1000\">Bis ca. 1000 n.\u202fChr. \u2013 Erste Beobachtungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#1000-1500\">1000 \u2013 1500 \u2013 Naturbeobachtung &amp; Volksmedizin<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#1500-1600\">1500 \u2013 1600 \u2013 Anatomie &amp; erste Einblicke<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#1600-1700\">1600 \u2013 1700 \u2013 Von der Struktur zur Funktion<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#1700-1800\">1700 \u2013 1800 \u2013 Chirurgie &amp; Beobachtung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#1800-1900\">1800 \u2013 1900 \u2013 Entdeckungen, Irrt\u00fcmer &amp; Nobelpreise<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#1900-2000\">1900 \u2013 2000 \u2013 Hormonzeitalter &amp; moderne Diagnostik<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/nav>\n<p><!--more--><\/p>\n<div style=\"border: 1px solid #ddd; border-radius: 10px; padding: 15px; max-width: 500px; margin: 20px auto; background-color: #fefefe; font-family: Arial, sans-serif; font-size: 14px;\"><strong style=\"font-size: 14px; color: #333;\">Hashimoto-Thyreoiditis? Dieser aktuelle Patientenratgeber fasst zusammen, was M\u00e4dchen &amp; Frauen nach der Diagnose wissen m\u00fcssen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-top: 8px; color: #555; line-height: 1.5;\">Viele Betroffene f\u00fchlen sich jahrelang unverstanden. Das E-Book <em>\u201e<span style=\"color: #008000;\">Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis bei M\u00e4dchen und Frauen<\/span>\u201c<\/em> bringt Klarheit \u2013 mit verst\u00e4ndlichen Erkl\u00e4rungen und hilfreichen Alltagstipps.<\/p>\n<p style=\"font-style: italic; color: #666; font-size: 12px; margin-top: 6px;\"><span style=\"color: #008000;\">\u201eH\u00e4tte ich das fr\u00fcher gelesen, w\u00e4ren mir viele Zweifel erspart geblieben.\u201c \u2013 Carola (51)<\/span><\/p>\n<p><a style=\"display: inline-block; background-color: #28a745; color: white; padding: 6px 12px; border-radius: 5px; font-weight: bold; font-size: 13px; text-decoration: none; margin-top: 10px;\" href=\"https:\/\/amzn.to\/3GWSXTS\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jetzt das E-Book ansehen*<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p style=\"font-size: 10px; color: #999; margin-top: 6px;\">Hinweise: *Amazon-Partnerlink \u2013 beim Kauf erhalte ich eine kleine Provision, ohne Mehrkosten f\u00fcr Sie. 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Chr.) sind Empfehlungen bzgl der Anwendung von \u201eunter\u00e4gyptischem Salz\u201c zur Kropftherapie \u00fcberliefert.<\/p>\n<p>Vitruv (ca. 70 \u2013 10 v. Chr.), eigentlich Architekt, ver\u00f6ffentlicht ein Werk \u201ehomo bene figuratus &#8211; Theorie des wohlgeformten Menschen\u201c in dem er Kr\u00f6pfe bei den Alpenbewohnern beschreibt. Anderen \u00dcberlieferungen zufolge wurden Schilddr\u00fcsenvergr\u00f6sserungen schon damals mit Algen, Meertangasche oder getrocknetem Meerschwamm behandelt \u2013 lange bevor man das Spurenelement Jod entdeckt hat.<\/p>\n<p>Um 650 n. Chr. Beschreibung eines \u201eb\u00f6sartigen Kropfes\u201c durch Paulus von \u00c4gina<\/p>\n<p>1170 Roger von Palermo dokumentiert den Einsatz von Meerschwammextrakten in der Kropftherapie.<\/p>\n<h2 id=\"1000-1500\">1000 \u2013 1500 \u2013 Naturbeobachtung &amp; Volksmedizin<\/h2>\n<div style=\"background-color: #eafbe7; padding: 1em; border-left: 5px solid #66bb6a; margin-bottom: 1.5em;\">\n<h3>\u00a0Hoch- &amp; Sp\u00e4tmittelalter<\/h3>\n<ul>\n<li>1170: Roger von Palermo nutzt Extrakte aus Meerschwamm gegen Kropf<\/li>\n<li>Paracelsus erkennt Zusammenhang zwischen Kretinismus &amp; Kropf<\/li>\n<li>\u201eUngarisches Kropfsalz\u201c als fr\u00fche Therapieform<\/li>\n<li>Kretinismus besonders in Alpenregionen h\u00e4ufig<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Begriffsgeschichte:<\/strong> \u201eCr\u00e9tin\u201c leitet sich von \u201eChr\u00e9tien\u201c ab \u2013 Ausdruck christlicher F\u00fcrsorge.<\/p>\n<\/div>\n<h2 id=\"1500-1600\">1500 \u2013 1600 \u2013 Anatomie &amp; erste Einblicke<\/h2>\n<div style=\"background-color: #eafbe7; padding: 1em; border-left: 5px solid #66bb6a; margin-bottom: 1.5em;\">\n<h3>\u00a016. Jahrhundert<\/h3>\n<ul>\n<li>1543: Andreas Vesalius beschreibt erstmals zwei Schilddr\u00fcsenlappen \u2013 \u201eMandeln an der Luftr\u00f6hre\u201c<\/li>\n<li>Bartolomeo Eustachius erkennt die Verbindung \u00fcber den Isthmus<\/li>\n<li>Leonardo da Vinci fertigt eine erste, nicht datierte Zeichnung der Schilddr\u00fcse an<\/li>\n<li>Paracelsus verbindet Kropf mit Kretinismus und empfiehlt \u201eKropfsalz\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Meilenstein:<\/strong> Die Schilddr\u00fcse wird als zusammenh\u00e4ngendes Organ erkannt \u2013 Grundlagen der modernen Anatomie.<\/p>\n<\/div>\n<p>Es existiert eine nicht genau datierte Schilddr\u00fcsenzeichnung von Leonardo da Vinci.<\/p>\n<p>Der Schweizer Arzt Paracelsus (Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, 1493 \u2013 1541) erkennt als einer der ersten Mediziner den Zusammenhang zwischen Kropf und Kretinismus (<strong>Kretinismus = franz. Cr\u00e9tin = lat. Cristianus = armer Christ<\/strong>). Er verordnet das \u201eungarische Kropfsalz\u201c, ein vorwiegend aus Halit bestehendes Steinsalz.<\/p>\n<p>Nach Paracelsus wurden sowohl der Kropf als auch das Krankheitsbild des Kretinismus und seine alpine H\u00e4ufung durch zahlreiche Mediziner wie beispielsweise Felix Platter (1536 &#8211; 1614), Albrecht von Haller (1708 &#8211; 1777), Horace B\u00e9n\u00e9dict de Saussure (1740 &#8211; 1799) und Heinrich Zschokke (1771 &#8211; 1848) beschrieben.<\/p>\n<p>1543 Vesalius beschreibt zwei einzelne Schilddr\u00fcsenlappen (&#8222;Mandeln die an den Seiten der Luftr\u00f6hre angewachsen sind&#8220;) und vermutet zun\u00e4chst, dass es sich um ein zweifach vorhandenes Organ handelt. Wenig sp\u00e4ter erkennt Bartolomeo Eustachius den Isthmus, Dass die beiden Schilddr\u00fcsenlappen durch den Isthmus miteinander verbunden sind und es sich nur um ein Organ handelt wird erst durch Giovanni Bathista Morgagni (1682 \u2013 1771) best\u00e4tigt.<\/p>\n<h2 id=\"1600-1700\">1600 \u2013 1700 \u2013 Von der Struktur zur Funktion<\/h2>\n<div style=\"background-color: #eafbe7; padding: 1em; border-left: 5px solid #66bb6a; margin-bottom: 1.5em;\">\n<h3>\u00a017. Jahrhundert<\/h3>\n<ul>\n<li>1600: Schilddr\u00fcse erh\u00e4lt ihren medizinischen Namen: <em>Glandula thyreoidea<\/em><\/li>\n<li>Felix Platter beschreibt erstmals eine b\u00f6sartige Vergr\u00f6\u00dferung der Schilddr\u00fcse<\/li>\n<li>Thomas Wharton widmet sich den Dr\u00fcsen und best\u00e4tigt die Namensgebung<\/li>\n<li>Frederick Ruysch und Theophile de Bordeu stellen erste Theorien zur Hormonfunktion auf<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Neue Idee:<\/strong> Die Schilddr\u00fcse k\u00f6nnte Substanzen ins Blut absondern \u2013 erste endokrine Hypothesen.<\/p>\n<\/div>\n<p>1614 Der Baseler Arzt Felix Platter (1536 \u2013 1614) beschreibt als erster eine maligne Schilddr\u00fcsenvergr\u00f6\u00dferung, die er an sich selbst beobachtet.<\/p>\n<p><strong>1656 Thomas Wharton (1614 \u2013 1673) besch\u00e4ftigt sich intensiv mit der Anatomie der Dr\u00fcsen und gibt der Schilddr\u00fcse ihren medizinischen Namen \u201eGlandula thyreoidea\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>1690 Frederick Ruysch (1638 \u2013 1731, schottischer Arzt) stellt die Hypothese auf, dass die Schilddr\u00fcse ein Organe ist, welches Substanzen ins Blut absondert. Eine \u00e4hnliche Theorie vertritt zeitgleich der franz\u00f6sische Wissenschaftler Theophile de Bordeu (1722 \u2013 1776).<\/p>\n<h2 id=\"1700-1800\">1700 \u2013 1800 \u2013 Chirurgie &amp; Beobachtung<\/h2>\n<div style=\"background-color: #eafbe7; padding: 1em; border-left: 5px solid #66bb6a; margin-bottom: 1.5em;\">\n<h3>\u00a018. Jahrhundert<\/h3>\n<ul>\n<li>Erste Operationen an der Schilddr\u00fcse werden dokumentiert (z.\u202fB. Desault, 1791)<\/li>\n<li>1722: Charles Saint-Yves beschreibt Exophthalmus bei Patienten<\/li>\n<li>1791: Entfernung eines Schilddr\u00fcsenlappens durch Desault<\/li>\n<li>Erste Theorien zur Jodwirkung bei Kropf entwickeln sich allm\u00e4hlich<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Vorahnung:<\/strong> Die operative Entfernung der Schilddr\u00fcse beginnt \u2013 mit hohen Risiken.<\/p>\n<\/div>\n<p>1722 Der franz\u00f6sische Augenarzt Charles Saint-Yves (1667 \u2013 1736) dokumentiert 3 Patientenf\u00e4lle mit Exophthalmus.<\/p>\n<p>1791 Pierre Joseph Desault (1744 \u2013 1795, franz\u00f6sischer Chirurg) entfernt vermutlich als erster Arzt einen Lappen einer vergr\u00f6\u00dferten Schilddr\u00fcse.<\/p>\n<h2 id=\"1800-1900\">1800 \u2013 1900 \u2013 Entdeckungen, Irrt\u00fcmer &amp; Nobelpreise<\/h2>\n<div style=\"background-color: #eafbe7; padding: 1em; border-left: 5px solid #66bb6a; margin-bottom: 1.5em;\">\n<h3>\u00a019. Jahrhundert<\/h3>\n<ul>\n<li>1811: Bernard Courtois entdeckt Jod in Meeresalgen<\/li>\n<li>1820er: Coindet und Boussingault nutzen Jod zur Kropftherapie<\/li>\n<li>1835\u20131840: Graves &amp; Basedow beschreiben die Hyperthyreose<\/li>\n<li>1883: Emil Theodor Kocher verbessert die Schilddr\u00fcsenchirurgie erheblich (Nobelpreis 1909)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Meilenstein:<\/strong> Kocher revolutioniert die Schilddr\u00fcsenchirurgie \u2013 mit dramatisch sinkender Sterblichkeit.<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>1811 Bernard Courtois (1777 &#8211; 1838, franz\u00f6sischer Salpetersieder) entdeckt das Iod bei der Untersuchung von Seetang\/Braunalgen.<\/strong> Der englische Chemiker Humpry Davy (1778 \u2013 1829) und Joseph Louis Gay-Lussac (1778 \u2013 1850, franz\u00f6sischer Chemiker) benennen es einige Jahre sp\u00e4ter nach dem griechischen Wort ioeides (= violett), weil bei dem Versetzen mit Schwefels\u00e4ure violette D\u00e4mpfe entstehen.<\/p>\n<p>1820 Jod wird vom Genfer Arzt Jean-Francois Coindet (1774 \u2013 1834) therapeutisch zur Behandlung einer Schilddr\u00fcsenvergr\u00f6\u00dferung eingesetzt. Sp\u00e4ter intensiviert Chatin Forschungen in diesem Bereich, weist u.a. das Vorkommen in Jod im Wasser sowie in Pflanzen wie z. B. Brunnenkresse nach.<\/p>\n<p>1825 Der franz\u00f6sische Chemiker Jean-Baptiste Boussingault (1802 \u2013 1887) erkennt, dass durch die Einnahme von Jod die Entstehung eines Kropfs verhindert werden kann.<\/p>\n<p>1834 Erste detaillierte Schilderung einer Schilddr\u00fcsenoperation durch Conrad Johann Martin Langenbeck (1776 \u2013 1851, deutscher Chirurg). Die Mortalit\u00e4tsrate betrug damals noch 50%.<\/p>\n<p><strong>1835 Robert J. Graves (1796 &#8211; 1853, irischer Arzt) publiziert erstmals \u00fcber den Morbus Basedow, im englischen Sprachraum seitdem als Graves Disease bekannt.<\/strong> Einigen Quellen zufolge gab es bereits zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt Ver\u00f6ffentlichungen die genau dieses Krankheitsbild beschrieben (Caleb Hillary Pearry 1786, Giuseppe Flajani 1802) aber keine Beachtung fanden.<\/p>\n<p><strong>1840 \u2192 <span style=\"color: #ff00ff;\"><a style=\"color: #ff00ff;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wer-waren-basedow-und-hashimoto\/\">Carl Adolph von Basedow<\/a><\/span> (1799 &#8211; 1854, deutscher Arzt) beschreibt die 1858 im deutschsprachigen Raum nach ihm benannte Erkrankung Morbus Basedow.<\/strong> Bis dahin hatte man die Erkrankten wegen der hervorstehenden Augen zu den &#8222;Irren&#8220; gez\u00e4hlt. Auch jetzt war die wissenschaftliche Resonanz auf seinen Artikel &#8222;Exophtalmos durch Hypertrophie des Zellgewebes in der Augenh\u00f6hle&#8220; noch gering.<\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><em>\u201eMadame F. f\u00fchlte sich bald sehr matt, verfiel in hartn\u00e4ckige Diarrhoe, hatte Nachtschweisse, magerte auffallend ab, wobei die Aug\u00e4pfel aus der Orbita hervorzutreten anfingen. Die Kranke klagte dabei \u00fcber Mangel an Athem, Brustbe\u00e4ngstigung, konnte jedoch tief einatmen, sie hatte einen sehr frequenten kleinen Puls [\u2026], einen klingenden Herzschlag, konnte die H\u00e4nde nicht ruhig halten, sprach auffallend hastig, setzte sich, weil sie sich immer sehr brennend hei\u00df f\u00fchlte, gern mit blosser Brust und Armen der kalten Zugluft aus, zeigte eine unnat\u00fcrliche Heiterkeit und Sorglosigkeit \u00fcber ihren Zustand, ging und fuhr aus, ohne durch das Auffallende ihrer Erscheinung in Gesellschaften geirrt zu sein, sie befriedigte ohne R\u00fccksichten ihre sehr starken Appetite, schlief gut, jedoch mit offenen Augen.\u201c (Dr. v. Basedow \u201eExophtalmos durch Hypertrophie des Zellgewebes in der Augenh\u00f6hle&#8220;, Wochenschrift f\u00fcr die gesammte Heilkunde, Nr.13\/1840, S. 201 f.)<\/em><\/span><\/p>\n<p>1850 In Frankreich werden erste wissenschaftliche Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Jodmangel und einer Struma durchgef\u00fchrt. <strong>Erste Therapieversuche mit Jod an Schulkindern enden teilweise t\u00f6dlich, da viel zu hohe, toxische Joddosen verabreicht werden.<\/strong><\/p>\n<p>185? Louis Pasteur (1822 &#8211; 1895, franz\u00f6sischer Wissenschaftler) ver\u00f6ffentlicht seine, bereits kurz danach widerlegte, Theorie vom Kropf als Infektionskrankheit.<\/p>\n<p>1856 Moritz Schiff (1823 &#8211; 1896, deutscher Physiologe) weist in Tierversuchen mit Hunden die negativen Auswirkungen der operativen Schilddr\u00fcsenentfernung nach und erkennt damit die Problematik der Schilddr\u00fcsenunterfunktion.<\/p>\n<p><strong>Zu dieser Zeit kommt es h\u00e4ufiger zum &#8222;blitzartigen Kropftod&#8220; (Erstickungstod durch Einknicken der Luftr\u00f6hre in Folge einer unbedachten Kopfbewegung)<\/strong><\/p>\n<p>1868 Albert L\u00fccke entwickelt eine Behandlungsmethode bei der eine Jodtinktur direkt in die vergr\u00f6\u00dferte Schilddr\u00fcse (Struma cystica, Struma parenchymatosa) eingespritzt wird. Dabei kommt es jedoch h\u00e4ufig zu Komplikationen.<\/p>\n<p>1874 Sir William Withey Gull (1816 &#8211; 1890, englischer Arzt) beschreibt erstmalig die klinischen Symptome einer Hypothyreose beim Menschen. Vereinzelt wird die Autoimmunthyreoiditis mit Hypothyreose auch als \u201eMorbus Gull\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>1877 William Miller Ord (1834 &#8211; 1902, englischer Chirurg) beschreibt die nach ihm benannte Ord-Thyreoiditis. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunthyreoiditis, die mit einer Verkleinerung der Schilddr\u00fcse einhergeht und zu einer Hypothyreose f\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n<p>1878 Beschreibung der Hypothyreose von Charcot.<\/p>\n<p>1880 Schiff experimentiert mit Schilddr\u00fcsenextrakten von Schafen und injiziert diese Patienten, denen die Schilddr\u00fcse operativ entfernt worden war.<\/p>\n<p><strong>1883 Emil Theodor Kocher (1841 &#8211; 1917, Schweizer Chirurg, erhielt 1909 den Medizin-Nobelpreis &#8222;F\u00fcr seine Arbeiten \u00fcber Physiologie, Pathologie und Chirurgie der Schilddr\u00fcse&#8220;) entwickelt die Schilddr\u00fcsenoperationstechniken massgeblich weiter. Er gilt als Vater der Schilddr\u00fcsenchirurgie.<\/strong> Nach ihm ist der Hautschnitt (Kocher\u00b4scher-Kragenschnitt) am unteren Halsrand bei der operativen Entfernung der Schilddr\u00fcse benannt. Durch ihn sterben damals nur noch 7 von 100 Patienten bei der Schilddr\u00fcsenoperation statt wie bisher bis zu 50%.<\/p>\n<p>1883 Ludwig Rehn (1849 \u2013 1930) und Jacques-Louis Reverdin (1841 \u2013 1917) dokumentieren Unterfunktionssymptome, die sie bei an der Schilddr\u00fcse operierten Morbus Basedow-Patienten beobachten.<\/p>\n<p>1885 Johann Freiherr von Mikulicz-Radecki (1850 \u2013 1905, ukrainischer Chirurg) beschreibt die subtotale Schilddr\u00fcsenresektion.<\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><em>\u201eSchilddr\u00fcse (Glandula thyreoidea), bei allen erwachsenen Wirbeltieren, mit Ausnahme der Leptokardier, eine rings geschlossene Dr\u00fcse in der Halsgegend. Beim Menschen [&#8230;] liegt sie dicht vor dem Bogen des Ringknorpels und dem obern Ende der Luftr\u00f6hre, mit welcher sie durch straffes Zellgewebe verbunden ist. Sie ist r\u00f6tlichbraun, sehr reich an Blutgef\u00e4\u00dfen, besitzt beim Erwachsenen ungef\u00e4hr den Umfang eines H\u00fchnereies, ein Gewicht von reichlich 30 g und hat die Gestalt eines mit seinen H\u00f6rnern nach oben gerichteten Halbmondes. Die physiologische Bedeutung der Dr\u00fcse ist noch nicht recht klar (man behauptet, sie regele die Blutzufuhr zum Gehirn); dagegen wei\u00df man aus vergleichend-anatomischen Untersuchungen, da\u00df sie ein rudiment\u00e4res Organ vorstellt. Im Embryo entsteht sie als ein Fortsatz der Schlundh\u00f6hle, der indessen sich rasch abschlie\u00dft und zur Dr\u00fcse ausbildet. Diese ist unpaar oder paar; im letztern Fall werden die beiden Massen oft durch eine Querbr\u00fccke (Isthmus) miteinander verbunden, so beim Menschen. Sehr h\u00e4ufig entartet die S. bei Erwachsenen, wobei sie sich mehr oder weniger betr\u00e4chtlich vergr\u00f6\u00dfert und den sogen. Kropf bedingt.\u201c (aus: Meyers Konversationslexikon 1885 \u2013 1889, Band 14, Seite 468)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><em>\u201eKropf [&#8230;] Der K. kann bis zur Faust- und Mannskopfgr\u00f6\u00dfe anwachsen, und es finden sich dann darin oft gro\u00dfe, cystenartige R\u00e4ume mit jener schmierigen Masse erf\u00fcllt (Balgkropf, S. cystica). Die Cysten entstehen durch Zusammenflie\u00dfen der vergr\u00f6\u00dferten Schilddr\u00fcsenbl\u00e4schen. Die umgebende Bindegewebsh\u00fclle ger\u00e4t dabei oft in einen Zustand entz\u00fcndlicher Reizung, bricht manchmal durch, nimmt aber \u00f6fters Kalksalze auf, so da\u00df in alten Kr\u00f6pfen zuweilen haselnu\u00df- bis taubeneigro\u00dfe, rundliche, steinharte Knollen (S. ossea) neben andern weichen H\u00f6hlungen vorgefunden werden. Auch kn\u00f6cherne Entartungen der Schilddr\u00fcse kommen vor. Da\u00df zu starke Vergr\u00f6\u00dferung der Schilddr\u00fcse die mannigfachsten Beschwerden hervorrufen kann, ist erkl\u00e4rlich. Namentlich ist dies der Fall, wenn ein Lappen unter das Brustbein hinab sich sehr vergr\u00f6\u00dfert und dadurch die Luftr\u00f6hre nach hinten dr\u00e4ngt. An Atembeschwerden leiden alle Kropfkranke mehr oder weniger, viele auch an Blut\u00fcberf\u00fcllung des Kopfes durch den Druck auf die das Blut nach dem Herzen leitenden Blutadern. Die Ursache des Kropfes ist noch in Dunkel geh\u00fcllt. Da\u00df das weibliche Geschlecht h\u00e4ufiger am K. leidet, ist festgestellt, ebenso die Erblichkeit. Am meisten scheinen \u00f6rtliche Einfl\u00fcsse denselben hervorzurufen, deren letzten Grund man aber meist nicht kennt (vgl. Kretinismus). In manchen Gegenden ist der K. fortdauernd sehr h\u00e4ufig, in andern kommt er h\u00f6chst selten vor. Die Behandlung des Kropfes im engern Sinn, des lymphatischen Kropfes, beruht auf dem innerlichen und \u00e4u\u00dferlichen Gebrauch der Jodpr\u00e4parate; auch Einspritzungen von Jodl\u00f6sungen in den K. werden angewendet. Fr\u00fcher gab man den ger\u00f6steten und gepulverten Meerschwamm als sogen. Kropfpulver. Dessen Wirkung beruht aber lediglich auf seinem Gehalt an Jod. [&#8230;]\u201c (aus: Meyers Konversationslexikon 1885 \u2013 1889, Band 10, Seite 254)<\/em><\/span><\/p>\n<p>1886 Paul Julius M\u00f6bius (1853 \u2013 1907, deutscher Neurologe) erkennt, dass es sich beim Morbus-Basedow um eine Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion handelt.<\/p>\n<p>1888 Ord ver\u00f6ffentlicht einen Bericht zum Thema Hypothyreose und pr\u00e4gt f\u00fcr diese Symptomatik den Begriff Myx\u00f6dem.<\/p>\n<p><strong>1890 George R. Murray (1865 &#8211; 1939, englischer Arzt) entwickelt die von Schiff begr\u00fcndete Therapie mit Schilddr\u00fcsenextrakten vom Schaf weiter und gilt nach Ver\u00f6ffentlichungen zu diesem Thema als Begr\u00fcnder der Hormonersatztherapie.<\/strong><\/p>\n<h2 id=\"1900-2000\">1900 \u2013 2000 \u2013 Hormonzeitalter &amp; moderne Diagnostik<\/h2>\n<div style=\"background-color: #eafbe7; padding: 1em; border-left: 5px solid #66bb6a; margin-bottom: 1.5em;\">\n<h3>\u00a020. Jahrhundert<\/h3>\n<ul>\n<li>1912: Hakaru Hashimoto beschreibt erstmals die Autoimmunthyreoiditis<\/li>\n<li>1920er: Einf\u00fchrung von Jodsalz in der Schweiz und den USA<\/li>\n<li>1936: Entdeckung der Schilddr\u00fcsen-Hom\u00f6ostase (Karl Fellinger)<\/li>\n<li>1942: Erste Radiojodtherapie beim Morbus Basedow<\/li>\n<li>1950er: Entwicklung von Thyreostatika &amp; Szintigraphie<\/li>\n<li>1970: Umstieg auf synthetisches T4 \u2013 Schweineextrakte verschwinden<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Durchbruch:<\/strong> Schilddr\u00fcsenhormone T3 und T4 werden chemisch hergestellt \u2013 Beginn der Hormontherapie.<\/p>\n<\/div>\n<p>1901 Philipp Schech (1845 \u2013 1905, deutscher Laryngologe) behandelt Kropfpatienten mit \u201eThyrojodin\u201c (Schilddr\u00fcsensubstanzen vom Hammel oder Schwein) und beobachtet dass einige Patienten davon \u00dcbelkeit, Herzklopfen, Gewichtsverlust und weitere Symptome erleiden. Dies bezeichnet er als \u201eThyreoidismus\u201c \u2013 seiner Ansicht nach eine Reaktion auf verdorbene Tabletten. Nach heutigem Wissensstand vermutlich eine \u00dcberdosierung mit Schilddr\u00fcsenhormonen (hyperthyreosis factitia).<\/p>\n<p>1902 Die englischen Physiologen Ernst Henry Starling (1866 \u2013 1927) und William Maddock Bayliss (1866 &#8211; 1924) erforschen als erste, dass Dr\u00fcsen Substanzen absondern. Diese bezeichnen sie zun\u00e4chst als Sekretin, sp\u00e4ter als Hormon und gelten damit als Begr\u00fcnder der Endokrinologie.<\/p>\n<p>1904 Entdeckung der Thyreoiditis de Quervain durch Fritz de Quervain (1868 \u2013 1940)<\/p>\n<p>1906 Ein weiterer Medizinirrtum war Sigmund Pollaks (1888 \u2013 1977) Promotion \u201e\u00dcber die Tuberkulose der Schilddr\u00fcse\u201c<\/p>\n<p>1911 beschrieb Harry E. Alderson M\u00f6glichkeiten der Behandlung von Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion und -unterfunktion. Zur Minderung der Schilddr\u00fcsenfunktion waren Opioide, Bromide, Hypnotika, Glycerophosphate aus der Linde, Calcium, Milch, getreidereiche Ern\u00e4hrung und sexuelle Enthaltung wirksam. Zur Anregung der Schilddr\u00fcsenfunktion trugen Schilddr\u00fcsenextrakte, Jod, Arsen, Salicylate, Phosphor, Alkohol, Pilocarpin, Tee, Kaffee, Fleisch, sexuelle Bet\u00e4tigung, Geb\u00e4rmutterleiden, Schwangerschaft und gro\u00dfe emotionale Aufregungen bei.<\/p>\n<div style=\"border-left: 6px solid #4CAF50; background-color: #f7f7f7; padding: 16px 20px 10px 20px; margin: 20px 0; border-radius: 6px; font-family: sans-serif; max-width: 100%; box-sizing: border-box;\">\n<div style=\"font-size: 16px; margin-bottom: 8px;\"><strong>Seri\u00f6se Schilddr\u00fcsenb\u00fccher von anerkannten ExpertInnen<\/strong><\/div>\n<div style=\"font-size: 14px; line-height: 1.5;\">In den vergangenen Jahren wurde der Buchmarkt mit Ratgebern zur Schilddr\u00fcse regelrecht geflutet. Ich erlebe oft, dass es neu diagnostizierten Patienten schwer f\u00e4llt, eine gute Kaufentscheidung zu treffen. Deshalb an dieser Stelle mein Tipp: Lassen Sie die B\u00fccher von Ern\u00e4hrungsspezialisten, Heilpraktikern und Prominenten erst einmal im Regal liegen. Schaffen Sie sich eine vern\u00fcnftige Wissensbasis, lesen Sie stattdessen zun\u00e4chst ein solides Buch von einem Schulmediziner \u2013 von denen \u00fcbrigens auch fast alle den Blick \u00fcber den eigenen Tellerrand wagen.<\/div>\n<ul style=\"margin: 12px 0 4px 20px; padding: 0; color: #333; list-style-type: disc; font-size: 14px;\">\n<li>Anneli Hainel, Marcel Ermer, Lothar-Andreas Hotze: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/4f6DKQ8\">Schilddr\u00fcse Mehr wissen \u2013 besser verstehen<\/a><\/li>\n<li>Joachim Feldkamp: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/474JS9v\">Gut leben mit Hashimoto<\/a><\/li>\n<li>Leveke Brakebusch, Armin Heufelder: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/45vzghR\">Leben mit Morbus Basedow<\/a><\/li>\n<li>Georg Zettinig, Wolfgang Buchinger: <a href=\"https:\/\/amzn.to\/45ok1YX\">Meine Schilddr\u00fcse und ich: Der Ratgeber f\u00fcr ein gutes Miteinander<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div style=\"font-size: 12px; color: #666; margin-top: 8px;\"><em>Dieser Bereich enth\u00e4lt Affiliate-Links von Amazon. So kann ich Inhalte wie diesen ohne redaktionelle Beeinflussung und unabh\u00e4ngig von Partnern f\u00fcr Sie bereitstellen \u2013 danke f\u00fcr Ihre Unterst\u00fctzung!<\/em><\/div>\n<\/div>\n<p><strong>1912 \u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wer-waren-basedow-und-hashimoto\/\"><span style=\"color: #ff00ff;\">Hakaru Hashimoto<\/span><\/a> (1881 &#8211; 1934, japanischer Pathologe und Chirurg) ver\u00f6ffentlicht seine Entdeckung der Struma lymphomatosa.<\/strong> Das Krankheitsbild einer vergr\u00f6\u00dferten Schilddr\u00fcse in Verbindung mit einer Schilddr\u00fcsenunterfunktion, welche sp\u00e4ter als \u2192 <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/informationen-zum-krankheitsbild-hashimoto-thyreoiditis\/\">Hashimoto-Thyreoiditis<\/a> nach ihm benannt wurde.<\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><em>\u201eIm Grossen und Ganzen handelt es sich bei unseren histologischen Befunden weder um infecti\u00f6se oder toxische, noch um tumorartige Ver\u00e4nderungen, sondern wahrscheinlich um eine eigenth\u00fcmliche Art von chronischer Entz\u00fcndung, die bis jetzt meines Wissens noch nicht bekannt gemacht worden ist. [\u2026] 1. Es gibt eine Art von Struma, die ich als Struma lymphomatosa bezeichnet habe und die sich histologisch durch eine m\u00e4chtige Wucherung der lymphatischen Elemente, vor allem der Lymphfollikel und durch eine gewisse parenchymat\u00f6se, sowie interstitielle Ver\u00e4nderungen kennzeichnet. 2. Die Struma lymphomatosa bietet in vorgeschrittener Form eine aufallend derbe Consistenz der Dr\u00fcse dar, die eine b\u00f6sartige Geschwulst vort\u00e4usche kann. 3. Im weiteren Verlaufe nach der Operation bedurfte es meist eines langen Zeitraums bis zur Wiederherstellung der Gesundheit. 4. Die Prognose ist quod vitam g\u00fcnstig. 5. Die operative Therapie bringt den Tumor zum Verschwinden, aber man muss sich vor zu ausgiebiger Resection h\u00fcten. Das Zur\u00fcckbleiben eines Theils der Geschwulst schadet nicht. Sie f\u00e4llt mit der Zeit von selbst dem Schwunde anheim.\u201c (Dr. H. Hashimoto, &#8222;Zur Kenntnis der lymphomat\u00f6sen Ver\u00e4nderung der Schilddr\u00fcse. Struma lymphomatosa&#8220;, Archiv f\u00fcr Klinische Chirurgie, Bd.97\/1912, S. 167, 176 f.)<\/em><\/span><\/p>\n<p>1916 Edward Calvin Kendall (1886 &#8211; 1972, amerikanischer Biochemiker, erhielt 1950 den Medizin-Nobelpreis &#8222;F\u00fcr die Entdeckungen bei den Hormonen der Nebennierenrinde, ihrer Struktur und ihrer biologischen Wirkungen&#8220;) extrahiert eine Substanz aus der Schilddr\u00fcse, die er Thyroxin nennt. <strong>Die Chemische und pharmazeutische Fabrikation Dr. Georg Henning (Berlin) produzierte als erstes deutsches Unternehmen &#8222;Kendallsches Thyroxin&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>1920 Publikation der ersten positiven Ergebnisse des amerikanischen Therapieversuchs mit Jod (Jodprophylaxe) an Schulkindern in Ohio.<\/p>\n<p>1922 Einf\u00fchrung des Jodsalzes im Schweizer Kanton Appenzell.<\/p>\n<p>\u2192 <strong><span style=\"color: #ff00ff;\"><a style=\"color: #ff00ff;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/der-oesterreichische-schilddruesenpionier-karl-fellinger\/\">Karl Fellinger<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<p>1924 In den USA wird jodiertes Speisesalz eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>1924 Bernardo Alberto Houssay (1887 \u2013 1971, argentinischer Arzt, erhielt 1947 den Nobelpreis &#8222;F\u00fcr seine Entdeckung der Bedeutung der Hormone des Hypophysenvorderlappens f\u00fcr den Zuckerstoffwechsel&#8220;) erkennt zumindest ansatzweise die Bedeutung der Hypophyse f\u00fcr den Hormonstoffwechsel.<\/p>\n<p>1926 C. R. Harrington (1897 &#8211; 1972, britischer Chemiker) entdeckt die genaue chemische Formel des Thyroxins.<\/p>\n<p>1927 Das Schilddr\u00fcsenhormon T4 wird durch Harrington und George Barger (1878 &#8211; 1939, schottischer Chemiker) erstmals k\u00fcnstlich hergestellt.<\/p>\n<p>1929 Die franz\u00f6sischen Physiologen Max Aron (1892 \u2013 1974) und Leon L\u00f6b (1865 \u2013 1959) entdecken das Hypophysenhormon TSH. Im englischen Sprachraum wird diese Entdeckung Colipp und Anderson f\u00fcr das Jahr 1935 zugeschrieben.<\/p>\n<p>1936 Entdeckung der Schilddr\u00fcsenhom\u00f6ostase durch den \u00f6sterreichischen Mediziner Karl Fellinger (1904 &#8211; 2000)<\/p>\n<p>1941 Erste <strong>Radioiodtherapie<\/strong> beim Morbus Basedow durch \u2192 <strong><span style=\"color: #ff00ff;\"><a style=\"color: #ff00ff;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/80-jahre-radioiodtherapie\/\">Saul Hertz &amp; Arthur Roberts<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<p>1942 Astwood erprobt die Behandlung der Hyperthyreose mit Thiouracil<\/p>\n<p>1951 Erste Durchf\u00fchrung der <strong>Schilddr\u00fcsenszintigraphie<\/strong>.<\/p>\n<p>1951 Entwicklung von Thyreostatika (Carbimazol) zur medikament\u00f6sen Behandlung der Hyperthyreose.<\/p>\n<p>1952 J. Gross und Rosalind Pitt-Rivers entdecken das Trijodthyronin.<\/p>\n<p>195? Vermutlich von John J. Wild, H. Douglas und Joseph H. Holmes wird die erste <strong>Sonografie der Schilddr\u00fcse<\/strong> durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>1958 Das Unternehmen Hoechst bringt mit Thybon das erste T3-Pr\u00e4parat auf den deutschen Markt.<\/p>\n<p>1961 Douglas Harold Copp (1915 \u2013 1998, kanadischer Arzt) und E. C. Cameron entdecken das Calcitonin.<\/p>\n<p>1965 Entdeckung der Struktur von Antik\u00f6rpern.<\/p>\n<p>1965 Beschreibung des ersten <strong>TSH-Test<\/strong>s durch W. D. Odell, J. F. Wilber und E. E. Paul.<\/p>\n<p>1969 K. Sterling gelingt die Messung von T3 im Blutserum.<\/p>\n<p>1969 R. Burgus und R. Guillemin entdecken das TRH (In anderen Quellen wird dies Erwin, Greer und Moll um 1961 zugeschrieben). Im gleichen Jahr wird TRH durch Rosalyn Sussman Yalow (*1921, Amerikanerin, erhielt 1977 den Medizin-Nobelpreis &#8222;F\u00fcr die Entwicklung radioimmunologischer Methoden der Bestimmung von Peptidhormonen&#8220;) erstmals synthetisiert.<\/p>\n<p>1970 L. E. Braverman entdeckt die Konversion von T4 zu T3.<\/p>\n<p>1971 Die Therapie mit Extrakten aus getrockneten Schweineschilddr\u00fcsen wird zumindest in Deutschland zugunsten der Therapie mit synthetischem T4 verlassen.<\/p>\n<p><em>Die Sektion Schilddr\u00fcse der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie wurde 1972 gegr\u00fcndet, um den Austausch und die Forschung rund um Schilddr\u00fcsenerkrankungen zu f\u00f6rdern. Seitdem finden j\u00e4hrlich Arbeitstagungen statt, bei denen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Erfahrungen pr\u00e4sentiert werden. Die Sektion hat ma\u00dfgeblich zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie von Schilddr\u00fcsenerkrankungen beigetragen. \u00dcber die Jahrzehnte entwickelten sich enge interdisziplin\u00e4re Kooperationen zwischen Endokrinologen, Nuklearmedizinern und Chirurgen. Das PDF-Dokument &#8222;<a href=\"https:\/\/www.endokrinologie.net\/files\/download\/sektion-schilddruese-geschichte_1972-2023.pdf\">Die Sektion Schilddr\u00fcse der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie (1972 &#8211; 2023)<\/a>&#8220;\u00a0 zeigt die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sektion und ihre zentrale Rolle in der Schilddr\u00fcsendiagnostik und -behandlung in Deutschland.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_641\" aria-describedby=\"caption-attachment-641\" style=\"width: 100px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-641\" title=\"Jodsiegel\" src=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Jodsiegel.gif\" alt=\"Jodsiegel\" width=\"100\" height=\"101\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-641\" class=\"wp-caption-text\">Jodsiegel<\/figcaption><\/figure>\n<p>1975 Dieter H\u00f6tzel (dt. Ern\u00e4hrungswissenschafter) und J. Habermann (dt. Pharmakologe) weisen auf den weit verbreiteten Jodmangel in Deutschland hin. Damit beginnen die Diskussionen um die Lebensmitteljodierung.<\/p>\n<p>1976 In Deutschland wird das Jodsalz eingef\u00fchrt. Zun\u00e4chst (bis 1981) ist noch der Warnhinweis &#8222;Nur bei \u00e4rztlich festgestelltem Jodmangel zu verwenden&#8220; aufgedruckt.<\/p>\n<p>1984 Gr\u00fcndung des Arbeitskreises Jodmangel durch Mitglieder der Sektion Schilddr\u00fcse der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie und der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>1985 Gr\u00fcndung der Interdisziplin\u00e4ren Jodkommission in der DDR.<\/p>\n<p>1995 Gr\u00fcndung der Schilddr\u00fcsenliga e.V. durch Peter Pfannenstiel (*1934, deutscher Arzt f\u00fcr Innere Medizin\/Nuklearmedizin).<\/p>\n<p>Ob das wirkliche Meilensteine der Schilddr\u00fcsenmedizin sind, wird man erst sehr viel sp\u00e4ter im R\u00fcckblick sehen, aber &#8230; <a href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/25-jahre-schilddruesenforschung-die-wichtigsten-fortschritte-2000-2025\/\">25 Jahre Schilddr\u00fcsen-Forschung: Die wichtigsten Fortschritte (2000 &#8211; 2025)<\/a><\/p>\n<div style=\"border-left: 4px solid #008000; background-color: #f1fdf3; padding: 12px; font-family: Arial, sans-serif; font-size: 14px; line-height: 1.5; margin-bottom: 20px; text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Tipp<\/strong>: Um Ihnen die Orientierung auf www.schilddruesenguide.de zu erleichtern, habe ich eine \u00dcbersicht der wichtigsten Inhalte erstellt. <\/span>\u27a4<span style=\"color: #008000;\"><strong> <a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/navigationsseite\/\">Zur Navigationsseite<\/a><\/strong><\/span><\/div>\n<hr \/>\n<p>Letzte Aktualisierung: 21. Oktober 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann wurde die Hashimoto-Thyreoiditis entdeckt? Wer hat die erste Radioiodtherapie durchgef\u00fchrt? \u2026 spannende Fragen auf die Sie hier eine Antwort finden! Die Geschichte der Schilddr\u00fcse ist ein faszinierender Spiegel medizinischer Irrt\u00fcmer, Fortschritte und Erkenntnisse. Bereits im Alten \u00c4gypten um 1500\u202fv.\u202fChr. wurde gegen Kropf unter\u00e4gyptisches Salz empfohlen. 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