{"id":1096,"date":"2014-09-06T14:39:26","date_gmt":"2014-09-06T12:39:26","guid":{"rendered":"http:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/?p=1096"},"modified":"2025-09-12T09:28:18","modified_gmt":"2025-09-12T07:28:18","slug":"morbus-basedow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/morbus-basedow\/","title":{"rendered":"Morbus Basedow"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #008000;\"><strong><a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/fuer-aerztinnen-und-aerzte-fachwissen-und-vernetzung-rund-um-schilddruesenerkrankungen\/\">Zur\u00fcck zur Startseite: F\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte \u2013 Fachwissen und Vernetzung rund um Schilddr\u00fcsenerkrankungen<\/a><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>\u2013 Nachfolgend lesen Sie einen bezahlten Blogbeitrag (Gastartikel) \u2013<\/em> <\/span><\/p>\n<p>Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verf\u00fcgung gestellt von <strong>Prof. Dr. med. B. L. Herrmann<\/strong> (Facharzt f\u00fcr Innere Medizin, Endokrinologe und Diabetologe, Facharztpraxis und Labor, Bochum). Homepage: <a href=\"http:\/\/www.endo-bochum.de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.endo-bochum.de\u00a0<\/a>(Link gepr\u00fcft am 08. Januar 2024)<\/p>\n<p>Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddr\u00fcse, die vorwiegend Frauen betrifft und zu einer \u00dcberfunktion (Hyperthyreose) f\u00fchrt. In ca. 40% der F\u00e4lle entsteht eine Augenbeteiligung (Endokrine Orbitopathie: E.O.). Der Morbus Basedow wird auch im englischsprachigen Raum als Graves` disease bezeichnet.<!--more--><\/p>\n<h2><strong>Geschichtlicher Hintergrund<\/strong><\/h2>\n<p>Nach dem deutschen Erstbeschreiber Karl Adolph von Basedow (1840) wird die Krankheit benannt. Im englischsprachigen Raum wird die Krankheit nach dem Erstbeschreiber Robert James Graves (1835) als sogenannte Graves` disease bezeichnet. Karl von Basedow beschrieb in Merseburg erstmalig 1840 das sogenannte Merseburger Trias, welches den Symptomkomplex Kropf (Struma), Herzklopfen (Tachykardie) als auch die hervorstehenden Augen (Exophthalmus) bezeichnet. Initial hatte Robert James Graves die Erkrankung wegen des schnellen Pulsschlages bzw. des Herzklopfens als eine prim\u00e4re Erkrankung des Herzens interpretiert. Durch die Augenbeteiligung, die durch Paul Julius M\u00f6bius (1886) erstmalig mitbeschrieben wurde und einen Zusammenhang mit der Schilddr\u00fcse sah, entstand der Ausdruck der endokrinen Orbitopathie mit besondere klinischen Zeichen wie dem sogenannten M\u00f6bius-Zeichen.<\/p>\n<h2><strong>Entstehung und Ursachen<\/strong><\/h2>\n<p>Die Erkrankung betrifft vorwiegend Frauen (ca. 90%) und stellt in L\u00e4ndern mit guter Jodversorgung die h\u00e4ufigste Ursache der Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion (Hyperthyreose) dar. In L\u00e4ndern mit schlechter Jodversorgung (z. B. Mitteleuropa) ist dahingehend die Schilddr\u00fcsenautonomie (warme bzw. hei\u00dfe Knoten der Schilddr\u00fcse) deutlich h\u00e4ufiger. Selten kann ein Morbus Basedow zusammen mit einer Schilddr\u00fcsenautonomie auftreten, welches Marine-Lenhart-Syndrom bezeichnet wird. \u00dcberwiegend erkranken Frauen zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr an einem Morbus Basedow. Prinzipiell leiden Frauen h\u00e4ufiger an einer Autoimmunerkrankung als M\u00e4nner. Der weibliche Zyklus scheint hier eine Stimulation f\u00fcr Fehlfunktion des Immunsystems eine entscheidende Rolle zu spielen. Genaue Gendefekte des Immunsystems k\u00f6nnen hier bislang nicht ausgemacht werden, welche f\u00fcr den Basedow prim\u00e4r verantwortlich sind. Diskutiert werden Ausl\u00f6ser wie Umwelteinfl\u00fcsse des Rauchens, psychischer Stress als auch Virusinfekte. F\u00fcr die \u00dcberfunktion der Schilddr\u00fcse ist der Autoantik\u00f6rper der sogenannten Immunglobulinklasse IgG verantwortlich und wird als TRAK (TSH-Rezeptor-Antik\u00f6rper) bezeichnet. Dieser TRAK gelangt \u00fcber die Blutbahn zu dem TSH-Rezeptor der Schilddr\u00fcse und l\u00f6st dort eine kontinuierliche Stimulation der Schilddr\u00fcsenhormonproduktion aus. Hierbei k\u00f6nnen \u00fcberwiegend das Schilddr\u00fcsenhormon T4 (Thyroxin) oder das T3 (Trijodthyronin) isoliert gebildet werden. Die Stimulation beim Basedow f\u00fchrt zu einer Vergr\u00f6\u00dferung (Struma). Die TSH Rezeptoren befinden sich auch in dem Fettgewebe hinter dem Auge als auch um das Auge herum. Somit kann auch das Fettgewebe durch die TRAK-Stimulation entz\u00fcndlich ver\u00e4ndert werden und sich somit vergr\u00f6\u00dfern bzw. ausdehnen. Dies f\u00fchrt zum Hervorstehen der Augen (Exophthalmus) als auch zu sogenannten \u00d6demen um die Augen (Lid\u00f6deme). Dar\u00fcber hinaus werden die Augenmuskeln ebenfalls durch den Antik\u00f6rper und die damit ausl\u00f6sende Entz\u00fcndungsreaktion verdickt und in der Funktion eingeschr\u00e4nkt. Der Morbus Basedow kann zudem mit anderen Autoimmunerkrankungen wie dem Typ 1 Diabetes mellitus, der Myasthenia gravis, dem Morbus Addison oder einer speziellen Form der Magenschleimhautentz\u00fcndung (Gastritis) auftreten.<\/p>\n<h2><strong>Klinisches Erscheinungsbild<\/strong><\/h2>\n<p>Der Morbus Basedow f\u00fchrt durch die Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion und der Vergr\u00f6\u00dferung der Schilddr\u00fcse zun\u00e4chst zu einem Druckgef\u00fchl im Bereich des Halses und durch die Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion zu einer Schlaflosigkeit, Nervosit\u00e4t, Zittern, Gewichtsverlust, Gereiztheit, Herzrhythmusst\u00f6rungen (Vorhofflimmern, Extrasystolen, schneller Puls), W\u00e4rmeintoleranz, erh\u00f6hte Schwei\u00dfneigung, geh\u00e4ufter Stuhlgang bis zum Durchfall als auch zu einer Schw\u00e4che der Muskulatur. Dar\u00fcber hinaus kann die unbehandelte \u00dcberfunktion zu einem Knochenabbau (Osteoporose) als auch zu Zyklusst\u00f6rungen mit vor\u00fcbergehender Unfruchtbarkeit f\u00fchren. Die Augenbeteiligung f\u00fchrt zu einem unterschiedlichen Bild der sogenannten Endokrinen Orbitopathie. Hier werden verschiedene Stadien unterschieden. Initial kann eine Lichtempfindlichkeit bemerkt werden. Die Augen werden trockener. Dann kann es zu Doppelbildern, zu einer Unf\u00e4higkeit des Lidschlusses, zum Schielen, zu einem Druck der Augen als auch zu einer Beeintr\u00e4chtigung des Sehnervs f\u00fchren. Die Entz\u00fcndungsreaktion ausgel\u00f6st durch den TSH Rezeptor-Antik\u00f6rper (TRAK) wandern Lymphozyten (Sonderform der wei\u00dfen Blutk\u00f6rperchen) als auch andere Mediatoren in das Fettgewebe ein und produzieren sogenannte Mucopolysaccharide, die zu einer Wasseransammlung und zu einer Funktionseinschr\u00e4nkung des Auges als auch m\u00f6glicherweise des Sehnerves f\u00fchren. \u00c4hnliche Entz\u00fcndungsreaktionen k\u00f6nnen auch an anderer Stelle des K\u00f6rpers wie z. B. an den Schienbeinen Vorderseiten entstehen. Diese fl\u00e4chige R\u00f6tung nennt man pr\u00e4tibiales Myx\u00f6dem.<\/p>\n<h2><strong>Diagnose<\/strong><\/h2>\n<p>Die Diagnose des Morbus Basedow stellt man durch die typischen klinischen Symptome (siehe oben) als auch durch eine Blutuntersuchung der Schilddr\u00fcsenhormone (T4, T3, fT3, fT4, TSH). Sowie deren Antik\u00f6rper-TSH-Rezeptor (TRAK) und Antik\u00f6rper gegen das Enzym Thyroxin-Peroxidase (TPO). Der Ultraschall (Sonographie) ist wegweisend und zeigt eine vermehrte Durchblutung des Schilddr\u00fcsengewebes in der sogenannten Doppler-Sonographie. Eine Schilddr\u00fcsenszintigraphie ist nicht zwingend erforderlich. Die Spezifit\u00e4t des TSH-Rezeptor-Antik\u00f6rpers kann den Basedow eindeutig nachweisen.<\/p>\n<div style=\"background-color: #f8f9fa; border: 2px solid #6c757d; padding: 20px; border-radius: 0; color: #343a40; font-family: Arial, sans-serif;\">\n<h3 style=\"margin-top: 0;\">Wissensbaustein Morbus Basedow<\/h3>\n<p>Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddr\u00fcse, die zu einer \u00dcberproduktion von Schilddr\u00fcsenhormonen f\u00fchrt. Es ist wichtig, die Symptome fr\u00fchzeitig zu erkennen und sich regelm\u00e4\u00dfig \u00e4rztlich untersuchen zu lassen, um m\u00f6gliche Komplikationen zu vermeiden. Weitere Informationen zu Diagnose, Behandlung und Therapie von Morbus Basedow finden Sie auf der zentralen Seite &#8222;<strong>Wie schlimm ist Morbus Basedow?<\/strong>&#8222;.<\/p>\n<p><a style=\"display: inline-block; background-color: #28a745; color: white; padding: 10px 20px; border-radius: 5px; text-decoration: none; font-weight: bold; text-align: center;\" href=\"https:\/\/schilddruesenguide.de\/thyreoiditis\/basedow\/\">Mehr erfahren<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Therapie<\/strong><\/h2>\n<p>Von der Therapie sind der klinische Zustand der Patienten, das Alter, die Gr\u00f6\u00dfe der Schilddr\u00fcse und die H\u00f6he des TSH-Rezeptor-Antik\u00f6rpers von entscheidender Bedeutung. In der Regel wird eine ca. einj\u00e4hrige medikament\u00f6se Therapie mit sogenannten Thyreostatika (Schilddr\u00fcsenhormonblocker) durchgef\u00fchrt. Zu diesen geh\u00f6rt Thiamazol, Carbimazol und Propylthiouracil. In der Regel werden diese Medikamente gut vertragen. In seltenen F\u00e4llen kann es hier zu Blutbildver\u00e4nderungen der Leberwerte (Transaminasen) als auch des Blutbildes mit Abfall der wei\u00dfen Blutk\u00f6rperchen bzw. Granulozyten f\u00fchren. Die \u00dcberfunktion kann zwischendurch mit sogenannten Betablocker (vorzugsweise Propranolol) durchgef\u00fchrt werden, da Propranolol die Bildung des aktiven T3 reduzieren kann (s.g. Konversionshemmung). Ca. 1 Jahr nach medikament\u00f6ser Therapie mit absteigender Dosierung wird ein Auslassversuch angestrebt. Bei ca. 50% der Patienten entsteht erneut eine \u00dcberfunktion. Diese sollte dann durch eine nahezu vollst\u00e4ndige Entfernung der Schilddr\u00fcse (Thyreoidektomie bzw. Near-Total-Resection) erfolgen oder eine Radiojodtherapie als Therapieoption angestrebt werden. Neuere Daten weisen jedoch einen Vorteil der Schilddr\u00fcsenoperation im Vergleich zu einer Radiojodtherapie auf. Zur Verhinderung einer Neuentstehung der Endokrinen Orbitopathie oder einer Verschlechterung sollte eine Radiojodtherapie bei einem Morbus Basedow nur unter einem Kortisonschutz durchgef\u00fchrt werden. Das aktive und passive Rauchen sollte beendet bzw. vermieden werden (Rauchstopp). Zus\u00e4tzlich ist Selen bei Diagnose eines Morbus Basedow in Form von ca. 100 &#8211; 200\u00b5g einzunehmen, da dies die Entstehung einer endokrinen Orbitopathie als auch deren Verschlechterung mit beeinflussen kann. Bei sehr hohen TRAK-Werten und gro\u00dfer Schilddr\u00fcse ist die Wahrscheinlichkeit einer Remission (Ausbleiben der Erkrankung) nach einem Jahr unwahrscheinlich, sodass in diesem Fall auch eine raschere Operation angestrebt werden kann.<\/p>\n<p>Die endokrine Orbitopathie sollte m\u00f6glichst zeitnah mit einer 12-w\u00f6chigen Infusionstherapie mit 500mg Prednisolon einmal pro Woche in der ersten 6 Wochen und anschlie\u00dfend 250mg einmal pro Woche in den folgenden 6 Wochen therapiert werden. Parallel dazu ist Selen 100 &#8211; 200\u00b5g pro Tag einzunehmen. Die Kortisoninfusion hat gegen\u00fcber der Tabletteneinnahme in der Wirksamkeit entscheidende Vorteile.<\/p>\n<p>Weitere 10 Fragen und Antworten von Prof. Dr. Herrmann zu Morbus Basedow (defekter Link wurde am 23.07.25 entfernt).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck zur Startseite: F\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte \u2013 Fachwissen und Vernetzung rund um Schilddr\u00fcsenerkrankungen \u2013 Nachfolgend lesen Sie einen bezahlten Blogbeitrag (Gastartikel) \u2013 Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verf\u00fcgung gestellt von Prof. Dr. med. B. L. Herrmann (Facharzt f\u00fcr Innere Medizin, Endokrinologe und Diabetologe, Facharztpraxis und Labor, Bochum). 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