Kurzmitteilungen

Gewichtszunahme unter L-Thyroxin-Therapie

Der Berufsverband Deutscher Internisten e.V. verweist in seiner gestrigen Meldung “Erkrankungen der Schilddrüse: Thyroxin-Einnahme kann Gewichtszunahme auslösen” darauf, dass es unter einer Therapie mit Schilddrüsenhormonen zu einer deutlichen Zunahme des Körpergewichts kommen kann. Als Begründung wird der appetitanregende Effekt des L-Thyroxins angegeben. Link funktioniert nicht mehr!

20 Jahre Mauerfall – Jodmangelprophylaxe in der DDR

20 Jahre Mauerfall – Jodmangelprophylaxe in der DDR

1979 Beginn des “Kropfbekämpfungsprogramms”

Gesetzlich vorgeschriebene generelle Jodsalzprophylaxe

1983 Staatliche Jodprophylaxe in den industriell geprägten Südbezirken

1985 Gründung der Interdisziplinären Jodkommission in der DDR

Jodsalz ist käuflich erhältlich. Der Jodgehalt beträgt 20 mg Jod pro kg Salz.

1986 Start der Tierfutterjodierung

Rückgang der Jodmangelstrumen, aber Anstieg der Hyperthyreose-Inzidenzrate

Quelle: Prof. Dr. Karlheinz Bauch: Zur Geschichte des Kropfes im Erzgebirge (PDF), Ärzteblatt Sachsen 01/2006

Pulswellenerscheinungszeit

Seit längerem ist bekannt, dass das Herz-Kreislauf-System sehr empfindlich auf Schilddrüsenfunktionsstörungen und damit verbundene Veränderungen der Schilddrüsenhormonstoffwechsellage reagiert.

Die Pulswellenerscheinungszeit (engl. pulse wave velocity) ist die Geschwindigkeit, mit der die Druckwelle die Arterien eines Organismus durchläuft. Diese Geschwindigkeit ist höher als die normale Strömungsgeschwindigkeit des Blutes.

Bereits bei einer gering ausgeprägten Schilddrüsenunterfunktion (latente Hypothyreose) ist diese Pulswellenerscheinungszeit deutlich ausgeprägter als bei schilddrüsengesunden Personen. Der Referenzbereich der Pulswellenerscheinungszeit wird im Hinblick darauf mit 204 bis 230 msec angegeben.

(In Anlehnung an: K. Hamano, M. Inoue: „Increased risk for atherosclerosis estimated by pulse wave velocity inhypothyroidism and its reversal with appropriate thyroxine treatment“, Endoc J 2005, 1(52): 95 – 101)

Linktipp: Β. Lüderitz, Κ. Wittmer, D. Jüngst “Wertigkeit der Pulswellenerscheinungszeit bei Störungen der Schilddrüsenfunktion”, Med. Klin. 73 (1978), 1657-1663 (Nr. 47), Direktlink

Achillessehnenreflexzeit

Die Achillessehnenreflexzeit (auch: Triceps-surae-Reflexzeit) ist die relativ kurze Zeitspanne, die nach der gezielten Stimulation der Sehne durch den Arzt bis zu einer Eigenreflexantwort vergeht. Der Reflex, d.h. die Streckung des Sprunggelenkes, wird dabei durch einen leichten Schlag auf die Achillessehne ausgelöst.

Die Achillessehnenreflexzeit kann bei Schilddrüsenerkrankungen einen diagnostischen Hinweis liefern. So ist sie ist bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) deutlich verlängert. Als Referenzbereich für die Achillessehnenreflexzeit werden diesbezüglich in der Literatur 280 bis 410 msec angegeben.

(In Anlehnung an: C. Courtin, C. Meier, J. Galambos, M. Guglielmetti, M. Kunz, J. J. Staub: „Achillessehnenreflexzeit – Ein metabolischer Marker des Schilddrüsenhormonmangels an der quergestreiften Muskulatur“, Schilddrüse 1999, 221 – 227)

TRH-Test

Bei dem Verdacht, dass trotz normaler → Schilddrüsenhormonwerte (TSH, fT3, fT4) im Blut eine Schilddrüsenfehlfunktion vorliegt, wird manchmal auch zusätzlich der sogenannte TRH-Test durchgeführt.

TRH = Thyreotropin Releasing Hormon

TRH ist ein vom Hypothalamus produziertes Hormon, welches die Hypophyse anregt TSH freizusetzen.

Beim TRH-Test wird zunächst das TSH gemessen, dann TRH als Nasenspray verabreicht oder intravenös gespritzt und nach 30 Minuten erneut das TSH gemessen. Die Differenz der gemessenen TSH-Werte ist ein Indiz für das Vorliegen einer versteckten Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse.

Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (Encephalomyelitis disseminata) ist eine vermutlich autoimmun verursachte entzündliche, meist schubförmig verlaufende Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) bei der es zur Zerstörung der Schutzschicht der Nervenfasern (Myelinscheiden) kommt.

Da die charakteristischen Entzündungsherde überall im ZNS auftreten können sind die unterschiedlichsten Krankheitssymptome (z.B. Sehstörungen, Kribbelparästhesien, Spastiken, Lähmungen, Erschöpfungszustände) möglich. Es gibt unterschiedliche Krankheitsverläufe: die schubförmig remittierende MS, die primär progrediente MS, die sekundär progrediente MS und die extrem seltene fulminant verlaufende MS.

Der Erkrankungsbeginn liegt häufig zwischen dem 15. und 40 Lebensjahr, wobei Frauen doppelt so häufig wie Männer an einer Multiplen Sklerose erkranken. Die Krankheitsursache konnte noch nicht eindeutig geklärt werden – als Auslöser angenommen wird eine Kombination von genetischer Disposition und äußeren Faktoren. Diskutiert wird darüber hinaus, daß ein gemeinsamer Defekt des Immunsystems der Grund dafür sein könnte, daß eine Multiple Sklerose und die autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen Morbus Basedow, Hashimoto Thyreoiditis) gehäuft zusammen auftreten.

Vorsicht bei Röntgenuntersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln

Viele Röntgenkontrastmittel enthalten Jod. Durch Messungen der Jodausscheidung im Urin in Abhängigkeit von der Kontrastmittelmenge wurde festgestellt, dass die Schilddrüse bei Röntgenuntersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln große Mengen Jod einlagert. Dieses Jod beeinflusst die Schilddrüsenfunktionslage. Insbesondere der TSH-Wert wird dadurch erniedrigt, so dass es zu einer kontrastmittelinduzierten Hyperthyreose kommen kann. Diese Gefahr ist umso größer, je niedriger das TSH bereits vor der Untersuchung mit dem jodhaltigen Röntgenkontrastmittel gewesen ist. Die Schilddrüsenhormonkonzentrationen fT4 und fT3 sowie die Antikörperhöhe bleiben bei einmaliger Untersuchung mit einem jodhaltigen Röntgenkontrastmittel jedoch in der Regel unverändert.

Quelle: J. Rendl, B. Saller: “Schilddrüse und Röntgenkontrastmittel: Pathophysiologie, Häufigkeit und Prophylaxe der jodinduzierten Hyperthyreose” / S. Schlüter: “Schilddrüsenfunktionsänderungen nach Gabe jodhaltiger Röntgenkontrastmittel bei Coronarangiographien und PTCA: Eine prospektive Studie an 102 Patienten”.