Thermoablation von Schilddrüsenknoten

Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. Dr. Hüdayi Korkusuz (Deutsches Zentrum für Thermoablation e.V., www.dzta.de)

Die Thermoablation von Schilddrüsenknoten als alternative Behandlungsmethode zur Schilddrüsenoperation und als alternative Behandlungsform zur Radiojodtherapie.

Neben einer Schilddrüsenvergrößerung gehören Schilddrüsenknoten zu den häufigsten Veränderungen in der Schilddrüse. In Deutschland sind diese Knoten in den meisten Fällen gutartig, das klinisch apparente Schilddrüsenkarzinom macht nur 0,1 bis 1% aller bösartigen Erkrankungen aus. Zur Therapie von Schilddrüsenknoten kann auch die Thermoablation eingesetzt werden, welche schon seit Jahren erfolgreich bei Leber-, Lungen- und Nierenerkrankungen eingesetzt wird.

Was ist die Thermoablation?

Die Thermoablation ist ein Überbegriff für verschiedene thermische Verfahren, mit denen Gewebe durch Hitze zerstört wird. Hierzu zählen die Radiofrequenzablation (RFA), die fokussierte Ultraschalltherapie (Echotherapie, HIFU), die laserinduzierte Thermotherapie (LITT) und die gekühlte Mikrowellenablation (MWA). Bei diesen nicht-operativen Verfahren, wird Wärme im Bereich des Schilddrüsenknotens erzeugt. Bei Temperaturen von über 42 Grad Celsius treten temperaturinduzierte Zellschädigungen auf. Ab 60 Grad Celsius sind diese Zellschädigungen irreversibel, d. h. das behandelte Schilddrüsengewebe welches den heißen und/oder den kalten Schilddrüsenknoten bildet, wird vom körpereigenen Abwehrsystem abgebaut. Der Knoten wird mit der Zeit deutlich kleiner.

Thermoablation eines Schilddrüsenknotens. Volumen vor und nach einmaliger Behandlung nach 3 Monaten.

Welche Verfahren sind geeignet zur Thermoablation von Schilddrüsenknoten?

Bei der Thermoablation stellt die Radiofrequenzablation die momentan am besten untersuchte und am häufigsten genutzte Methode dar. Im Bereich der RFA-Sonde wird ein Stromfluss generiert, es entsteht ein elektrischen Feld und damit eine Erhitzung des Gewebes. In über 100 Studien konnte die Sicherheit und Effektivität der RFA als Therapieoption in der Behandlung von Schilddrüsenknoten evaluiert werden. Daher gehört die Radiofrequenzablation in einigen Ländern zu den empfohlenen Verfahren (Leitlinie) bei der Behandlung von gutartigen Schilddrüsenknoten und bei der Behandlung von Lokalrezidiven von Schilddrüsenkarzinomen.
Zur Laserablation, Mikrowellenablation und die Echotherapie sind etwas weniger Studien bekannt. Die Ergebnisse der Laser-, Mikrowellenablation und Echotherapie sind mit denen der Radiofrequenzablation vergleichbar.
Bei der Laserablation emittiert Licht bestimmter Wellenlänge in das Gewebe, durch die Licht- (Photonen-) Absorption entstehen Temperaturen von bis zu 300 Grad Celsius, die Eindringtiefe ist sehr präzise, daher können auch kleine Knoten sehr gut und sicher behandelt werden. Bei der Mikrowellenablation baut sich ein Mikrowellenfeld an der MWA-Sonde auf, durch das elektromagnetische Feld werden Wassermoleküle angeregt, es entsteht Wärme.

Thermoablation bei einem 10-jährigen Mädchen. Auch bei Kindern wird die Therapie nur mit örtlicher Betäubung durchgeführt.

Wie wird die Thermoablation durchgeführt?

Die technische Durchführung der Thermoablation (RFA, MWA, LASER) ist einfach und erfordert nur eine örtliche Betäubung und keine Vollnarkose. Nach einer schmerzstillenden Spritze und nach Desinfektion der Haut im Halsbereich wird Ultraschall-gesteuert eine spezielle Nadel in den Schilddrüsenknoten platziert (minimal-invasiv). Die Nadel wird für mehrere Minuten aktiviert, im Bereich des Knotens entsteht Hitze. Ist der Schilddrüsenknoten abladiert, kann die Behandlung beendet werden, ansonsten wird die Behandlung wiederholt. Die Thermoablation mittels fokussierter Ultraschall (Echotherapie, HIFU) erfolgt ohne eine Nadel (nicht-invasiv). Durch einen bestimmten konkaven (nach innen gebogenen) Ultraschallkopf werden Ultraschallwellen in den Schilddrüsenknoten fokussiert, im Bereich des Knotens entsteht Hitze. Ist der Schilddrüsenknoten abladiert, kann die Behandlung beendet werden, ansonsten wird die Behandlung wiederholt.

Thermoablation einer sogenannten rezidivierenden Schilddrüsenzyste. Nach einmaliger Sitzung läuft die Schilddrüsenzyste nicht mehr nach.

Wie sind die Erfolgsaussichten der Thermoablation von Schilddrüsenknoten?

In aktuellen Studien konnte gezeigt werden, dass das Volumen der Schilddrüsenknoten nach Behandlung bereits nach 3 Monaten im Durchschnitt 30-50% abnimmt, nach 6 Monaten liegt das reduzierte Knotenvolumen bereits bei 40-65%. Im Langzeitverlauf nach 12 Monaten reduzierte sich das Knotenvolumen im Durchschnitt um bis zu 50-90%. Die prozentuale Abnahme des Knotenvolumens ist vom Knotencharakter abhängig. Die Schilddrüsenknoten werden hierfür in drei verschiedene Gruppen unterteilt (solide, gemischt solide-zystisch, primär zystisch). Das Volumen der Schilddrüsenknoten reduziert sich in allen drei Versuchsgruppen wobei die Abnahme in primär zystischen Schilddrüsenknoten den anderen Gruppen deutlich überlegen ist.

Die Behandlung einer Lymphknotenmetastase, der Tumormarker war nach 3 Monaten wieder unterhalb der Nachweisgrenze.

Was ist mit Schilddrüsenkarzinomen?

Die Thermoablation kann auch bei Patienten mit primären Schilddrüsenkarzinomen und bei Patienten mit Lymphknotenmetastasen erfolgreich durchgeführt werden, wenn ein Operation oder eine Radiojodtherapie nicht möglich sind. Der Weltverband für Ultraschall in Medizin und Biologie (World Federation for Ultrasound in Medicine and Biology) hat in seiner offiziellen Zeitschrift (Ultrasound in Medicine and Biology) die Thermoablation von Schilddrüsenknoten, von Schilddrüsenzysten und die Behandlung von Metastasen des Schilddrüsenkarzinoms als Alternative Therapieform zur Chirurgie und zur Radiojodtherapie empfohlen.

Langzeitverlauf nach einmaliger Behandlung.

Was ist mit Nebenschilddrüsenadenomen?

Die Überfunktion der Nebenschilddrüse gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen und wird meist durch ein sogenanntes Adenom, eine gutartige Wucherung direkt am Organ, ausgelöst. Diese Störung wird auch als primärer Hyperparathyreodismus (pHPT) bezeichnet und äußert sich in einer Überproduktion des Parathormons, das den Kalziumhaushalt des Körpers reguliert. Werden zu große Mengen des Hormons produziert, wird Kalzium aus dem Knochen abgebaut und gleichzeitig der Kalziumspiegel im Blut überhöht. In der Folge kommt es zu Osteoporose, Nierensteinen, Herzrhythmusstörungen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und vor allem einem Mangel an sexuellem und emotionalem Interesse führen. Die einzige Möglichkeit zur dauerhaften Behandlung dieser Überfunktion bestand bisher in der operativen Entfernung der betroffenen Nebenschilddrüse. Die nicht-operative Verkleinerung des Nebenschilddrüsenadenoms ist eine echte Alternative, falls eine Operation nicht möglich ist. Die Thermoablation des Nebenschilddrüsenadenoms wird nur mit einer örtlichen Betäubung durchgeführt.


Was ist das DZTA (Deutsches Zentrum für Thermoablation e.V.) ?

Das DZTA (Deutsches Zentrum für Thermoablation e.V., www.dzta.de) hat das Ziel, die Thermoablation von Schilddrüsenknoten in Deutschland zu optimieren und den ärztlichen Austausch über Erfahrungen mit den verschiedenen thermoablativen Verfahren zu fördern. Ärzte können dort auch ihre Kenntnisse der Thermoablation von Schilddrüsenknoten prüfen und zertifizieren lassen. Damit sichert das DZTA eine hohe Behandlungsqualität über den Standort Frankfurt hinaus. Patienten können dem DZTA ihre Befunde schicken und anfragen, ob bei Ihnen eine Thermoablation sinnvoll ist oder nicht. Die Thermoablation wird bei sogenannten „heißen“ und „kalten“ Schilddrüsenknoten durchgeführt.

Weitere Informationen zum Thema Thermoablation:
→ Thermoablative Verfahren zur Behandlung von Schilddrüsenknoten
→ Deutsches Zentrum für Thermoablation zur Behandlung von Schilddrüsenknoten in Frankfurt gegründet
→ Erstmalig in Deutschland: Schilddrüsenkrebs durch Hitze zerstört
→ Universitätsklinikum Frankfurt erhält schnellste Ultraschalltechnik gegen Schilddrüsenknoten

-Werbung-