Schlagwort-Archiv: TSH

Ermittlung der individuell richtigen Schilddrüsenhormondosis

Schilddrüsenhormone  müssen täglich, entweder 30 Minuten vor dem Frühstück oder unmittelbar vor dem Schlafengehen, eingenommen werden.

Die Einstellung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat ist eine langwierige Angelegenheit die sich normalerweise über mehrere Monate – in Einzelfällen sogar ein bis zwei Jahre – hinzieht.

Initialdosis

Zunächst wird die Initialdosis (auch: Aufsättigungs- oder Anfangsdosis) ermittelt. Als grobe Richtschnur wird dabei von einem Schilddrüsenhormonbedarf von ein bis zwei Mikrogramm Levothyroxinnatrium pro Kilogramm Körpergewicht ausgegangen.

Diese Initialdosis ist normalerweise höher als die später notwendige Erhaltungsdosis, damit möglichst schnell eine Besserung des Befindens erreicht wird. Im Hinblick darauf ist jedoch zu berücksichtigen, dass Schilddrüsenhormone aufgrund möglicher unangenehmer Erstreaktionen einschleichend dosiert werden müssen. Ermittlung der individuell richtigen Schilddrüsenhormondosis weiterlesen

Keine Studien zu Schilddrüsen-Check

Wer wissen möchte, ob seine Schilddrüse gut funktioniert, kann zum Beispiel einen sogenannten TSH-Test auf eigene Rechnung machen lassen. Ob so ein Test etwas nützt, ist jedoch fraglich. Der IGeL-Monitor bewertet die TSH-Bestimmung zum Schilddrüsen-Check mit „tendenziell negativ“.

Wissenschaftler des IGeL-Monitors wollten herausfinden, ob der TSH-Test bei Menschen ohne Beschwerden dazu beitragen kann, dass sie seltener oder weniger stark an der Schilddrüse erkranken oder an den Folgen der Krankheit sterben. Ergebnis: Die Bewertung des TSH-Tests zum Schilddrüsen-Check fiel „tendenziell negativ“ aus. Sie fanden keine Studien, die einen Nutzen untersucht haben, sehen es aber als wahrscheinlich an, dass es in der Folge einer TSH-Bestimmung zu indirekten Schäden kommen kann. Diese Bewertung gilt für nicht-schwangere Erwachsene ohne Beschwerden, die auf eine Schilddrüsen-Erkrankungen zurückgehen könnten. Welchen Nutzen und Schaden die IGeL für Schwangere hat, wurde also nicht untersucht. Keine Studien zu Schilddrüsen-Check weiterlesen

Lehrmeinung contra Erfahrungswissen

Die Diskrepanz zwischen der offiziellen medizinischen Lehrmeinung und dem subjektiven Erfahrungswissen der SchilddrüsenpatientInnen zeigt sich besonders deutlich wenn es um den TSH-Wert geht.

TSH ist die Abkürzung für „Thyroidea Stimulating Hormon“. Das TSH wird von der Hypophyse produziert und regt die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone T4 und T3 an.

Die Bestimmung des TSH-Wertes ist Basis jeder Schilddrüsenfunktionsdiagnostik. Der Normalbereich des TSH-Wertes umfasst die Spanne von 0,3 bis 2,5 mU/l. Erniedrigte TSH-Werte (kleiner als 0,1 – 0,3 mU/l) bedeuten, dass die Schilddrüse zu viele Hormone produziert oder dass die von aussen zugeführte Schilddrüsenhormondosis zu hoch ist. Das wird auch als „hyperthyreosis factitia“ oder „iatrogene Hyperthyreose“ bezeichnet. Lehrmeinung contra Erfahrungswissen weiterlesen

Informationen zum TSH-Referenzbereich

Weil häufiger nachgefragt wird wie der Stand der Dinge im Hinblick auf den TSH-Referenzbereich ist, möchte ich kurz auf eine aktuelle Veröffentlichung mit dem Titel “The Normal TSH Reference Range: What Has Changed in the Last Decade?” aufmerksam machen. Diese ist als Volltext kostenfrei abrufbar. Im Literaturverzeichnis des Artikels von Bernadette Biondi finden sich zudem zahlreiche Verweise auf weitere Veröffentlichungen zum Thema.

Bernadette Biondi
The Normal TSH Reference Range: What Has Changed in the Last Decade?
The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism
September 1, 2013 vol. 98 no. 9 3584-3587
http://jcem.endojournals.org/content/98/9/3584.long

TSH wirkt auch auf den Knochenstoffwechsel

In einer amerikanischen Studie wurde der Einfluß des Thyreoidea Stimulating Hormon (TSH) auf den Knochenstoffwechsel untersucht. TSH wird von der Hypophyse produziert und stimuliert die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone T4 und T3.

Daneben konnte von den Forschern der Mount Sinai School of Medicine in New York jetzt auch eine stimulierende Wirkung von TSH auf die für den Knochenaufbau verantwortlichen Zellen, die sogenannten Osteoblasten nachgewiesen werden.

Quelle: Ramkumarie Balirama, Rauf Latifa, Joshua Berkowitza, Simon Frida, Graziana Colaiannib, Li Sunb, Mone Zaidib, Terry F. Daviesa “Thyroid-stimulating hormone induces a Wnt-dependent, feed-forward loop for osteoblastogenesis in embryonic stem cell cultures”, PNAS (National Academies of Science) 12. September 2011, Abstract

Zusammenspiel von Hypophyse und Hypothalamus

In der Online-Ausgabe der Pharmazeutischen Zeitung wurde aktuell der interessante Artikel “Hypothalamus und Hypophyse. Schaltzentralen für Homone” publiziert. Verfasser sind die Redakteure Brigitte Gensthaler, Christina Hohmann und Sven Siebenand.

Die Schilddrüsenhormone werden zwar in der Schilddrüse hergestellt, aber ihre Produktion unterliegt einem komplexen Regelmechanismus und wird durch bestimmte Bereiche des Gehirns gesteuert. Wenn im Hypothalamus (Zwischenhirn) ein Mangel an Schilddrüsenhormonen im Blut registriert wird, wird dort das Hormon TRH gebildet und zur Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) geschickt. An der Hypophyse angekommen regt das TRH die Bildung des Hormons TSH an. Das freigesetzte TSH gelangt von da zur Schilddrüse, wo es seinerseits die Bildung der Schilddrüsenhormone T4 und T3 stimuliert. Die Schilddrüse bildet daraufhin unter anderem aus der Aminosäure Tyrosin und dem Spurenelement Jod die Schilddrüsenhormone T4 und T3. Wenn ausreichend Schilddrüsenhormone hergestellt und in den Blutkreislauf abgegeben wurden, wird das sofort von der “Mess-Station” im Hypothalamus registriert. Daraufhin wird die dortige Produktion von TRH eingestellt.

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TSH-Referenzbereiche bei Kindern

Im Rahmen einer Schilddrüsendiagnostik wird häufig zunächst nur der TSH-Wert bestimmt. Diesbezüglich ist zu berücksichtigen, daß jedes Labor seine eigenen Referenzbereichsgrenzen ermittelt und es sich hier um ungefähre Angaben handelt die lediglich eine grobe Richtschnur bieten.

Hinzu kommt, dass Laborwerte allein keine ausreichende Aussagekraft haben, sondern die Beurteilung von Schilddrüsenkrankheiten bei Kindern immer das sorgfältige Abwägen von durch das Kind geäußerten Beschwerden, von den Eltern beobachteten Veränderungen sowie Laborbefunden und weiteren Untersuchungen voraussetzt.

TSH-Referenzbereiche in Abhängigkeit vom Lebensalter

Lebensalter bis 10 Tage: TSH-Referenzbereich < 20 mU/I

11 Tage bis 12 Monate: TSH 1,3 bis 8,5 mU/l

1 bis 6 Jahre: TSH 0,8 bis 6,5 mU/l

7 bis 18 Jahre: TSH 0,3 bis 4,5 mU/l

Bei Jugendlichen ist die Obergrenze umstritten. Bei gut entwickelten 16 bis 18 Jährigen muss unter Umständen der TSH-Referenzbereich für Erwachsenen angewendet werden.

Erwachsene: TSH 0,2 bis 2,5 mU/l

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Beurteilung der Schilddrüsenparameter

Die korrekte Beurteilung der Schilddrüsenparameter TSH, fT4 und fT3 ist ausgesprochen schwierig, weil sie von zahlreichen unterschiedlichen Faktoren abhängig ist.

Bei schilddrüsengesunden Patienten bzw. vor Therapiebeginn werden die gemessenen Werte beispielsweise anders beurteilt als bei schilddrüsenkranken Patienten unter einer Therapie mit einem Schilddrüsenhormonpräparat. Hier wird tendenziell ein TSH im niedrig normalen Bereich (0,5 – 1,0 mIU/ml), ein fT4 im oberen Bereich und ein fT3 im mittleren Bereich angestrebt. In Ausnahmefällen kann es aber auch notwendig sein über die Referenzbereiche hinauszugehen.

Bei der Beurteilung der Schilddrüsenparameter ist außerdem zu berücksichtigen, dass es durch die unterschiedlichsten Einflussfaktoren zu verfälschten Werten kommen kann, welche die Schilddrüsenhormonstoffwechsellage nicht korrekt widerspiegeln. An Medikamenten sind hier insbesondere Amiodaron und Lithium zu nennen. Einige Hersteller der Testverfahren weisen zudem darauf hin, dass sehr hohe Antikörpertiter die Testergebnisse beeinflussen können.

TSH

Schwere Allgemeinerkrankungen können ebenso wie Stress und Diäten eine deutliche Erniedrigung des TSH zur Folge haben. Bei körperlicher Belastung oder Kälte steigt das TSH an. Auch durch Störungen der Nebennierenrindenfunktion wird die TSH-Sekretion beeinflusst (Morbus Addison ► TSH erhöht, Morbus Cushing ► TSH erniedrigt). Verschiedene Medikamente wie z.B. Dopamin, Somatostatin, Hydrocortison, Glucokortikoide, Bromocriptin, Salicylate usw. können das TSH senken. T3-T4-Kombinationspräparate haben fast immer eine dauerhafte Suppression des TSH zur Folge. Dopamin-Antagonisten wie Metoclopramid, Domperidon und Haloperidol können ebenso wie Thyreostatika zu einer Erhöhung des TSH führen.

FT3 und FT4

1. Low-T3-Syndrom (Abfall des fT3 bei schweren Allgemeinerkrankungen)

2. Inzwischen häufiger Berücksichtigung finden Variablen wie Alter, Geschlecht oder auch die Einnahme östrogenhaltiger Ovulationshemmer bzw. das Vorliegen einer Schwangerschaft. Bei Kindern gelten grundsätzlich andere Referenzbereiche als oben angegeben! Bei Männern liegen die Werte von fT3 und fT4 tendenziell höher als bei Frauen. Bei Frauen die Ovulationshemmer einnehmen liegen die fT3- und fT4-Werte höher als bei Frauen die keine Ovulationshemmer einnehmen. Bei Schwangeren sind eine Erniedrigung des TSH sowie eine geringgradige Erhöhung des fT4 häufig.

Erklärung der Schilddrüsenlaborwerte, Teil 1: Schilddrüsenhormonwerte
“Ist das TSH normal – fühlt der Patient sich optimal …”
Ermittlung der individuell richtigen Schilddrüsenhormondosis

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“Ist das TSH normal – fühlt der Patient sich optimal …”

Das TSH (Thyroidea Stimulating Hormon, andere Bezeichnung: Thyreotropin), ein 1929 von ARON und LÖB entdecktes Hypophysenhormon, welches die Schilddrüse zur Produktion der Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 anregt, gilt als der wichtigste Laborwert bei der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen und bei der Beurteilung der Schilddrüsenhormonstoffwechsellage unter einer Therapie mit Thyreostatika oder Schilddrüsenhormonen. Aber als alleiniger Parameter besitzt es weder zum Ausschluss einer Schilddrüsenerkrankung noch zur Überprüfung einer Behandlung mit Schilddrüsenmedikamenten hinreichende Aussagekraft. Die Untersuchung der Schilddrüse muss neben der TSH-Bestimmung immer auch eine Sonografie umfassen und bei der Therapiekontrolle sind neben dem TSH die Werte der freien Schilddrüsenhormone fT3 / fT4 erforderlich.

Tyrannei des TSH

Doch in Zeiten eines beschränkten Laborbudgets und oftmals nur unzureichenden Wissens über Schilddrüsenkrankheiten sieht die Realität in Arztpraxen heute so aus, dass sich die meisten Ärzte bei der Überprüfung der Schilddrüsenfunktion ausschließlich am TSH orientieren und allzu oft sogar das Befinden ihrer Patienten ignorieren, wenn ein innerhalb der Labornorm liegendes TSH gemessen wird. Aussagen wie “Das TSH ist in Ordnung – Ihre Beschwerden können also nicht von der Schilddrüse kommen” sind häufig schlichtweg falsch und entmündigen die Patienten, die oft trotz vermeintlich normaler TSH-Werte an schilddrüsenbedingten Symptomen leiden, in ihrer Selbstwahrnehmung. Dieser unhaltbare Zustand wird von SHOMON zutreffend als “Tyrannei des TSH” bezeichnet (M. Shomon: „Die gesunde Schilddrüse“, Mosaik bei Goldmann, München 2002, Seite 123 ff. Die diagnostische Tyrannei des TSH).

„ [… ] Spezielle Blutuntersuchungen (In vitro -Tests) sind ein unerlässlicher Bestandteil der gesamten Schilddrüsendiagnostik. Als alleinige Säulen einer Diagnostik sind sie indes unzureichend. Nicht erhöhte oder erniedrigte Blutwerte werden schließlich behandelt, sondern die Krankheit des Patienten, welche sich erst bei komplexer Gesamtschau der Anamnese, der klinischen Untersuchung, evtl. weiterer medizinisch-technischer Untersuchungsergebnisse und nicht zuletzt dank des “diagnostischen Blicks” des erfahrenen Arztes erschließt. Veränderungen der Blutwerte (Schilddrüsenhormonkonzentration im Blut) und ihre Auswirkung auf das Befinden (Konzentration im Gewebe) können zudem durchaus zeitlich versetzt vorkommen. Weiterhin ist von Bedeutung, ob ein Patient mit stark erhöhten oder erniedrigten Schilddrüsenhormonwerten erst kurz leidet oder unerkannt bereits seit Monaten. Im letzteren Fall könnte er bereits lebensbedrohlich entkräftet sein. Auch manche zusätzlichen Erkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente können das Ergebnis der Hormonanalyse stören.“ (G. Mödder u.a.: „Blututersuchungen (in-vitro-tests)“, , Zugriff am 30.05.2006).

Nachdem das TSH lange Zeit als ausreichender Parameter bei der Beurteilung einer Therapie mit Schilddrüsenhormonen galt, ziehen dies inzwischen sogar neuere Studien in Zweifel (M. Alevizaki, E. Mantzou, A. T. Cimponeriu, C. C. Alevizaki, D. A. Koutras: „TSH may not be a good marker for adequate thyroid hormone replacementtherapy“, Wien Klin Wochenschr 2005, 18(117): 636 – 640). “Ist das TSH normal – fühlt der Patient sich optimal …” weiterlesen