Schlagwort-Archiv: Schilddrüsenvergrößerung

Schilddrüsenvergrößerung durch Belastung mit Nitrat und Huminsäure

Das ist keine neue Erkenntnis, aber in „aktuellen“ Publikationen plötzlich wieder ein Thema. Die Aussagen zu Jod, Nitrat und Huminsäure beziehen sich jedoch vermutlich auf eine fast 20 Jahre alte Bundesdrucksache, auch wenn keiner der Autoren die Quelle explizit nennt.

Der Hintergrund: Bei der Jodmangelprophylaxe ging es ursprünglich auch darum den Mehrbedarf an Jod aufgrund von Belastungen des Trinkwassers mit  kropfbildenden Substanzen wie Nitrat und Huminsäure auszugleichen. Schilddrüsenvergrößerung durch Belastung mit Nitrat und Huminsäure weiterlesen

Größte gesamteuropäische Jodstudie startet

Wissenschaftler aus 27 europäischen Ländern wollen mit Hilfe der EU dem Jodmangel den Kampf ansagen. Mit dem Netzwerk EUthyroid stellt sich eine gesamteuropäische Initiative der Herausforderung,  die Jodversorgung der europäischen Bevölkerung wissenschaftlich zu erfassen und gemeinsam geeignete Maßnahmen zu entwickeln, um die Jodversorgung in Europa nachhaltig zu verbessern.

Heute beginnt in Wien das dreitägige Kick-off Meeting. Die Koordinierung des EU–Forschungsprojektes mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem Fördervolumen in Höhe von drei Millionen Euro übernimmt die Universitätsmedizin Greifswald. Größte gesamteuropäische Jodstudie startet weiterlesen

Endokrinologen starten Informationskampagne: „Hormongesteuert?!“ klärt über Hormone und Stoffwechsel auf

Von Diabetes, Osteoporose oder Schilddrüsen-Erkrankungen sind in Deutschland Millionen von Menschen betroffen. Allen diesen Erkrankungen liegt eine Störung des Hormonstoffwechsels zugrunde. Um diese zielgerichtet zu behandeln, ist ein Experte aus dem Fachbereich der Endokrinologie, der Lehre von Hormonen und Stoffwechsel, gefragt. Dennoch ist die Endokrinologie in der Bevölkerung wenig bekannt. Mit einer Informationskampagne will die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) dies nun ändern. Auf der Pressekonferenz ihrer 58. Jahrestagung am 18. März 2015 in Lübeck informierten Experten über Hormone und Stoffwechselstörungen und geben den Startschuss für die Kampagne „Hormongesteuert?!“. Endokrinologen starten Informationskampagne: „Hormongesteuert?!“ klärt über Hormone und Stoffwechsel auf weiterlesen

Chirurgische Therapie der Struma nodosa

Im Deutschen Ärzteblatt wurden aktuell gleich zwei Artikel zur chirurgischen Therapie der Struma nodosa veröffentlicht.

N. Rayes, D. Seehofer, P. Neuhaus: „Chirurgische Therapie bei beidseitiger benigner Struma nodosa: Abwägung zwischen Radikalität und Komplikationen„, Dtsch Arztebl Int 2014; 111(10): 171-8; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0171

R. Gärtner: „Struma nodosa: Umsichtige Indikation zur Operation„, Dtsch Arztebl Int 2014; 111(10): 169-70; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0169

Heiße oder kalte Knoten in der Schilddrüse sind ein relativ häufiger Befund. Aber auch wenn diese nur selten bösartig sind, haben viele betroffene PatientInnen Angst vor Schilddrüsenkrebs. Die Folge ist, dass sie gemeinsam mit ihren behandelnden ÄrztInnen oft vorschnell die Entscheidung zu einer operativen Entfernung der Schilddrüse treffen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf das vor wenigen Monaten veröffentlichte Interview mit Prof. Dr. Georg Brabant hinweisen, der sich zu diesem Umstand äussert und auf die Frage eingeht, wann eine Operation der Schilddrüse wirklich indiziert ist.

Ergebnisse der Studie SHIP-Trend zur Prävalenz von Schilddrüsenerkrankungen

„SHIP – Leben und Gesundheit in Vorpommern“ ist eine epidemiologische Studienreihe, die unter der Leitung von Prof. Dr. Henry Völzke (Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald) durchgeführt wird.

SHIP = Study of Health in Pomerania.
SHIP-0 = erste Studienreihe
SHIP-Trend = zweite Studienreihe

Ausführliche Informationen zu SHIP (Probandeninformation, Studienbeschreibung, Dokumentation, Datennutzung, Publikationen usw.) sind auf der Internetseite der Universität Greifswald hier veröffentlicht.

Im Hinblick darauf wurde jetzt auch ein sehr interessanter Abschlussbericht der zweiten Studienreihe SHIP-Trend publiziert, die von 2008 bis 2012 durchgeführt wurde. Unter dem Titel „Monitoring der Prävalenz von Schilddrüsenerkrankungen in der Erwachsenenbevölkerung“ gibt es sehr aufschlussreiche Informationen, die bei genauerer Betrachtung einiges an Diskussionsstoff liefern. So konnte die Studienreihe SHIP-Trend beispielsweise belegen, dass sowohl die Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen als auch die Häufigkeit von Schilddrüsenmedikationen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben.

Die 27seitige Zusammenfassung zur Prävalenz von Krankheiten der Schilddrüse ist als PDF-Datei auf der Internetseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hier abrufbar.

Chirurgische Therapie von gut- und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen

Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Dr. Andrea Beuleke und Prof. Dr. Joachim Jähne (Klinik für Allgemein- u. Visceralchirurgie, Schwerpunkt endokrine u. onkologische Chirurgie, Henriettenstiftung Hannover).

1. Anatomische und funktionelle Grundlagen

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse liegt vor bzw. seitlich der Luftröhre unterhalb des Kehlkopfes. Sie gehört zu den endokrinen Drüsen des Menschen und produziert jodhaltige Hormone. Diese üben eine aktivierende Funktion auf Grundumsatz und Stoffwechsel aus und greifen somit in viele Funktionen des Körpers ein. Direkt hinter der Schilddrüse zieht beidseits neben der Luftröhre der Stimmbandnerv, der für eine intakte Sprachfunktion verantwortlich ist, zum Kehlkopf. Daneben finden sich auf beiden Seiten der Schilddrüse jeweils zwei sogenannten Nebenschilddrüsen, die für den Calcium-Stoffwechsel des Körpers von Bedeutung sind.

2. Erkrankungen der Schilddrüse

Die häufigste Erkrankung der Schilddrüse – die knotige oder auch gleichmäßige Vergrößerung, auch Kropf oder Struma genannt – wird durch Jodmangel hervorgerufen. Wird der Schilddrüse über die Nahrung zu wenig Jod zugeführt, versucht die Schilddrüse durch Wachstum und Vergrößerung diesen Jodmangel auszugleichen. Diese Vergrößerung kann mit Knotenbildung einhergehen und ist manchmal auch äußerlich sichtbar. Meistens liegt hierbei eine normale Stoffwechselfunktion der Schilddrüse vor.

Ferner gibt es Schilddrüsenerkrankungen, die sich durch Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse auszeichnen. Diese können mit einer Vergrößerung oder Knotenbildung der Schilddrüse einhergehen. Außerdem gibt es auch bösartige Tumore (Karzinome) der Schilddrüse.

3. Typische Beschwerden

Die vergrößerte Schilddrüse (Struma) kann zu einem Enge- Druck- oder Kloßgefühl am Hals führen. Engt die Schilddrüse aufgrund ihrer Größe Luft- oder Speiseröhre ein können auch Luftnot und Schluckbeschwerden auftreten. Eine Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) wird hervorgerufen durch einzelne Knoten oder auch durch multiple kleinknotige Veränderungen der Schilddrüse, die zu viel Schilddrüsenhormon produzieren. Die Überfunktion kann mit Herzrasen, Gewichtsverlust, Unruhe, Nervosität, Wärmeintoleranz und Schwitzen einhergehen. Zu unterscheiden ist von der knotigen evtl. vergrößerten Schilddrüse mit Überfunktion die Immunerkrankung Morbus Basedow. Diese spezielle Form der Überfunktion kann mit einer typischen Augenerkrankung (Hervortreten der Augen, vermehrtes Tränen oder Brennen der Augen) kombiniert sein. Die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) geht typischerweise mit Symptomen wie Müdigkeit, Gewichtszunahme etc. einher.

4. Untersuchungen

Wird eine Schilddrüsenerkrankung vermutet, kommen zur weiteren Abklärung folgende Untersuchungen in Betracht:

Körperliche Untersuchung durch den Arzt:

Eine Vergrößerung oder Knoten können häufig bereits durch Abtasten des Halses bzw. der Schilddrüse festgestellt werden.

Labor:

Mit Hilfe einer Blutentnahme kann der Anteil von Schilddrüsenhormonen im Blut bestimmt werden. Hierdurch kann beispielsweise eine Unter– bzw. Überfunktion der Schilddrüse festgestellt oder ausgeschlossen werden. Spezielle Tumormarker können auf eine bösartige Entartung in der Schilddrüse hindeuten.

Sonographie bzw. Ultraschalluntersuchung:

Durch eine Schilddrüsen-Sonographie lassen sich Lage und Größe der Schilddrüse erfassen. Ferner können Knoten dargestellt werden.

Szintigraphie:

Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, die eine Aussage über den Funktionszustand der Schilddrüse bzw. der einzelnen Knoten zulässt. Heiße Knoten (heiße Adenome, autonomes Adenom) nehmen mehr Jod auf als die sogenannten kalten Knoten. Sie produzieren zu viele Hormone und sind damit überaktiv (autonom). Kalte Knoten nehmen weniger bis kein Jod auf, sie können gutartige Zysten, gutartige Adenome, in seltenen Fällen aber auch Karzinome sein.

Feinnadelpunktion:

Ob ein Knoten gutartig oder bösartig ist, kann auch durch Punktion festgestellt werden: Mit einer feinen Nadel wird eine Probe des knotigen Schilddrüsengewebes entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht.

Nach diesen Untersuchungen kann eine Empfehlung zur Behandlung der Schilddrüsenerkrankung gegeben werden.

Behandlungsmöglichkeiten / Operative Behandlung

Hier kommen – je nach Erkrankung – verschiedene Therapieformen in Betracht: Bei leichter Vergrößerung der Schilddrüse ist zunächst eine medikamentöse Therapie (Gabe von Schilddrüsenhormon und/oder Jod als Tablette) indiziert. Zur Verlaufskontrolle sind regelmäßige Blutkontrollen sowie Ultraschalluntersuchungen bzw. eine Szintigraphie sinnvoll.

Wann sollte die vergrößerte knotige Schilddrüse operiert werden?

  • Je größer die Struma
  • Bei Wachstum der knotigen Veränderungen
  • Bei lokalen Beschwerden
  • Bei auffälligen kalten Knoten (Unbedingt bei Verdacht auf Bösartigkeit)

Die Behandlung einer Überfunktion der Schilddrüse kann alternativ zur Operation auch medikamentös oder durch radioaktives Jod (Radiojodtherapie) erfolgen. Die Festlegung der bestmöglichsten Therapie erfolgt in der Regel in Zusammenschau aller Untersuchungsbefunde im Konsens der beteiligten Ärzte, des Patienten und dem erfahrenen Chirurgen.

5. Gutartige Erkrankungen der Schilddrüse
5.1 Morphologie– und funktionsgerecht

Hierbei wird das gesamte knotig veränderte oder funktionell überaktive Gewebe entfernt. Das bedeutet: Abhängig von der Erkrankung der Schilddrüse wird ganz unterschiedlich viel Restgewebe entfernt beziehungsweise zurückgelassen. Liegt beispielsweise lediglich ein einzelner Knoten vor, so ist es u. U. ausreichend, nur diesen zu entfernen. Liegen viele knotige Veränderungen vor, kann es erforderlich sein, die gesamte Schilddrüse zu entfernen.

Das Eingriffsziel bei einer Überfunktion ist die langzeitig erfolgsversprechende ausgedehnte Entfernung von Schilddrüsengewebe. Vor allem bei dem sog. Morbus Basedow sollte nicht zuviel Schilddrüsenrestgewebe zurückgelassen werden. Das anzustrebende Restvolumen beträgt 2 – 4 ml. Wird mehr Restgewebe bei dieser Erkrankungsform zurückgelassen, ist das Risiko eines Rezidives (Wiederauftreten des Kropfes) nicht ganz unerheblich. Wiederholungseingriffe (Rezidivoperationen) durch Knotenneuwachstum oder Wiederauftreten einer Schilddrüsenüberfunktion sind weitaus aufwendiger und mit gesteigerten Risiken verbunden.

5.2 Schonung des Stimmbandnerven und der Nebenschilddrüsen

Bei allen Schilddrüsenoperationen wird vom Operateur darauf geachtet, dass der Stimmbandnerv und die Nebenschilddrüsen, die dicht an der Schilddrüse liegen, unbedingt geschont werden.

Dies erreicht u. a. man durch: Genauestes, möglichst blutarmes Operieren. Durchführung des Eingriffes mit Lupenbrille (Vergrößerung 3,5 fach). Einsetzen von Neuromonitoring (Kontrolle des Stimmbandnerven unter der Operation durch Elektrostimulation). Besonders bei Wiederholungseingriffen und in der Schilddrüsenkrebs-Chirurgie ist diese Methode eine große Hilfe.

5.3 Risiken der Operation

Wundheilungsstörungen: 1 – 5 %

Unterfunktion der Nebenschilddrüsen: vorübergehend bis zu 25% / bleibend ca. 1%

Bei Verletzung oder gar Entfernung der höchstens reiskorngroßen Nebenschilddrüsen treten Störungen des Calcium-Haushaltes auf. Dies kann zu einem Kribbelgefühl zum Beispiel in den Händen führen und die Einnahme von Calcium-Tabletten erfordern. Diese Unterfunktion ist jedoch häufig nur vorübergehend bzw. rückläufig.

Verletzung des Stimmbandnerven: vorübergehend bis zu 7% / bleibend ca. 1%

Der Stimmbandnerv steuert die Beweglichkeit der Stimmbänder. Wird er verletzt kommt es zu einer heiseren und etwas leiseren Stimme. Selten zu Atemstörungen. Bei einer permanenten Verletzung sollte eine logopädische Mitbetreuung erfolgen.

5.4 Nachbehandlung / Nachsorgekonzept

Noch während des stationären Aufenthaltes erfolgt nach der Operation eine Untersuchung der Stimmbänder durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Zusätzlich zu dem während der Operation durchgeführtem Neuromonitoring soll hierbei die Funktion des Stimmbandnerven auf ihre Intaktheit überprüft werden.

Häufig liegt nach einer Schilddrüsenoperation eine Unterfunktion der Schilddrüse vor. Da diese nicht mehr ausreichend körpereigenes Schilddrüsenhormon produzieren kann, muss dieses zeitlebens ,,von außen“ als Tablette zugeführt werden. Daher ist ggf. eine Substitution mit Levothyroxin (Schilddrüsenhormon) und/oder Jod unter Berücksichtigung von Resektionsausmaß, Funktion und individuellen Gegebenheiten (Sonographie, Szintigraphie, Labor) erforderlich. Zur Festlegung der Medikation ist die 1. Kontrolle ca. 2 – 4 Wochen nach der Operation, abhängig vom verbliebenen Restgewebe, in der vorbehandelnden nuklearmedizinischen Praxis zu empfehlen. Hierbei erfolgt die Kontrolle der Hormone im Blut, eventuell Ultraschall und/oder eine Szintigraphie und anschließend die exakte Hormoneinstellung. Die exakte Nachsorge soll ein Wiederauftreten des Kropfes (Rezidiv) oder eine Funktionsstörung verhindern.

6. Bösartige Erkrankungen der Schilddrüse

Unter Schilddrüsenkrebs versteht man einen bösartigen Tumor (Karzinom) in der Schilddrüse. Ein Tumor entsteht, wenn sich Zellen unkontrolliert teilen und vermehren. Schilddrüsenkrebs ist eine seltene Tumorerkrankung. In ganz Deutschland erkranken jährlich rund 2.000 bis 3.000 Menschen an Schilddrüsenkrebs, Frauen sind etwa 3 x häufiger betroffen als Männer. Die Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs sind gut, sie sind unter anderem abhängig von Art und Ausdehnung des Tumors sowie dem Alter des Patienten. Wie bei allen Krebsarten gilt auch hier: Je früher die Erkrankung entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen.

6.1 Unterschiedliche Krebsarten

Man unterscheidet die verschiedenen Schilddrüsenkrebsarten nach den Zelltypen grundsätzlich in differenzierte, undifferenzierte und medulläre Karzinome. Die differenzierten Karzinome machen rund 80 bis 90 % aller bösartigen Schilddrüsenkarzinome aus. Weiterhin werden diese unterschieden in papilläre und follikuläre Tumore. Die differenzierten Schilddrüsenkarzinome ähneln weitgehend dem gesunden Schilddrüsengewebe und haben durch diese Ähnlichkeit und durch das relativ langsame Tumorwachstum die besten Heilungschance. Eine besondere Tumorart stellen die medullären Karzinome dar. Diese können familiär gehäuft auftreten und dann auch mit anderen endokrinen Erkrankungen kombiniert sein. Die undifferenzierten Karzinome betreffen eher den älteren Menschen und wachsen recht aggressiv.

6.2 Veränderungen, die auf Bösartigkeit hinweisen könnten
  • fehlende Schluck-/ Hautverschieblichkeit
  • rasches Wachstum
  • Heiserkeit
  • frühere Bestrahlung des Halses
6.3 Behandlung bei Schilddrüsenkrebs

In der Regel beginnt die Behandlung bei einem bösartigem Tumor der Schilddrüse mit der Entfernung der gesamten Schilddrüse und der umgebenden Lymphknoten. Etwa drei bis sechs Wochen nach der Operation folgt eine Radiojodtherapie, bei der noch vorhandenes, jodspeicherndes Restgewebe und mögliche Metastasen zerstört werden. Da der Patient nun keine körpereigenen Schilddrüsenhormone mehr produzieren kann, muss er diese zeitlebens ,,von außen“ als Tablette zuführen.

Die Heilungschancen sind bei einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom sehr gut. Da dennoch bei einer geringen Patientenzahl Rückfälle möglich sind, ist eine lebenslange Nachsorge der Patienten wichtig.

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Morbus Basedow: Informationen zum Krankheitsbild

Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Jutta Knopp.

Bei Morbus Basedow (Autoimmunhyperthyreose) handelt es sich um eine eng mit der Hashimoto-Thyreoiditis verwandte Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fehlerhaft reagiert und sich gegen körpereigenes Gewebe – in diesem Falle die Schilddrüse – richtet. Das Immunsystem bildet bestimmte organspezifische Autoantikörper gegen die Schilddrüse und stimulieren diese zu einer stark übersteigerten Schilddrüsenhormonproduktion, so dass es zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt.

Es ist die seltenere (ca. 1 – 6 % der Bevölkerung sind daran erkrankt), jedoch allgemein weitaus bekanntere Variante von autoimmuner Schilddrüsenerkrankung. Benannt wurde die Erkrankung nach Carl Adolph von Basedow, der die Erkrankung 1840 erstmals in Merseburg/Deutschland beschrieb. Im englischen Sprachraum ist Morbus Basedow als „Graves’ disease“ bekannt (benannt nach dem in Dublin/Irland praktizierenden Arzt Robert J. Graves, der die Krankheit bereits vor Basedow im Jahre 1835 beschrieb).

Am häufigsten von Morbus Basedow sind Frauen betroffen (Frauen erkranken 5-8 mal häufiger als Männer), die meisten erkranken zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr (das erklärt sich vermutlich aus den in diesem Alter häufigeren Hormonumschwüngen bedingt durch Schwangerschaften/Geburten/Wechseljahre). Seltener sind Kinder/Jugendliche betroffen.

Eine zentrale Rolle bei dieser Erkrankung nehmen die TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) ein, denn diese Antikörper sind letztendlich für die Krankheitsymptome verantwortlich, indem sie an den TSH-Rezeptoren der Schilddrüse andocken und die Schilddrüse zu einer übermäßigen Schilddrüsenhormonproduktion veranlassen. Daneben können die TRAK auch noch am Augenhintergrundgewebe andocken und dort eine endokrine Orbitopathie (EO) auslösen. Morbus Basedow: Informationen zum Krankheitsbild weiterlesen

Wird bei einer Schilddrüsenoperation immer die gesamte Schilddrüse entfernt?

Nein. Ob die Schilddrüse vollständig oder nur teilweise entfernt werden muss, hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab.

Bei einem Schilddrüsenkarzinom wird immer eine möglichst vollständige Entfernung der gesamten Schilddrüse (Thyreoidektomie) angestrebt.

Eine Strumaresektion (Strumektomie) wird hingegen bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt. Dabei wird ein Teil des Schilddrüsengewebes stehen gelassen.

Manchmal reicht auch eine Hemithyreoidektomie (Entfernung eines Schilddrüsenlappens), wenn es beispielsweise durch einen Schilddrüsenknoten zu einer einseitigen Schilddrüsenvergrößerung gekommen ist und der zweite Schilddrüsenlappen gesund ist.

Bei einer Enukleation wird nur ein einzelner Schilddrüsenknoten entfernt und das umgebene Schilddrüsengewebe geschont. Allerdings kommt es danach häufig zu Rezidiven (Wiederauftreten von Schilddrüsenknoten) weswegen diese Operationsmethode heute nur noch selten angewendet wird.

Weitere Informationen zur Schilddrüsenoperation

Was bedeuten die ICD-10 Diagnoseschlüssel?

ICD-10 steht für die aktuelle International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme). Dabei handelt es sich um ein weltweit anerkanntes, medizinisches Diagnose-Klassifikationssystem, welches von der Weltgesundheitsorganisation entwickelt wurde. In Deutschland sind alle Ärzte verpflichtet, die von ihnen gestellten Diagnosen nach ICD-10 zu verschlüsseln.

Kapitel IV Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
E00 bis E07 Krankheiten der Schilddrüse

E00 Angeborenes Jodmangelsyndrom

E00.0 Angeborenes Jodmangelsyndrom, neurologischer Typ

E00.1 Angeborenes Jodmangelsyndrom, myxödematöser Typ

E00.2 Angeborenes Jodmangelsyndrom, gemischter Typ

E00.9 Angeborenes Jodmangelsyndrom, nicht näher bezeichnet

E01 Jodmangelbedingte Schilddrüsenkrankheiten und verwandte Zustände

E01.0 Jodmangelbedingte diffuse Struma

E01.1 Jodmangelbedingte mehrknotige Struma

E01.2 Jodmangelbedingte Struma , nicht näher bezeichnet

E01.8 Sonstige jodmangelbedingte Schilddrüsenkrankheiten und verwandte Zustände

E02 Subklinische Jodmangel-Hypothyreose

E03 Sonstige Hypothyreose

E03.0 Angeborene Hypothyreose mit diffuser Struma

E03.1 Angeborene Hypothyreose ohne Struma

E03.2 Hypothyreose durch Arzneimittel oder andere exogene Substanzen

E03.3 Postinfektiöse Hypothyreose

E03.4 Atrophie der Schilddrüse (erworben)

E03.5 Myxödemkoma

E03.8 Sonstige näher bezeichnete Hypothyreose

E03.9 Hypothyreose, nicht näher bezeichnet

E04 Sonstige nichttoxische Struma

E04.0 Nichttoxische diffuse Struma

E04.1 Nichttoxischer solitärer Schilddrüsenknoten

E04.2 Nichttoxische mehrknotige Struma

E04.8 Sonstige näher bezeichnete nichttoxische Struma

E04.9 Nichttoxische Struma, nicht näher bezeichnet

E05 Hyperthyreose [Thyreotoxikose]

E05.0 Hyperthyreose mit diffuser Struma

E05.1 Hyperthyreose mit toxischem solitärem Schilddrüsenknoten

E05.2 Hyperthyreose mit toxischer mehrknotiger Struma

E05.3 Hyperthyreose durch ektopisches Schilddrüsengewebe

E05.4 Hyperthyreosis factitia

E05.5 Thyreotoxische Krise

E05.8 Sonstige Hyperthyreose

E05.9 Hyperthyreose, nicht näher bezeichnet

E06 Thyreoiditis

E06.0 Akute Thyreoiditis

E06.1 Subakute Thyreoiditis

E06.2 Chronische Thyreoiditis mit transitorischer Hyperthyreose

E06.3 Autoimmunthyreoiditis

E06.4 Arzneimittelinduzierte Thyreoiditis

E06.5 Sonstige chronische Thyreoiditis

E06.9 Thyreoiditis, nicht näher bezeichnet

E07 Sonstige Krankheiten der Schilddrüse

E07.0 Hypersekretion von Kalzitonin

E07.1 Dyshormogene Struma

E07.8 Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der Schilddrüse

E07.9 Krankheit der Schilddrüse, nicht näher bezeichnet

Unterschiedliche Arten von Schilddrüsenvergrößerungen

Struma ist der medizinische Fachbegriff für eine Vergrößerung der Schilddrüse. Es gibt zahlreiche Arten und unzählige Bezeichnungen für Schilddrüsenvergrößerungen. Um da den Überblick zu behalten, muss man wirklich ein ausgewiesener Schilddrüsenexperte sein.

Einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Struma adolescentium sive juvenilis = während der Pubertät auftretende Schilddrüsenvergrößerung (Pubertätskropf)
  • blande oder benigne Struma = gutartige Schilddrüsenvergrößerung
  • Struma colloidales = Schilddrüsenvergrößerung durch vergrößerte Schilddrüsenfollikel
  • Struma diffusa parenchymatosa = gleichmäßige, nicht scharf abgegrenzte Schilddrüsenvergrößerung
  • distope Struma = vergrößertes, verlagertes Schilddrüsengewebe, z.B. unter der Zunge oder in Richtung Brustkorb
  • eutope Struma = anatomisch normale Vergrößerung der Schilddrüse
  • euthyreote Struma = Schilddrüsenvergrößerung mit normaler Schilddrüsenfunktion
  • Struma fibrosa = harte, bindegewebsartige Schilddrüsenvergrößerung
  • hyperthyreote Struma = Schilddrüsenvergrößerung mit gleichzeitig bestehender Schilddrüsenüberfunktion
  • hypothyreote Struma = Schilddrüsenvergrößerung mit gleichzeitig bestehender Schilddrüsenunterfunktion
  • Jodmangelstruma = durch Jodmangel bedingte Schilddrüsenvergrößerung
  • Struma maligna = bösartige Schilddrüsenvergrößerung
  • Struma mollis = weiche Schilddrüsenvergrößerung durch veränderte Schilddrüsenzellen
  • Struma multinodosa = Schilddrüsenvergrößerung mit mehreren Schilddrüsenknoten
  • Struma neonatorum = angeborene Schilddrüsenvergrößerung bei einem Baby (Neugeborenenkropf)
  • Struma nodosa = Schilddrüsenvergrößerung mit Schilddrüsenknoten (Knotenkropf)
  • Struma uninodosa = Schilddrüsenvergrößerung mit einem einzelnen Schilddrüsenknoten
  • Struma vasculosa = Schilddrüsenvergrößerung mit veränderten Blutgefäßen

Hinzu kommen auch noch andere laienhafte Bezeichnungen wie Kropf, Drüsenschwellung oder heute nur noch wenig gebräuchlich Satthals.