Schlagwort-Archiv: Schilddrüsenoperation

Schilddrüsenerkrankungen: Vor einer Operation sollten verschiedene Fachärzte das Organ untersuchen

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als hunderttausend Menschen an der Schilddrüse operiert. Für viele Schilddrüsenerkrankungen ist es die beste und sogar die einzige Behandlungsmöglichkeit. Warum sich Patienten interdisziplinär, also von verschiedenen Fachärzten, untersuchen, beraten und behandeln lassen sollten, bevor die Entscheidung zur Operation fällt, darüber spricht eine Expertin auf der Pressekonferenz anlässlich der 89. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) am 8. Mai in Lübeck.

Etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung sind an der Schilddrüse erkrankt. Das kleine Organ auf Höhe der Luftröhre direkt unterhalb des Kehlkopfs produziert dann hierbei nicht selten zu viel oder zu wenig Hormone. „Schilddrüsenhormone sind an der Aufrechterhaltung verschiedener lebensnotwendiger Körperfunktionen beteiligt“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Magis Mandapathil von der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde Asklepios St. Georg (Hamburg) im Vorfeld der 89. Jahrestagung. „Störungen haben unter anderem Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und den körperlichen Antrieb.“ Schilddrüsenerkrankungen: Vor einer Operation sollten verschiedene Fachärzte das Organ untersuchen weiterlesen

Operationsindikation bei der benignen Struma des Erwachsenen

In Deutschland werden im Vergleich zu anderen europäischen Ländern oder auch den USA deutlich mehr Schilddrüsenoperationen durchgeführt.  Über die möglichen Gründe, insbesondere ob hierzulande die Entscheidung zur operativen Entfernung der Schilddrüse zu leichtfertig getroffen wird, wird seit längerem teilweise kontrovers diskutiert.

Vor wenigen Tagen, am 08. Januar 2018, ist zu dieser Thematik ein aktueller Artikel im Deutschen Ärzteblatt publiziert worden. Autoren: Detlef F. Bartsch, Markus Luster, Heinz J. Buhr, Dietmar Lorenz, Christoph-Thomas Germer, Peter E. Goretzki. Titel: Operationsindikation bei der benignen Struma des Erwachsenen. Direktlink: Dtsch Arztebl Int 2018; 115(1-2): 1-7; DOI: 10.3238/arztebl.2018.0001,  aerzteblatt.de

Weltweit erstmalig: Lebendspende-Transplantation einer isolierten Nebenschilddrüse

Das Team um Professor Dr. Ayman Agha unter der Leitung von Professor Dr. Hans-Jürgen Schlitt am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) entwickelte einen neuen chirurgischen Therapieansatz, mit dem eine dauerhafte Unterfunktion der Nebenschilddrüse behandelt werden kann. Drei Jahre nach dem Eingriff ziehen die Mediziner Bilanz.

Am 18. Juni 2013 hat das chirurgische Team des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) weltweit erstmals eine isolierte Nebenschilddrüse eines lebenden Fremdspenders transplantiert. In einer Fallstudie wurde dieser bislang nach wie vor einzigartige Eingriff nun publiziert. Weltweit erstmalig: Lebendspende-Transplantation einer isolierten Nebenschilddrüse weiterlesen

Schilddrüsen-OP: ABBA sorgt für makellosen Hals

Frauen, die sich aufgrund eines Knotens der Schilddrüse einer Operation unterziehen müssen, können aufatmen. Dank der Methode des „Axillo Bilateral Breast Approach“ – kurz ABBA – kann der Eingriff ohne den sonst üblichen queren Schnitt in der Halsregion erfolgen. Die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden gehört deutschlandweit zu den wenigen Krankenhäusern, die diese Schlüsselloch-OP nun anbieten kann. Eine 32-jährige Dresdnerin ist die erste von dem Team um Klinikdirektor Prof. Jürgen Weitz operierte Patientin – der Eingriff fand Anfang Februar statt. Schilddrüsen-OP: ABBA sorgt für makellosen Hals weiterlesen

Schilddrüsenoperation bei einem Kind mit Morbus Basedow

In der Online-Ausgabe der Zeit wurde vor einigen Tagen ein Artikel veröffentlicht, den ich hier gern weiterempfehlen möchte. Es geht um ein 14jähriges Mädchen, welches wegen einer Morbus Basedow-Erkrankung an der Schilddrüse operiert wurde. Mit dem Text “Kinder im Krankenhaus. Jetzt musst du tapfer sein” ermöglicht der Autor Christian Heinrich den Eltern betroffener Kinder eine gute Einschätzung dessen was auf ihre Familie im Zusammenhang mit einer notwendigen Operation der Schilddrüse zukommt.

Kompetenzzentren für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie

Jährlich werden in Deutschland circa 120.000 Schilddrüsenoperationen durchgeführt. Für alle Patienten, die einen solchen Eingriff vor sich haben, stellt sich die Frage welche Klinik – möglichst in Wohnortnähe – über eine möglichst große Erfahrung und hohe Qualitätsstandards diesbezüglich verfügt.

DGAV
Quelle: dgav.de

Eine Orientierung bietet die von  der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK) der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV) veröffentlichte Liste mit Krankenhäusern die als Kompetenz- bzw. Referenzzentrum für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie (K-SD/NSD) oder Endokrine Chirurgie (K-EC) zertifiziert wurden.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 4: Horner-Syndrom

Definition

Klassifikation nach ICD-10: G90.2 Horner-Syndrom

Andere Bezeichnungen: Horner-Trias, Claude Bernard-Horner-Syndrom, Präganglionäres Horner-Syndrom

1869 erstmals beschrieben von dem Schweizer Augenarzt Johann Friedrich Horner

Als Horner-Syndrom wird ein dreiteiliger Symptomkomplex (Verengung der Pupille, Herabhängen des Oberlids, Zurücksinken des Auges in die Augenhöhle) aufgrund einer Schädigung des Ganglion stellatum bezeichnet. Das Ganglion stellatum ist eine komplizierte Ansammlung von Nerven im Bereich der unteren Halsregion.

Symptome

Charakteristisch für das meist einseitig auftretende Horner-Syndrom sind folgende Krankheitszeichen:

1. Verengung der Pupille (Miosis)

Betroffener Muskel: Musculus dilatator pupillae

Auf der vom Horner-Syndrom betroffenen Seite ist die Pupille deutlich verengt. Auf einen Lichtreiz reagiert sie sehr langsam und erweitert sich auch im Dunkeln nur unvollständig. Dadurch haben die erkrankten Patienten häufig Probleme beim Sehen in der Dunkelheit.

2. Herabhängen des Oberlids (Ptosis, upside-down-ptosis)

Betroffener Muskel: Musculus tarsalis

Besonders auffällig beim Horner-Syndrom ist das dauerhafte Herabhängen eines Oberlids. Dieses kann willentlich nicht mehr oder nur noch geringfügig angehoben werden. Als Folge des herabhängenden Oberlids kann das Gesichtsfeld spürbar eingeschränkt sein.

3. Zurücksinken des Auges in die Augenhöhle (Enophthalmus)

Betroffener Muskel: Musculus orbitalis

Dieser Aspekt des Horner-Syndroms gilt als umstritten. Während einige Autoren darauf hinweisen, dass das betroffene Auge sehr tief liegend und deutlich in die Augenhöhle eingesunken ist sprechen andere Mediziner von einem vorgetäuschten Enophthalmus.

Neben den erwähnten drei Hauptsymptomen kann es beim Horner-Syndrom außerdem zu einer verminderten Schweißbildung (Hypohydrosis) im Bereich von Kopf, Hals und eventuell auch Oberkörper auf der betroffenen Körperhälfte kommen. Als Harlekin-Syndrom werden hingegen die einseitige Rötung und Schweißbildung auf der nicht vom Horner-Syndrom betroffenen Gesichtshälfte bezeichnet wie sie z.B. nach sportlichen Aktivitäten auftreten.

Ursachen

Als Ursachen für das glücklicherweise sehr selten im Zusammenhang mit Erkrankungen der Schilddrüse auftretende Horner-Syndrom gelten sowohl eine Nervenreizung durch eine erheblich vergrößerte Schilddrüse (z.B. als Folge von Schilddrüsenkrebs) als auch die Nervenschädigung im Verlauf einer Schilddüsenoperation.

Behandlung

Das Horner-Syndrom kann bislang leider nicht ursächlich behandelt werden. Gelegentlich bilden sich die Symptome nach der Schilddrüsenoperation innerhalb mehrerer Monate ohne weitere Behandlung von allein wieder zurück. Dies hängt allerdings davon ab, ob das Nervengeflecht nur zeitweise gereizt war oder dauerhaft geschädigt worden ist. Bleibt das Horner-Syndrom unverändert bestehen, kann das herabhängende Oberlid operativ angehoben werden. Leider sind die Ergebnisse für die erkrankten PatientInnen nicht immer zufriedenstellend und gelegentlich sind mehrere Korrekturen erforderlich. Deshalb ist es sehr ratsam sich vor einem Eingriff eine Zweitmeinung einzuholen.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 3: Rekurrensparese

Definition

Klassifikation nach ICD-10:

Andere Bezeichnung: Stimmbandlähmung

Unter einer Rekurrensparese versteht man die Lähmung (Parese) der Stimmbänder als Folge einer Schädigung des Nervus laryngeus recurrens.

Symptome

Die möglicherweise auftretenden Krankheitszeichen hängen davon ab, ob nur ein Stimmband betroffen ist oder ob eine beidseitige Stimmbandlähmung vorliegt.

Typisch für eine einseitige Rekurrensparese sind

  • Heiserkeit
  • Reizhusten

Bei einer beidseitigen Rekurrensparese kommt es zusätzlich zu

  • Atemnot
  • Atemgeräusche

Sehr selten können außer dem Nervus laryngeus recurrens auch noch weitere Nerven im Rahmen der Schilddrüsenoperation geschädigt worden sein. Dann können außerdem Schluckstörungen auftreten.

Ursachen

Der Nervus laryngeus recurrens verläuft direkt neben der Schilddrüse. Deshalb wird er bei Schilddrüsenoperationen gelegentlich (7 % vorübergehend, 1 % bleibend) in Mitleidenschaft gezogen. Desweiteren können Schilddrüsenkarzinome für eine Rekurrensparese verantwortlich sein.

Behandlung

Um eine Rekurrensparese in Folge einer Schädigung des Nervus laryngeus recurrens zu vermeiden, wird bei Schilddrüsenoperationen immer häufiger das sogenannte Neuromonitoring eingesetzt. Dabei werden Irritationen des Nervus laryngeus recurrens schon während des operativen Eingriffs mit Hilfe von elektrischen Impulsen sichtbar gemacht.

Direkt nach der Schilddrüsenoperation sollte ein HNO-Arzt die Beweglichkeit der Stimmbänder überprüfen, um eine Rekurrensparese auszuschliessen oder so früh wie möglich eine Behandlung einzuleiten.

Art und Weise der Behandlung der Rekurrensparese hängen anschliessend davon ab, ob es sich um eine ein- oder beidseitige Lähmung der Stimmbänder handelt. Bei einer einseitigen Stimmbandlähmung kann eine logopädische Stimmbandübungstherapie helfen die Auswirkungen der Rekurrensparese auf die Stimme zu verbessern. Auch eine Elektrostimulationstherapie ist möglich. Liegt hingegen eine beidseitige Rekurrensparese vor, kann ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) indiziert sein, um die Atemnot zu lindern.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 2: Hypoparathyreoidismus

Definition

Klassifikation nach ICD-10:

Andere Bezeichnung: Nebenschilddrüsenunterfunktion

Beim Hypoparathyreoidismus handelt es sich um einen Parathormonmangel aufgrund einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Die insgesamt vier Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae) liegen etwas unterhalb der Schilddrüse. Sie bilden das Parathormon. Dieses Hormon ist entscheidend, wenn es darum geht für einen ausreichend hohen Calciumspiegel im Blut zu sorgen. Wenn die Nebenschilddrüsen nicht richtig funktionieren bedeutet dies, dass sie zu wenig Parathormon ausschütten. Dies bezeichnen Ärzte als Hypoparathyreoidismus. Fehlt das Parathormon kommt es in der Folge zwangsläufig auch zu einem Calciummangel, der sogenannten Hypokalzämie.

Symptome

Charakteristisch für einen Hypoparathyreoidismus sind ausgeprägte Calciummangelsymptome.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Muskelschmerzen bis hin zu ausgeprägten Muskelkrämpfen
  • Missempfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen
  • Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Nervosität

Auffällig sind beim Hypoparathyreoidismus auch oft das Chvostek-Zeichen (Unkontrolliertes Zucken des Mundwinkels als Reaktion auf das Beklopfen des Nervus facialis-Stammes vor einem Ohrläppchen.) und/oder das Trousseau-Zeichen (Pfötchenstellung der Hand als Reaktion auf das Aufpumpen der Blutdruckmanschette an dem betreffenden Arm).

Ursachen

Die häufigste Ursache für einen Hypoparathyreoidismus ist eine Schilddrüsenoperation. Bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen werden die Nebenschilddrüsen dabei manchmal versehentlich entfernt. Bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen (Schilddrüsenkrebs, Karzinom der Schilddrüse) gibt es häufig keine andere Möglichkeit als neben der Schilddrüse auch die Nebenschilddrüsen mit zu entfernen.

Behandlung

Vorübergehender Hypoparathyreoidismus (bis zu 25 %)*: Versehentlich entfernte Nebenschilddrüsen können durch eine Autotransplantation (Verpflanzung innerhalb des eigenen Körpers) wieder einwachsen und nehmen nach einiger Zeit dann auch die Produktion des Parathormons wieder auf. Anfangs können z.B. intravenöse Calciumgaben erforderlich sein, aber langfristig reguliert sich auch der Calciumhaushalt wieder.

Bleibender Hypoparathyreoidismus (ca. 1 %): Wenn die Nebenschilddrüsen nach einer Schilddrüsenoperation auf Dauer nicht mehr richtig funktionieren oder alle vier Nebenschilddrüsen bei der Schilddrüsenoperation entfernt wurden, müssen die betroffenen SchilddrüsenpatientInnen lebenslang Calcium und Vitamin D in Tablettenform zu sich nehmen.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 1: Wundheilungsstörungen

Normaler Heilungsprozess

In den ersten Tagen nach einer Schilddrüsenoperation kommt es im Bereich der Operationswunde häufig zu

  • Schwellungen
  • Rötungen
  • kleineren Blutungen
  • Blutergüssen
  • leichten Verhärtungen

Das ist Ausdruck eines ganz normalen Heilungsprozesses und kein Grund zur Besorgnis. Meist bilden sich diese Auffälligkeiten dann auch zeitnah ohne weitere Behandlung von allein wieder zurück.

Auffällige Wundheilungsstörungen

Wie bei allen anderen operativen Eingriffen kann es aber auch bei Schilddrüsenoperationen selten zu Entzündungen der Operationswunde und dadurch bedingten Wundheilungsstörungen kommen.

  • Es bilden sich größere Blutergüsse.
  • Es kommt zu Nachblutungen.
  • Die Wunde schmerzt stark.
  • Es tritt Fieber mit schlechtem Allgemeinbefinden auf.
  • Es entwickelt sich ein auffällig gerötete, wulstige Narbe.

Da die Patienten nach einer Schilddrüsenoperation oft schon nach wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden, sollten sie bei derartigen Auffälligkeiten auf jeden Fall zeitnah ihren Hausarzt aufsuchen.