Schlagwort-Archiv: Schilddrüsenoperation

Weltweit erstmalig: Lebendspende-Transplantation einer isolierten Nebenschilddrüse

Das Team um Professor Dr. Ayman Agha unter der Leitung von Professor Dr. Hans-Jürgen Schlitt am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) entwickelte einen neuen chirurgischen Therapieansatz, mit dem eine dauerhafte Unterfunktion der Nebenschilddrüse behandelt werden kann. Drei Jahre nach dem Eingriff ziehen die Mediziner Bilanz.

Am 18. Juni 2013 hat das chirurgische Team des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) weltweit erstmals eine isolierte Nebenschilddrüse eines lebenden Fremdspenders transplantiert. In einer Fallstudie wurde dieser bislang nach wie vor einzigartige Eingriff nun publiziert. Weltweit erstmalig: Lebendspende-Transplantation einer isolierten Nebenschilddrüse weiterlesen

Schilddrüsen-OP: ABBA sorgt für makellosen Hals

Frauen, die sich aufgrund eines Knotens der Schilddrüse einer Operation unterziehen müssen, können aufatmen. Dank der Methode des „Axillo Bilateral Breast Approach“ – kurz ABBA – kann der Eingriff ohne den sonst üblichen queren Schnitt in der Halsregion erfolgen. Die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden gehört deutschlandweit zu den wenigen Krankenhäusern, die diese Schlüsselloch-OP nun anbieten kann. Eine 32-jährige Dresdnerin ist die erste von dem Team um Klinikdirektor Prof. Jürgen Weitz operierte Patientin – der Eingriff fand Anfang Februar statt. Schilddrüsen-OP: ABBA sorgt für makellosen Hals weiterlesen

Schilddrüsenoperation bei einem Kind mit Morbus Basedow

In der Online-Ausgabe der Zeit wurde vor einigen Tagen ein Artikel veröffentlicht, den ich hier gern weiterempfehlen möchte. Es geht um ein 14jähriges Mädchen, welches wegen einer Morbus Basedow-Erkrankung an der Schilddrüse operiert wurde. Mit dem Text „Kinder im Krankenhaus. Jetzt musst du tapfer sein“ ermöglicht der Autor Christian Heinrich den Eltern betroffener Kinder eine gute Einschätzung dessen was auf ihre Familie im Zusammenhang mit einer notwendigen Operation der Schilddrüse zukommt.

Kompetenzzentren für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie

Jährlich werden in Deutschland circa 120.000 Schilddrüsenoperationen durchgeführt. Für alle Patienten, die einen solchen Eingriff vor sich haben, stellt sich die Frage welche Klinik – möglichst in Wohnortnähe – über eine möglichst große Erfahrung und hohe Qualitätsstandards diesbezüglich verfügt.

DGAV
Quelle: dgav.de

Eine Orientierung bietet die von  der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK) der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV) veröffentlichte Liste mit Krankenhäusern die als Kompetenz- bzw. Referenzzentrum für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie (K-SD/NSD) oder Endokrine Chirurgie (K-EC) zertifiziert wurden.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 4: Horner-Syndrom

Definition

Klassifikation nach ICD-10: G90.2 Horner-Syndrom

Andere Bezeichnungen: Horner-Trias, Claude Bernard-Horner-Syndrom, Präganglionäres Horner-Syndrom

1869 erstmals beschrieben von dem Schweizer Augenarzt Johann Friedrich Horner

Als Horner-Syndrom wird ein dreiteiliger Symptomkomplex (Verengung der Pupille, Herabhängen des Oberlids, Zurücksinken des Auges in die Augenhöhle) aufgrund einer Schädigung des Ganglion stellatum bezeichnet. Das Ganglion stellatum ist eine komplizierte Ansammlung von Nerven im Bereich der unteren Halsregion.

Symptome

Charakteristisch für das meist einseitig auftretende Horner-Syndrom sind folgende Krankheitszeichen:

1. Verengung der Pupille (Miosis)

Betroffener Muskel: Musculus dilatator pupillae

Auf der vom Horner-Syndrom betroffenen Seite ist die Pupille deutlich verengt. Auf einen Lichtreiz reagiert sie sehr langsam und erweitert sich auch im Dunkeln nur unvollständig. Dadurch haben die erkrankten Patienten häufig Probleme beim Sehen in der Dunkelheit.

2. Herabhängen des Oberlids (Ptosis, upside-down-ptosis)

Betroffener Muskel: Musculus tarsalis

Besonders auffällig beim Horner-Syndrom ist das dauerhafte Herabhängen eines Oberlids. Dieses kann willentlich nicht mehr oder nur noch geringfügig angehoben werden. Als Folge des herabhängenden Oberlids kann das Gesichtsfeld spürbar eingeschränkt sein.

3. Zurücksinken des Auges in die Augenhöhle (Enophthalmus)

Betroffener Muskel: Musculus orbitalis

Dieser Aspekt des Horner-Syndroms gilt als umstritten. Während einige Autoren darauf hinweisen, dass das betroffene Auge sehr tief liegend und deutlich in die Augenhöhle eingesunken ist sprechen andere Mediziner von einem vorgetäuschten Enophthalmus.

Neben den erwähnten drei Hauptsymptomen kann es beim Horner-Syndrom außerdem zu einer verminderten Schweißbildung (Hypohydrosis) im Bereich von Kopf, Hals und eventuell auch Oberkörper auf der betroffenen Körperhälfte kommen. Als Harlekin-Syndrom werden hingegen die einseitige Rötung und Schweißbildung auf der nicht vom Horner-Syndrom betroffenen Gesichtshälfte bezeichnet wie sie z.B. nach sportlichen Aktivitäten auftreten.

Ursachen

Als Ursachen für das glücklicherweise sehr selten im Zusammenhang mit Erkrankungen der Schilddrüse auftretende Horner-Syndrom gelten sowohl eine Nervenreizung durch eine erheblich vergrößerte Schilddrüse (z.B. als Folge von Schilddrüsenkrebs) als auch die Nervenschädigung im Verlauf einer Schilddüsenoperation.

Behandlung

Das Horner-Syndrom kann bislang leider nicht ursächlich behandelt werden. Gelegentlich bilden sich die Symptome nach der Schilddrüsenoperation innerhalb mehrerer Monate ohne weitere Behandlung von allein wieder zurück. Dies hängt allerdings davon ab, ob das Nervengeflecht nur zeitweise gereizt war oder dauerhaft geschädigt worden ist. Bleibt das Horner-Syndrom unverändert bestehen, kann das herabhängende Oberlid operativ angehoben werden. Leider sind die Ergebnisse für die erkrankten PatientInnen nicht immer zufriedenstellend und gelegentlich sind mehrere Korrekturen erforderlich. Deshalb ist es sehr ratsam sich vor einem Eingriff eine Zweitmeinung einzuholen.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 3: Rekurrensparese

Definition

Klassifikation nach ICD-10:

Andere Bezeichnung: Stimmbandlähmung

Unter einer Rekurrensparese versteht man die Lähmung (Parese) der Stimmbänder als Folge einer Schädigung des Nervus laryngeus recurrens.

Symptome

Die möglicherweise auftretenden Krankheitszeichen hängen davon ab, ob nur ein Stimmband betroffen ist oder ob eine beidseitige Stimmbandlähmung vorliegt.

Typisch für eine einseitige Rekurrensparese sind

  • Heiserkeit
  • Reizhusten

Bei einer beidseitigen Rekurrensparese kommt es zusätzlich zu

  • Atemnot
  • Atemgeräusche

Sehr selten können außer dem Nervus laryngeus recurrens auch noch weitere Nerven im Rahmen der Schilddrüsenoperation geschädigt worden sein. Dann können außerdem Schluckstörungen auftreten.

Ursachen

Der Nervus laryngeus recurrens verläuft direkt neben der Schilddrüse. Deshalb wird er bei Schilddrüsenoperationen gelegentlich (7 % vorübergehend, 1 % bleibend) in Mitleidenschaft gezogen. Desweiteren können Schilddrüsenkarzinome für eine Rekurrensparese verantwortlich sein.

Behandlung

Um eine Rekurrensparese in Folge einer Schädigung des Nervus laryngeus recurrens zu vermeiden, wird bei Schilddrüsenoperationen immer häufiger das sogenannte Neuromonitoring eingesetzt. Dabei werden Irritationen des Nervus laryngeus recurrens schon während des operativen Eingriffs mit Hilfe von elektrischen Impulsen sichtbar gemacht.

Direkt nach der Schilddrüsenoperation sollte ein HNO-Arzt die Beweglichkeit der Stimmbänder überprüfen, um eine Rekurrensparese auszuschliessen oder so früh wie möglich eine Behandlung einzuleiten.

Art und Weise der Behandlung der Rekurrensparese hängen anschliessend davon ab, ob es sich um eine ein- oder beidseitige Lähmung der Stimmbänder handelt. Bei einer einseitigen Stimmbandlähmung kann eine logopädische Stimmbandübungstherapie helfen die Auswirkungen der Rekurrensparese auf die Stimme zu verbessern. Auch eine Elektrostimulationstherapie ist möglich. Liegt hingegen eine beidseitige Rekurrensparese vor, kann ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) indiziert sein, um die Atemnot zu lindern.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 2: Hypoparathyreoidismus

Definition

Klassifikation nach ICD-10:

Andere Bezeichnung: Nebenschilddrüsenunterfunktion

Beim Hypoparathyreoidismus handelt es sich um einen Parathormonmangel aufgrund einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Die insgesamt vier Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae) liegen etwas unterhalb der Schilddrüse. Sie bilden das Parathormon. Dieses Hormon ist entscheidend, wenn es darum geht für einen ausreichend hohen Calciumspiegel im Blut zu sorgen. Wenn die Nebenschilddrüsen nicht richtig funktionieren bedeutet dies, dass sie zu wenig Parathormon ausschütten. Dies bezeichnen Ärzte als Hypoparathyreoidismus. Fehlt das Parathormon kommt es in der Folge zwangsläufig auch zu einem Calciummangel, der sogenannten Hypokalzämie.

Symptome

Charakteristisch für einen Hypoparathyreoidismus sind ausgeprägte Calciummangelsymptome.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Muskelschmerzen bis hin zu ausgeprägten Muskelkrämpfen
  • Missempfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen
  • Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Nervosität

Auffällig sind beim Hypoparathyreoidismus auch oft das Chvostek-Zeichen (Unkontrolliertes Zucken des Mundwinkels als Reaktion auf das Beklopfen des Nervus facialis-Stammes vor einem Ohrläppchen.) und/oder das Trousseau-Zeichen (Pfötchenstellung der Hand als Reaktion auf das Aufpumpen der Blutdruckmanschette an dem betreffenden Arm).

Ursachen

Die häufigste Ursache für einen Hypoparathyreoidismus ist eine Schilddrüsenoperation. Bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen werden die Nebenschilddrüsen dabei manchmal versehentlich entfernt. Bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen (Schilddrüsenkrebs, Karzinom der Schilddrüse) gibt es häufig keine andere Möglichkeit als neben der Schilddrüse auch die Nebenschilddrüsen mit zu entfernen.

Behandlung

Vorübergehender Hypoparathyreoidismus (bis zu 25 %)*: Versehentlich entfernte Nebenschilddrüsen können durch eine Autotransplantation (Verpflanzung innerhalb des eigenen Körpers) wieder einwachsen und nehmen nach einiger Zeit dann auch die Produktion des Parathormons wieder auf. Anfangs können z.B. intravenöse Calciumgaben erforderlich sein, aber langfristig reguliert sich auch der Calciumhaushalt wieder.

Bleibender Hypoparathyreoidismus (ca. 1 %): Wenn die Nebenschilddrüsen nach einer Schilddrüsenoperation auf Dauer nicht mehr richtig funktionieren oder alle vier Nebenschilddrüsen bei der Schilddrüsenoperation entfernt wurden, müssen die betroffenen SchilddrüsenpatientInnen lebenslang Calcium und Vitamin D in Tablettenform zu sich nehmen.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 1: Wundheilungsstörungen

Normaler Heilungsprozess

In den ersten Tagen nach einer Schilddrüsenoperation kommt es im Bereich der Operationswunde häufig zu

  • Schwellungen
  • Rötungen
  • kleineren Blutungen
  • Blutergüssen
  • leichten Verhärtungen

Das ist Ausdruck eines ganz normalen Heilungsprozesses und kein Grund zur Besorgnis. Meist bilden sich diese Auffälligkeiten dann auch zeitnah ohne weitere Behandlung von allein wieder zurück.

Auffällige Wundheilungsstörungen

Wie bei allen anderen operativen Eingriffen kann es aber auch bei Schilddrüsenoperationen selten zu Entzündungen der Operationswunde und dadurch bedingten Wundheilungsstörungen kommen.

  • Es bilden sich größere Blutergüsse.
  • Es kommt zu Nachblutungen.
  • Die Wunde schmerzt stark.
  • Es tritt Fieber mit schlechtem Allgemeinbefinden auf.
  • Es entwickelt sich ein auffällig gerötete, wulstige Narbe.

Da die Patienten nach einer Schilddrüsenoperation oft schon nach wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden, sollten sie bei derartigen Auffälligkeiten auf jeden Fall zeitnah ihren Hausarzt aufsuchen.

Chirurgische Therapie der Struma nodosa

Im Deutschen Ärzteblatt wurden aktuell gleich zwei Artikel zur chirurgischen Therapie der Struma nodosa veröffentlicht.

N. Rayes, D. Seehofer, P. Neuhaus: „Chirurgische Therapie bei beidseitiger benigner Struma nodosa: Abwägung zwischen Radikalität und Komplikationen„, Dtsch Arztebl Int 2014; 111(10): 171-8; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0171

R. Gärtner: „Struma nodosa: Umsichtige Indikation zur Operation„, Dtsch Arztebl Int 2014; 111(10): 169-70; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0169

Heiße oder kalte Knoten in der Schilddrüse sind ein relativ häufiger Befund. Aber auch wenn diese nur selten bösartig sind, haben viele betroffene PatientInnen Angst vor Schilddrüsenkrebs. Die Folge ist, dass sie gemeinsam mit ihren behandelnden ÄrztInnen oft vorschnell die Entscheidung zu einer operativen Entfernung der Schilddrüse treffen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf das vor wenigen Monaten veröffentlichte Interview mit Prof. Dr. Georg Brabant hinweisen, der sich zu diesem Umstand äussert und auf die Frage eingeht, wann eine Operation der Schilddrüse wirklich indiziert ist.

Chirurgische Therapie von gut- und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen

Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Dr. Andrea Beuleke und Prof. Dr. Joachim Jähne (Klinik für Allgemein- u. Visceralchirurgie, Schwerpunkt endokrine u. onkologische Chirurgie, Henriettenstiftung Hannover).

1. Anatomische und funktionelle Grundlagen

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse liegt vor bzw. seitlich der Luftröhre unterhalb des Kehlkopfes. Sie gehört zu den endokrinen Drüsen des Menschen und produziert jodhaltige Hormone. Diese üben eine aktivierende Funktion auf Grundumsatz und Stoffwechsel aus und greifen somit in viele Funktionen des Körpers ein. Direkt hinter der Schilddrüse zieht beidseits neben der Luftröhre der Stimmbandnerv, der für eine intakte Sprachfunktion verantwortlich ist, zum Kehlkopf. Daneben finden sich auf beiden Seiten der Schilddrüse jeweils zwei sogenannten Nebenschilddrüsen, die für den Calcium-Stoffwechsel des Körpers von Bedeutung sind.

2. Erkrankungen der Schilddrüse

Die häufigste Erkrankung der Schilddrüse – die knotige oder auch gleichmäßige Vergrößerung, auch Kropf oder Struma genannt – wird durch Jodmangel hervorgerufen. Wird der Schilddrüse über die Nahrung zu wenig Jod zugeführt, versucht die Schilddrüse durch Wachstum und Vergrößerung diesen Jodmangel auszugleichen. Diese Vergrößerung kann mit Knotenbildung einhergehen und ist manchmal auch äußerlich sichtbar. Meistens liegt hierbei eine normale Stoffwechselfunktion der Schilddrüse vor.

Ferner gibt es Schilddrüsenerkrankungen, die sich durch Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse auszeichnen. Diese können mit einer Vergrößerung oder Knotenbildung der Schilddrüse einhergehen. Außerdem gibt es auch bösartige Tumore (Karzinome) der Schilddrüse.

3. Typische Beschwerden

Die vergrößerte Schilddrüse (Struma) kann zu einem Enge- Druck- oder Kloßgefühl am Hals führen. Engt die Schilddrüse aufgrund ihrer Größe Luft- oder Speiseröhre ein können auch Luftnot und Schluckbeschwerden auftreten. Eine Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) wird hervorgerufen durch einzelne Knoten oder auch durch multiple kleinknotige Veränderungen der Schilddrüse, die zu viel Schilddrüsenhormon produzieren. Die Überfunktion kann mit Herzrasen, Gewichtsverlust, Unruhe, Nervosität, Wärmeintoleranz und Schwitzen einhergehen. Zu unterscheiden ist von der knotigen evtl. vergrößerten Schilddrüse mit Überfunktion die Immunerkrankung Morbus Basedow. Diese spezielle Form der Überfunktion kann mit einer typischen Augenerkrankung (Hervortreten der Augen, vermehrtes Tränen oder Brennen der Augen) kombiniert sein. Die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) geht typischerweise mit Symptomen wie Müdigkeit, Gewichtszunahme etc. einher.

4. Untersuchungen

Wird eine Schilddrüsenerkrankung vermutet, kommen zur weiteren Abklärung folgende Untersuchungen in Betracht:

Körperliche Untersuchung durch den Arzt:

Eine Vergrößerung oder Knoten können häufig bereits durch Abtasten des Halses bzw. der Schilddrüse festgestellt werden.

Labor:

Mit Hilfe einer Blutentnahme kann der Anteil von Schilddrüsenhormonen im Blut bestimmt werden. Hierdurch kann beispielsweise eine Unter– bzw. Überfunktion der Schilddrüse festgestellt oder ausgeschlossen werden. Spezielle Tumormarker können auf eine bösartige Entartung in der Schilddrüse hindeuten.

Sonographie bzw. Ultraschalluntersuchung:

Durch eine Schilddrüsen-Sonographie lassen sich Lage und Größe der Schilddrüse erfassen. Ferner können Knoten dargestellt werden.

Szintigraphie:

Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, die eine Aussage über den Funktionszustand der Schilddrüse bzw. der einzelnen Knoten zulässt. Heiße Knoten (heiße Adenome, autonomes Adenom) nehmen mehr Jod auf als die sogenannten kalten Knoten. Sie produzieren zu viele Hormone und sind damit überaktiv (autonom). Kalte Knoten nehmen weniger bis kein Jod auf, sie können gutartige Zysten, gutartige Adenome, in seltenen Fällen aber auch Karzinome sein.

Feinnadelpunktion:

Ob ein Knoten gutartig oder bösartig ist, kann auch durch Punktion festgestellt werden: Mit einer feinen Nadel wird eine Probe des knotigen Schilddrüsengewebes entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht.

Nach diesen Untersuchungen kann eine Empfehlung zur Behandlung der Schilddrüsenerkrankung gegeben werden.

Behandlungsmöglichkeiten / Operative Behandlung

Hier kommen – je nach Erkrankung – verschiedene Therapieformen in Betracht: Bei leichter Vergrößerung der Schilddrüse ist zunächst eine medikamentöse Therapie (Gabe von Schilddrüsenhormon und/oder Jod als Tablette) indiziert. Zur Verlaufskontrolle sind regelmäßige Blutkontrollen sowie Ultraschalluntersuchungen bzw. eine Szintigraphie sinnvoll.

Wann sollte die vergrößerte knotige Schilddrüse operiert werden?

  • Je größer die Struma
  • Bei Wachstum der knotigen Veränderungen
  • Bei lokalen Beschwerden
  • Bei auffälligen kalten Knoten (Unbedingt bei Verdacht auf Bösartigkeit)

Die Behandlung einer Überfunktion der Schilddrüse kann alternativ zur Operation auch medikamentös oder durch radioaktives Jod (Radiojodtherapie) erfolgen. Die Festlegung der bestmöglichsten Therapie erfolgt in der Regel in Zusammenschau aller Untersuchungsbefunde im Konsens der beteiligten Ärzte, des Patienten und dem erfahrenen Chirurgen.

5. Gutartige Erkrankungen der Schilddrüse
5.1 Morphologie– und funktionsgerecht

Hierbei wird das gesamte knotig veränderte oder funktionell überaktive Gewebe entfernt. Das bedeutet: Abhängig von der Erkrankung der Schilddrüse wird ganz unterschiedlich viel Restgewebe entfernt beziehungsweise zurückgelassen. Liegt beispielsweise lediglich ein einzelner Knoten vor, so ist es u. U. ausreichend, nur diesen zu entfernen. Liegen viele knotige Veränderungen vor, kann es erforderlich sein, die gesamte Schilddrüse zu entfernen.

Das Eingriffsziel bei einer Überfunktion ist die langzeitig erfolgsversprechende ausgedehnte Entfernung von Schilddrüsengewebe. Vor allem bei dem sog. Morbus Basedow sollte nicht zuviel Schilddrüsenrestgewebe zurückgelassen werden. Das anzustrebende Restvolumen beträgt 2 – 4 ml. Wird mehr Restgewebe bei dieser Erkrankungsform zurückgelassen, ist das Risiko eines Rezidives (Wiederauftreten des Kropfes) nicht ganz unerheblich. Wiederholungseingriffe (Rezidivoperationen) durch Knotenneuwachstum oder Wiederauftreten einer Schilddrüsenüberfunktion sind weitaus aufwendiger und mit gesteigerten Risiken verbunden.

5.2 Schonung des Stimmbandnerven und der Nebenschilddrüsen

Bei allen Schilddrüsenoperationen wird vom Operateur darauf geachtet, dass der Stimmbandnerv und die Nebenschilddrüsen, die dicht an der Schilddrüse liegen, unbedingt geschont werden.

Dies erreicht u. a. man durch: Genauestes, möglichst blutarmes Operieren. Durchführung des Eingriffes mit Lupenbrille (Vergrößerung 3,5 fach). Einsetzen von Neuromonitoring (Kontrolle des Stimmbandnerven unter der Operation durch Elektrostimulation). Besonders bei Wiederholungseingriffen und in der Schilddrüsenkrebs-Chirurgie ist diese Methode eine große Hilfe.

5.3 Risiken der Operation

Wundheilungsstörungen: 1 – 5 %

Unterfunktion der Nebenschilddrüsen: vorübergehend bis zu 25% / bleibend ca. 1%

Bei Verletzung oder gar Entfernung der höchstens reiskorngroßen Nebenschilddrüsen treten Störungen des Calcium-Haushaltes auf. Dies kann zu einem Kribbelgefühl zum Beispiel in den Händen führen und die Einnahme von Calcium-Tabletten erfordern. Diese Unterfunktion ist jedoch häufig nur vorübergehend bzw. rückläufig.

Verletzung des Stimmbandnerven: vorübergehend bis zu 7% / bleibend ca. 1%

Der Stimmbandnerv steuert die Beweglichkeit der Stimmbänder. Wird er verletzt kommt es zu einer heiseren und etwas leiseren Stimme. Selten zu Atemstörungen. Bei einer permanenten Verletzung sollte eine logopädische Mitbetreuung erfolgen.

5.4 Nachbehandlung / Nachsorgekonzept

Noch während des stationären Aufenthaltes erfolgt nach der Operation eine Untersuchung der Stimmbänder durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Zusätzlich zu dem während der Operation durchgeführtem Neuromonitoring soll hierbei die Funktion des Stimmbandnerven auf ihre Intaktheit überprüft werden.

Häufig liegt nach einer Schilddrüsenoperation eine Unterfunktion der Schilddrüse vor. Da diese nicht mehr ausreichend körpereigenes Schilddrüsenhormon produzieren kann, muss dieses zeitlebens ,,von außen“ als Tablette zugeführt werden. Daher ist ggf. eine Substitution mit Levothyroxin (Schilddrüsenhormon) und/oder Jod unter Berücksichtigung von Resektionsausmaß, Funktion und individuellen Gegebenheiten (Sonographie, Szintigraphie, Labor) erforderlich. Zur Festlegung der Medikation ist die 1. Kontrolle ca. 2 – 4 Wochen nach der Operation, abhängig vom verbliebenen Restgewebe, in der vorbehandelnden nuklearmedizinischen Praxis zu empfehlen. Hierbei erfolgt die Kontrolle der Hormone im Blut, eventuell Ultraschall und/oder eine Szintigraphie und anschließend die exakte Hormoneinstellung. Die exakte Nachsorge soll ein Wiederauftreten des Kropfes (Rezidiv) oder eine Funktionsstörung verhindern.

6. Bösartige Erkrankungen der Schilddrüse

Unter Schilddrüsenkrebs versteht man einen bösartigen Tumor (Karzinom) in der Schilddrüse. Ein Tumor entsteht, wenn sich Zellen unkontrolliert teilen und vermehren. Schilddrüsenkrebs ist eine seltene Tumorerkrankung. In ganz Deutschland erkranken jährlich rund 2.000 bis 3.000 Menschen an Schilddrüsenkrebs, Frauen sind etwa 3 x häufiger betroffen als Männer. Die Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs sind gut, sie sind unter anderem abhängig von Art und Ausdehnung des Tumors sowie dem Alter des Patienten. Wie bei allen Krebsarten gilt auch hier: Je früher die Erkrankung entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen.

6.1 Unterschiedliche Krebsarten

Man unterscheidet die verschiedenen Schilddrüsenkrebsarten nach den Zelltypen grundsätzlich in differenzierte, undifferenzierte und medulläre Karzinome. Die differenzierten Karzinome machen rund 80 bis 90 % aller bösartigen Schilddrüsenkarzinome aus. Weiterhin werden diese unterschieden in papilläre und follikuläre Tumore. Die differenzierten Schilddrüsenkarzinome ähneln weitgehend dem gesunden Schilddrüsengewebe und haben durch diese Ähnlichkeit und durch das relativ langsame Tumorwachstum die besten Heilungschance. Eine besondere Tumorart stellen die medullären Karzinome dar. Diese können familiär gehäuft auftreten und dann auch mit anderen endokrinen Erkrankungen kombiniert sein. Die undifferenzierten Karzinome betreffen eher den älteren Menschen und wachsen recht aggressiv.

6.2 Veränderungen, die auf Bösartigkeit hinweisen könnten
  • fehlende Schluck-/ Hautverschieblichkeit
  • rasches Wachstum
  • Heiserkeit
  • frühere Bestrahlung des Halses
6.3 Behandlung bei Schilddrüsenkrebs

In der Regel beginnt die Behandlung bei einem bösartigem Tumor der Schilddrüse mit der Entfernung der gesamten Schilddrüse und der umgebenden Lymphknoten. Etwa drei bis sechs Wochen nach der Operation folgt eine Radiojodtherapie, bei der noch vorhandenes, jodspeicherndes Restgewebe und mögliche Metastasen zerstört werden. Da der Patient nun keine körpereigenen Schilddrüsenhormone mehr produzieren kann, muss er diese zeitlebens ,,von außen“ als Tablette zuführen.

Die Heilungschancen sind bei einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom sehr gut. Da dennoch bei einer geringen Patientenzahl Rückfälle möglich sind, ist eine lebenslange Nachsorge der Patienten wichtig.

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